Der Fehlerbalken im Auge des Forschers

4. März 2010 von Laborjournal

Kollege Rehm bat mich gerade, auch hier im Blog auf seine Fortsetzungs-Reportage „Der Fehlerbalken im Auge des Forschers“ auf Laborjournal online hinzuweisen. Momentan erscheint dort täglich eine weitere Folge der Geschichte um vermeintliche oder tatsächliche Datenfälschung. Der Unterschied zu den vielen anderen bekannten Daily Soaps: Es hat sich alles tatsächlich zugetragen. Hier ist Hubert Rehms aktuelle Zusammenfassung:

Seit zwei Wochen läuft auf Laborjournal online die Serie „Der Fehlerbalken im Auge des Forschers“. Was bis jetzt geschah: Zur Jahreswende 2007/2008 gab es eine Auseinandersetzung der Nachwuchsforscher Nikolai Savaskan, damals Postdok am Institut für Anatomie der Charité, mit dem Forschungs-Quereinsteiger Markus Kühbacher. Kühbacher wirft Savaskan vor, in einem gemeinsamen Manuskript Daten gefälscht zu haben. Obwohl dieses Manuskript nie veröffentlicht wurde, schaukelt sich die Sache auf. Der DFG Ombudsman in Hamburg wird angerufen. Die Vermittlung scheitert und der Ombudsman gibt die Sache an die DFG-Kommission zur Aufklärung von Verdachtsfällen wissenschaftlichen Fehlverhaltens ab. Weil Savaskan ein Zögling des damaligen Institutsdirektors Robert Nitsch ist und dieser, nach Kühbachers Ansicht, nicht adäquat reagiert, untersucht Kühbacher die Publikationen von Nitsch auf Auffälligkeiten. Er findet auch einige. Weil Kühbacher zudem durch das Verhalten der Sprecherin des Ombudsman Ulrike Beisiegel irritiert ist, untersucht er auch deren Publikationen. Auch hier meint er Auffälligkeiten gefunden zu haben…

Die ganze Geschichte kann also auf Laborjournal online gelesen werden — und hier im Blog, unterhalb dieses Eintrags, kommentiert und diskutiert werden.

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54 Gedanken zu „Der Fehlerbalken im Auge des Forschers“

  1. Ralf Neumann sagt:

    Ein Leser schrieb uns per E-Mail zur obigen ‚Reality‘-Serie:

    Sehr geehrter Herr Dr. Rehm,

    meine Anerkennung für Ihren investigativen und kurzweiligen Journalismus und Ihre Story der sich biegenden (Fehler-)Balken. Sie vermitteln erstaunlich relativierende Einblicke in Ombudstätigkeit und Kenntnisstand zur Stochastik und Wahrscheinlichkeitsmethodik einiger Biochemiker und Mediziner in deren (peer reviewed) Publikationen – einschließlich der Stellungnahmen von Frau Prof. Dr. Beisiegel gegenüber dem Laborjournal.

    In Folge 9 schreiben Sie: „Aufgabe des Ombudsman ist ja das Vermitteln und nicht das Ermitteln.“ Damit bringen Sie den unglaubwürdigen Drahtseilakt dieses Gremiums der Deutschen Forschungsgemeinschaft auf den Punkt. Vermittlung ohne Ermittlung ist nämlich ein Unsinn, auch wenn das Gremium anderes als Ausflucht oder Vorwand zu suggerieren versucht und sich ansonsten wohl eher in Laschheit und Schweigen hüllt. Über den von Ihnen dargelegten Fall hinaus bedarf das DFG Ombudsgremium sicherlich der kritischen Begleitung und öffentlichen Hinterfragung anhand konkreter Fallbeispiele (http://www.wissenschaftliche-gepflogenheiten.de).

    … und grüßt uns freundlich aus den Niederlanden.

  2. BadBoyBoogie sagt:

    Auch wenn’s durchaus löblich ist, die GANZE Geschichte samt aller Details in aller Breite dazustellen (und nicht bloß die medenwirksam zusammengekürzten „Highlights“) – wieso kam die aufs Wesentliche reduzierte Story nicht im gedruckten Laborjournal? Oder kommt die noch?

    hofft und fragt sich
    BBB
    (der irgendwann zwischen Folge 4 und 7 leicht ratlos den Löffel geschmissen hat).

  3. Eppy sagt:

    Hi chaps,
    das ist ja eine Story. Nur ist nicht ganz klar, was den Kühbacher motiviert. Vor lauter Fehlerbalken hat der wohl die Bench seit langem nicht mehr gesehen. Und in der Tat ist der Record von Kühbacher irgend wie nicht zu finden, also eher bescheiden. Wurde er gescooped oder wird hier ein Rosenkrieg zwischen zwei Exliebenden ausgetragen?
    Nur, wenn Kühbacher meint, seine Fehlerbalken seien fehlerfrei, sollte er erst mal was abliefern, wozu er wahrscheinlich vor lauter Balken nicht kommt.
    Coole Story anyway.

    Best, Eppy

  4. Lady Dada sagt:

    Ich verfolge den Artikel mit sehr viel Interesse. Auffällig sind für mich zwei Dinge: Erstens ist die Motivation von Herrn Kühbacher eher von niederen Beweggründen. Es geht doch ganz offenbar hier um Rache – auch wenn Herr Kühbacher behauptet lediglich „korrekt“ sein zu wollen. Soviel destruktive Energie kann einzig und allein von Rache motiviert sein. Zweitens, was viel wichtiger ist: Herr Kühbacher attackiert offenbar sofort alle Personen, die nicht seiner Meinung sind (i.e. Frau Prof. Beisiegel). Traurig daran, man kann offenbar rechtschaffende Leute mit Dreck bewerfen ohne daß es irgendwelche Konsequenzen für Herrn Kühbacher hat.

  5. Ralf Neumann sagt:

    Okay, das ist ja wohl alles Spekulation — und damit in etwa so handfest wie Speiseeis in der Sahara. Was herauskommt, sind vor allem substanzlose Beschimpfungen und Vorverurteilungen. Dabei gibt es in der Serie doch jede Menge Fakten und Argumente. Darüber ließe sich doch viel trefflicher, und sicherlich auch lohnender streiten.

  6. anonym sagt:

    zu LadyDADA: Es ist schön, daß es noch Forscher gibt, die „lediglich“ korrekt sein wollen und an der Wahrheit interessiert sind. Das hat heutzutage nämlich selten noch Wert. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, daß es sehr häufig vorkommt, daß Professoren Fehlerbalken verkleinern, um Ergebnisse ihrer Mitarbeiter sexier zu gestalten, auch, daß Sie Abstracts ihrer Mitarbeiter so umschreiben, so daß Aussagen getätigt werden, die die Daten niemals hergeben. Damit gleicht der Fall vielen anderen an deutschen Universitätskliniken. Außerdem: Es werden von Drittmittelgeldgebern Forschungsanträge genehmigt, die voller inhaltlicher Fehler sind und deren Inhalte bzw. Ziele damit teilweise zunichte machen, was nicht nur von der wissenschaftlichen Unbedarftheit der Gremien bzw. Referees, sondern auch vieler medizinischer Professoren, die aufgrund hochraniger Positionen inhaltlich unanfechtbar („rechtschaffend“ 🙂 ) werden, zeugt. Wenn man von allen Forschungsprojekten und Papern diejenigen verwerfen würde, die grundlegend inhaltlich fehlerbelastet sind, würden sicher weniger als 10 Prozent übrig bleiben, die wissenschaftlich korrekt sind. Der Fall ist damit kein Einzelfall, das ist gang und gebe in medizinischen „Forscher“kreisen. Politik ist hier wichtiger als Inhalte. Quantität wichtiger als Qualität. Ich habe Treffen erlebt, in denen der Prof nur nach der Anzahl der Abstracts, die für einen Kongreß eingereicht werden sollen, gefragt hat, nicht aber nach deren Inhalt. Und bei Gelegenheit sagte, „schrieben Sie noch 2 Abstracts mehr“.

  7. Hineinleuchte sagt:

    Am Anfang der Geschichte steht ein Streit um die Autorenschaft von Forschungsergebnissen, wie es das in Kolloborationen nicht geben dürfte. Bei den beiden Hauptbeteiligten dürfte es einen geben, der seine Autorenschaft reichlich expansiv interpretiert, und einen, der darüber verbittert ist.

    Das weitet sich dann aus auf Themen wie Publikationsethik und Gute wissenschaftliche Praxis. Ich finde es einerseits spannend, andererseits geht es hier ja nicht um Peanuts: jemandes Reputation droht auf der Strecke zu bleiben. Da d a s nun niemandem zu wünschen ist, lese ich die Geschichte mit zunehmender Besorgnis.

