Robert Enkes „Botschaft“ auch für den Wissenschaftsbetrieb

15. November 2009 von Laborjournal

enke

Gerade ist im Fußballstadion von Hannover 96 die Trauerfeier für Nationaltorwart Robert Enke zu Ende gegangen. Warum schreibt jetzt Laborjournal darüber? Ein Wissenschaftsmagazin?

Ein Punkt ist, dass es in der Laborjournal-Redaktion einige Fußballfans gibt, die die Umstände des Freitods von Robert Enke sehr berührt haben. Genauso wie wir aus unserer langjährigen Tätigkeit wissen, dass es unter den Bioforschern Deutschlands erstaunlich viele Fußballanhänger gibt — denen es wohl ähnlich geht.

Dies alleine rechtfertigt jedoch sicher nicht, hier an dieser Stelle ein paar wenige Gedanken zu dem traurigen Tod eines herausragenden Fußballers und Menschen zu verlieren. Vielmehr sind es einige offenkundliche Parallelen zwischen dem Profifußball-Geschäft und dem Wissenschaftsbetrieb, weshalb jetzt auch letzterer einmal aufhorchen und innehalten könnte.

Unter den vermeintlichen Motiven für Robert Enkes Freitod tauchen immer wieder Begriffe auf wie „Druck des Funktionieren müssens“, „Versagensängste“, „Stark sein müssen“, „Nicht nachlassen dürfen“ und „Keine Schwächen zeigen“. Folge und Fluch eines kompetitiven Hochleistungsgeschäfts wie der Profifußball.

Auch der Forschungsbetrieb ist solch ein kompetitives Hochleistungsgeschäft. Auch hier haben die „Erfolgreichen“ sich bereits mannigfach gegen „Schwächere“ durchgesetzt — und müssen das stetig weiter gegen immer neue „Konkurrenten“ tun. Wie wird denn beispielsweise einer beurteilt, der zwei Jahre kein Paper mehr herausgebracht hat? Oder derjenige, der schon länger keine Fördergelder mehr eingeworben hat? Oft lächelt man über sie, oder schlimmer.

Wir in der Laborjournal-Redaktion wissen auch von Selbsttötungen von Postdoks und Doktoranden. Diese sind nie bekannt geworden, aber ein Teil der Motive dürfte ähnlich wie bei Robert Enke gelegen haben: Nicht mehr zurechtzukommen mit einem abstrus überhöhten Anspruch jederzeit auf hohem Niveau und in hohem Tempo zu funktionieren und keine Fehler machen zu dürfen. Wenn dann, wie bei Robert Enke, eine psychische Labilität oder gar Erkrankung dazukommt, ist eben oft das Empfinden einer rettungslosen Ausweglosigkeit die Folge.

Deswegen kann durchaus auch für den Alltag im Wissenschaftsbetrieb das gelten, was der Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB), Theo Zwanziger, formuliert hat als „Aufgabe, die Robert dem deutsche Fußball nun gestellt habe“ — nämlich den Menschen hinter der Leistung zu sehen. „Denkt nicht nur an den Schein“, sagte er gerade bei der Trauerfeier. „Denkt auch an das, was in den Menschen ist, an Zweifel und Schwäche.“

Es kann kein Fehler sein, diesen Vorsatz für die deutsche Fußballwelt nach Robert Enke auch für den Wissenschaftsbetrieb zu übernehmen: Etwas sorgsamer und respektvoller miteinander umzugehen, insbesondere wenn einer vielleicht gerade nicht die gewohnte „Leistung bringt“.

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6 Gedanken zu „Robert Enkes „Botschaft“ auch für den Wissenschaftsbetrieb“

  1. BadBoyBoogie sagt:

    Kann ich unterstreichen. Bei uns im Labor ging’s seinerzeit so zu wie in einer durchschnittlichen Schulklasse – Alpha-Tiere, Mitläufer, Aussenseiter, Gruppenbildung. Teils recht ruppige Umgangssitten (da nehme ich mich gar nicht aus) – und wenn jemand nicht „funktioniert“ hat, war’s den anderen letztlich auch egal (außer, einer der „Beliebten“ hatte Probleme, dann waren alle tief besorgt). Nicht schön, klar, aber eben ganz normales menschliches Verhalten… (so, und jetzt prügelt los, Ihr politisch Korrekten…).

  2. johannes sagt:

    Naja wenn Sie damit glücklich werden Herr BadBoyBoogie und keine moralischen Skrupel haben…

  3. BadBoyBoogie sagt:

    @johannes: Moralische Skrupel inwiefern?? Nix versteh’n…?

  4. johannes sagt:

    Ihr Beitrag hört sich so an als ob es Ihnen egal wäre was mit Ihren Kollegen passiert „nicht schön aber ganz normales menschliches Verhalten“

  5. Ralf Neumann sagt:

    Hat auf mich auch so gewirkt, BadBoy. Hat was von: Ist halt so — Mund abputzen, weitermachen,…

  6. BadBoyBoogie sagt:

    War mir bereits am 18.11. um 10:47 h klar, dass jeder Gutmensch angesichts meiner Zeilen ins hyperventilieren kommt. Echt, ich finde es ja auch total schlimm und so, ej, dass ich’s einfach nicht schaffe, permanent so uneigennützig und mitfühlend zu agieren wie Ihr. Wie macht Ihr das bloss…?

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