„I like it hot!“

7. Juni 2010 von Laborjournal

Und nochmal aus der Reihe „Spontane Interviews, die es nie gab — die aber genau so hätten stattfinden können”. Heute: Professor G. Rins, Oblektologisches Institut Universität Schalkstadt, zum Thema Dress Code auf Meetings.

LJ: Hallo, Herr Professor Rins! Hoppla, etwas scheint Sie ja gerade ganz besonders zu amüsieren?

Rins: Ja. Ich habe gerade ein unglaublich schlechtes Paper gelesen!

LJ: Ah ja? Aber: Ist das nicht eher ein Grund zum Traurig sein?

Rins: Sicher. Stimmt schon, aber….

LJ: Aber?

Rins: Mir ist gerade eingefallen, dass ich den Seniorautor vor Jahren mal auf einer Konferenz erlebt habe.

LJ: Und die Erinnerung amüsiert Sie gerade?

Rins: Ja.

LJ: Erzählen Sie uns, was damals war?

Rins: Also gut. Wir saßen beide in demselben Vortrag. Ich weiß gar nicht mehr, worüber der ging — und ob er gut war oder schlecht. Jedenfalls stand dieser Kerl am Ende auf und tat so, als wolle er eine Frage stellen. Was er dann wirklich machte, war, seine neuesten Ergebnisse zu referieren. Typischer Fall von Aufmerksamkeit heischen. Er erzählte also, er hätte irgendwelche Zellen isoliert, dies und jenes beobachtet, woraufhin er X getestet und Y daraus geschlossen hätte, blah blah blah….

LJ: Und was amüsiert Sie daran so?

Rins: Na ja, als er dann nach etwa drei Minuten endlich fertig war, merkte er plötzlich, dass er der Rednerin ja eigentlich eine Frage stellen sollte. Also stammelte er: „Äähh ja, …. vielleicht wollen Sie das ja …. kurz kommentieren?“

LJ: Und dann?

Rins: Ich weiß nicht mehr, was die Rednerin dann antwortete. Darum ging es auch nicht, das war nicht das Lustige.

LJ: Was denn?

Rins: Der Typ hatte so ein bescheuertes Werbe-T-Shirt an, in dem er während des gesamten Meetings rumgelaufen ist. Vorne stand ganz fett drauf „I like it hot!“, und unten links dann kleiner „Taq-Polymerase from Bio-irgendwas“

LJ: Scheint, als hat er seine Aufmerksamkeit bekommen.

Rins: Aber sicher nicht die Art Aufmerksamkeit, die er wollte. Immer wenn er irgendwo aufkreuzte, konnte man sehen, wie irgendjemand in der Nähe seinen Nachbarn zuraunte: „Seht ihr den Typ mit dem ‚I like it hot!‘-T-Shirt? Bleibt weg von dem!“ Am Ende war er der Running Gag des Meetings. Und ich glaube, er weiß es bis heute nicht….

LJ: Herr Professor Rins, vielen Dank für die nette Geschichte.

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6 Gedanken zu „„I like it hot!““

  1. BadBoyBoogie sagt:

    (zum Dresscode) – Besser ein peinliches, aber wenigstens individuelles „I-like-it-hot“-Shirt als das unglaublich fade Einheitsgrau typischer Kongressbesucher.

    Obwohl – bei Bioforschern geht’s ja noch, die trauen sich ja gelegentlich, wenigstens in Pulli oder Hemd+Jeans aufzukreuzen. Schlimmer sind Mediziner, die sehen immer und überall aus wie BWLer, bloß reden sie noch viiiel langweiliger (gähn).

  2. Ralf Neumann sagt:

    Individuelles „I like it hot“-Shirt? Das war ein Reklame-Shirt einer Biofirma!
    Und apropos Bioforscher, die sich was trauen: siehe beispielsweise hier, hier und hier.

  3. BadBoyBoogie sagt:

    Schon klar, aber für sehr viele ist schon das kurzzeitige Überstreifen des offiziellen 08/15-Shirts der eigenen Uni bzw. das Weglassen des Halsbinders beim Kongressfrühstück extrem individuell.
    Ist einerseits ja auch egal, ob man rumläuft wie alle anderen oder sich ne rote Nase anklebt, keine Frage. Ich frag mich bloß manchmal, wie jemand in unerwartet neue Forschungsrichtungen vorstoßen soll, wie jemand kreative Ideen und einen Blick fürs Ungewöhnliche haben kann, der sich in den sonstigen Belangen immer peinlichst genau an den Mainstream anpasst und Horror davor hat, aufzufallen.

  4. Ralf Neumann sagt:

    Ich glaub‘, das erste Beispiel für „bunte Bioprofs“ von meinem vorigen Kommentar (Nummer zwei) muss ich nochmal weniger versteckt und ausführlicher bringen. Ist einfach zu klasse, der Typ:

    null

    „Punk Prof“ Earns Highest Accolade

    The Finnish Union of University Professors has named British-born Howard T. Jacobs of Tampere University as Professor of the Year.
    Jacobs, who holds the title of Academy Professor, leads the Academy of Finland’s committee on Mitochondrial Disease and Ageing. He has been Professor of Molecular Biology at Tampere’s Institute of Medical Technology since 1996.
    The professors‘ union praises Jacobs as an internationally acclaimed, award-winning scientist and an exemplary teacher.
    Jacobs has studied issues such as the effect of mitochondrial mutations on diabetes, deafness and infertility.
    He was also hailed for advancing the internationalisation of the Finnish academic environment and raising the profile of Finnish research abroad.
    Jacobs is far from the stereotypical image of a tweedy university professor: the institute’s website refers to the 54-year-old Londoner as „Howy“ and depicts him wearing his trademark mohawk haircut and Ramones t-shirt.

    (von hier)

  5. BadBoyBoogie sagt:

    … das Profil der finnischen Forschung hat Mr Jacobs definitiv geschärft, schon allein mit seinem scharfen Haarschnitt!

    Übrigens, ein wenig off-the-topic: Drei der vier Ramones-Gründungsmitglieder sind mit kaum 50 Jahren gestorben; zwei von ihnen überraschenderweise nicht an typischen Punkbandtodesursachen, sondern an Krebs (Non-Hodgkin-Lymphom bzw. Prostatakrebs), was den Kreis zu Jacobs‘ Forschungsthema (Mitochondrial Disease and Ageing) schließt.

  6. Winfried Köppelle sagt:

    Der da ist auch nicht schlecht:
    http://blogs.discovermagazine.com/loom/science-tattoo-emporium/?nggpage=11&pid=59

    Michael Ruse, exzentrischer US-Evolutionsforscher mit Trilobiten-Tattoo auf dem Oberarm (bin gerade anlässlich einer Buchrezension über ihn gestolpert)

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