Echte Daten

17. April 2013 von Laborjournal

Kommt jemandem folgendes Szenario bekannt vor?

Chef und Diplomandin besprechen das nächste Experiment. Nochmals erklärt Chef „seine“ Hypothese und betont, dass demnach in dem Experiment ganz klar mehrere Dutzend Gene in der entsprechenden Mutante aufleuchten müssten.

Vier Wochen später steht fest: Gerade mal drei positive Signale, und auch die ergeben nicht gerade viel Sinn. Chef ist enttäuscht, wird sogar richtig sauer, misstraut plötzlich ihrem Experiment — und lässt Diplomandin schließlich einfach stehen. Diplomandin ist geknickt, dass sie Chef nicht die „gewünschten“ Resultate liefern konnte — und zweifelt schließlich an sich selbst, ob sie überhaupt zur Forscherin tauge.

Hey „Chef“, geht’s eigentlich noch? Enttäuschung hin oder her, aber eines müsste doch klar sein: Negative Resultate sind eher weniger die Folge davon, dass eine Studentin oder ein Student schlechte Forscher sind. Viel öfter sind sie einfach Daten — negative zwar, aber echte.

Natürlich wäre es ein größerer Spaß gewesen, wenn Chef positive Daten bekommen hätte. Aber so ist nun mal das Geschäft, negative Daten kommen immer wieder vor — so funktioniert Wissenschaft. Und Chefs Aufgabe darin ist vornehmlich, umgehend darüber nachzudenken, was die positiven UND die negativen Daten für die gesamte Story bedeuten könnten, die er mit seiner Gruppe erzählen will — statt reflexartig an der Versuchsdurchführung seiner „Schülerin“ herumzumäkeln.

Natürlich kann auch mal ein Experiment schlampig durchgeführt sein. Aber was, wenn Chef bei Wiederholung wieder die gleichen „negativen“ Daten bekommt? Will er sie dann weglassen, wenn er sich an ein wie auch immer geartetes Manuskript macht? Hoffentlich nicht.

Hoffentlich dämmert ihm wenigstens dann, dass eher mit der Hypothese und den damit verbundenen Erwartungen etwas faul sein muss. Und es wird ihm klar, dass er sich jetzt hinsetzen und sein Hirn so lange um die gesamten Daten wickeln muss, bis ihm eine neue, schlüssigere und womöglich robustere Interpretation dessen einfällt, was sie da vor sich haben. Nochmals: So funktioniert Wissenschaft — und den meisten macht sie auch genau so Spaß.

Daher sollten Daten einen nicht traurig oder ärgerlich machen, und noch weniger sollte man sie einer armen Diplomandin um die Ohren schlagen. Nein, man sollte sie für sich arbeiten lassen. Denn in den allermeisten Fällen sind Daten einfach das, was sie sind — echte Daten.

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2 Gedanken zu „Echte Daten“

  1. D.S. sagt:

    Gut finde ich hier die Betonung auf „echte“ Daten. Leider aber führt das Verhalten von Chefs dazu, dass es junge Forscher gibt die dann verunsichert sind und aus Angst dann hier und da mal Daten, sagen wir mal falsch auslegen.

  2. Es ist nunmal Teil der Wissenschaft. Der Chef, der das nicht versteht, kann nicht wirklich ein kompetenter Chef sein. Junge Leute sollte man fördern und nicht entmutigen!

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