Kleine grüne Fischlein

12. Mai 2010 von Ralf Neumann

Warum sind die „kleinen grünen Männchen“ vom Mars eigentlich grün? Weil sie Photosynthese machen können? Eine ganze Handvoll Science Fiction-Romane aus der Pulp-Reihe der 30er bis 50er Jahre proklamierte jedenfalls genau dieses.

Versteckt sich jedoch dahinter womöglich der Traum vom photosynthetischen Menschen, der seinen Energiebedarf wie die Pflanze einzig aus dem Sonnenlicht deckt? Gut möglich. Wobei man sich allerdings im gleichen Atemzug fragen muss, warum die Evolution bisher so gar keine photosynthetischen Tiere hinbekommen hat (abgesehen von Ausnahmen wie der Algen-versklavenden Seeschnecke Elysia chlorotica). Die Bausteine oder Module dazu waren jedenfalls in der Evolutionsgeschichte dauernd parallel verfügbar.

Was indes die Evolution nicht vollbringen konnte (oder wollte), das versuchen inzwischen — wer hätte es gedacht — eine ganze Handvoll Forscher. Zum Beispiel Pamela Silver und ihre Gruppe an der Harvard Medical School. Diese spritzten Zebrafisch-Embryonen einfach mal fluoreszenzmarkierte Blaualgen (Cyanobakterien), welche bekanntlich 50% der gesamten Photosynthese auf Erden machen. Und siehe da, die grünen „Power-Pakete“ nisteten sich über die gesamte Entwicklung stabil in Fischzellen ein (siehe dieses Video). Ganz anders als im Fall von etwa E. coli, die der Fisch sofort eliminiert, scheint dieser also extrem tolerant gegenüber den Blaualgen.

Zwar reichte die Energie, welche die Algen auf diese Art in den Zellen produzierten, dem Fisch natürlich noch lange nicht. Aber was wären Silver und Co. für Forscher, wenn sie nicht bereits einige Ideen zur weiteren Optimierung dieser erzwungenen „Power-Endosymbiose“ hätten.

Vergesst Tyrannosaurus…

23. April 2010 von Ralf Neumann

… wenn ihr von ‘T. rex‘ redet (und vergesst auch Marc Bolans gleichnamige Glamrockband aus den Siebzigern). Denn hier kommt Tyrannobdella rex — ein 4,5 cm langer Blutegel aus den Flüssen in und um Peru.

die Zähne des T. rex

Mit seinen acht in einer Reihe sitzenden und wahrhaft furchteinflößenden Zähnen (jedenfalls in der richtigen Vergößerung) sägt er sich in jegliches Fleisch, an das er andocken kann. Dies geschah unter anderem vor drei Jahren einem badenden Peruaner-Mädel, dem man T. rex anschließend von der Nase pflücken musste — was schließlich zur Entdeckung des ‘tyrannischen Königsegels’ führte (PLoS ONE 5(4): e10057).

Seinem großen Fast-Namensvetter ist der bissige Wurm übrigens noch selbst begegnet, da die ersten Spezies seiner Gattung bereits vor etwa 200 Millionen Jahren auf der Erde erschienen. Und womöglich hatte in den folgenden Millionen Jahren auch so manch großer T. rex einen kleinen T. rex an der Nase hängen.

Botanische Sensation

9. April 2010 von Kai Herfort

Unsere Reporterin Hana Riha hat im Freiburger “Heldenviertel” (Blücher-, Gallwitz, Admiral-Spee-Str.) eine botanische Sensation aufgespürt, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten sollten: Ein blühender Schuhbaum: acer calceatus (ssp. sportupac.)

Rappin’ Evolution

29. März 2010 von Ralf Neumann

Die Analytica ist vorbei, die LJ-Redakteure schnaufen erstmal durch — und hören sich zum Beispiel das Album  “The Rap Guide to Evolution” von Baba Brinkman an. Besprechung vielleicht im nächsten Lab Times (heißt, Leser-Rezensionen sind herzlich willkommen)

Die “Monster” kehren zurück

25. Februar 2010 von Ralf Neumann

Nature hatte letzte Woche einen lesenswerten Aufsatz mit dem Titel “Evolution: Return of the Hopeful Monsters” im Heft (Bd. 463, 864-67; Volltext hier online, mit Registrierung). Darin geht es um die langsame Abkehr von dem Prinzip, dass Evolution ausschließlich graduell durch stetiges Anhäufen von Mutationen voranschreite. Ein Prinzip, mit dessen Universalitätsanspruch der deutschstämmige Jude Richard Goldschmidt bereits 1940 in seinem Buch “The Material Basis of Evolution” aufräumen wollte. Doch damals bügelten die Großkönige der Evolutionsbiologie um Ernst Mayr und Co. Goldschmidts Theorie von den “Hopeful Monsters” brüsk und nachhaltig ab.

