… — die Luft wird dünner. 83 Scientific Publishers, darunter solche „Giganten“ wie Elsevier und Springer, haben sich für die Datenbank CrossCheck eingeschrieben, die es ihnen erlaubt mit einer Software namens iThenticate eingereichte Manuskripte auf Plagiarismus zu durchleuchten.
Doch ist es weniger die Software, die das Ganze zu einem machtvollen Instrument machen könnte, sondern vielmehr die schiere Größe der Datenbank. Denn hier ist ziemlich Unerwartetes geschehen: Alle 83 Verleger mussten zustimmen ihre eigenen Manuskript-Datenbanken mit CrossCheck zu teilen – und sie taten es. Auf diese Weise ist CrossCheck inzwischen auf 25,5 Millionen Volltext-Artikel aus nahezu 50.000 Zeitschriften und Büchern angeschwollen, mit denen die Verlage nun „verdächtige“ Manuskripte relativ bequem abgleichen können.
Und „verdächtige“ Manuskripte scheint es genug zu geben. Testläufe verschiedener Journals brachten einen Anteil von 6 bis 23 % „Verdächtigen“ unter allen eingereichten Manuskripten. Diesen Beitrag weiterlesen »
(Aus unserem letzten Heft, Laborjournal 3/2010: Folge 54 unserer “Ansichten eines Profs” von Axel Brennicke mit dem Titel “Postdoc-Schwemme” (S. 46) provozierte in der Zwischenzeit einige kontroverse Kommentare. Daher bringen wir nun Brennickes Text samt einiger der bisherigen Kommentare auch hier in unserem Blog — und laden ein zu weiteren Rückmeldungen über die unten folgende Kommentar-Funktion.)
Postdoc-Schwemme
von Axel Brennicke, Mol. Botanik Uni Ulm
Unregelmäßig flattern bunt gedruckte Werbeplakate über die Schreibtische der Professoren in unserem Land. Jährlich werden es mehr. Alle bitten, aufgehängt zu werden. Meist in Ausländisch: „We kindly ask you to place the enclosed poster in a prominent location where it will attract the attention of students in life and natural sciences, engineering, informatics and medicine.“
Die penetrante Werbung um Doktoranden kommt zunehmend auch per E-Mail. Da soll ich die Poster sogar selbst ausdrucken und aufhängen, tunlichst in Farbe auf meinem alten Schwarz-Drucker. Diesen Beitrag weiterlesen »
(Pünktlich zum Oster(hasen)-Fest möchten wir an dieser Stelle einen bahnbrechenden Beitrag Siegfried Bärs wiederholen, den er vor einigen Jahren in seiner Laborjournal-Reihe “Die Biochemie seltsamer Lebewesen”veröffentlichte. Darin ist eigentlich alles zum Thema ‘Osterhase’ gesagt:)
Und es gibt ihn doch! In Zusammenarbeit mit Hana Riha, ausgewiesener Eierexpertin im Kompetenzzentrum Zepfenhan, Bereich innovative Tierforschung, beweist Siegfried Bär im folgenden die Existenz des bis dato nicht beforschten Eierlegewesens-, äh, -Lebewesens.
Einige Besserwisser werden jetzt sofort aufgebracht schreien: Den gibt es doch gar nicht!
In der Tat: Obwohl ein großer Teil der Bevölkerung an die Existenz von Osterhasen glaubt oder zumindest eine Weile daran geglaubt hat, wurde bisher für seine Existenz kein wissenschaftlicher Beweis erbracht. Direkte Beobachtungen sind selten und ihre Glaubwürdigkeit fraglich. Das beweist aber nicht, dass es keine Osterhasen gibt: Die Nichtexistenz von etwas zu beweisen, ist bekanntlich schwierig. Daran liegt es übrigens, dass so viele Leute glauben, sie hätten Begabung zum Forschen. Das nur nebenbei. Diesen Beitrag weiterlesen »
Nature hatte letzte Woche einen lesenswerten Aufsatz mit dem Titel “Evolution: Return of the Hopeful Monsters” im Heft (Bd. 463, 864-67; Volltext hier online, mit Registrierung). Darin geht es um die langsame Abkehr von dem Prinzip, dass Evolution ausschließlich graduell durch stetiges Anhäufen von Mutationen voranschreite. Ein Prinzip, mit dessen Universalitätsanspruch der deutschstämmige Jude Richard Goldschmidt bereits 1940 in seinem Buch “The Material Basis of Evolution” aufräumen wollte. Doch damals bügelten die Großkönige der Evolutionsbiologie um Ernst Mayr und Co. Goldschmidts Theorie von den “Hopeful Monsters” brüsk und nachhaltig ab.
Seit kurzem jedoch häufen sich Daten, wegen derer man kaum mehr umhin kommt, sich an Goldschmidts hoffnungsvolle Monster zu erinnern. Diesen Beitrag weiterlesen »
… weil er jede Woche aufs Neue eine intelligente, dabei gut konsumierbare Mischung verantwortet – inklusive der wohl einzigen Wissenschafts-Cartoon-Serie „Da lacht das Labor“.
“Forscher Ernst” gibt’s in Laborjournal ununterbrochen seit Februar 1998. Die ganze FAS startete erst im September 2001. Forscher Ernsts Kommentar: “Da macht ein Journalisten-Magazin ein Ranking und vergisst dabei selbst die Urtugend des Journalisten: Gründlich recherchieren! Also vergessen wir einfach das Medium Magazin!”
