Tumoren aller Art
Zitationsvergleich 2004 bis 2007: Pathologie
von Lara Winckler, Laborjournal 5/2010
Die deutschsprachige Pathologie der Jahre 2004 bis 2007 forschte in erster Linie an allerlei Tumoren.
Pathologen? Die sezieren Leichen, oder? Ja, auch, aber das ist nur ein kleiner Teil der Arbeit, Tendenz fallend. Pathologen führen ab und zu Obduktionen durch, welche unter anderem der Qualitätskontrolle und der Lehre dienen – die Pathologie ist eines von 22 Hauptlehrfächern für Medizinstudenten.
Pathologen findet man nicht über Leichen gebeugt, sondern übers Mikroskop. Die Hauptarbeit in der Pathologie besteht in der Beurteilung von zytologischen und histologischen Präparaten, die – intraoperativ – direkt aus dem OP kommen. Prognose und Therapie eines Patienten hängen von diesem histopathologischen Befund ab. Der Trend geht dabei von der Krankheitsdiagnostik anhand von Biopsien oder Operationspräparaten hin zur molekularen Pathologie, die etwa die genetischen Veränderungen in Tumoren erforscht.
Die Neuropathologen wurden nicht in diesen Vergleich aufgenommen, da sie sich als eigene Disziplin etabliert haben und größtenteils in eigenen Instituten arbeiten. Außerdem wurden sie bereits in der Publikationsanalyse „Nicht-klinische Neurowisenschaften“ (LJ 3/2010) berücksichtigt.
Lymphome und Co.
Neben dieser Arbeit Hand in Hand mit den Medizinern betreiben die Pathologen ihre Forschung: Herkunft, Entstehung, Verlauf und Auswirkungen von krankhaften Veränderungen in Zellen und Geweben sowie Missbildungen. Hier trennen sich die Wege der Wissenschaftler, unter der gemeinsamen Adresse „Institut für Pathologie“ forscht man vor allem an Krebs: von Prostata und Blase, Magen und Darm, Brust- oder Lungenkrebs, Tumoren des Pankreas sowie solchen des Immunsystems.
Spitzenreiter sind die Lymphome, Thema der Würzburger Top 5-Forscher Hans-Konrad Müller-Hermelink (2.), dessen Nachfolger auf dem Pathologie-Direktorenposten Andreas Rosenwald (1.) sowie German Ott (5.), mittlerweile Direktor der Pathologie am Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus. Zwei der vier Top 10-Artikel zu Lymphomen entstammen ihrer Feder.
Die meisten Zitierungen jedoch erhielt ein Paper zur Behandlung von Brustkrebs: Josef Rüschoff (11.) von der Kasseler Pathologie sammelte damit gut 1000 Zitierungen und setzte den Artikel mit weitem Abstand zu den Verfolgern an die Spitze der bis heute meistzitierten Pathologie-Artikel der Jahre 2004 bis 2007. Auf Platz 2 folgt ein Darmkrebs-Artikel, bei dem Christian Wittekind (15.) als Coautor zeichnete, sowie einer zu Prostatakrebs auf Platz 3. Mitautor Sven Perner (17.) repräsentiert gemeinsam mit den Pathologie-Institutsdirektoren Reinhard Büttner (9.) und Peter Möller (27.) vom Uniklinikum Ulm die deutschsprachigen Prostatakrebsforscher. Pankreaskrebs ist Thema der Gruppe um den Kieler Emeritus Günter Klöppel (12.).
Die Hautkrebsforscher schicken Melanom-Spezialistin Anja-Katrin Bosserhoff (26.) von der Regensburger Pathologie ins Rennen. Das Team um Hermann-Josef Gröne (4.) erforscht die Mechanismen, welche den Abstoßungsreaktionen transplantierter Organe zugrundeliegen, die der Abstoßung von Tumorgewebe ähneln – wenn diese denn stattfindet; Dontscho Kerjaschki (27.) schließlich, Ordinarius für Klinische Pathologie am Allgemeinen Krankenhaus der Uni Wien, analysiert die Interaktionen zwischen Tumor- und Immunzellen.
