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Rund um die Zelle

Publikationsanalyse 2007-2010: Zellbiologie
von Lara Winckler, Laborjournal 11/2013




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Heidelberg ist weiterhin der Zellbiologie-Hotspot, gefolgt von Dresden und Martinsried. Autophagie, Membrantransport und Vesikelbildung gehören zu den Top-Themen.

Der Alltag einer Zelle ähnelt in vielen Aspekten dem jedes anderen Berufstätigen. Nach aufregenden ersten Schritten – Geburt durch Teilung einer Zelle, Reifung und Ausdifferenzierung samt Eintritt in das Berufsleben, sprich Erfüllung der spezifischen Aufgaben im Gewebe – ist ihr Alltag bestimmt von routinemäßiger Expression spezifischer Gene, Reaktion auf äußere ­Signale, etwa durch Endozytose, Anpassung der Genexpression oder auch Umwandlung des Zytoskeletts. Je nach Gewebe, Alter und Zelltyp wird das Alltagsgeschäft zuweilen unterbrochen von Mitose und Zellteilung.

Zellen beim Leben zuschauen

Die Zellbiologie schaut der Zelle bei diesen Verrichtungen auf die Finger, analysiert und identifiziert Signalwege, erforscht Zellbestandteile und Organellen – etwa die Struktur des Chromatins, den Transport von Molekülen durch die Kernporen und entlang des Zytoskeletts samt Aufbau desselben, die Verschickung der Proteine an ihr Ziel etc. – und untersucht, was passiert, wenn man einige Komponenten manipuliert oder gleich ganz entfernt. Außerdem interessieren sich Zellbiologen für die Bewegung von Zellen und Zellverbänden, Transportvorgänge in der Zelle, etwa zwischen den Kompartimenten, interzelluläre Kommunikation oder auch Autophagie und Membran­transport, die zuweilen nahtlos ineinander übergehen, wie der bis heute meistzitierte Artikel vorführt. Anja Habermann (41.) und ­Gareth Griffiths (25.), Zellbiologie-Programm am EMBL Heidelberg, untersuchten darin zusammen mit Kollegen der Uni Cambridge die Bildung des Autophagosoms.

Interdisziplinär

Überschneidungen mit anderen biologischen Fachgebieten sind bei einem derart breitgefächerten Interessensspektrum Programm. Die Trennung zu Disziplinen wie der Biochemie, Molekularbiologie, Physiologie und Pathologie, Entwicklungsbiologie und auch der Immunologie ist in vielen Fällen kaum nachzuvollziehen. Besonders die Abgrenzung zur Entwicklungs- und Molekularbiologie erwies sich bei der Zusammenstellung der 50 Zellbiologen aus dem deutschen Sprachraum, deren Artikel aus den Jahren 2007 bis 2010 bis heute am häufigsten zitiert wurden, als knifflig. Etwa zu Stammzellforschern wie Hans Schöler vom Münsteraner Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin, der über Aktivierung von Genen wie Oct4 ausdifferenzierten Zellen die Pluripotenz zurückgibt, um sie anschließend in andere Zelltypen zu differenzieren. Oder zu Entwicklungsbiologen wie Stephen Cohen, der 2007 vom EMBL Heidelberg nach Singapur wechselte, und nicht nur viele Artikel in zellbiologischen Zeitschriften veröffentlicht, sondern auch im Editorial Board von Cell sitzt. Vielen gilt die Entwicklungsbiologie ohnehin als ein Teilgebiet der Zellbiologie. Nun hatte die Entwicklungsbiologie jedoch in Laborjournal 9/2013 bereits ihre ganz persönliche Publikationsanalyse, weshalb wir sie hier außen vor lassen.

Was die Abgrenzung ebenfalls erschwert, ist das Fehlen eindeutiger Hinweise wie das Wort „Zellbiologie“ oder wenigstens „Zell-“ im Institutsnamen. Nur 17 der Top 50 residieren in gleichnamigen Instituten, nur wenige firmieren gar unter dem Titel „Zellbiologe“. Zu diesen seltenen Gewächsen gehören etwa der Mitose-Forscher Jan-Michael Peters (2.), Direktor am Wiener Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP), oder auch Erich Nigg (5.), Direktor des Basler Biozentrums.

Andere sind schwerer zu identifizieren. Reinhard Fässler (1.) etwa, Direktor des MPIs für Biochemie in Martinsried, ist studierter Mediziner, Anthony Hyman (3.), seit 1999 Direktor des Dresdener MPIs für molekulare Zellbiologie und Genetik, Zoologe. Dennoch, Fässlers und Hymans Spezialgebiete sind Zellbiologie par excellence: das Zytoskelett und seine Verbindung zur extrazellulären Matrix über Integrine bzw. die Rolle der Mikrotubuli bei Zellteilung und Zellpolarität. Für die Erforschung des Mikrotubuli-Zytoskeletts erhielt Hyman 2011 den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis. Als solcher befindet er sich in guter Gesellschaft – elf weitere Leibniz-Preisträger tummeln sich unter den Top 50, mit dabei der Heidelberger Kernporen-Forscher Eduard Hurt (36.), Chaperon-Spezialist F. Ulrich Hartl (35.), MPI für Biochemie Martinsried, sowie Ingrid Grummt (42.), die mit ihrer Gruppe am DKFZ Heidelberg die Zellteilung untersucht. Jüngster Auserkorener ist Ivan Dikic (4.), Direktor der Frankfurter Biochemie und des Buchmann Institute for Molecular Life Sciences (BMLS), der den Preis im März entgegennahm (siehe auch LJ 1-2/2013, S. 12).

Auf den ersten Blick auszumachen waren dagegen die zellbiologischen Hotspots im deutschsprachigen Raum. Allen voran Heidelberg – zehn der Top 50 arbeiteten zumindest zeitweise zwischen 2007 und 2010 in der ehemaligen kurpfälzischen Residenzstadt, allein fünf am EMBL. Den zweiten Platz teilen sich die MPIs in Dresden und Martinsried. Überhaupt sind die Institute der Max-Planck-Gesellschaft gut vertreten: 18 der Top 50 arbeiteten im Analysezeitraum an insgesamt sechs Max-Planck-Instituten, neben Dresden und Martinsried ist auch das Göttinger MPI für Biophysikalische Chemie mit drei Top-Zellbiologen gut aufgestellt.

Nur zwei Österreicher finden sich im Vergleich, doch diese sind mit Jan-Michael Peters (2.) und Frank Madeo (11.) gut platziert. Und Letzterer erforscht neben der Autophagie u.a. auch das letzte Ereignis im Leben einer Zelle – die Apoptose.


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Letzte Änderungen: 06.11.2013


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