Wann ist ein Autor ein Autor?

14. Juni 2012 von Karin Hollricher

GhostwriterWie viel Input muss ein Forscher in eine Publikation geben, um sich Autor derselben nennen zu dürfen? Eine Frage, die immer wieder gestellt wird, weil es nämlich Firmen gibt, die professionelles wissenschaftliches Schreiben anbieten.

Einen solchen Service haben beispielsweise Frank G. Holz, Direktor der Universitätsaugenklinik Bonn, sowie sein Kollege Carsten H. Meyer in Anspruch genommen. Und zwar für die Erstellung eines Reviews für die zum Nature-Verlag gehörenden Zeitschrift Eye über die Behandlung der feuchten Form altersabhängiger Makuladegeneration mit zwei verschiedenen Antikörpern.

Ganz am Ende des Artikels, nach den Referenzen, verkünden die beiden Autoren den Umfang des eingekauften Services:

This service encompassed the preparation of a first draft, editing, checking content and language, formatting, referencing, preparing tables and figures, and incorporating the authors’ revisions, all carried out under our direction.

Da fragt man sich natürlich, was denn die Herren Meyer und Holz an dem Manuskript selber getan haben, außer „revisions“ vorzuschlagen, das „final approval“ zu geben und schließlich auch „full responsibility“ zu übernehmen. Wer hat entschieden, welche Daten und Veröffentlichungen im Review genannt werden, welche nicht? Wer hat die betreffenden Publikationen bewertet? Das geht weder aus dem entsprechenden Zusatz in dem Artikel selber, noch aus einem Leserbrief der Beiden hervor.

Dürfen sich Meyer und Holz also Autoren nennen? Ja, findet der Autor des Blogs Confessions of a (former) lab rat — eine in der Community wohl nicht alltägliche Meinung. Sein Argument: er habe schließlich auch schon oft beim Schreiben von Manuskripten geholfen, Tips für Experimente gegeben, OHNE als Autor genannt worden zu sein.

So why does everybody get upset when papers appear that are ‘written’ by someone who isn’t listed as an author?

Er hält es vielmehr für wichtiger, dass Daten schnell publiziert werden, als dass die Datenerzeuger letztlich selber schreiben:

If the person who actually typed the words into Word in the first place happens to be a professional writer, and this contribution is acknowledged, then why is there a problem? Wouldn’t you rather see data published quickly, knowing that the brains behind the research are continuing to contribute to advancing healthcare? Or would you rather wade through execrable prose? Why is this any different from helping a colleague edit their manuscript? (Except that money changes hands. In which case there is a paper trail.)

 Interessanter Aspekt, eine provokative Meinung allemal.

Es gibt aber noch einen anderen Punkt, über den man mal nachdenken sollte: die Zitierung. Dieser Artikel wird bei allen Rankings, Evaluationen, Berufungen, Begutachtungen, Drittmittelvergaben etc. den Herren Meyer und Holz „gutgeschrieben“. Auch beim Laborjournal-Ranking würde er gewertet werden.

Dass Herr Holz auf Platz 9 des letzten Laborjournal-Rankings „Augen- und Sehforschung“ landete, zeigt indes, dass wir es hier mit einem arrivierten Wissenschaftler zu tun haben. So ein Mann hat viel zu tun damit, Arzt zu sein und gleichzeitig Forscher. Und ihm fehlt vielleicht wirklich die Zeit, den Artikel selber zu verfassen — aber dann hätte es ja vielleicht Herr Meyer übernehmen können.

Finanziert wurde die Schreiberei — jaja, ein Schelm, wer Böses dabei denkt — von Novartis. Die Firma stellt einen der beiden Antikörper, Renibizumab, her, die im Review miteinander verglichen wurden. Der zweite, Bevacizumab, ist ein Roche-Produkt, eher bekannt unter seinem Handelsnamen Avastin.

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2 Gedanken zu „Wann ist ein Autor ein Autor?“

  1. cb sagt:

    Ich find’s eine ganz rührende Geschichte. Mediziner verirren sich nun manchmal in den Bereich der Wissenschaft. Da ist es nur gut, wenn ihnen wieder herausgeholfen wird.

  2. Ghostwriter sagt:

    Da hast du aber ein paar nette Gedanken in deinen Artikel gepackt. Gefällt mir sehr gut und ist auch sehr gut geschrieben! Gerne mehr davon!

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