  8. micha, Dr. med. sagt:

    ich kann Herrn oder Frau anonym nur beipflichten und spreche da auch aus eigener medizinischer Erfahrung. Die Zahl der korrekten und ungefälschten Publikationen ist erschreckend gering, vielleicht besonders in der Medizin, aber bestimmt nicht nur. Mediziner haben in den meisten Fällen das wissenschaftliche, experimentelle Arbeiten kaum gelernt, oder beigebracht bekommen (auch aus Mangel an kompetenten Mentoren). Sie sind oft sehr ehrgeizig und eitel. Nicht zuletzt hängen sie, wie alle Forscher am Tropf der Drittmittel. Der Kühbacher ist ein Maschinenbauer, was soll der denn schon in Medline/Pubmed publiziert haben, der andere ist ein Mediziner, der alles, was ihm über den Weg läuft, publiziert. Auch weil er das kann. Er ist ein guter Geschichtenschreiber, so daß ihm das „Publizieren“ einfach fällt. Dabei fällt die wissenschaftliche Substanz, Ehrlichkeit und auch Gewissenhaftigkeit unter den Tisch. Viele aufstrebende PDs sind da ganz ähnlich und auch erfolgreich, besonders wenn sie mit Ellenbogen und Drohungen kommen. Daran ist dieser PD nun aufgrund seiner ziemlichen Unverschämtheit gescheitert, er hat das Faß eben zum Überlaufen gebracht, aus Arroganz, Überheblichkeit, Dreistheit wahrscheinlich. Der PD hat viel zu verlieren, der Kühbacher wahrscheinlich eher nicht, und das macht ihn stark und gibt ihm das nötige Duchhaltevermögen. Es ist hier auch ein Streit um die Gerechtigkeit. Es wird hier also hoffentlich einen Sieger geben. Dies wäre ein gutes Exempel, ein Wachrütteln, auch für den Filz in den höheren Ebenen, die oft selbstgefällig urteilen und handeln, und vielleicht selbst mit ähnlichen Methoden wie unser PD die Leiter erklommen haben. Kühbaches Courage verdient Respekt!

  9. Charles Renim sagt:

    An der ganzen Geschichte kann ein häufig anzutreffendes Phänomen beobachtet werden: Publikationen und deren Inhalt werden maßlos überschätzt. Kaum wird etwas publiziert, schon wird es als unumstößliche und Gott gebene Wahrheit von den Autoren vertreten. Dabei tritt immer wieder ein ganz anmaßendes und widerliches Ego zu Tage.

    Jedes Mal wenn mir ein dahergelaufener allwissender Publikator (dies sind schon oft die Masterstudenten, deren seltsame Ergebnisse Eingang in einem schnösseligen Paper gefunden haben) vor der Linse tritt, versuche ich mich ganz fest an die eine Aussage von Hubert Rehm (unserem fleißigen, investigativen Journalisten) zu erinnern: Publikationen sind in etwa wie Kauri-Muscheln auf einer Schweizer Bank. Schön anzusehen, aber ohne Wert (frei übernommenes Zitat).

    Ich stelle mir immer wieder vor, wie ich zum Bäcker gehe und die Mitte-40-Ende-50 Verkäuferin erkläre, wie viele tolle bahnbrechende Publikationen ich schon in den Top-Journals publiziert habe. Hoffentlich nimmt der Wahnsinn irgendwann ein Ende, so dass sich wieder auf das wirklich Wesentliche konzentriert werden kann. Einfach nur forschen und ehrliche Daten aufschreiben.

    Ein Arbeitsgruppenleiter der R&D von Roche erklärte mir vor nicht all zu langer Zeit, dass weniger als ein Prozent der ganzen Paper, deren Ergebnisse sie zu Zwecken der Entwicklung reproduziert hatten, wirklich auch reproduzierbare Daten enthielten. Ich möchte mein Ego nicht auf 99,99% Schrott begründen.

  10. MacFly sagt:

    Tolle Geschichte,
    ich kann Dr. med. Micha nur zustimmen. Worum es hier geht, ist Gerechtigkeit und Kühbachers Courage ist Respekt zu zollen. Natürlich kann jeder nur so gut publizieren wie es seine Gehirnzellen zulassen und es gibt sicherlich auch gewaltige Unterschiede bei Dres.rer.nat und Dres.med. Die DFG und Charite sollten sich deshalb dieses Beispiel ans Herzen legen und überlegen, ob diese aus meiner Sicht heutzutage ziemlich entartete Publikationswut Sinn macht. Wir werden mit immer mehr Publikationen überhäuft, deren Inhalt wird aber immer geringer. Ich kann viele Vorgehen zur Erreichung sinnloser Publikationenn aus eigener Erfahrung voll bestätigen. Und dass die Co-Autoren und Referees hier nicht klar Stellung beziehen ist erschreckend. Hier sollte endlich eine Diskussion über die Qualität einsetzen. Und in diesem Fall wäre es sinnvoll, nicht immer Kompetenzen zwischen Gremien hin- und herzuschieben. Man bekommt den Eindruck, daß die Gremien nicht unabhängig agieren und (wie in der Politik) stark von anderen Einflüssen gelenkt sind. Dies schadet der Wissenschaft und ist sehr traurig. Eigentlich hätte man den Fall doch schnell lösen können, indem man klar und bestimmt alle Originaldaten anfordert und Zeugenaussagen einfordert. Aber dann hätten wir nicht so viele Gremien und nicht so viele Folgen….

  11. Jon Gilson sagt:

    Ein weites Feld – der Journalistischer Leckerbissen –

    Wer hätte das gedacht? Wie Blogger vor mir schon feststellten, steht am Anfang ein Streit zwischen zwei Postdocs, der dankenswerter Weise von Hubert Rehm zur öffentlichen Angelegenheit gemacht wurde. Ein Streit über ein nicht veröffentlichtes Manuskript sollte normalerweise untereinander geklärt werden, aber hier wurde ein anderer Weg von Kühbacher gewählt, der für sich genommen nicht unproblematisch ist, aber uns Voyeuristen ungemein Spass bereitet. Dann gibt es eine Veröffentlichung von Kühbacher alleine, wobei wenn wir bei Fehlern sind, sich einige Fehler in Kühbachers Arbeit geschlichen haben.
    Aber lassen wir die Splitter und kommen zum Balken.
    Wie Rehm bis jetzt anmerkte, haben diese Fehler die Signifikanzen und Aussagen der betreffenden Arbeiten auch nicht verändert. Also alles nur Splitter bzw. heisse Luft?
    Weit gefehlt, jetzt kommt der General(Balken)verdacht, und seit dem 17.03.2010 steht sogar ein Fälschungsverdacht gegen die Ikone der deutschen Wissenschaftsethik Frau Ulrike Beisiegel im Raum, weil ‚zu schön um wahr zu sein’ wenig Raum für Erklärungen gibt. Wurde Ulrike Beisigel informiert, konnte Beisiegel zu diesen schwerwiegenden Vorwürfen Stellung beziehen?
    Wenn das mal nicht in eine Diskussion der Hüter der „fehlerfreien Wissenschaft“ entpuppt. Oder bröckelt der Balken in kleine, kleine Splitter?

  12. Hineinleuchte sagt:

    Vielleicht sollte man doch einiges voneinander trennen. Wenn sich zwei Teilnehmer einer Kollaboration nicht gütlich auseinander gehen können und daraufhin der eine dem anderen auch sonst ein unethisches Publizieren nachzuweisen versucht, dann ist das eine Sache, an deren Aufklärung ein Interesse besteht.

    Eine andere Sache ist der Vorwurf, es werde auch sonst, insbesondere in den Lebendwissenschaften, bei Publikationen vielfach unsauber vorgegangen um zu beweisen, was wirklich zu beweisen man sich nicht die Mühe machen mag.

    Und wieder etwas anderes ist der Vorwurf, die Betreuung von Arbeiten durch seniore Wissenschaftler sei nicht so engmaschig, dass Diplomanden und Doktoranden bei Daten-Manipulationen unentdeckt blieben. An diesem Vorwurf dürfte nicht selten etwas dran sein, das macht aber den Senior nicht gleich zum Fälscher.

    Und schließlich ist womöglich dies eine interessante Erkenntnis aus der Geschichte, dass eine gekonnte Manipulation eine ziemlich intensive Kenntnis von Statistik erfordert, sonst ist sie nachweisbar. Allerdings guckt Adebar Storch nicht überall hin, dazu muss ein Fall schon eine gewisse Prominenz haben.

    Vielleicht ist Messen doch einfacher als Manipulieren?

  13. Dr. Markus Kühbacher sagt:

    Sehr geehrter Herr Professor Nitsch,

    wie Sie sicherlich wissen, muss sich derzeit ihr ehemaliger Doktorand und Habilitand Herr PD Dr. med. Nicolai E. Savaskan vor mehreren Untersuchungskommissionen aufgrund des Verdachtes der Erfindung und Fälschung von Forschungsdaten verantworten. Mit diesem Schreiben erlaube ich mir Ihnen einige Fragen in Bezug auf Publikationen zu stellen, die Sie als Co-Autor bzw. Senior-Autor mitverantworten.

