Tierversuchsanträge — sinnvoll oder übertrieben?

2. Mai 2013 von Laborjournal

Neulich klingelte das Telefon in der Laborjournal-Redaktion. Sicher, das passiert ziemlich oft — in diesem speziellen Fall jedoch kam der Anrufer ohne Umschweife zur Sache (was wiederum nicht ganz so oft passiert):

„Ihr müsst unbedingt mal was über Tierversuchsanträge machen. Da steckt eine dermaßen aufgeblasene Bürokratie dahinter, die zudem teilweise von ziemlich selbstherrlich agierenden Tierschutzbeauftragten verwaltet wird — das ist insgesamt sowas von forschungsfeindlich. Das würden bestimmt jede Menge Leute unterschrieben, die damit zu tun hatten.“

„Okay“, antwortete unser Redakteur, „können Sie mir mal ein Beispiel geben? Nur damit das Ganze für mich etwas anschaulicher wird.“

„Nun ja, zum einen ist die damit zusammenhängende Bürokratie ein ziemlicher Zeitfresser. Aber das kennt man ja auch von anderswoher. Schlimmer ist, wie sich die Tierschutzbeauftragten manchmal aufführen. Ich hatte mal was gemacht, wofür ich eigentlich einen Tierversuchsantrag hätte stellen müssen — was ich aber nicht getan hatte, weil ich’s einfach nicht wusste. Und sofort haben die gedroht, dass ich bei nochmaliger Verfehlung komplett von der Antragsstellung ausgeschlossen würde. Kein Gedanke daran, dass dies das Ende meiner Forscherkarriere bedeuten könnte…“

„Na ja“, dachte unser Redakteur, „was sollen sie auch machen. Hätte sich der gute Mann vielleicht vorher besser informieren sollen.“

Aber der Anrufer war schon zum nächsten Punkt weitergeeilt:

„… Und dann hatte ich mal ein Manuskript zurückbekommen mit dem Kommentar, dass eine weitere Testreihe mit einer anderen Mutante die Story viel besser abrunden würde — und man das Paper damit sicher akzeptieren würde. Für diese ‚andere Mutante‘ musste ich aber wieder einen komplett neuen Tierversuchsantrag schreiben. Bis der dann durch war, verging ein ganzes Jahr — und Sie wissen ja selbst, das die Konkurrenz in dieser Zeit nicht schläft…“

In dem Stil ging es noch ein wenig weiter. Bis unser Redakteur dem Anrufer am Ende versprach, sich weiter um das Thema zu kümmern.

Was er sogar umgehend tat. Er rief einen ihm gut bekannten Tierforscher an, der sicher schon mehr Erfahrung mit dem Tierschutzgesetz gemacht hatte als dieser Anrufer, schilderte ihm „das Thema“ und fragte ihn um seine Meinung. Die Antwort war ziemlich lapidar:

„Na ja, so schlimm ist es auch wieder nicht. Zumal die Leute auch selber schuld sind, denn früher haben in dieser Hinsicht schon einige ziemlich viel Schindluder getrieben. Und so gesehen, hat das Gesetz in der aktuellen Form schon seinen Sinn — samt dem entsprechenden Verfahren natürlich.“

Zwei durchaus verschiedene Meinungen also. Für unseren Redakteur heißt es in solch einem Fall zunächst einmal: Weiter fragen! Womit wir letztlich beim eigentlichen Zweck dieses Beitrags angekommen sind  — nämlich eben genau diese Frage an unsere Leserinnen und Leser weiterzugeben: Welche weiteren Erfahrungen haben Forscherinnen und Forscher mit dem aktuellen Tierschutzgesetz samt dem zugehörigen Antragswesen gemacht?

Unten ist Platz für Kommentare dazu. E-Mail geht natürlich auch (redaktion@laborjournal.de). Oder in der Redaktion anrufen (Kontakt siehe hier, unten).

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Ein Gedanke zu „Tierversuchsanträge — sinnvoll oder übertrieben?“

  1. Sven Mostböck sagt:

    Tierversuchsanträge als solches sind durchaus sinnvoll – sie zwingen dazu, eine klare Plannung der Forschung aufzustellen und vermeiden unnötige Tierversuche. In meiner Erfahrung sind alle Beteiligten – die Antragssteller, die Mitglieder der vielen internen Hauskommissionen und natürlich die Behörden und die offiziellen Kommissionen – daran interessiert, gute Wissenschaft zu ermöglichen und Tierversuchanträge zügig zu bearbeiten. Es gibt aber keine klaren Vorschriften dazu, welche Informationen für die Beschreibung eines Experimentes nötig sind. Das führt in letzter Zeit dazu, dass mit jedem Tierversuchsantrag mehr und mehr Details erwünscht werden – und dann auch nur diese Details bewilligt werden. Damit wird die Zeit der Antragsstellung deutlich verlängert. Zusätzlich wird die Flexibilität der Forschung stark behindert, da auf zwischenzeitliche neue Erkenntnisse nur schwer reagiert werden kann. Daher wäre es gut, in nächster Zeit eine offene Diskussion über die jetzige Form der Tierversuchsanträge zu führen.

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