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Ein Springschwanz von Photoshops Gnaden

29. Dezember 2012 von Laborjournal

Erfundene Banden oder Kurven, fabrizierte Signale in Gewebeschnitten — alles schon erlebt in wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Aber ein komplett „konstruiertes“ Bild von einem Tier?

Der Autor des Blogs Neuroskeptic beschreibt jedenfalls solch einen mutmaßlichen Fall. Demnach präsentierten amerikanische und rumänische Forscher um Erstautorin Deborah Altschuler im Jahr 2004 Bilder, die angeblich erstmals zeigten, dass Springschwänze (Collembola) tatsächlich parasitisch unter der menschlichen Haut leben können. Zusätzliche Brisanz erhielt der entsprechende Bericht dadurch, dass die Hautproben allesamt von Menschen stammten, bei denen zuvor ein psychotischer Dermatozoenwahn diagnostiziert worden war. War es demnach schließlich doch keine krankhafte Einbildung, dass unter ihrer Haut massenweise juckendes Ungeziefer krabbelt?

Das Paper war schon damals wegen methodischer Unzulänglichkeiten höchst umstritten und basierte vor allem auf folgender Abbildung:

 

Wie darin beschrieben, konnten die Autoren den Springschwanz offenbar erst nach selektiver Kontrastbearbeitung des Mikroskopiebildes richtig sichtbar machen. 

Vor einigen Wochen jedoch stellte der Entomologe Matan Shelomi von der University of California/Davies in seinem Paper „Evidence of Photo Manipulation in a Delusional Parasitosis Paper“ (J. Parasitol., epub. before print) klar, dass er durch Kontrastverstärkung nach allen Regeln der Kunst aus dem Originalbild lediglich folgende „Verbesserung“ rauskitzeln könne:

Shelomis Schlussfolgerung daher:

The level of detail present in Altschuler et al.’s enhanced image, particularly in the areas of the legs and a very odd pair of stripes along the abdomen, does not appear when contrast is applied equally. Such detail, however, can easily be created using functions such as Burn, Dodge, and Colorize on Photoshop®, when applied to select portions of the image manually as if via paintbrush.

Das Bild wurde nach Shelomis Meinung also klar unzulässig manipuliert. Würde sich dies bestätigen, bliebe allerdings ein Haken: Das betreffende Journal, das Journal of the New York Entomological Society, kann das Paper Deborah Altschuler et al. (vol. 112(1):87–95, 2004) nicht mehr zurückziehen — seit Sommer 2011 existiert es nicht mehr.

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Ein Gedanke zu „Ein Springschwanz von Photoshops Gnaden“

  1. Anita sagt:

    Moment — also ist diese Studie aus 2004 ein komplett ausgedachter Mist? (Ich fand ja schon die Probe von 20 Probanden nicht so überzeugend.) Auf dessen Grundlage gab es nämlich einen ZEIT-Artikel. Und obwohl es außer diesem keinen Beleg dafür gibt — seit ich Springschwänze in Pflanztöpfen neben meinem Bett hatte, bin ich total paranoid.

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