„Passt nicht“ gibt’s nicht

12. August 2011 von Laborjournal

Aus der Reihe „Spontane Interviews, die es nie gab — die aber genau so hätten stattfinden können”. Heute: Doktorandin Conni Flikt, Dubiologisches Institut TU Scheuklappingen.

LJ: Hallo, Frau Flikt, gibt’s ein Problem?

Flikt: Kann man wohl sagen.

LJ: Aha, wo brennt’s denn?

Flikt: Natürlich an den Ergebnissen. Meine ganze Doktorarbeit steht plötzlich auf dem Spiel. Dabei ging alles so gut los. Die genetischen Daten waren eindeutig, und auch die Proteine machten genau das, was wir erwarteten. Zwei klare Linien, die unsere Hypothese einwandfrei stützten.

LJ: Und was ist dann das Problem?

Flikt: Die dritte Linie. Die elektronenmikroskopischen Aufnahmen waren einfach mal so, mal so. Nie wirklich klar. Mal schienen die Bilder zu unserer Theorie zu passen, andere Male dagegen war rein gar nichts in dieser Richtung zu sehen. Eindeutig ist anders.

LJ: Was heißt das jetzt?

Flikt: Eigentlich wollte ich jetzt Paper und Dissertation schreiben, ich habe nur noch vier Monate Vertrag.

LJ: Was sagt denn Ihr Chef dazu?

Flikt: Das ist ja das Problem. Der sagt, ich soll einfach das beste Bild für das Paper nehmen und es als „representative“ verkaufen. Damit würde es dann wohl gehen. Ich weiß, das wird oft gemacht — aber irgendwie finde ich es nicht richtig. Als ich das angedeutet habe, hat er nur gemeint, es seien doch einige Bilder, die ganz gut aussähen — die ganzen anderen hätten sicher nur aus technischen Gründen nicht geklappt. Etwas sehr einfach, finde ich. Prinzipiell habe ich ja gar kein Problem damit, das allerbeste und schönste Bild zu präsentieren — vorausgesetzt, die generelle Botschaft ist mit den vielen „schlechteren“ konsistent. Und das ist einfach nicht der Fall. Nehme ich stattdessen ein tatsächlich repräsentatives Bild, auf dem die Dinge nicht wirklich eindeutig sind, hauen mir die Reviewer wahrscheinlich das Paper samt der ganzen schönen Theorie um die Ohren.

LJ: Und erstmal nur die genetischen und biochemischen Daten veröffentlichen?

Flikt: Tja, das habe ich mir auch überlegt. Klar, ein Experiment, das Du nie gemacht hast, kann Dir nicht weh tun. Und es hätte ja auch tatsächlich so laufen können, dass ich die Elektronenmikroskopie nie angefangen hätte. Ist es aber nicht. Und ich kann doch jetzt die Bilder nicht einfach wieder in die Tonne treten, nur weil sie mir nicht in den Kram passen. So zu tun, als ob ich sie nie gemacht hätte, ist doch irgendwie auch Betrug.

LJ: Puh, da habe ich leider auch keine Lösung, Frau Flikt. Und es wird Ihnen wohl auch nicht viel helfen, wenn ich Ihnen sage, dass es äußerst ehrenhaft ist, wie Sie die Sache sehen. Ich denke, ich kann Ihnen da nur viel Glück wünschen…

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