    Activation of Microglial Poly(ADP-Ribose)-Polymerase-1 by Cholesterol Breakdown Products during Neuroinflammation: a Link between Demyelination and Neuronal Damage, The Journal of experimental medicine, 198(11):1729-40

    – Wurden für die Abbildung 1 Messwerte erfunden, weil die analysierten Moleküle nicht nachweisbar waren bzw. vermeintlich unter der Nachweisgrenze lagen?

    Molecular analysis of Nogo expression in the hippocampus during development and following lesion and seizure, FASEB Journal, 17(9):1153-5

    – Wurden die Primärdaten und deren statistische Auswertungen, auf denen die Säulengrafiken in zahlreichen Abbildungen (z. B. Figure 7) basieren, vernichtet? Wenn ja, geschah dies fahrlässig, grob fahrlässig oder vorsätzlich und wie kann man dann beweisen, dass es diese Primärdaten jemals gab? Wenn nein, wo befinden sich dann die Primärdaten?

    – Warum taucht ein Teil der Abbildung 15 D gleich zweimal auch in der Abbildung 5 B auf?

    – Wie ist die Fallzahl n = 12 in der Abbildungslegende der Abbildung 15 („Results are given ± SD from 5 rats in each group (n = 12).“) berechnet worden?

    – Warum wurden die Videoaufzeichnungen der in Abbildung 15 thematisierten Tierversuche (siehe auch Methodenteil) überspielt? Warum hat die Erstautorin diese Videoaufzeichnungen und die dazugehörigen Tierversuche nie selbst gesehen?

    Plasticity-related gene 5 (PRG5) induces filopodia and neurite growth and impedes lysophosphatidic acid- and nogo-A-mediated axonal retraction,
    Molecular biology of the cell, 21(4):521-37

    – Werden die von der Firma GENNSA Tech Inc. bezogenen Drittmittel (siehe Danksagung) bei der leistungsbezogenen Mittelvergabe berücksichtigt?

    – Warum ist diese Firma nicht im Handelsregister eingetragen?

    – Wo hat diese Firma ihren Sitz?

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Markus Kühbacher

  14. Popken sagt:

    Es gibt unzählige Statuten zu guter wissenschaftlicher Praxis. Der DFG Ombudsman versorgt mit entsprechenden Pressemitteilungen, Konferenzen und anderen Events zur Wissenschaftsethik regelmäßig Wissenschaftsjournalisten, von denen zu viele nur brav nachposaunen und nicht merken, dass sie benutzt werden. Das hohle Palaver interessiert kaum noch jemanden und wird unter Insidern als Alibi belächelt. Einer gutgläubigen Öffentlichkeit soll der Anschein vermittelt werden, man habe die Moral unter Kontrolle. Entsprechend urteilen Marco Finetti (DFG, Press & PR Office) et al. in „Der Sündenfall“ über Wissenschaftseinrichtungen: „Der Durchsetzung von Definitionen, Richtlinien und Sanktionen widmen sie sich jedenfalls nicht.“ (S. 218) Solcher Feststellung kann man leider nur zustimmen.

    Es ist diese Erfahrung, die auch Herrn Dr. Kühbacher nach Monaten der Verschleppung offenbar so sehr frustriert, dass er schließlich den Spieß umdreht. Als ehemaliger Offizier eröffnet er eine Generaloffensive und sucht Öffentlichkeit; Angriff als bester Schutz. Aus solcher Entwicklung sollte insbesondere das DFG Ombudsgremium sehr ernste Lehren ziehen. Aufgrund widersprüchlicher Aussagen und des zögerlichen Handelns kann das Gremium eine Mitverantwortung an der stetigen Eskalation des Falls (siehe Kommentar unter dem 18. März) kaum leugnen.

    „Wissenschaftlichem Fehlverhalten entgegen[zu]wirken“ (DFG Pressemitteilung, Nr. 52, 2005) und gute Publikationsethik erfordern die Schaffung von Transparenz anhand konkreter Fallbeispiele. Es ist schließlich die DFG selbst, die in einem Curriculum zur „Guten wissenschaftlichen Praxis“ (2009, S. 10) feststellt: „Fallbeispiele aus der Praxis erhöhen die Aufmerksamkeit, machen die Probleme anschaulich und erleichtern das Lernen.“ Dafür ist die Laborjournal-Story aus dem Milieu der Fehlerbalken ein sehr gutes Beispiel. Im Wissenschaftsbetrieb mit der beanspruchten Selbstkontrolle, wenn man an solches Konstrukt überhaupt und blauäugig glauben will, ist investigativer Wissenschaftsjournalismus ein wichtiges Korrektiv. Solche Transparenz wird vom DFG Ombudsgremium zwar in der Theorie propagiert – in der Praxis vom selben Gremium aber nicht vorgelebt.

  15. Adebar Storch sagt:

    Auffällige Ziffernhäufungen

    Wie Herr Rehm ja mitteilte, sind bei der Publikation von Heeren et al. (2001) in Fig. 6a und den von ihm zugesandten Daten sehr auffällige Befunde zu sehen, u.a. wurden Zahlen gerundet, Daten einer Ratte (von nur vier!) weggelassen, höhere counts gemessen als eigentlich da sein sollten usw. Insgesamt nicht eben Kennzeichen sauberer experimenteller Arbeiten.

    In einer jüngeren Arbeit (Rellin, Heeren, Beisiegel (korrespondierende Autorin)) aus dem Jahr 2008 (Recycling of apolipoprotein E is not associated with cholesterol efflux in neuronal cells. Biochimica et Biophysica Acta 1781: 232-238) sind ebenfalls sehr auffällige und merkwürdige Besonderheiten festzustellen. Zunächst fehlt in der Veröffentlichung jeder Hinweis darauf, ob die Abweichungen in den Abbildungen SEM oder SD sind. Weiterhin fehlt komplett eine Beschreibung der statistischen Methoden (!).

    Sehr seltsam ist vor allem die Tabelle 1. Hier werden die Expressionen verschiedener Gene angegeben. Die Angaben sind extrem genau, z.B. 2,226,245 ± 66,821. Hier sind die Werte als Mittelwerte ± SEM (n=4) angegeben, ausgedrückt als Kopien der Gene bezogen auf die Anzahl Kopien des Gens TBP. Abgesehen davon, dass so viele Stellen eine hohe Genauigkeit suggerieren (die aber nicht zu erwarten und aufgrund der Streuungen auch irrelevant ist), kommt bei näherer Betrachtung etwas ins Spiel, was verdächtig ist, und zwar Ziffernhäufungen.

    Die insgesamt 162 Ziffern in der Tabelle sind nicht gleich verteilt. Der chi²-Test liefert einen p-Wert von <0.001. Die Ziffer „6“ kommt nur 7-mal vor, die Ziffern „2“ und „5“ hingegen jeweils 26-mal. Auffällig ist auch, dass die Summe der Ziffern 1-5 111 ist, die Summe der Ziffern 6-0 dagegen nur 51. Auch die Verteilung der Endziffern (36) ist auffällig, so kommt die „6“ gar nicht vor, die „7“ dagegen gleich 9-mal (25%).

    Was sagt die Wissenschaft dazu? Die Leser können hierzu folgende Arbeiten zu Rate ziehen: Mosimann et al. (1995) Data fabrication: can people generate random digits? Account. Res. 4: 31–55; Al-Marzouki et al. (2005) Are these data real? Statistical methods for the detection of data fabrication in clinical trials, BMJ 331: 267–270.

  16. Alice sagt:

    In Folge 15 wird Hugo Habicht zitiert: „Noch etwas zur Standardabweichung: sie ist eine sinnvolle Größe, wenn man viele Messwerte hat und diese normalverteilt sind.“ Solche Allgemeinaussage ist Unsinn. Selbstverständlich ist die Standardabweichung wohl definiert und sinnvoll auch bei kleinen Stichproben und erfordert keineswegs das Vorliegen einer Normalverteilung. Weiterhin umschreibt Hugo Habicht die inkriminierte Fig. 6A wohlwollend als „nicht sehr glücklich“, „etwas unsauber“ und „dass Ratte 3 in Fig. 6A fehlt ist aber schade.“ Ja hoppla! Geht es hier etwa gar nicht um die saubere Wiedergabe eines wissenschaftlichen Experimentes und daraus Schlussfolgerungen, die empirisch überprüfbar sein sollten?

    Die Unterschlagung der Ratte 3 (weil ‚Ausreißer’ aus einer doch so ‚schönen’ Statistik) ist eine grobe und höchst unwissenschaftliche Manipulation des tatsächlichen Experimentverlaufs. Dieses wiegt umso schwerer, weil die Stichprobe von insgesamt vier Ratten klein ist. Das Herausnehmen der Ratte 3 hätte im Paper in aller Ausführlichkeit begründet werden müssen. Stattdessen heißt es zu Fig. 6A: „represents … four animals analyzed“, als ob die kumulative Darstellung alle vier Ratten umfassen würde.

