8,7 Millionen (± 1,3 Millionen)

26. August 2011 von Laborjournal

Wenn man jemanden davon überzeugen will, dass es sich bei der Biologie um eine quantitative Wissenschaft handelt, sollte man ein Thema tunlichst meiden — nämlich: Wieviele Spezies leben auf der Erde? Noch weiter als einst bei der Zahl der menschlichen Gene klaffen hier die Schätzungen der Experten auseinander. Nehmen wir nur die Eukaryoten, also diejenigen Lebewesen mit Zellkern — und lassen Bakterien und Viren außen vor: Aktuelle „seriöse“ Schätzungen schwanken zwischen 3 und 100 Millionen Arten.

Fünf Forscher aus den USA, Kanada und England behaupten nun, die tatsächliche Zahl deutlich genauer eingrenzen zu können. Deren „Berechnung“ folgt vor allem einem stabilen Muster, welches sie in den Verhältnissen der systematischen Kategorien — Art, Gattung, Familie, Ordnung, Klasse usw. — erkannt zu haben glauben. Dazu schreiben sie jetzt in PLoS Biology:

[…] the higher taxonomic classification of species (i.e., the assignment of species to phylum, class, order, family, and genus) follows a consistent and predictable pattern from which the total number of species in a taxonomic group can be estimated. This approach was validated against well-known taxa […]

Auf die gesamte Domäne der Eukaryoten angewendet, errechneten die Autoren auf diese Weise 8,7 Millionen Spezies (±1,3 Millionen), wovon etwa 2,2 Millionen (±0,18 Millionen) im Meer leben. 86 Prozent der an Land lebenden Spezies sind laut der Analyse noch unbekannt, im Wasser sind es gar 91 Prozent. Klar in der Überzahl sind die tierischen Organismen mit 7,7 Millionen Arten gegenüber „nur“ knapp 300.000 Pflanzen- und gut 600.000 Pilzarten.

Problematisch an dem ganzen Thema ist natürlich, dass sich die genaue Zahl durch stetiges Artensterben, aber auch Abspalten neuer Spezies quasi wöchentlich ändern dürfte.

Die Biologie ist eben doch eine Wissenschaft, in der vor allem Dynamik und ständige Veränderung im Zentrum stehen.

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3 Gedanken zu „8,7 Millionen (± 1,3 Millionen)“

  1. BadBoyBoogie sagt:

    Glaub ich nicht!!! Allein was man in den letzten Jahren im Regenwald und im Meer an neuen Organismen gefunden hat, bloß weil man genauer hingeschaut hat … (ok, im Meer/der Tiefsee waren’s wohl hauptsächlich Prokaryonten, aber trotzdem auch jede Menge neuer Fischlis und vor allem Krustentiere, Mollusken etc.) – ich versteig mich zu der Behauptung, dass es wohl viel mehr als „nur“ 8,7 Mio. sind. Auch wenn in den einschlägig wiedergekäuten Studien von Erwin (30 Mio Käfer) und Grassle/Maciolek (10 Mio. unterseeische Organismen) möglicherweise übertreiben wird.

  2. Ralf Neumann sagt:

    Hier wird das Paper ausführlich besprochen und kommentiert.

  3. BadBoyBoogie sagt:

    Da schau her! Danke für den Link. So wie’s laut Meinung von Fachleuten aussieht ist dieser neue Approach von Mora et al. wohl nicht nur für Prokaryoten komplett untauglich …

    „Their estimates of ~ 10,000 or so bacteria and archaea on the planet are so completely out of touch in my opinion that this calls into question the validity of their method for bacteria and archaea at all. – Their estimates of ~ 10,000 or so bacteria and archaea on the planet are so completely out of touch in my opinion that this calls into question the validity of their method for bacteria and archaea at all.“

    … sondern auch für Eukaryoten einigermaßen umstritten, glaubt man Carl Zimmer.

    Zumal gewisse Zielsetzungen der PLoS-Paper-Autoren wohl eher naiv sind:

    „…they took the approach of saying this is a „lower bound“. Sure. That is one way of dealing with this. But that is like saying „Dinosaurs lived at least 500 years ago“ or „There are at least 10 people living in New York City“ or „Hiking the Appalachian Trail will take at least two days.“ Lower bounds are only useful when they provide some new insight. This lower bound did not provide any.“

    Mein privates Fazit:
    Interessanter Ansatz; schlampiges & voreilig rausgeschossenes Paper; Marketingziel 100%ig erreicht: Alle diskutieren & regen sich drüber auf.

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