„Journey-to-Publication“ Clubs

30. Januar 2013 von Laborjournal

Aus der Reihe „Spontane Interviews, die es nie gab — die aber genau so hätten stattfinden können”. Heute: Prof. B. E. Wahre, Forschungszentrum Bleibfurt.

LJ: Hallo, Herr Wahre! Sie kommen aus dem Seminarraum — Journal Club gehabt?

Wahre: Genau!

LJ: Worum ging’s?

Wahre: Na ja, genau genommen hatten wir heute einen „Journey-to-Publication“ Club. Das machen wir so etwa sechs- bis achtmal im Jahr.

LJ: „Journey-to-Publication Club“, was ist das denn?

Wahre: Wenn jemand ein Manuskript endgültig akzeptiert bekommen hat, stellt der Autor alle Versionen vom ersten Einreichen bis zum finalen Paper vor. Und zusammen gehen wir dabei durch, welche Änderungen letztlich konkret zum akzeptierten Artikel geführt haben.

LJ: Okay, aber…. Entschuldigen Sie meine Offenheit — bringt das was?

Wahre: Oh ja, wir lernen jedes Mal wirklich viel dabei. In der Hauptsache natürlich Dinge, die damit zu tun haben, wie man seine Ergebnisse am besten präsentiert und wie man aus seinen Daten eine überzeugende Story macht. Was ja wirklich wichtig ist. Aber auch allgemeine Dinge werden geschult: Ergebnisse kritisch hinterfragen, klare experimentelle Strategien entwickeln, Hypothesen formulieren…

LJ: … und man bekommt einen Einblick, wie Peer Review funktioniert — wenn überhaupt.

Wahre: Genau! Dazu muss ich aber klar sagen, dass die große Mehrzahl der Artikel, die wir durchgesprochen haben, im Laufe des Publikationsprozesses tatsächlich deutlich besser wurden.

LJ: Klingt nach einem Plädoyer für das gute, alte Peer Review-System.

Wahre: Ich weiß, worauf sie hinaus wollen. Sie spielen auf die vielen Stimmen an, die fordern, dass man seine Daten umgehend veröffentlichen soll, damit nicht der übliche Zeitverlust entsteht.

LJ: Richtig! Und die „Peers“ könnten die Veröffentlichung nachfolgend ja immer noch kritisch kommentieren — beispielsweise auf entsprechenden Online-Plattformen.

Wahre: Also ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Es ist sicher erstrebenswert, neue Erkenntnisse der „Community“ so früh wie möglich mitzuteilen. Aber ob es tatsächlich gut ist, Schnelligkeit über Qualität zu stellen? Wenn ich mir etwa vorstelle, dass die Paper, die wir in unseren „Journey-to-Publication“ Clubs besprochen haben, gleich in der allerersten Version mitgeteilt worden wären… Nein, wenn ich die Wahl hätte zwischen einem unausgegorenen Manuskript so schnell wie möglich und einem ausgereiften Paper einige Monte später — ich glaube, ich würde letzteres bevorzugen.

 

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