„Lieber keine Eier als faule Eier“

16. Oktober 2013 von Laborjournal

Aus der Reihe „Spontane Interviews, die es nie gab — die aber genau so hätten stattfinden können”. Heute: Prof. E. Isern, Striktologisches Institut Universität Hochlattburg.

LJ: Hallo Herr Isern, so tiefe Falten zwischen den Augenbrauen. Warum?

Isern: Ach, ich habe mich mal wieder über einen Kollegen geärgert, dessen Manuskript ich begutachten musste.

LJ: War es so schlecht?

Isern: Die weit verbreitete und scheinbar unausrottbare Schlamperei, dass die Zahl der Proben einfach zu klein war. Die Leute kapieren einfach nicht, dass man auf diese Art keine belastbare Statistik bekommen kann. Und dass die Ergebnisse auf diese Art nur Anekdoten bleiben, die keinerlei allgemein gültige Schlussfolgerungen erlauben. 

LJ: Na ja, dann lehnt man es eben einfach ab, oder?

Isern: Ja, sicher. Habe ich ja auch mit genau dieser Begründung getan. Doch dann hat der Seniorautor mich angerufen…

LJ: Okay, und was wollte er?

Isern: Hat versucht mir zu erklären, dass ihm die geringe Probenzahl ja bewusst war. Auf der anderen Seite sei es aber elend schwer, überhaupt Proben für solch eine Studie zu bekommen. Selbst mit härtester sorgfältiger Arbeit wäre eben nicht mehr drin gewesen. Und dann sagt er tatsächlich: „Und Sie wissen doch selber, lieber Kollege: Wenn wir nicht trotzdem veröffentlichen, was wir haben, lernen wir letztlich gar nichts über das ganze Phänomen.“

LJ: Und was haben Sie erwidert?

Isern: Ich habe innerlich gekocht angesichts so viel Unverständnis, wie Wissenschaft überhaupt nur zuverlässig funktionieren kann. Äußerlich bin ich aber ruhig geblieben und habe ihm erklärt, warum es besser ist, gar nichts zu veröffentlichen, als mit irgendwelchem Müll herauszuplatzen, mit dem man aufgrund bescheidener Probenzahl und schwacher Statistik am Ende stark daneben liegen könnte. Zum einen können solch unsolide Ergebnisse eventuelle Folgeprojekte natürlich äußerst ungut fehlleiten. Aber schlimmer noch: Wenn Autoren und Reviewer um solche an sich unakzeptablen Limitationen einer Studie wissen und sie dennoch ins Journal durchwinken, dann schließt doch jeder daraus, dass die Limitationen gar nicht so schlimm sind. Und wer macht sich dann noch daran, sie mit passender Probengröße und robuster Statistik auszumerzen?

LJ: Also lieber keine Eier als womöglich faule Eier. Hat „der Kollege“ das letztlich eingesehen?

Isern: Kaum. Er hat das Gespräch beleidigt damit abgeschlossen, dass er mit dem Manuskript dann eben zum nächsten Journal gehen würde…

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