Unter all den Krebs- und sonstigen Tumorforschern der deutschsprachigen Top 50-Pathologen der Jahre 2004 bis 2007 muten Wissenschaftler wie Bence Sipos (20.) schon fast wie Exoten an. Sipos erforscht virusassoziierte Entzündungen wie Kardiomyopathie und Virushepatitis. Er hat einen Artikel zur genetisch bedingten Anfälligkeit für Morbus Crohn mitveröffentlicht, welchen die Community auf Platz 5 der Top 10-Artikel zitierte.
Helicobacter-Spezialist Manfred Stolte (3.) überließ 2008 nach 25 Jahren den Direktorstuhl am Bayreuther Institut für Pathologie dem Gastro-Pathologen Michael Vieth (6.). Wie sein ehemaliger Magdeburger Kollege Albert Roessner (34.), Direktor des Zentrums für Pathologie und Rechtsmedizin, forscht Vieth an pathologischen Veränderungen in Magen und Darm, etwa dem Barrett-Ösophagus, sowie gastrointestinalen Tumoren, die oft in der Folge auftreten.
Abseits
Andere Nicht-Krebs-Pathologen, wie Paul Racz und Klara Tenner-Racz von der Pathologie des Hamburger Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin, analysieren die immun- und molekularpathologischen Veränderungen, die mit HIV-Infektionen einhergehen. Die beiden schafften es nicht unter die Top 50, doch brachten sie einen ihrer Artikel bei den Top 10 der Meistzitierten unter. Ähnlich erging es dem ehemaligen Direktor des Basler Instituts für Pathologie Michael Mihatsch: Der Nephropathologe ist nicht unter den Top 50, doch er platzierte einen Review auf Platz 3 der Meistzitierten.
Das Basler Pathologische Institut gerät überhaupt so langsam ins Abseits: Waren es im letzten Pathologen-Vergleich vor vier Jahren noch 7 Basler von insgesamt 11 Schweizern, die in den Jahren 2000-2003 zumindest teilweise an einem Pathologie-Institut arbeiteten, entsendet Basel diesmal nur noch 3 Pathologen. Nachdem Guido Sauter (7.) 2005 nach Hamburg umzog – und Ronald Simon (30.) gleich mitnahm – bleibt den Schweizern nicht einmal mehr der Trost eines Top 10-Platzierten. Österreich schickt gar nur vier Wiener in den Ring. Zwischentief oder schon eine Tendenz?
Wie die Tabellen entstanden
Berücksichtigt wurden Papers mit Erscheinungsjahr zwischen 2004 und 2007 sowie mindestens einem Autor mit Adresse im deutschen Sprachraum. Die Zahlen für Zitate und Artikel lieferte die Datenbank „Web of Science“ des Thomson-Institute for Scientific Information (ISI) in Philadelphia. Stichtag war der 28.4.2010.
Die „Köpfe” arbeiteten 2004 bis 2007 an einem Institut für Pathologie, publizierten überwiegend in Pathologie-Zeitschriften oder arbeiteten in erster Linie an für die Pathologie bedeutsamen Projekten. Reviews zählten für die „Köpfe“-Wertung nicht.
