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Typos mit in die Referenzen?

10. August 2022 von Laborjournal

Wie listet man in der Referenzliste ein zitiertes Paper, das einen Druckfehler im Titel hat? Interessante Frage, die Timothy McAdoo von APA Style im gleichnamigen Blog stellt.  Soll man offensichtliche Rechtschreibfehler, Buchstabendreher oder neuerdings gar die unbemerkten Streiche, die einem die Autokorrektur spielt, beim Referenzieren im eigenen Paper korrigieren?

McAdoo schreibt, dass solche Fehler generell selten vorkommen, da ja Reviewer und Editoren das Manuskript vorab kritisch lesen. Aber es kommt vor! Auch wir selbst hatten mal nach mehr oder weniger lustigen „Verschreibern“ in Forschungsartikeln gefahndet – und die Ergebnisse hier publiziert.

Zwei der betreffenden Paper hatten die Fehler tatsächlich im Titel – wir fassten sie damals folgendermaßen zusammen:

>> „Purification and characterization of three thermostable endochitinases of a noble Bacillus strain, MH-1, isolated from chitin-containing compost.“ Dies ist sogar der Titel des Papers Appl. Environ. Microbiol. 64: 3397-402. Natürlich meinten die Autoren „novel“ – und offenbar hat’s kein Reviewer oder Editor gemerkt.

>> Letzteres gilt auch für den Titel „Spinal anesthesia with low-dose bupivacaine-fentanyl combination: a good alternative for day case transurethral resection of prostrate surgery in geriatric patients“ (Rev. Bras. Anestesiol. 62: 753-61). Hoffentlich haben die Autoren tatsächlich an der Prostata operiert – geschrieben haben sie es jedenfalls nicht (to prostrate = sich niederwerfen).

Klar, dass wir jetzt – soweit möglich – nachschauten, wie die Artikel, die eine der beiden Arbeiten zitierten, diese am Ende referenzierten. Korrigierten die Autoren die Fehler, oder ließen sie diese im Titel stehen?

Tatsächlich fanden wir in den über hundert Artikeln, die das erstere Endochitinase-Paper zitierten, nicht einmal eine Korrektur: Der Bacillus-Stamm blieb bei allen „noble“, nirgendwo wurde er das, was die Autoren eigentlich meinten – nämlich „novel“.

Der zweite Artikel über die Prostata-Operation wurde insgesamt 31-mal zitiert. In einem Review korrigierten die Autoren den Titel in ihrer Referenzliste tatsächlich zu „prostate surgery“.

Der Trend ist damit also klar: Trotz Fehler alles lassen, wie es ist.

Das ist übrigens auch der Rat von McAdoo im oben erwähnten Blog-Beitrag. Demnach sollte der genaue Wortlaut des veröffentlichten Artikels die Grundlage für die Referenzierung sein. Diese sollte so erstellt werden, dass sie exakt mit dem veröffentlichten Artikel übereinstimmt. Allenfalls kann man den Fehler in einer Fußnote erklären, damit die Leser wissen, dass der Fehler nicht beim Zitierenden selbst liegt.

Nach obiger Stichprobe scheint dies jedoch kaum ein wirkliches Problem zu sein. Ob dies allerdings daran liegt, dass McAdoos Rat in der Community schon längst weithin verinnerlicht ist, oder eher daran, dass die Autoren ihre Referenzlisten heutzutage sowieso per Copy-Paste erstellen – entweder direkt oder über ihre Referenz-Manager?

Wir wagen mal zu behaupten: Es liegt hauptsächlich an Letzterem.

Ralf Neumann

 

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