Nützliche „Schein“-Daten

11. November 2011 von Laborjournal

Aus der Reihe „Spontane Interviews, die es nie gab — die aber genau so hätten stattfinden können”. Heute: Prof. D. I. Daktor, Notiologische Fakultät Universität Begreifswald.

LJ: Hallo, Herr Daktor, Sie kommen aus dem Seminarraum. Was lief?

Daktor: Lab Meeting. Machen wir immer zusammen mit der Nachbargruppe. Gibt einen unbefangeren Blick auf unsere Projekte, und umgekehrt.

LJ: Und, gab’s heute was besonderes?

Daktor: Ja, doch. Kann man schon sagen.

LJ: Neue Ergebnisse?

Daktor: Nee, das nicht. Im Gegenteil, ein neuer Student in der anderen Gruppe hat vorgetragen, wie er sein Projekt angehen will.

LJ: Und das war so beeindruckend?

Daktor: Ja schon. Ich hab‘ das auf diese Art noch nie erlebt. Zuerst hat er natürlich erzählt, welche Vorarbeiten für die angepeilten Experimente nötig sind — also all das Zeug, das man einfach machen muss, um überhaupt verwendbare Proben für die eigentlichen Experimente zusammen zu bekommen…

LJ: Klingt erst mal nicht wirklich beeindruckend.

Daktor: Klar. Aber als er damit durch war, hat er geradewegs weiter gemacht — quasi als Gedankenexperiment. Er hat einfach so getan, als hätte er seine Proben zusammen und damit bereits experimentiert. Also präsentierte er drei verschiedene hypothetische Sets an Daten, wie man sie vernünftigerweise aus dem Ansatz erwarten könnte. Natürlich mit eingeschlossen, wie er die Daten erhob, bestimmte, normalisierte, verglich und analysierte. Wie gesagt, alles erstmal mit vernünftig erfundenen Daten.

LJ: Na ja, von tollen Daten träumen kann jeder…

Daktor: Sicher. Aber das war ja der Clou. Sein Szenario enthielt nicht nur Ergebnisse, wie sie das Projekt im absoluten Idealfall liefern könnte. Nein, vielmehr hatte er bewusst „Haken“ eingebaut. Beispielsweise hatte er ein Set mit typischen „In between“-Daten, die nicht Fisch, nicht Fleisch für das Projekt sein würden. Es war hochinteressant, weil wir dadurch mit ihm schon mal vorab Strategien für genau solche Fälle ausspinnen konnten. Abgesehen davon, dass generell die Diskussion einer solchen „Schein“-Analyse mit zwar erfundenen, aber realen Zahlen sicher hilft, das experimentelle Design zu optimieren, bevor überhaupt der erste Puffer angesetzt ist. Beispielsweise, vollständige und aussagekräftige Kontrollen auszuwählen…

LJ: Klingt tatsächlich interessant.

Daktor: Ja, nicht wahr. Mich hat der Junge sehr überzeugt mit dieser Art Projektvorbereitung. Natürlich sind Projekte verschieden — aber ich denke ernsthaft darüber nach, ob nicht alle Studenten solche hypothetischen Analyse-Szenarios durchspielen sollten, bevor sie tatsächlich mit der Benchwork beginnen. Schaden kann es eigentlich kaum, oder?

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