    Die Tabelle mit den Originaldaten zur Kinetik beinhaltet die Berechnung der Mittelwerte und „Fehlerbalken“ (+/- S.D.) für Fig. 6A. Für die Mittelwerte werden, wie bekannt, nur drei Ratten berücksichtigt. Wie gelangt man zu den tabellierten Abweichungen? Entweder wurden dabei die drei Ratten 1, 2 & 4 als eine Gesamtpopulation betrachtet, was eine völlig unzulässige Annahme wäre. Oder die drei Ratten wurden richtigerweise als Stichprobe einer Population betrachtet, wobei anstatt der korrekten Division durch sqrt((n-1)=2) aber eine Division durch sqrt(3) durchgeführt wurde, was eine Stichprobe von 3+1=4 Ratten erfordern würde (so wie es in der Legende zu Fig. 6A ja auch suggeriert wird). Wenn man tatsächlich nur drei Ratten (1, 2 & 4) einbezieht und diese korrekt als Stichprobe einer Gesamtpopulation betrachtet, dann sind die resultierenden Standardabweichungen (S.D.) für das Experiment relativ um 22.5 Prozent größer (oder ‚unschöner’) als in der Tabelle angegeben.

    Die Publikation datiert aus dem Nov. 2001, und die Probleme sind Frau Beisiegel mit Sicherheit bisher unbekannt gewesen. Deshalb hier noch ein Wort zu Autorschaften. In den „DFG Empfehlungen der Kommission „Selbstkontrolle in der Wissenschaft““ aus dem Jahr 1998 (Web-Link unter Ref. [3] bei http://www.wissenschaftliche-gepflogenheiten.de) heißt es in der Empfehlung 11: „Autorinnen und Autoren wissenschaftlicher Veröffentlichungen tragen die Verantwortung für deren Inhalt stets gemeinsam. Eine sogenannte „Ehrenautorschaft“ ist ausgeschlossen“ (S. 18). Dieser Grundsatz gilt doch auch für die Sprecherin des DFG-Ombudsman in ihrer Vorbildfunktion.

  17. Lady Dada sagt:

    Sehr geehrter Herr Rehm,

    zunächst einmal möchte ich Sie zu der gelungenen und gut recherchierten Story beglückwünschen. Gut recherchiert – ja, aber auch SEHR gut recherchiert? Es ist für mich verwunderlich, daß Sie Herrn Penibel bewundern. Ich würde ihn lieber Mr. Falschaussage nennen. Wieso? Sie haben selbst festgestellt, daß es offenbar sich hierbei nicht um Betrug handelt, wenn dann eher „schlampiges Arbeiten“. Herr Penibel hat aber durchweg in Ihrer Geschichte Herrn Schlamper als „Fälscher“ tituliert. Nochmal: Sie halten selbst fest, daß es keine Fälschung ist. Offenbar ist Herr Falschaussage ein Lügner? Darüber hinaus halten Sie und Herr Kühbacher fest, daß gegen Herrn Schlamper Untersuchungen laufen (ich nehme an: DFG, Ombud etc). Sollten diese Angelegenheiten nicht bis zum Abschluss eines Verfahrens vertraulich behandelt werden, bis Schuld oder Unschuld bewiesen sind? Wieso geht Herr Penibel, Mr. Falschaussage, Senor „Rufmörder“ – nenne ihn wie Du willst – also bei offenbar bestehenden Verdachtsmomenten an die Öffentlichkeit? Ist das der Weg den man als Wissenschaftler gehen sollte, ist das wirklich „bewundernswert“?

    Weiter im Text. Ich gehe davon aus, daß Herr Penibel penibel genug sein sollte, um in seiner eigenen Arbeit keine Fehler auftauchen zu lassen. Motiviert von Herrn Storchs Untersuchungen habe ich mir die letzte von ihm kommunizierte Arbeit angesehen. Allein in dieser Arbeit, begutachtet und publiziert im Journal of Neurochemistry, finde ich auf Anhieb 3 Fehler oder ich will sie lieber „Verdachtsmomente“ bzw. „Auffälligkeiten“ nennen: gleich große Standardabweichungen, viel schlimmer – exakte Mittelwerte in unterschiedlichen Hirnarealen, verschobene +/- Standardabweichungen. Wie kann das sein Herr Penibel??? Hat Herr Penibel den Splitter im Auge von Herrn Schlamper gesehen, aber nicht den Balken im eigenen? Das konnte ich einfach nicht glauben. Daher habe ich, nun motiviert von Folge 17, die Artikel des Nobelpreisträgers Eric Kandel mir angesehen. Auch hier fanden sich Auffälligkeiten. Wie kann das sein??? Ist der Nobelpreisträger auch ein Fälscher oder ein Schlamper? Kann es vielleicht sein, daß durch die Kompression (siehe Verfahrensweise zur Kompression von Daten bei z.B. JPEG, PDF, etc.) der Daten eine perfekte Analyse mittels Adobe nicht mehr möglich ist? Was ist wahrscheinlicher? Multipelste Wissenschaftler, die nicht gewillt sind sauber zu arbeiten, sondern den mühsamen Weg der Fälschung gehen? Oder eher ein Tool, das nicht sauber arbeitet? Was halten Sie für wahrscheinlicher???

    Herr Heeren ist gewillt seine Daten unverzüglich mit Ihnen zu kommunizieren, unterbricht dafür sogar seinen Urlaub. Herr Savaskan steht Ihnen unverzüglich Rede und Antwort und versucht sogar in einem persönlichen Gespräch mit Ihnen Unklarheiten zu bereinigen. Und die Rechnung? Noch weitere Fragen und sogenannte „Auffälligkeiten“… Was lernen wir daraus? Klappe halten, genau.

    Ich fasse zusammen: Dank Adobe, PDF, JPEG ist es möglich rasch an KOMPRIMIERTE Daten zu kommen. Dank modernen, offenbar noch nicht ausgereifter Techniken, kann ich jeden, aber absolut jeden Wissenschaftler aufs Korn nehmen und eine Unzahl an „Auffälligkeiten“ finden.

    Wie sieht es mit Ihnen aus? Haben Sie, liebe Blogger (und auch Sie Herr Rehm), auch vor der eigenen Haustür gekehrt und mal mit Adobe Ihre eigenen Arbeiten gewissenhaft gecheckt? Natürlich nicht, denn wir publizieren ja fehlerfrei, oder?

    MfG und LMAA an die „pseudowissenschaftliche Community“. Meine Schwester Lady Gaga würde sagen: „the fame monster“.

  18. spectator sagt:

    Hallo Lady Dada,

    der Hauptpunkt ist ja wohl die wundersame Vermehrung der Ratten. Alles andere kann man vielleicht als Schlamperei abhandeln, aber das ist Betrug, oder?

  19. Adebar Storch sagt:

    Hallo Lady Dada,

    könnten Sie Ihre Beobachtungen zu Herrn Kühbachers letzter Arbeit im J Neurochem (Bd 110: 133-42) präzisieren? Mir ist beim Lesen und Betrachten der Abbildungen zunächst nichts aufgefallen. Danke.

  20. Lady Dada sagt:

    Lieber Spectator,

    vielleicht nochmal aufmerksam die Story lesen, hm? Dann läßt sich auch eine wundersame Vermehrung erklären.

    Lieber Adebar Storch,

    bitte mal Fig. 2c (stratum granulare / olfactory bulb) und Fig. 4c (Messungen 3,5 und 7) genau anschauen. Sind vollkommen identisch. Komisch, oder? Oder mit Herrn Penibels Worten: auffällig.

  21. ich sagt:

    auch durch schroffe wortwahl, lady dada, werden meinungen nicht überzeugender oder wichtiger… [edit: der Rest des Kommentars wurde gelöscht, da er unangemessene Mutmaßungen über die Persönlichkeit der Kommentatorin Lady Dada enthielt]

  22. spectator sagt:

    @lady dada,

    also ich finde das nicht überzeugend geklärt.
    aber vielleicht sollte man jetzt erstmal in ruhe die ergebnisse der diversen untersuchungsausschüsse abwarten.

