Wahrer Musikgeschmack

18. März 2011 von Laborjournal

Was empfindet ein Synästhet, wenn er den „Imperial March“ aus Star Wars hört? Möglicherweise schmeckt und sieht er ihn zusätzlich. Denn bei einer Synästhesie ist ein sensorischer Reiz mit mindestens einem weiteren Sinneseindruck verknüpft.

Für alle Nicht-Synästheten machte der Australier Daniel Keogh, alias Professor Funk, den Test: Er komponierte den „Imperial March“ mit Geschmäckern nach. Genauer: Er ordnete jedem Tonintervall eine Geschmacksempfindung zu und stopfte im Takt abwechselnd Sahne, Zitronen, Erdbeeren, Tonic Water, Salzbrezeln, Wasser, Gras und Ohrenstäbchen in sich hinein.

Wie es ihm geschmeckt hat, kann man sich hier ansehen:

Grundlage für Keoghs Experiment waren die synästhetischen Eindrücke der Schweizer Musikerin Elisabeth Sulser. Sulser nahm an einer Studie der Zürcher Neuropsychologen um Gian Beeli teil, die diese bereits 2005 in Nature veröffentlichten (Nature 434(7029):38). Demnach hat Sulser eine seltene Form der Synästhesie und schmeckt beispielsweise süß, wenn sie eine große Terz hört, bitter bei einer kleinen Sekund und sauer bei einer großen Sept (bei Keogh waren das analog Erdbeeren, Tonic Water und Zitronen). Aber auch komplexe Geschmäcker wie der von Sahne (kleine Sext) oder gemähtem Gras (Quart) treten bei ihr auf, wenn sie Musik hört.

Dabei sind Sulsers geschmackliche Empfindungen bei dissonanten Intervallen, die für das menschliche Gehör unruhig und unangenehm klingen, auch eher unangenehm — zum Beispiel sauer und bitter — bei konsonanten Intervallen dagegen angenehm wie süß oder sahnig.

Sulsers Synästhesie ist übrigens unidirektional — wie bei den meisten Synästheten. Das heißt ihr Essen kann die Musikerin in aller Ruhe genießen, Geschmäcker rufen bei ihr keine Hörempfindungen hervor.

Synästhesie ist auch Titelthema unserer aktuellen Print-Ausgabe (LJ 3/2011, S. 24).

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Ein Gedanke zu „Wahrer Musikgeschmack“

  1. BadBoyBoogie sagt:

    Krass. Schon all das Zeug in dieser Geschwindigkeit in sich reinzustopfen ist eine Leistung, und dann auch noch in definierter Reihenfolge. Zum Glück war’s nur eine Kurzfassung vom Imperial March. Hätte sich der gute Professor stattdessen für die Tubular Bells (50 min) oder Mahlers 3. Symphonie (95 min) entschieden, wäre er während des Experiments geplatzt.

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