Autoren am Rande des Nervenzusammenbruchs (18)

17. Dezember 2012 von Laborjournal

Da haben unsere Lab Times-Kolumnisten von Retraction Watch wieder mal eine nette Paper-Korrektur ausgegraben. Korrekturgrund war diesmal das schlechte Englisch Düsseldorfer Neuroforscher. Diese titelten im Jahr 2011 einen Artikel mit „Chronic progesterone treatment of male rats with unilateral 6-hydroxydopamine lesion of the dorsal striatum exasperates parkinsonian symptoms” (Neuroscience 196 (2011): 228-36). Statt „exasperate“ (jemanden verärgern, auf die Palme bringen) meinten sie aber vielmehr „exacerbate“ (etwas verschärfen, verschlimmern), wie sie jetzt in der Korrektur schreiben.

Klar, „Parkinson-Symptome verschlimmern“ macht ja auch deutlich mehr Sinn als „Parkinson-Symptome verärgern“. Gut also, dass das jetzt, 14 Monate später, endlich richtig gestellt ist. Die naheliegende Frage, warum die relativ blödsinnige Überschrift im Vorfeld keinem Reviewer oder Editor auffiel, wollen wir indes an dieser Stelle gar nicht weiter vertiefen.

Hängen geblieben sind wir vielmehr bei dem folgenden Kommentar zum Retraction Watch-Beitrag, in dem User „vhedwig“ zum Besten gibt, wie gewisse Editoren ein Paper komplett kaputt-prooften:

Es wäre allerdings nicht das erste Mal, dass Journal Editoren etwas vermasselt haben. Vor ein paar Jahren bekamen wir die Proofs für einen unserer Artikel zurück — mit 19 Fragen! Eine davon war „Bitte nennen Sie die Stadt“ und bezog sich auf unsere Liste der Tierhändler im Methodenteil („Harlan, Indianapolis IN“).

Am Ende musste ich einen sechsseitigen Brief verfassen, in dem ich detailliert auf nahezu hundert „Probleme“ eingehen musste, die in den Text hineingeraten waren. Mit vielen davon hatten die Editoren den wissenschaftlichen Sinn der Studie völlig zerstört. Zum Beispiel tauschten sie den Begriff „O2-Effizienz“ in „O2-Verbrauch“, bliesen das „w“ in „western blotting“ mitten im Satz zu einem großen „W“ auf, strichen das Wort „potential“ aus einem Satz und verdrehten damit komplett dessen Bedeutung, oder sie fügten jedes einzelne Mal „cell“ vor „signaling“ (als ob es kein „signaling“ gibt, das kein „cell signaling“ ist). Überdies entfernten die Editoren jeden einzelnen lateinischen Satz (obwohl das Journal in seinen Richtlinien Latein nicht ausschloss).

In meinem Antwortbrief konnte ich mich der Anklage „totale Bastardisierung des Proofreading-Prozesses“ nicht enthalten. Dennoch bekamen wir etwa einen Monat später eine nette Entschuldigung – und noch etwas später überarbeitete Proofs, die das Paper tatsächlich wieder in seinem alten Glanz erstrahlen ließen.

Einige Editoren setzen offenbar allzu gerne ihren eigenen Stil durch. Das muss man aber beileibe nicht hinnehmen.

[Frei aus dem Englischen übersetzt]

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