  23. Lady Dada sagt:

    Lieber „ich“,

    was hältst Du denn für eine schraffe Wortwahl? Hmmm, ist vielleicht Herr „ich“ mit in die Story involviert und fühlt sich jetzt fürchterlich angegriffen? Kommt mir bekannt vor die Geschichte: Herr Penibel fühlt sich nicht verstanden von Frau Beisiegel – ergo: Frau Beisiegel ist auch hoch verdächtig. Wollen wir doch mal objektiv bleiben: An der Story ist doch Einiges schief gelaufen. Schuld / Unschuld: Ist das so einfach auszumachen? Ombud, DFG, Charité zerbrechen sich die Köpfe seit über einem Jahr (oder noch länger?) und wir urteilen hier im Blog. Kennen wir wirklich alle Details? Oder fehlen uns relevante Puzzle-Teile? Zudem muss mich doch Herr „ich“ nicht gleich beschimpfen, das gehört sich nicht für einen Gentleman (wovon ich ausgehe – Herr Hauptmann 😉 )

  24. Lady Dada sagt:

    Lieber Spectator,

    genau das ist es ja was ich sage: Wir können doch nicht hier über Herrn Savaskan, Herrn Kühbacher, Frau Beisiegel und Herrn Heeren uns einfach mal so ein Urteil bilden. Daher ist die Entscheidung der entsprechenden Gremien abzuwarten. Und genau deswegen werden eigentlich alle Beteiligten bei solch einer Sache erstmal zum Stillschweigen verpflichtet – es soll ja niemand aufgrund von Mutmaßungen in der Öffentlichkeit gefedert und geteert werden. Das ist ja meine Kritik: Wer hat sowas vor Beendigung öffentlich gemacht? Ich komme mir vor wie so ein „Schaulustiger bei einem Verkehrsunfall“… Schlimm, oder?

  25. Alice sagt:

    Unerschütterlicher Glaube und das Vertrauen in „die Entscheidung der entsprechenden Gremien“ in allen Ehren! Es zeugt allerdings von sehr wenig Einblick, wie solche Gremien der angeblichen Selbstkontrolle im Wissenschaftsbetrieb tatsächlich agieren – unter dem Deckmantel einer vermeintlich im Interesse der Betroffenen erforderlichen Diskretion.

    Es verwundert gar nicht, dass Betroffene, die sich zunächst gutgläubig (Ombuds-)Gremien anvertraut und dort um Hilfe nachgesucht haben, sich aufgrund des Lavierens und Taktierens solcher Einrichtungen schließlich frustriert abwenden, ihren eigenen Fall dann „öffentlich machen“ und damit die „Verpflichtung zum Stillschweigen“ enttarnen als Teil der Strategie, nämlich des Low-Profiles und des unter-den-Teppich-Kehrens.

    Es sind Autoren selbst, die mit ihren Veröffentlichungen die Öffentlichkeit suchen. Es ist also vollkommen legitim, wenn Insider, Fachleute und hier das Laborjournal als Teile eben dieser Öffentlichkeit diese Veröffentlichungen auch öffentlich diskutieren und „sich einfach mal so ein Urteil bilden“. Wissenschaftler, die Lex artis arbeiten, scheuen keineswegs sondern suchen genau solche Öffentlichkeit und Auseinandersetzung! Und noch ein Plädoyer für Öffentlichkeit: Es sind nicht irgendwelche auserkorenen oder erlauchten closed-community Gremien oder Kommissionen der Selbstkontrolle sondern es ist die Steuern zahlende Öffentlichkeit, die unsere Forschung und deren Integrität finanziert.

  26. Eppy sagt:

    Hi Alice,

    die Frage ist doch, was einen Kühbacher antreibt. Sicher NICHT die Wahrheit!
    Denn es verwundert schon sehr, wie Kühbacher u.a. auch eine persönlich adressierte Email an dieser Stelle öffentlich macht anstelle direkt die Person anzufragen. Das gleiche gilt auch bei MÖGLICHEN Unstimmigkeiten von Herrens/Beisiegels Papieren. Da sollten doch zuallererst die Betroffenen, also Beisiegel selbst direkt kontaktiert werden, zumindest ist das der redliche und bisher auch übliche Weg unter Wissenschaftlern/innen. Und die Steuern zahlende Öffentlichkeit hat da herzlich wenig von, wurde von Kühbacher wahrscheinlich nicht einmal gefragt. War da nicht mal was mit Maulkorb in dem Artikel, iigit, wie undemokratisch.
    Kein Wissenschaftler will doch in öffentlichen Foren unter einem Rehm Titel wie ‚Charité-Fälschungsskandal‘ genannt werden, vor allem bei einem laufenden Verfahren nicht. Denn solche Verlautbarungen und Tatverdächtigungen sind bestens geeignet, Personen auch ungeniert zu diskreditieren. Insofern ist der Rehm Vergleich mit dem Falschparken und dem Mord einleuchtend, d.h. Fehler sind (noch) nicht gleich Fälschungen. Oder doch? Und wer meint, er/sie sei fehlerfrei (ohne Veröffentlichungen ist das ja einfach), soll den ersten Stein werfen. Den Ausgang solcher Geschichten kennen wir ja schon…Wenn da mal nicht vor lauter Falschparkiererei einer unter die Räder kommt.

    Wenn Rehm recht hätte, dass die Fehler und Schlampereien das Problem der deutschen Wissenschaft sind, dann könnten wir uns glücklich schätzen und getrost zu der Konkurrenz in Angelsachsien blicken. Wenn’s so wäre. Wir wissen aber , dass das Problem auf deutscher Seite viel, viel tiefer liegt. Da hält es sich gut mit Sol Snyders Worten: It takes about the same amount of effort to work on an important problem as a trivial and pedestrian one. So why not working on an important one!
    (Ach Mist, Sol Snyder ist ja wieder so ein Falschparkierer.)

    Der eigentliche Skandal jedoch sind die Kommissionen, und hier stellt sich die Frage, wer kontrolliert und evaliert die Kommissionen? Wie kann man Interessenskonflikte innerhalb der Kommissionen am Besten verhindern? Kommissionen (Selbstkontrolle) sind gut, Kontrolle dieser wäre besser!

  27. Dr. Markus Kühbacher sagt:

    Sehr geehrte Frau Lady Dada,

    in einer Reihe von Blogbeiträgen erheben Sie schwere Vorwürfe gegen mich. Ohne Ihnen Ihre emotional gefärbten Angriffe gegen mich nachzutragen, möchte ich Sie und Herrn Dr. Rehm hiermit herzlich einladen, an der Untersuchung der von Ihnen inkriminierten Publikation von mir teilzunehmen. Da es sich bei den vermeintlich „exakten Mittelwerten“ tatsächlich um zwei bzw. drei einzelne Werte handelt, deren Nachkommastellen sich unterscheiden, lassen sich die von Ihnen als Fehler unterstellten Auffälligkeiten problemlos aufklären. Gerne würde ich Ihnen aber darüber hinaus auch die dokumentierte Datenerhebung und Auswertung präsentieren. Dazu gehören neben den Primärdaten der Neutronen-Aktivierungsanalyse und den Autoradiogrammen sowie der dazugehörigen getrockneten 2D-Gele auch die entsprechenden densitometrischen Auswertungen mittels der Software AIDA, die ich im Unterschied zu Herrn PD Dr. med. Nicolai E. Savaskan routinemäßig abspeichere.

    Nebenbei möchte ich auf Ihre bemüht differenziert vorgetragene Kritik an meiner Person eingehen. Wissenschaft ist der Wahrheit verpflichtet. Das Erfinden und Fälschen von klinisch relevanten Daten ist darüber hinaus ethisch verwerflich. Daher erlaube ich mir an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass Herr Dr. Savaskan einen videodokumentierten Tierversuch mit Selenmangelratten erfunden hat, der vermeintlich am Hahn-Meitner-Institut durchgeführt worden sei. Ferner hat er Daten vorsätzlich gefälscht und unwahre Tatsachenbehauptungen verbreitet. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass inzwischen seine Unterschrift unter seiner eidesstattlichen Versicherung vom entsprechenden PDF-Dokument der Laborjournalseite entfernt wurde:
    https://www.laborjournal.de/editorials/ed424/Eidesstatt.pdf
    Wer hat das wohl veranlasst? Abschließend möchte ich auch Ihnen gerne die Frage nach der Anschrift der Firma GENNSA Technologies Incorporated stellen?
    http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:8L_PcyTkTq4J:de.linkedin.com/pub/nicolai-savaskan/17/b97/350+GENNSA+savaskan&cd=5&hl=de&ct=clnk&gl=de

    Mit freundlichen Grüßen
    Markus Kühbacher

  28. Webmaster sagt:

    Auf Laborjournal online ist ein PDF-Dokument verlinkt, das eine eidesstattliche Versicherung von Herrn Savaskan enthält. Es handelt sich dabei um ein eingescanntes Dokument. Die auf dem Original dieses Dokumentes vorhandene Unterschrift von Herrn Savaskan wurde von der Redaktion von Laborjournal online alleine aus Gründen des Datenschutzes und der Datensicherheit entfernt. Da wir die Regeln des Datenschutz und der Datensicherheit auf unserem Server sehr ernst nehmen, kamen wir einer entsprechenden Bitte gerne nach.

  29. Alice sagt:

    Hi Eppy,

    Ob Herr Dr. Kühbacher von der Wahrheit angetrieben wird – oder nicht – sei hier dahingestellt; eine Antwort erscheint mir unwichtig. Die Eskalation und die Schaffung von Öffentlichkeit auch im vorliegenden Fall sind Folge einer hier unumstrittenen Feststellung: „Der eigentliche Skandal sind … die Kommissionen“ (Eppy).

