Abschreiben oder krampfhaft neu formulieren?

6. Februar 2012 von Laborjournal

Aus der Reihe „Spontane Interviews, die es nie gab — die aber genau so hätten stattfinden können”. Heute: Dr. A. B. Peil, Xerologisches Institut Universität Kopingen.

LJ: Hallo, Herr Peil, was ist eigentlich aus Ihrem letzten Manuskript geworden?

Peil: Erinnern Sie mich bitte nicht daran.

LJ: Ähhh, entschuldigung… aber jetzt machen Sie mich doch neugierig. Was war denn so schlimm?

Peil: Na ja, die erste Version bekam ich vom Editor gleich wieder zurück. Der meinte, ich hätte es mir in der Einleitung zu leicht gemacht, indem ich oftmals einfach nur auf andere Publikationen verwiesen hätte. Man sollte eine Einleitung aber auch verstehen können, ohne zwischendrin dauernd in anderen Publikationen nachschlagen zu müssen, war sein Argument. Ob ich die Einleitung dahingehend nochmal überarbeiten könnte…

LJ: Klingt doch aber einleuchtend.

Peil: Schon. Hab‘ ich dann ja auch eingesehen. Und war ja auch nicht viel Arbeit. Ich hab‘ einfach denjenigen unserer Vorgänger-Artikel genommen, in dem meiner Meinung nach die Problemstellung am eindringlichsten und einleuchtendsten beschrieben war und hab‘ die entsprechenden Teile in die neue Einleitung eingearbeitet.

LJ: Sie haben also bei sich selber abgeschrieben?

Peil: Teile, ja klar. Und naiv, wie ich war, hatte ich mir auch nichts Böses dabei gedacht. Es ging ja schließlich um die Einleitung, nicht um die Ergebnisse. Was aber passierte, war, dass auch dieses Manuskript sofort wieder vom Editor zurückkam. In seinem Begleitbrief klärte er mich auf, dass sie seit einiger Zeit alle Manuskripte erstmal mit einer dieser Antiplagiat-Software checken. Und dabei haben sie natürlich mein vermeintliches „Selbstplagiat“ entdeckt.

LJ: Und dann?

Peil: Der Editor gab mir zu verstehen, dass über solche Antiplagiat-Software, die ja teilweise sogar kostenfrei ist, natürlich auch Dritte diesbezüglich leicht auf falsche Gedanken kommen könnten. Da wäre es doch für alle Beteiligten besser, dies bereits im Vorfeld zu vermeiden. Daher, so seine Aufforderung, sollte ich die Einleitung doch bitte nochmals umschreiben.

LJ: Haben Sie?

Peil: Nein. Stattdessen habe ich ihm in einem kurzen Brief geschrieben, dass ich doch nicht deren Hampelmann sei. Schließlich könne es nicht Sinn wissenschaftlicher Veröffentlichungen sein, Dinge, die bereits einmal klar und eindringlich ausgedrückt wurden, jedes Mal aufs Neue krampfhaft anders formulieren zu müssen.

LJ: Und das Manuskript?

Peil: Wird gerade von einem Konkurrenzblatt begutachtet.

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(Apropos „Selbstplagiat“: Der Autor des Beitrags hatte dieses fiktive Szenario bereits vor über drei Jahren in seiner Kolumne „Inkubiert“ [Laborjournal 12/2008, S. 8] beschrieben. Einige der damaligen Formulierungen, die ihm besonders gelungen erschienen, hat er auch in diesem Text wiederverwendet.)

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