Pipettieren geht vorwärts UND rückwärts!

21. September 2010 von Kommentar per Email

In Laborjournal 9/2010 berichtete Harald Zähringer unter „Ich kenne da einen Trick…“, dass man mit den üblichen „Zwei-Druckpunkt“-Pipetten sowohl vorwärts als auch rückwärts pipettieren kann. Hierzu erreichte uns folgende Mail:

Ihr Artikel zum Thema Pipettieren ist doch wohl nicht ernst gemeint, oder? Es ist vollkommen klar, dass es nur eine richtige Pipettiermethode gibt und dass das nur „erster Druckpunkt — Flüssigkeit aufnehmen — abgeben durch Drücken bis zum zweiten Druckpunkt“ sein kann. Wer gleich bis zum zweiten Druckpunkt geht, muss zwangsweise mehr Flüssigkeit aufnehmen. Wenn Ihr Artikel von Laboranfängern gelesen wird, könnte der Eindruck entstehen, dass es dem Einzelnen freigestellt wird. Vielleicht könnten Sie in der nächsten Ausgabe noch mal darauf hinweisen, dass dieser Artikel so nicht ernst gemeint war? Dass diese Studie aus den USA kommt, wundert auch nicht — schließlich ist die Ausbildung von dort Laborpersonal teilweise auf 10 abendliche Kurseinheiten begrenzt…

Weiterhin verweist der Kommentar auf Bedienungsanleitungen für Pipetten der Firmen Eppendorf und Brandt, die unter den Punkten Flüssigkeitsaufnahme und -abgabe kein Wort über Rückwärts pipettieren verlieren.

Falls es anderen Lesern des Artikels ähnlich ging: Der Artikel ist kein Scherz! Die zitierte Quelle ist eine seriöse Vergleichsstudie zum Vor- und Rückwärts pipettieren von Mitarbeitern der Firma Amgen.

Überdies findet man durch simples Googeln jede Menge Quellen zum Vor- und Rückwärtspipettieren. So schreibt etwa die Online Plattform Laboratory Equipment in ihrem Beitrag „The Tip of perfection — Factors Affecting Pipette Performance“ unter anderem:

Choose the appropriate technique — Use forward pipetting for standard liquids as it is more accurate and precise. Use reverse pipetting for viscous liquids and for reducing the liquid retention effect in low surface tension samples.

(Weitere Beispiele hier, hier und  hier)

Und wenn nicht die beiden Broschüren von Eppendorf und Brandt, so verweisen doch einige andere Pipettenhersteller in ihren Bedienungsanleitungen auf beide Techniken — so etwa Thermo, Biohit oder VWR.

Übrigens: Eppendorf kennt natürlich beide Techniken, auch wenn sie sie nicht in jeder Bedienungsanleitung beschreibt. Immerhin hat die Firma folgende beiden „Filmchen“ zum Thema produziert:

1.) Reference Userguide Video – Forward pipetting

2.) Reference Userguide Video – Reverse pipetting

„Rückwärts pipettieren“ ist also definitv eine Routinetechnik. Allerdings gibt ja auch unser Autor Harald Zähringer in seinem Artikel zu, während seiner Laborzeit nichts davon gewusst zu haben. Und auch heute geht es wohl vielen ähnlich. Interessant!

Wer pipettiert denn tatsächlich „rückwärts“? Und warum? Hat es tatsächlich Vorteile? Wenn ja, welche? Einfach unten als „Kommentar“ berichten

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3 Gedanken zu „Pipettieren geht vorwärts UND rückwärts!“

  1. BadBoyBoogie sagt:

    … also ich kann an dieser Stelle nur wieder mal ablästern. Uns (Biostudenten) hat, zumindest offiziell, niemand das korrekte Pipettieren beigebracht. Klar, in diesem Praktikum und in jenem Kurs war mal diese Betreuerin und jener Betreuer, der mal drei oder fünf Sätze darüber verloren hat, oder uns die Pipettiererei auch mal drei Minuten vorgeführt hat – aber eine richtiger Pipettierkurs mit allen Dos & Don’ts – nö, ein solcher war definitiv nicht.

    Zumal ein solcher „Lehrgang“ m.E. alle paar Semester mal wiederholt werden müsste. Es soll ja vorkommen, dass sich Ungenauigkeiten einschleichen oder man schlicht Dinge vergisst. An allen anderen Unis ist das aber GANZ anders, oder?

    Wie auch immer: Ich dneke, dass jede TA darüber um Klassen besser Bescheid wissen müsste. Weil Die’s ja in der Ausbildung explizit beigebracht kriegen – und nicht nur „nebenher“.

    (und bevor jetzt wieder die üblichen Lästereien kommen: Nein, in meinem Bekanntenkreis hat’s keiner zuerst mal ohne Pipettenspitze versucht, soweit ich weiß… aber die Story von „jenem doofen Praktikanten im Kurs 3 Jahre vorher“ kursierte natürlcih auch bei uns).

    BBB

  2. BadBoyBoogie sagt:

    Abgesehen davon fallen mir beim Thema Pipettieren immer zuerst die grausigen Wochen ein, in der ich mir als 5. (7.? 8.?)-Bio-Semester in ein paar mickrige Kröten dazuverdient habe, indem ich gefühlte 3 Millionen Spitzen für den Medizinerkurs gesteckt habe. War als Hiwijob ausgeschrieben. Ne echt krasse Zeit damals. Ich bekam nach ein paar Stunden Spitzenstecken immer ein nervöses Zittern in den Fingern, wie ein Alkoholiker, ohne Sch…

  3. Ich sagt:

    Probiert’s doch einfach mal aus: viskose Lösung nehmen (z. B. 10% Glycerol in Wasser), vorwärts, rückwärts pipettieren, transferierte Menge auf der Waage bestimmen.
    Ein garantierter Augenöffner und der Grund, warum viskose Lösungen in Situationen, in denen es auf Genauigkeit ankommt, gar nicht volumetrisch, sondern gravimetrisch pipettiert werden.

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