    Wenn in solchen Kommissionen und Gremien der wundersamen Unabhängigen Selbstkontrolle (USK) das Einfordern von Verschwiegenheit und das hier ebenfalls unbestrittene Gebot einer im Vorfeld angemessenen Diskretion missbraucht wird zwecks Abwiegelns, Verschleppens und unter-den-Teppich-Kehrens innerhalb geschlossener Fachzirkel, dann hilft offenbar eben nur noch eines: Die Schaffung von Öffentlichkeit.

    Die Bagatellisierung mit dem Vergleich des Falschparkens ist interessant, als dass solches oder darüber hinaus gehendes Fehlverhalten gemäß Straßenverkehrsordnung von unabhängiger Instanz verfolgt und auch sanktioniert wird. Dagegen gibt es im Wissenschaftsbetrieb mit USK zwar viele Appelle an Moral, Ethik etc. aber bestimmt kein ausfüllendes Regelwerk geschweige denn die Durchsetzung von Sanktionen. Das Gremium „Ombudsman der DFG“ versteht sich dann auch nur in beratender Funktion, wird sich aber im Interesse der Glaubwürdigkeit an den Maßstäben selbst messen lassen müssen. Ohne Regeln und Sanktionen bleibt allerdings alles erlaubt, und die Tiraden um Ethik in der Wissenschaft bleiben nur Rufe in ein (beabsichtigtes?) Vakuum. Als Folge wird z.B. Plagiat unter manchen Wissenschaftlern immer noch als eine im Interesse des Karriereaufstiegs doch verzeihliche Bagatelle abgetan; es bleibt allerdings Diebstahl – ein ansonsten durchaus strafrechtlich relevantes Fehlverhalten.

    „Wir wissen aber, dass das Problem … viel, viel tiefer liegt“ (Eppy). Eigentliche Ursachen liegen in der Tat u.a. in verkrusteten Hochschul- und Forschungsstrukturen, Hierarchien und Attitüden des „Chef und Kommission haben schon recht“. Man schafft es „auf deutscher Seite“ einfach nicht, aus wiederholten Skandalen endlich auch strukturelle Konsequenzen ziehen zu wollen (Beispiel: http://www.sueddeutsche.de/panorama/291/459929/text/ ). In diesem Sinn: „Die Selbstreinigungskräfte der Wissenschaft, so viel ist klar, wirken nicht.“ Solcher Schlussfolgerung (des Laborjournals) kann man leider kaum etwas entgegensetzen.

  30. Lady Dada sagt:

    Lieber Markus,

    schick doch Deine Daten an den lieben Adebar. Ich vertraue seinem Urteil.

    Was hast Du nur mit dem Dr. Savaskan? Schon wieder fürchterliche Anschuldigungen. Schade, daß wir nicht alle Details kennen. Und schade, daß solch eine Untersuchung bereits mehrere Monate andauert – sowas nennt man im Fachjargon: an der ausgestreckten Hand verhungern lassen. Aber, mein lieber Scholli, Zeit hast Du offenbar: herauszufiltern, daß ein PDF-Dokument wieder entfernt wurde. Wie oft hast Du zwischenzeitlich die Story gelesen?

    Was hast Du nur mit dieser GENNSA Technologies an der Backe? Worauf willst Du da hinaus? Werde daraus nicht ganz schlau…

    Wo hast Du eigentlich damals solche Untersuchungsmethoden gelernt? Das wird im Artikel nicht ganz klar. Bund oder NVA? BND oder Stasi?

    So, muß wieder an die Bench. Habe noch ein wichtiges Experiment zu laufen.

    Herzliche Grüße,
    LD

    PS: Die Gerüchteküche behauptet, daß Du in einen Autorenstreit mit ein paar Herrschaften aus Göttingen verwickelt bist. Kannst Du uns darüber aufklären?

  31. Dr. Markus Kühbacher sagt:

    Sehr geehrte Frau Lady Dada,

    Herr Adebar Storch und auch Pinocchio sind natürlich herzlich eingeladen. Indessen hoffe ich, dass Ihr Experiment gestern Nacht an der Bench erfolgreich war (n = 3) und Sie somit auch die Zeit fänden zu kommen, denn sonst würden Sie auf dem Gruppenfoto fehlen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Markus Kühbacher

  32. ich sagt:

    Lady Dada,

    vielleicht habe ich mich falsch ausgedrückt, Deine Wortwahl ist nicht schroff, sondern polemisch und plakativ.

    Deine Vergleiche der hier Diskutierenden mit Schaulustigen bei einem Verkehrsunfall bzw. die Anschuldigung, Herr Kühbacher war beim BND oder der Stasi sind allerunterstes Niveau.

    Desweiteren ist deine Annahme, ich sei selbst in den Fall verwickelt, da ich hier eher pro Kühbacher schreibe, auch etwas weit hergeholt. Ist hier plötzlich jeder persönlich in den Fall verwickelt, weil er wahrheitssuchende Wissenschaft und Wissenschaftler in Schutz nimmt ?

    Ganz schön arm, auch Dein Nick.

  33. Lady Dada sagt:

    Lieber ich,

    Der Begriff „schroff“ wurde von Dir benutzt (siehe weiter oben), ich habe nie den Vorfall mit einem Verkehrsunfall verglichen (siehe weiter oben), des Weiteren erzählt doch Herr Kühbacher selbst, daß er Hauptmann war und dort habe er das Ermitteln gelernt (siehe Story). Also ist doch die Frage berechtigt, bei welcher Agency er war. Weiterhin möchte ich festhalten, daß ich weder pro Kühbacher noch Savaskan bin. Und unter wahrheissuchenden Wissenschaftlern verstehe ich was anderes als Deine Person. Wessen Nick ein Armutszeugnis ist weiß ich nicht (ist nicht sehr kreativ sich „ich“ zu nennen – zeugt von Egomanie, oder?).

    Summa summarum: ließ die Story genauer und verwechsel nicht die Tatsachen, bevor Du wahrheitssuchender Wissenschaftler mich erneut attackierst…

    Also, was soll der Mist? Was greifst Du mich an, wenn ich meine Meinung zur Geschichte äußere? Jedenfalls habe ich Dich nicht beschimpft, als Akademiker hätte ich schon mehr Niveau von Dir erwartet – Du wahrheitssuchender Wissenschaftler….

  34. Webmaster sagt:

    Hallo Lady Dada!

    Wir freuen uns über lebhafte Diskussionen im LJ-Blog. Diese sollten aber getragen sein von gegenseitigem Respekt und Achtung. Die elementaren Umgangsformen sollten gewahrt bleiben.

    Leider scheint es hieran manchmal zu mangeln. Begriffe wie Egomanie im Zusammenhang mit anderen Nutzern sind inakzeptabel. Ebenso ist es völlig unangebracht, Verfassungsorgane der Bundesrepublik Deutschland in einem Atemzug mit Organen eines totalitären Regimes zu nennen.

    Wir möchten Sie daher bitten, Ihre Schreibweise zu überdenken und zu ändern oder aber auf Kommentare im LJ-Blog zu verzichten. Wir behalten uns auch weiterhin vor, redaktionell einzugreifen, wenn die elementaren Umgangsformen verletzt werden.

    Mit freundlichen Grüßen

    C. T. Rees
    Webmaster

  35. wiki88 sagt:

    lieber webmaster,
    nur am rande:
    weder bnd noch bundeswehr sind verfassungsorgane. der begriff „totalitäres regime“ angewendet auf die ddr ist zu ulbrichts zeiten umstritten und wird für die zeiten seines nachfolgers von fachleuten nicht angewendet.

    zum thema:
    die hier dargestellte art und weise des umgangs von wissenschaftlern untereinander befremdet mich. kühbacher hat im kern auf die unerwartete vermehrung toter ratten hingewiesen. welcher filz verhindert hier ein ehrliches bekenntnis: „mir ist da ein fehler unterlaufen“? jeder von uns -der experimentiert- ist der versuchung ausgeliefert, im vorfeld ein ergebnis zu favorisieren. die normalität ist aber: erstens kommt es anders und zweitens als du denkst. dieses „anders“ haben wir darzustellen.
    in unserer (naturwissenschaftlich ausgerichteten) arbeitsgruppe wird übrigens niemand wegen eines fehlers schief angesehen. wahrscheinlich, weil man mit steigender anzahl der experimentellen freiheitsgrade auf sowas keine zeit verschwendet.
    im übrigen finde ich den trend in richtung der anerkennung weniger hochkarätiger veröffentlichungen besser als jeden h-faktor.

  36. Webmaster sagt:

    Hallo wiki88!

    Stimmt, die Bundeswehr ist kein Verfassungsorgan. Da hab ich was übertrieben. Bei der Bezeichnung „Totalitäres Regime“ für die DDR bleibe ich. Finden Sie es ok, wenn die Bundeswehr in einem Zug mit der STASI genannt wird und das mit dem alleinigen Zweck der persönlichen Herabsetzung eines ehemaligen Bundeswehrmitgliedes?