Seit kurzem jedoch häufen sich Daten, wegen derer man kaum mehr umhin kommt, sich an Goldschmidts hoffnungsvolle Monster zu erinnern. Diesen Beitrag weiterlesen »

Nur Fliegen ist…

5. Februar 2010 von Ralf Neumann

Wenn man die ganze Woche über bis gerade eben das neue Laborjournal-Heft für die Druckerei fertig gemacht hat, und letzte Woche dasselbe bei Lab Times lief — dann ist das Hirn erstmal ziemlich leer. Und man kommt bisweilen etwas schräg drauf. Daher zum Wochenende folgendes traurig-schöne Video über vorausplanendes Verhalten beim neuseeländischen Kiwi:

Das Darwin-Jahr ist rum…

10. Januar 2010 von Ralf Neumann

… und wir haben jede Menge gelernt. Oder? Na ja, vielleicht nicht alles und vielleicht auch nicht jeder. Vielleicht noch nicht einmal das US-Magazin The Scientist, das im zurückliegenden Jahr nur so strotzte vor Darwin- und Evolutionsartikeln.

Dieses jedenfalls — Darwin-Jahr 2009 hin oder her — macht einfach weiter und betitelt sein Januarheft 2010 “Darwin 3.0 — Is it time for evolutionary theory to evolve”. Auf dem Titelbild dazu zwei Finken — ein erwachsenes Weibchen und ein jugendliches Weibchen. Darwin-Finken von den Galapagos-Inseln natürlich, sollte man meinen. Wie sonst sollte das Coverbild mit dem Titelthema zu tun haben? Stimmt aber nicht. Ganz normale Hausgimpel (Carpodacus mexicanus) schauen sich da in die Augen, wie die Biologin Sandra Porter jetzt auf Scienceblogs.com enthüllte. Und diese kommen zwar weitverbreitet in Nordamerika vor, nicht aber in Equador.

Darwin würde sich schlapp lachen.

(Und was uns betrifft: Sorry, aber es geht doch nichts über ein gepflegtes Kollegen-Bashing.)

Laborjournal 12/2009…

11. Dezember 2009 von Ralf Neumann

titel-12-2009… wird gerade ausgeliefert und ist damit natürlich freigegeben für Diskussion, Gemeckere und Lobhudelei. Entweder direkt als Kommentar auf diesen Blog-Eintrag oder via E-Mail an redaktion@laborjournal.de.

Als “Starter” empfehlen wir Miriam Ruhenstroths Artikel über “Forschen nach Stechuhr” ab Seite 20, und natürlich unsere gewohnt-bewährten Kolumnen. Zum Hauptgericht dann vielleicht den Cover-Artikel über “Science on Stage” (S. 12) mit Winni Köppelles Kritik am neuen Gendiagnostikgesetz als Beilage (S. 42). Die Buchbesprechungen zum Thema Evolution ab Seite 51 laden geradezu zum Nachtisch ein. Und wenn dann der nächste Hunger kommt, steht immer noch genug Neues auf der Karte.

Und noch eine Empfehlung unserer Redaktionsküche: Probieren Sie das Rätsel (S. 36). Es ist dieses Mal ganz besonders leicht und schmackhaft, oder?

“The Origin of Species”, zum 150ten

23. November 2009 von Ralf Neumann

Laborjournal und Lab Times hatten ja bereits Anfang des Jahres anlässlich des zweihundertsten Geburtstags von Charles Darwin Sonderhefte zum Darwin-Jahr 2009 publiziert. Jetzt ist auch das zweite Darwin-Jubiläum dieses Jahres perfekt: Genau am 24. November 1859 erschien die erste Auflage von The Origin of Species.

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Steril durch Dunkle Materie

5. November 2009 von Lara Winckler

eselWarum sind Kreuzungsprodukte zweier Arten, wie zum Beispiel Maulesel, oft steril oder gar nicht lebensfähig? Seit Darwin an dem Problem scheiterte, kämpfen Biologen mit dieser Frage. Eine Gruppe um Harmit Malik am Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle schlägt vor, dass das an der „Dunklen Materie“ im Genom liegen könnte, dem verdichteten, Gen-armen Heterochromatin. Diesen Beitrag weiterlesen »