Alles nur geklaut

30. Dezember 2011 von Laborjournal

Als wir in Laborjournal 9/2005 (S. 16-20) die wahre Geschichte des „Publikators“ Bernhard Schaller abdruckten (und diese ein Jahr später auf Laborjournal online aktualisierten), da dachten wir kaum, dass wir in der Biomedizin noch auf weitere derart dreiste Serien-Plagiatoren treffen würden. Offenbar hat jedoch Adam Marcus von Retraction Watch, gleichsam Kolumnist bei Lab Times, tatsächlich ein Exemplar ähnlichen Kalibers ausfindig gemacht: Bernardino Saccomanni, der unter der Adresse der Fakultät für Medizin und Chirurgie an der Gabriele d’Annunzio-Universität im italienischen Chieti Scalo — wo er allerdings nicht im Personal aufgeführt wird !?! — mehrere inzwischen zurückgezogene Reviews zur orthopädischen Chirurgie veröffentlichte.

In seinem Beitrag stellt Marcus zunächst fest, dass die Springer-Zeitschrift Current Reviews in Musculoskeletal Medicine Saccomannis Artikel “Painful os intermetatarseum in athletes: a literature review of this condition is presented” aus dem Jahr 2010 mit folgender Begründung zurückgezogen hatte:

This article has been withdrawn due to plagiarism. The original work is Nakasa T et al. (2007), Painful os intermetatarseum in athletes: report of four cases and review of the literature, Arch Orthop Trauma Surg 127: 261–264.

Doch das ist nur der Auftakt. Marcus beschreibt weiterhin, wie Saccomanni den Review Surgery: Vertebroplasty: one solution does not fit all von 2009 aus Nature Reviews Rheumatology offenbar gleich zweimal unter eigenem Namen nachverwertete: einmal 2010 unter dem Titel Vertebroplasty: a point of view on this surgical treatment in dem Springer-Blatt Clinical Rheumatology, und das andere Mal 2011 unter dem Titel Vertebroplasty: an international point of view on this “minimally invasive” surgical technique in Osteoporosis International, ebenfalls aus dem Springer-Verlag. Wobei Saccomanni „seinen“ zwei Reviews offenbar noch einige Passagen aus dem The Spine Journal-Artikel Vertebroplasty and kyphoplasty for the treatment of vertebral compression fractures: an evidenced-based review of the literature beimischte. Beide „Werke“ sind inzwischen zurückgezogen.

Und sogar vor Leserbriefen machte Saccomannis Abschreiberei offenbar nicht halt. Wie Marcus weiter ausführt, veröffentlichte Saccomanni 2008 einen Brief in Archives of Orthopaedic and Trauma Surgery Including Arthroscopy and Sports Medicine (wieder ein Springer-Titel), in dem er auf einen Artikel im Hong Kong Journal of Orthopaedic Surgery einging. Selbst diese Zuschrift war 1:1 abgekupfert von einem Brief, den ein gewisser KM Marya bereits 2003 als direkte Reaktion auf den Artikel im Hong Kong Journal of Orthopaedic Surgery publiziert hatte.

Die Frage ist also durchaus berechtigt, ob Saccomanni überhaupt eine seiner 13 Publikationen — übrigens allesamt ohne weitere Ko-Autoren — selbst formuliert hat. Offenbar nicht, denn mehrere Kommentare zu Marcus‘ Beitrag auf Retraction Watch beschreiben, wie einfaches Googeln Saccomannischer Abstract-Texte umgehend weitere potenzielle „Original-Quellen“ identifiziert.

Dies wiederum spricht nicht gerade für den wissenschaftlichen Springer-Verlag, der Saccomannis abgeschriebene „One Man“-Reviews offenbar allzu gerne und ohne echte Plagiat-Kontrolle in seine Zeitschriften aufnahm. Andere Verlage, wie etwa Rockefeller University Press (Journal of Cell Biology) oder Wiley, setzen schon seit Jahren routinemäßig spezielle Software zur Aufdeckung von Plagiaten ein. Wileys Pigment Cell & Melanoma Research schreibt etwa in seinen „Author Guidelines„:

PCMR employs a plagiarism detection system. By submitting your manuscript to PCMR you accept that your manuscript may be screened for plagiarism against previously published works.

Springer scheint dies zumindest nicht in ausreichendem Maße zu tun. Und wie gesagt, selbst ohne spezielle Software hätte alleine kurzes Googeln der Saccomanni-Abstracts die Springer-Editoren schon mehr als skeptisch machen müssen. Dumm gelaufen, denn nun werden die entsprechenden Springer-Journals zwangsläufig in gewissen „Retraction Rankings“ weit nach oben rutschen.

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