    Hauptgrund meines Postings war es, auf die elementaren Regeln des Anstands in unserem Blog hinzuweisen und zu unterstreichen, dass wir diese durchzusetzen gedenken.

    Viele Grüße

    C. T. Rees

  37. Adebar Storch sagt:

    Hallo Lady Dada et al.,

    hier im Blog wurde von Ihnen und anderen über die Motivation von Herrn Dr. Kühbacher spekuliert. Die ganzen Hintergründe kennen wir (noch) nicht, es ist aber klar, dass es verschiedene Stränge gibt und die verschiedenen Personen in einem hochkomplexen (und hochexplosiven?) Plot verwickelt sind.

    Nur so viel: Als whistleblower ist man schnell in einer sehr unangenehmen Situation und wird angegriffen. Die Insitutionen und „hochstehende“ Personen (nicht: Persönlichkeiten) haben leider oft den längeren Atem und können einen am langen Arm verhungern lassen. Das ist der eigentliche Skandal. Diese Untersuchungen dauern einfach viel zu lange! Dass man dann auch an die Öffentlichkeit tritt, um auf diesen Missstand hinzuweisen, ist verständlich.

  38. Nachdem ich nun auch den Artikel „Komische Kometen und die Selbstreinigung der Wissenschaft“ gelesen habe, war ich überrascht, dass eine Spur von Wien nach Berlin führt, die Hauptstadt mit den vielen drittmittelfinanzierten Fehlerbalken.

    Die Formulierung, die in dem Artikel aus Nature 454, 917-918 (21 August 2008) zitiert wurde: „Austria is a small country, and networks between power-brokers are small and tight. But something, it seems, is rotten in the state of Austria …“ ist doch ziemlich bezeichnend. Aber die Frage, die sich mir nun stellt, lautet: Was unterscheidet das deutsche Wissenschaftssoziotop von dem in Österreich? Glücklicherweise wird Frau Professorin Beisiegel nun auch in Österreich dafür sorgen, dass wissenschaftliches Fehlverhalten aufgeklärt wird. Die Untersuchungen im Falle der unter Verdacht stehenden Reflex-Studie werden sicher umfassend und ergebnisoffen geführt. Der Mobilfunkprovider wird die Einzelverbindungsnachweise der bestrahlten Zellkulturen sicher nicht mehr gespeichert haben. Bei uns in Deutschland ist eine solche Vorratsdatenspeicherung ja inzwischen nicht mal verfassungskonform. Aber die Laborbücher der Versuche, die 2003 in Berlin von Frau Kratochvil im Rahmen der Reflex-Studie durchgeführt worden sein sollen, werden sicherlich noch existieren. Den Satz im Protokoll über die 5. Sitzung des Rates für Wissenschaftsethik:

    „Weiteren Ermittlungen, die die Umstände bei den Versuchen im Jahre 2003 in Berlin beträfen, sind räumliche und zeitliche Grenzen gesetzt und erscheinen aussichtslos.“

    hätte Shakespeare nicht besser formulieren können. Die konditionale Wahrscheinlichkeit der Aussichtslosigkeit unter den Bedingungen, dass räumliche und zeitliche Grenzen (immerhin keine Sprachgrenzen) überschritten werden müssen ist aber nicht gleich eins. Daher wäre es doch spannend zu fragen, in welchem Labor und mit welchem Ergebnis wurden diese Versuche in Berlin durchgeführt?

  39. Lieber Meister Lampe,

    Sie sollten sich einfach damit abfinden, dass geschätzte 20 bis 30% aller wissenschaftlichen Publikationen nicht reproduzierbar sind, wie ich auch bereits Herrn Rehm erklärt habe. Ich weiß wovon ich rede, denn ich schreibe und begutachte solche Publikationen. Daher lade ich Sie herzlich zu einer Pilgerreise in mein Labor ein und zeige Ihnen wie man ein quick and dirty Professor wird, ohne Primärdaten abspeichern zu müssen. Denn wenn man keine Primärdaten hat, kann einem auch keine Fälschung nachgewiesen werden und Videobänder lassen sich überspielen. Gerne werte ich Ihre Daten auch selber aus, denn mein Statistikprogramm macht alles signifikant. Wissenschaft ist inzwischen halt auch Entertainment, was interessiert uns da ein schiefer Fehlerbalken. Beim Schätzen der Zellzahlen kommt es auf die Pointe an, nämlich alle vorher genannten Angaben in einem neuem Licht erscheinen zu lassen. Meine Fehlertoleranz orientiert sich dabei immer am Ergebnis, je hochrangiger die Publikation desto mehr kreatives Entertainment ist gefordert. Außerdem kenne ich die Gutachter ziemlich gut. Die wissen, dass auch ich Ihnen einen Gefallen täte, wenn ich als Reviewer nicht nachrechnen muss, was in deren Publikationen alles so steht. Haben Sie etwa noch nie falsch geparkt? Ich kenne da einen Nobelpreisträger, der auch falsch parkt!

    Herzliche Grüße,
    Reineke Fuchs

    Homepage: http://de.wikipedia.org/wiki/Reineke_Fuchs

  40. Lieber Spectator,

    vielen Dank für den Hinweis. Vielleicht bewirbt sich Herr S. ja alsbald bei mir. So einen kann ich gut bei mir im Labor gebrauchen. Leider ist Meister Lampe, der doch tatsächlich meiner Einladung in mein Labor gefolgt ist, eine totale Fehlbesetzung. Obgleich er bereit war, sich freiwillig für die CSF-Probennahme punktieren zu lassen, um für eine Publikation meiner Frau, die auch in der Spitzenforschung tätig ist, die noch fehlenden Kontrollen zu liefern, kann er sich inzwischen leider nicht mehr erinnern, dass er die Patientenverfügung für die Hippocampus-Resektion unterschrieben hat. Die haben wir bei uns natürlich anders als im Manuskript 2 von Herrn PD Dr. med. Savaskan beschrieben (https://www.laborjournal.de/editorials/ed424/Ms2_web.pdf) nicht der Ethik-Kommission vorgelegt, denn wir hätten sonst nie durchbekommen, auch den Rest von Meister Lampes Gehirn in Formalin einzulegen. Nichts geht halt über das Tiermodell eines hoppelnden Hasen. Zuletzt hat er noch laut aufgeschrien und den Namen des Labors in Berlin genannt, in dem ein spannender Beitrag für die REFLEX-Studie erhoben wurde.

    Mit mir als seinem Mentor wäre das Herrn S. in Berlin im Übrigen nicht passiert. Zunächst einmal hätte ich ihm die fehlenden Gewebeschnitte der erfundenen Tiere einfach besorgt. Dann hätte ich dafür gesorgt, dass einer meiner vielen Freunde ihm einfach ein Gefälligkeitsgutachten schreibt. Gleichzeitig hätte ich unter mehreren Pseudonymen in diesem Forum die persönliche Glaubwürdigkeit des Gegners angegriffen. Und wenn das alles nichts geholfen hätte, hätte ich in Berlin die Untersuchungskommission gebeten, die Originaldaten verschwinden zu lassen.

    Ich wäre auch nicht davor zurückgeschreckt, mich für das Amt des Dekans zu bewerben. Was könnte man dort alles anstellen und neu aufbauen. Gleichwohl, bevor man neu aufbaut, muss man natürlich das Alte zerstören. Aber genau das traue ich mir natürlich zu. Für die Charité hätte ich große Pläne. Doch die vielen grauhaarigen Isegrims wären mir ein Graus. Wenn der Flughafen in Tegel stillgelegt wird, könnte man dort z. B. ganz ohne Asbest die Charité nach meinen Vorstellungen nicht nur architektonisch neu aufstellen. Die Berechnungen für die Statik würde ich natürlich nicht die Leute aus meinem Labor machen lassen, es sollten halt schon mehrere Etagen werden. Aber bei der Finanzierung würde ich es halten, wie mit der Zahl der Versuchstiere bei Herrn S.. Trotz all der Konjunktive, selbst wenn später ein paar Millionen fehlen, man würde mich niemals überführen!

