Die Geister der Evolution

12. Dezember 2013 von Laborjournal

Avocados sind „Geister der Evolution“, die uns Menschen für Elefanten-Vorfahren halten.

Wie das? Avocados koevolvierten einst zusammen mit richtig großen Säugetieren. Darunter waren auch gewisse Rüsseltiere namens Gomphotherien (Gomphotheriidae), deren Vorfahren vor 20 Millionen Jahren von der Linie der heutigen Elefanten abzweigten. Und genau auf diese Ur-Dickhäuter hatten die Avocados damals ihre Früchte zwecks Samenverbreitung optimiert: Den Riesenrüsslern schmeckten sie ganz besonders gut, die stattlichen Kerne bereiteten ihnen angesichts ihrer kräftigen Backenzähne und dem voluminösen Verdauungstrakt auch keine Probleme — und so pflanzten sie immer wieder mal mit ihren Riesenhaufen gleichsam einen Avocadobaum.

Die Gomphotheriidae starben indes vor gut 12.000 Jahren aus, Avocados gibt es noch heute — obwohl seitdem kein pflanzenfressendes Tier mehr deren Kerne schluckt, und diese demnach nicht mehr aus dem Schatten des Mutterbaums rauskommen. Dennoch haben Avocados den Tod ihrer alten „Verbreitungspartner“ offenbar vorerst weggesteckt — und leben heute weiter als „Geister der Evolution“.

Als solche bezeichnet sie jedenfalls die Wissenschaftsautorin Connie Barlow in ihrem Buch „The Ghosts of Evolution: Nonsensical Fruit, Missing Partners, and Other Ecological Anachronisms, in dem sie neben der Avocado noch Papaya, Ginkgo, Datteln, sogar Kaffee und noch einige andere dazu zählt. Alle wurden einst von ihren Koevolutionspartnern im Stich gelassen — und sind trotzdem (noch) nicht ausgestorben. 

Barlows Buch geht zurück auf das Paper „Neotropical Anachronisms: The Fruits the Gomphotheres Ate“ (Science, Vol. 215: 19-27) von Daniel H. Janzen and Paul S. Martin aus dem Jahre 1982. Darin stellten die Beiden erstmals die These auf, dass viele Früchte und Nüsse, die wir heute kennen, ursprünglich entwickelt wurden, um von großen Säugetieren gegessen und verbreitet zu werden, die bereits seit Tausenden von Jahren ausgestorben sind.

Für einige von ihnen haben inzwischen wir Menschen teilweise die Rolle der Vor-Elefanten, Riesenfaultiere und anderer Säuger-Giganten übernommen. Andere haben dieses Glück nicht — und sind daher wohl auch dem langsamen Untergang geweiht. Barlow beschreibt das in ihrem Buch am Beispiel der Avocado folgendermaßen:

Avocado’s strategy for propagation made a great deal of sense throughout the long life of its lineage — until the present moment. Even after thirteen thousand years, avocado is clueless that the great mammals are gone. For the avocado, gomophotheres and ground sloths are still real possibilities. Pulp thieves like us reap the benefits. Homo Sapiens will continue to mold the traits of the few species of genus Persea it prefers. Ultimately, however, wild breeds will devolve less grandiose fruits, or else follow their animal partners into extinction.

Insgesamt bieten diese „Geister der Evolution“ folglich ein so einfaches wie plausibles, dazu aber auch irgendwie faszinierendes Szenario. Dieser Meinung war scheinbar auch der US-Biologe und Wissenschaftsautor Joe Hanson („It’s Okay To Be Smart“), denn sonst hätte er wohl kaum das folgende nette Video zum Thema gedreht:

                                                               (Inspiriert und teilweise adaptiert von diesem Beitrag Maria Popovas im Blog Brain Pickings; Avocado-Foto: Vinokurovyury.)

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