„Nie mehr Poster!“

3. September 2010 von Laborjournal

Aus der Reihe „Spontane Interviews, die es nie gab — die aber genau so hätten stattfinden können”. Heute: Postdoc Rant, Pollyanologisches Institut Universität Wolkenruhe.

LJ: Ah hallo, in der Rolle unter ihrem Arm steckt doch sicher ein Poster. Gerade von einer Tagung zurück?

Rant: Gut erkannt.

LJ: Und wie war’s?

Rant: Bescheiden.

LJ: Warum? Kam ihr Poster nicht an?

Rant: Bingo. Ich frag’ mich wirklich, wofür ich die drei Tage Poster machen geopfert habe.

LJ: Was lief denn schief?

Rant: Zuerst einmal haben die den Teilnehmern viel zu wenig Zeit gelassen um sich überhaupt mit den Postern zu beschäftigen. Plenary Lectures, Symposia und Workshops ohne Ende. Und irgendwann will man ja auch einfach ein bisschen Pause haben.

LJ: Nur die Poster-Autoren nicht, die mussten vermutlich in den Pausen bei ihren Postern stehen.

Rant: Genau. Am Ende hatte ich Füße wie Pizzateller. Und kaum jemand kam. Ist ja auch klar: Wenn Sie drei Stunden in abgedunkelten, schlecht belüfteten und überheizten Räumen Vorträgen gelauscht haben, stürzen Sie auch nicht sofort zur Poster-Session, wenn’s endlich vorbei ist.

LJ: Keine Diskussionen?

Rant: Nee. Das ist eigentlich die größte Enttäuschung. Ich hatte mir das ganz anders vorgestellt. Die ganzen Vorträge, da werden doch heutzutage sowieso nur bestenfalls lauwarme Sachen erzählt, die schon eine Weile publiziert sind. Und echte Diskussionen kommen sowieso nicht zustande, weil man am Ende gerade mal ein paar Minuten bis zum nächsten Redner oder bis zur Pause hat.

LJ: Und das könnte bei Postern anders sein.

Rant: Genau. Wenn man mehr Zeit für die Poster lassen würde. Vier, fünf Leute, die sich wirklich für das Zeug interessieren, könnten sich am Poster versammeln und man könnte es ohne Limit durchdiskutieren. Zumal auf dem Poster wirklich „Work in Progress“ vorgestellt wird – und nicht eine fertige Story, wie in den Vorträgen, die man kaum noch diskutieren muss.

LJ: „Work in Progress“? Haben Sie nicht Angst, dass Sie damit irgendwelche Konkurrenten auf die richtige Spur bringen – und die dann an Ihnen vorbeiziehen?

Rant: Klar, so was ist wohl schon vorgekommen. Aber sicher nur zu einem verschwindend geringen Prozentsatz. Ich glaube, da herrscht eine völlig übertriebene Paranoia. Das Dumme ist, dass genau diese Konkurrenz-Paranoia langsam aber sicher die Kultur der wissenschaftlichen Diskussion nachhaltig zerstört. Inzwischen erzählen viele Leute ja nicht einmal mehr im Institutskolloquium, was sie gerade am Laufen haben.

LJ: Ganz oft sind doch auf den Meetings heutzutage Poster-Preise ausgelobt — nicht zuletzt um möglichst viele Poster anzuziehen.

Rant: Ha, das war der größte Witz von allen. Immer wieder schlurfte mal ziemlich gelangweilt einer von den Big Shots vorbei. Du wusstest sofort, der hat überhaupt keinen Bock, sitzt aber dummerweise in der Jury für den Poster-Preis. Der bleibt kurz stehen, schaut auf Deinem Poster einmal von links oben nach rechts unten, macht einen lahmen Witz, zu dem Du brav lächelst – und geht weiter.

LJ: Hört sich so an, als wären Sie nicht im Rennen gewesen.

Rant: Nee, natürlich nicht. Auch hier dasselbe Bild: Den Preis hat eine Lady bekommen, die auf ihrem Poster Daten drauf hatte, die schon über ein Jahr publiziert waren. Etabliertes Zeug, das meiner Meinung nach eigentlich gar nicht dahin gehörte. Die Jurymitglieder haben die Daten natürlich großteils auch schon gekannt – und hatten daher keine Mühe also, das Poster zu verstehen… So macht man sich’s leicht.

LJ: Hm, und Ihr Fazit?

Rant: Nie mehr Poster! Entweder ich krieg’ einen Vortrag, oder ich bleib’ im Labor. Das bringt definitiv mehr.

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