    Herzliche Grüße,
    Reineke Fuchs

    Homepage: http://de.wikipedia.org/wiki/Reineke_Fuchs

  41. Adebar Storch sagt:

    Heute in der Presse:

    „DFG rügt Forscher der Charité
    (03.05.10)

    Anzeige
    Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat am Freitag gegenüber dem Berliner Forscher Nicolai Savaskan eine „schriftliche Rüge“ ausgesprochen. Ein Ausschuss hatte zuvor „wissenschaftliches Fehlverhalten“ bei dem Neuroanatom festgestellt. Eine Untersuchungskommission der Charité war zu demselben Ergebnis gekommen und hatte empfohlen, die Berufung Savaskans zum Professor zurückzunehmen (der Tagesspiegel berichtete ausführlich am 30. April). Savaskan hat nach Ansicht der DFG in einem zur Veröffentlichung eingereichten Manuskript falsche Angaben gemacht. „Konkret wurde der Eindruck erweckt, für die dargestellten Forschungsarbeiten seien mehrere Versuchstiere eingesetzt und untersucht worden, wohingegen tatsächlich nur ein Versuchstier genutzt wurde“, sagte die Generalsekretärin der DFG, Dorothee Dzwonnek. Die Rüge solle ein Zeichen gegen eine solche Arbeitsweise und für die Einhaltung guter wissenschaftlicher Praxis setzen.“

    Quelle: http://www.pnn.de/wissen/289353/

  42. ich sagt:

    Herr Fuchs,

    ich dachte auch früher, ein Dekan kann alles tun und lassen was er will.
    Aber selbst Martin Paul hatte scheinbar damit ein Problem an der Charite
    und es erst im Nahinein aus sicherer Entfernung klar ausgedrückt:

    „tagesschau.de: Am Berliner Universitätsklinikum Charité waren Sie mehrere Jahre lang Dekan. Seit einem Semester sind Sie in Maastricht. Warum sind Sie gegangen?

    Paul: Ich hatte keine Lust mehr, weiter nur den Mangel zu verwalten. Aufgrund der schwierigen Berliner Finanzlage wurden die Gelder immer knapper. Und als Dekan will man positiv gestalten und nicht nur Kürzungen vermitteln.“

    http://www.tagesschau.de/inland/bildungsstreik110.html

  43. Frau Ich,

    vielen Dank für das Stichwort, auf das ich schon gewartet habe: Berliner Finanzlage. Gerade unter diesen Verhältnissen hätte ich die passenden Antworten für die Finanzierung der Forschung an der Charité, denn es handelt sich um ein typisches Leib-Seele-Problem. Man müsste einfach eine leistungsorientierte Budgetierung nach dem Motto „Jedem nach seiner Leistung“ einführen. Die Leistung ließe sich mittels statistischer Kennzahlen erfassen. Im alten Griechenland, im Sozialismus und auch ich hatte damit bisher Erfolg. Die Leistungsmessungen würde ich als Dekan natürlich selber durchführen. Warum sollten nicht auch 150% Planerfüllung möglich sein, z. B. im eigenen Institut.

    Dann müsste man mit den privaten Betreibern der Krankenversorgung die passenden Verträge aushandeln und diese mit neuen Infrastrukturvorhaben koppeln. Wozu die Altlasten sanieren, die kränkelnde Stadt braucht neue Leuchttürme, eine im Übrigen unter dem Begriff Lichttherapie bekannte Maßnahme!

    Die Scheinwerfer sind auch beim klammen Zuwendungsgeber beliebt. Im Hofstaat des regierenden Königs, des Partylöwen Nobel, müsste man Kontakte zum Zahlmeister herstellen. Am besten man macht mit ihm eine gemeinsame Kutschfahrt. Dann verspricht man den von der DFG an sicherer Stätte heimlich verwahrten Schatz zu heben. Man müsste nur ein Zertifikat über die eigene Exzellenz erlangen.

    Zur Not würde ich mich auch zum Sprecher eines SFBs küren lassen und Drittmittel aus Silber und Gold beschaffen. So was schafft Abhängigkeiten sowie Neid bei meinen Gegnern. Aber am wichtigsten ist es die Wissenschaft à la Hollywood zu gestalten, denn das kommt beim Löwen Nobel an. Jeder denkt, wenn er ins Kino geht, dass die Fassaden im Film echt sind, aber wir Spitzenforscher wissen es besser. Und wenn ein Stuntman beim Dreh einer gewagten Szene in Lebensgefahr gerät, wie z. B. der junge Privatdozent Braun der Bär, ist das bei den vielen übrigen Kassenschlagern einfach n. e. s. (= nicht einmal signifikant). Aber man darf es natürlich nicht übertreiben, sonst endet man wie der Schneider der Gewänder im 3D-Film „Des Kaisers neue Kleider“!

    Abschließend darf ich Sie bitten, liebe Frau Kollegin, sollten Sie Herrn Prof. Dr. Grimbart Drachs in seinem Bau antreffen, richten Sie im doch liebe Grüße von mir und meinen Dank für das schöne Gutachten aus.

    Herzliche Grüße,
    Reineke Fuchs

    Homepage: http://de.wikipedia.org/wiki/Reineke_Fuchs

  44. Adebar Storch sagt:

    In Folge 12 lautete es: „Für Leser, die übers Wochenende Zeit haben, hier die Excel Datei der Daten zu Figur 2C Ms2 (PDF). Vielleicht finden Sie noch weitere Auffälligkeiten.“

    Ich habe mir mal die Mühe gemacht und die Daten einigen etablierten Verfahren unterworfen, mit denen man Datenfabrikation (vulgo: Erfinden von Daten) nachweisen kann. Bei mindestens 4 unabhängigen Tests (zu mehr hatte ich dann keine Lust mehr) kamen signifikante (p<0,01 und p<0,001) Ergebnisse geraus, die jeder für sich allein schon den Verdacht auf Datenfabrikation nahelegen, insgesamt aber den Verdacht zur Sicherheit verdichten. Aus naheliegenden Gründen will ich hier die Tests nicht näher beschreiben. Mit p0.0001 gemeint; mein Statistikprogramm gibt leider nicht mehr Nachkommastellen aus …

    Also: hier hat jemand ohne den geringsten vernünftigen Zweifel Daten erfunden.

  45. spectator sagt:

    Lady Dada und Co.,

    jetzt kann man wohl feststellen, dass Dr. Kühbacher wohl doch auf der richtigen (zumindestens Recht bekommenden) Seite stand. Wie wäre es jetzt mal mit einer Entschuldigung für die ’niederen Beweggründe‘ und ähnlichen Unterstellungen?

  46. Weißnix & Kannnix sagt:

    An erster Stelle möchte ich auch meine Freude über die Serie von H Rehm Kund tun. Vielen Dank und am Liebsten mehr davon. (Stoff müsste es ja genug geben;-).

    Weiterhin freue ich mich auch über das Urteil, vielleicht nicht unbedingt über die Höhe der Strafe, aber dass es schon mal eine Rüge geworden ist. Gut.

    Für die Leute, die nicht in B forschen, weiß ich (vom Hören und Sagen), dass es den Herr Savaskan noch relativ gut geht. Fröhlich gestimmt schlendert er über die Gänge der Charite-Institute und hängt seine Nase unbekümmert in fremde Kühlschränke und spielt dazu noch Jeden eine heile Welt vor.

    Benimmt sich derartig ein Mensch, der seinen Ruf aberkannt bekommen hat bzw. der sein Gesicht, Vertrauen und Wort verloren hat? Hm mal überlegen, also ich würde mich um ein lebenslanges Auslandspraktikum in Ostsibirien bewerben.

    Aber wieso auch, das Netzwerk von Nitsch, Hendrix und Co ist groß und weit, da hält man auch immer einen Arbeitsplatz für einen Verbündeten bereit. Also „Lieber Herr Savaskan geht’s nach Mainz oder Belgien?“

  47. Weissnix & Kannviel sagt:

    Ja, ich habe auch meine Freude mit dem Artikel gehabt.
    Und das ist echt wahr, wie sich da ein Mensch benimmt, aber Ostsibirien ist ja noch viel zu schön (vom Wissenschaftsfeld eines Glacialsforschers betrachtet), eher in den Gulag, und zwar für immer! Jawohl, lebenslang fehlerfrei, und Gesicht, Vertrauen und Wort ab nach…
    Übrigens, Kühbacher sollte den Fortgang genau inspizieren, man weiss ja nie und der war ja schon immer gut in Investigationen dieser Art.

  48. Liebe Kollegen,

    die Presse berichtet erneut über den „Verdacht an der Charité“:

    http://www.tagesspiegel.de/wissen/verdacht-an-der-charite/3730678.html

    Herzliche Grüße,
    Roberto Kleinschmidt

    PS: Bei uns gibt es wenigstens warmes Essen (http://www.morgenpost.de/berlin/article1538218/Charite-Kueche-bleibt-dauerhaft-geschlossen.html).

  49. Liebe Kollegen,

    als Serientäter hat man in der Regel wenig Freunde. Das scheint bei den Fälschern in der Forschung anders zu sein. Daher wird im offenen Vollzug die Sozialprognose eher ungünstig ausfallen. Für den Intensivtäter empfehle ich daher Erlebnispädagogik in der renommierten Statistikbehörde Griechenlands im Außeneinsatz für die Abteilung Swimmingpool-Statistik. Im Anschluss wird er seine Karriere an jeder Exzellenzuniversität fortsetzen können und vielleicht sogar den Leibniz-Preis gewinnen.

    Herzliche Grüße,
    Roberto Kleinschmidt

    Homepage: http://www.berlin.de/jva-tegel/

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