Die besten neuen Arzneien

11. Februar 2011 von Laborjournal

Vor knapp zwei Wochen fragte Derek Lowe in seinem Blog In the Pipeline:

What’s the Most Worthwhile New Drug Since 1990?

Knapp 60 Antworten bekam er darauf. Und auch wenn die ein oder andere Antwort durchaus subjektiv gefärbt ist, haben wir die so entstandene Liste mal zusammengefasst. Also, los geht’s:

  • Statine wie Simvastatin und Atorvastatin/Lipitor (Cholesterin-Senker)
  • TNFalpha-Inhibitoren wie Enbrel, Humira, etc. (Rheumatoide Arthritis)
  • Antiretrovirale Medikamente (Anti-HIV) wie Azidothymidin (AZT), 3TC, Atripla, Nevirapine, Tenofovir
  • Gleevec/Imatinib (Kinase-Inhibitor — Leukämie und versch. Tumoren)
  • Artemisinin (sekundärer Pflanzenstoff — Malaria)
  • Oseltamivir und Zanamivir (Neuraminidase-Hemmer — Grippe)
  • Herceptin (HER2/neu-Rezeptor-Antikörper — Brustkrebs, Magenkrebs)
  • Rituximab/Rituxan/MabThera (Anti-CD20-Antikörper — Leukämien, Rheuma, Autoimmunkrankheiten)
  • Saquinavir (HIV-Protease-Inhibitor — AIDS)
  • Avastin (Antikörper gegen den Wachstumsfaktor VEGF, Angiogenese-Hemmer — Tumoren und Makuladegeneration)
  • Linezolid/Zyvox (Oxazolidinon-Antibiotikum — Gram-positive Bakteien)
  • Azithromycin/Zithromax (Makrolid-Antibiotikum — bakterielle Infektionen)
  • Fluconazol (hemmt die 14-alpha-Demethylase des Cytochrom P450-Komplexes — Pilzinfektionen)
  • Gardasil/Cervarix/Silgard (Papillomavirus-Impfstoff — Zervix-Kazinom)
  • Lovenox/Clexane (Antithrombin III-Aktivator, Blutgerinnungshemmer — Thrombose-Vorbeugung)
  • Clopidogrel/Plavix (blockiert Thrombozytenrezeptor (P2Y12), Blutgerinnungshemmer — Thrombose-Vorbeugung)
  • Rotateq/Rotarix (Rotaviren-Vakzine — Brechdurchfall)
  • Erythropoietin/EPO (Blutbildendes Hormon — Anämie, Hämatologische Erkrankungen)
  • Humalog/Lispro (Insulinanalogon — Diabetes)
  • Rimonobant/Acomplia (Cannabinoidrezeptor-Hemmer — Adipositas; Zulassung ruht!)
  • Eflornithin/Vaniqa (Ornithin-Decarboxylase-Hemmer — Schlafkrankheit und (!) unerwünschter Haarwuchs)
  • Viagra/Sidenafil (Phosphodiesterase-5-Hemmer, Blutgefäßerweiterung — erektile Dysfunktion, Lungenhochdruck)

Letzteres durfte natürlich nicht fehlen. Womit sich natürlich sofort trefflich streiten lässt, ob ein Erektions-Aktivator oder ein Haarentferner tatsächlich ähnlich ‚worthwhile‘ sind wie ein  AIDS- oder ein Krebsmedikament. Denn wie schrieb etwa einer der Kommentatoren:

[…] with regard to the Viagra votes above — it’s hard to get a woody if you’re dead.

Anyway. Seit 4. Februar stockt Lowe’s Kommentarkette. War’s das etwa schon? Vielleicht haben ja unsere deutschsprachigen Leser noch das ein oder andere beizutragen. Schließlich ist die ‚Arzneimittelkultur‘ hierzulande ja doch etwas verschieden von der nordamerikanischen.

Doch um einem Punkt an dieser Stelle jetzt schon vorzubeugen: Homöopathische Mittelchen sind alle deutlich älter als zwanzig Jahre — und allein deshalb schon außen vor. (Hrrm, häh häh häh….)

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3 Gedanken zu „Die besten neuen Arzneien“

  1. Ralf Neumann sagt:

    Interessant wäre hierbei natürlich auch, wie sich diese vermeintlichen Erfolgsmedikamente auf die einzelnen Pharmafirmen verteilen. Ebenso, wieviel Umsatz sie jeweils generierten. Vielleicht könnte ja unser Wirtschaftsredakteur…

  2. Winfried Köppelle sagt:

    Der Wirtschaftsredakteur muß erst noch gut 4 Stunden Interview vom gestrigen Donnerstag abtippen. Dann kümmert er sich drum. Ganz bestimmt!

  3. Winfried Köppelle sagt:

    Diverse Informationen zu einigen der genannten Blockbuster und den betreffenden Herstellern sind z.B. hier zu finden:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Blockbuster_%28Pharmazie%29

    Der darin vorkommende Satz „Da die Kosten für die Pharmaforschung zur Entdeckung eines neuen Wirkstoffes und dessen Zulassung etwa 800 Millionen US-Dollar betragen“ …

    … ist allerdings eine nicht auszurottende Legende, die von der Pharmaindustrie und in diesem Fall leider auch von Wikipedia seit vielen Jahren verbreitet wird.
    Mit anderen Worten: Dieser Satz stimmt definitiv nicht.

    – Hier findet man ebenfalls einiges zu den „worthwhile drugs“:

    http://knol.google.com/k/top-ten-twenty-best-selling-drugs-2009#Results_and_Discussion

    (runterscrollen und z.B. „Table 1“ angucken)

    Und wer unbedingt 42 GBP in einen sechsseitigen Report mir unbekannter Güte investieren möchte, kann’s auch hier versuchen:

    http://www.reportbuyer.com/pharma_healthcare/prescription_drugs/blockbuster_drugs_2006_executive_overview.html

    … oder bei irgendeinem anderen dieser „Beratungsfirmen“, die für Kaffeesatzlesereien, äh, profunde Market-Reports on Pharmaceutical Business bis zu mehreren 1000 Dollar Cash verlangen.

    In Laborjournal sind die gleichen Infos, nur besser recherchiert, von Zeit zu Zeit umsonst zu lesen. Hm. Aber was nix kostet… vielleicht sollte ich ja auch mal so nen tollen „Business Report“ zusammenfabulieren und dafür, sagen wir mal, 3000 USD verlangen…?

    Hab bloß keine Zeit momentan dafür. Muss erst diese %!!%&//(!!§ Interviews abtippen.

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