Schlangenfuß

13. Oktober 2009 von Laborjournal

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Der britische Telegraph berichtet über den Fund einer Schlange mit einem Bein in China. Der Artikel ist fürchterlich, da er sofort darauf umschwenkt, dass manchmal auch Schlangen mit zwei Köpfen gesichtet werden (wie siamesische Zwillinge, bla blah …). Dabei gäbe es soviel Interessantes darüber zu schreiben, wie solch ein entwicklungsbiologischer „Unfall“ der Wieder-Ausbildung einer Gliedmaße, die von den Schlangen-Vorfahren einstmals abgeschafft wurde, überhaupt möglich ist. Der Australier John Wilkins hat das Versäumnis in seinem Blog Evolving Thoughts nachgeholt. Wen’s also interessiert, hier sein Bericht. (Interessant auch die dortige Diskussion samt weiterführenden Links.)

(Foto: CEN/Europics)

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5 Gedanken zu „Schlangenfuß“

  1. Nasenbär sagt:

    Wäre interessant gewesen, zu sehen, wie die Schlange mit ihrem einen Bein die Wand raufgekrabbelt ist. Ist diese Gliedmaßen-Wiederausbildung, die möglicherweise durch eine Änderung der Hox-Regulation bedingt ist (wie John Wilkins vermutet), wohl vergleichbar mit Hypertrichose, der übermäßigen Behaarung bei Menschen? Immerhin spielen Hox-Gene, wie Hoxc13, eine entscheidende Rolle bei der Haarfollikelentwicklung (siehe http://www.springerlink.com/content/gaeca8w1myhg0040/).

  2. Ralf Neumann sagt:

    Wahrscheinlich ist die genetische Information zur Ausbildung all derjenigen Säugermerkmale, die unsere Vorfahren irgendwann abgeschafft haben, weitgehend noch in unserem Genom vorhanden. Was heißt, dass die entsprechenden Signalwege nicht eliminiert, sondern lediglich still gelegt sind. So hat etwa das Humangenomprojekt unter anderem aufgedeckt, dass wir sämtliche Gene um einen Schwanz auszubilden noch haben — darunter auch die Homologe zu den HoxD-Genen, die die Schwanzentwicklung bei der Maus steuern. Würde mich also nicht wundern, wenn wir auch die genetische Ausstattung zur Ausbildung eines Vollkörperpelzes noch haben. Übermäßige Behaarung könnte dann leicht durch eine teilweise, Mutations-bedingte Re-Aktivierung zustande kommen. Eben wie der Schlangenfuß.

  3. Ralf Neumann sagt:

    Nochmal wegen der Schlange: Interessant wäre auch, ob das Vieh sein Bein bewegen konnte, oder ob es nur schlapp am Körper hing. Ersteres würde ja bedeuten, dass auch sämtliche Gene, Strukturen und Pathways, welche die motorische und neuronale Verschaltung bis ins Gehirn bewerkstelligen, durch den „Entwicklungsunfall“ wieder angeworfen worden wären. Das Dumme ist nur: die 66-jährige Chinesin, die die Schlange in ihrem Zimmer fand, hat sie sofort mit einem Schuh erschlagen. Womit dieser Nachweis ziemlich schwierig sein dürfte….

  4. Nasenbär sagt:

    Bei anderen Entwicklungsunfällen, wie z.B. Stumpy, der vierfüßigen Ente, funktionierten wohl alle zusätzlichen Gliedmaßen ganz normal. Gab halt ein bisschen ein Gedränge, wenn sie mal rennen wollte…

  5. Ralf Neumann sagt:

    Wie die Schlangenvorfahren ihre Beine verloren und welche Rolle Hox-Gene dabei spielten, wird in diesem USA Today-Artikel ganz gut beschrieben. Außerdem noch hier, und natürlich auch schon mal in Nature.

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