Wenn man die ganze Woche über bis gerade eben das neue Laborjournal-Heft für die Druckerei fertig gemacht hat, und letzte Woche dasselbe bei Lab Times lief — dann ist das Hirn erstmal ziemlich leer. Und man kommt bisweilen etwas schräg drauf. Daher zum Wochenende folgendes traurig-schöne Video über vorausplanendes Verhalten beim neuseeländischen Kiwi:
… wird gerade ausgeliefert und ist damit natürlich freigegeben für Diskussion, Gemeckere und Lobhudelei. Entweder direkt als Kommentar auf diesen Blog-Eintrag oder via E-Mail an redaktion@laborjournal.de.
Als “Starter” empfehlen wir Miriam Ruhenstroths Artikel über “Forschen nach Stechuhr” ab Seite 20, und natürlich unsere gewohnt-bewährten Kolumnen. Zum Hauptgericht dann vielleicht den Cover-Artikel über “Science on Stage” (S. 12) mit Winni Köppelles Kritik am neuen Gendiagnostikgesetz als Beilage (S. 42). Die Buchbesprechungen zum Thema Evolution ab Seite 51 laden geradezu zum Nachtisch ein. Und wenn dann der nächste Hunger kommt, steht immer noch genug Neues auf der Karte.
Und noch eine Empfehlung unserer Redaktionsküche: Probieren Sie das Rätsel (S. 36). Es ist dieses Mal ganz besonders leicht und schmackhaft, oder?
Laborjournal und Lab Times hatten ja bereits Anfang des Jahres anlässlich des zweihundertsten Geburtstags von Charles Darwin Sonderhefte zum Darwin-Jahr 2009 publiziert. Jetzt ist auch das zweite Darwin-Jubiläum dieses Jahres perfekt: Genau am 24. November 1859 erschien die erste Auflage von The Origin of Species.
Im August kursierte ein Essay des US-Physikers Rick Trebino durch die amerikanische Wissenschaftsblogger-Szene — Überschrift: How to Publish a Scientific Comment in 123 Easy Steps. Wie der Titel bereits andeutet, schildert Trebino darin auf schauerlich-amüsante Weise seine leidvollen Erfahrungen bei dem letztlich sehr komplexen Versuch, einen Scientific Comment zu inhaltlichen Schwächen eines bestimmten Papers zu veröffentlichen. Jeden Knüppel, den man überhaupt werfen kann, schmissen die Editoren Trebino zwischen die Beine, um sein Ansinnen abzublocken.
Interessanterweise finden sich in der deutschsprachigen Szene bisher überhaupt keine Hinweise auf diese wirklich lesenswerte Realsatire. Soweit jedenfalls das frische Ergebnis einer mittelintensiven Google-Suche des Autors. Daher jetzt von uns die Empfehlung und der Link: Lest, lacht und sinniert über How to Publish a Scientific Comment in 123 Easy Steps.
Übrigens: Laborjournal hatte bereits 2006 über zwei ganz ähnliche Fälle berichtet. Online hier nachzulesen. Natürlich auch mit Empfehlung.
Im aktuellen Laborjournal 11/2009 ist auf den Seiten 68-70 die TV-Affäre um eine wundersame Neurodermitis-Creme („Regividerm”) aufgearbeitet (online siehe hier).
Erwähnt wird dieser LJ-Artikel (“Schleichwerbung für Quacksalbe und Wunderbuch”) unter anderem im Esowatchblog und bei Wikipedia.
Prinzipiell ist das ja toll.
Dass Wikipedia-Artikel aber anscheinend oftmals auf recht abstruse Art und Weise entstehen (objektive Tatsachen scheinen eine eher nachgeordnete Rolle zu spielen), war dem LJ-Redakteur nicht bewusst.
Einen aufschlussreichen Einblick in die willkürliche Welt der Wikipedia liefert dieses Wikipedia-Diskussionsforum zur Sache. Daraus nur ein kurzes Zitat des Wikipedia-Administrators “Pewa”:
…Es fehlt eine Begründung, warum ausgerechnet [...] und “Laborjournal” so bedeutende Quellen sind, dass sie in diesem Abschnitt mehrfach namentlich genannt und zitiert werden…
Hm. Welche “Begründung” hätte “Pewa” denn gerne? Die Tatsache, dass er irgendein Medium (hier: Laborjournal) nicht kennt, scheint bedeutend wichtiger und entscheidender zu sein als die Fakten, die in diesem Medium stehen.
Kann und darf es somit sein, dass bei Wikipedia Wichtigtuerei und blankes Unwissen selbsternannter Administratoren („Es scheint sich [bei Laborjournal] um [...] ein unbekanntes Anzeigenblatt zu handeln”) wichtiger sind als seriöse Recherchen? Und dass so manch selbsternannter Wikipedia-Hüter die „Zuverlässigkeit von Quellen” nach bloßem Gutdünken festsetzt, und “alles, was der Bauer nicht kennt” löscht? Wie wird diese “Zuverlässigkeit” gemessen — nach Auflage und Leserzahl des Quellenmediums (also nur noch Glotze, “Bild” und “Spiegel” als Quellen)?
… wundert sich der LJ-Autor, der früher sporadisch ehrenamtlich für Wikipedia tätig war, dies inzwischen jedoch eingestellt hat (zuviel nutzloses Gelaber und Prinzipienreiterei)