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Die meistzitierten Artikel
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| Rang |
Autoren |
Paper |
Zitierungen |
| 1. | Piccart-Gebhart MJ, ..., Rüschoff J, ..., Gelber RD. | Trastuzumab after adjuvant chemotherapy in HER2-positive breast cancer. NEJM 2005, 353(16):1659-72 | 1002 |
| 2. | Sauer R, ..., Wittekind C, ..., Raab R. | Preoperative versus postoperative chemoradiotherapy for rectal cancer. NEJM 2004, 351(17):1731-40 | 793 |
| 3. | Tomlins SA, ..., Perner S, ..., Chinnaiyan AM. | Recurrent fusion of TMPRSS2 and ETS transcription factor genes in prostate cancer. SCIENCE 2005, 310(5748):644-8 | 561 |
| 4. | Hans CP, ..., Ott G, Müller-Hermelink HK, ..., Rosenwald A, ..., Chan WC. | Confirmation of the molecular classification of diffuse large B-cell lymphoma by immunohistochemistry using a tissue microarray. BLOOD 2004, 103(1):275-82 | 502 |
| 5. | Hampe J, ..., Sipos B, ..., Schreiber S. | A genome-wide association scan of nonsynonymous SNPs identifies a susceptibility variant for Crohn disease in ATG16L1. NAT GENET. 2007, 39(2):207-11 | 348 |
| 6. | Dave SS, ..., Rosenwald A, ..., Müller-Hermelink HK, Ott G, ..., Staudt LM. | Prediction of survival in follicular lymphoma based on molecular features of tumor-infiltrating immune cells. NEJM 2004, 351(21):2159-69 | 338 |
| 7. | Mehandru S, ..., Tenner-Racz K, ..., Racz P, Markowitz M. | Primary HIV-1 infection is associated with preferential depletion of CD4(+) T lymphocytes from effector sites in the gastrointestinal tract. J EXP MED. 2004, 200(6):761-70 | 296 |
| 8. | Hiddemann W, ..., Parwaresch R, Unterhalt M. | Frontline therapy with rituximab added to the combination of cyclophosphamide, doxorubicin, vincristine, and prednisone (CHOP) significantly improves the outcome for patients with advanced-stage follicular lymphoma compared with therapy with CHOP alone. BLOOD 2005, 106(12):3725-32 | 276 |
| 9. | Braig M, ..., Loddenkemper C , Rudolph C, ..., Schlegelberger B, Stein H, ..., Schmitt CA. | Oncogene-induced senescence as an initial barrier in lymphoma development. NATURE 2005, 436(7051):660-5 | 275 |
| 10. | Wehkamp J, ..., Noack F, Fritz P, ..., Stange EF. | NOD2 (CARD15) mutations in Crohn’s disease are associated with diminished mucosal alpha-defensin expression. GUT 2004, 53(11):1658-64 | 260 |
Die meistzitierten Reviews
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| Rang |
Autoren |
Paper |
Zitierungen |
| 1. | Willemze R, ..., Kurrer M, ..., Meijer CJLM. | WHO-EORTC classification for cutaneous lymphomas. BLOOD 2005, 105(10):3768-85 | 637 |
| 2. | Huber MA, Kraut N, Beug H. | Molecular requirements for epithelial-mesenchymal transition during tumor progression. CURR OPIN CELL BIOL. 2005, 17(5):548-58 | 333 |
| 3. | Hirsch HH, ..., Mihatsch MJ, ..., Trofe J. | Polyomavirus-associated nephropathy in renal transplantation: Interdisciplinary analyses and recommendations. TRANSPLANTATION 2005, 79(10):1277-86 | 228 |
| 4. | Hruban RH, ..., Klöppel G, ..., Lüttges J, ..., Yonezawa S. | An illustrated consensus on the classification of pancreatic Intraepithelial neoplasia and intraductal papillary mucinous neoplasms. AM J SURG PATHOL. 2004, 28(8):977-87 | 218 |
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Die meistzitierten Köpfe
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| Rang |
Name |
Ort |
Zitierungen |
Artikel |
| 1. | Andreas Rosenwald | Pathol., Uni Würzburg | 3266 | 60 |
| 2. | Hans-Konrad Müller-Hermelink | bis 2009 Pathol., Uni Würzburg | 2611 | 78 |
| 3. | Manfred Stolte | bis 2008 Pathol., Uniklinikum Bayreuth | 2546 | 97 |
| 4. | Hermann-Josef Gröne | Mol. & Zell. Pathol., DKFZ Heidelberg | 2237 | 85 |
| 5. | German Ott | Pathol., Robert Bosch-KH Stuttgart (bis 2008 Würzburg) | 2230 | 55 |
| 6. | Michael Vieth | Pathol., Uni Bayreuth (bis 2005 Magdeburg) | 2149 | 79 |
| 7. | Guido Saute | Pathol., UKE Hamburg (bis 2004 Basel) | 2020 | 75 |
| 8. | Harald Stein | Pathol., Charité FU Berlin | 1712 | 90 |
| 9. | Reinhard Büttner | Pathol., Uni Bonn | 1638 | 84 |
| 10. | Brigitte Schlegelberger | Zell- & Mol.pathol., MH Hannover | 1535 | 60 |
| 11. | Josef Rüschoff | Pathol., Uniklinikum Kassel (bis 2005 Regensburg) | 1498 | 31 |
| 12. | Günter Klöppel | bis 2009 Pathol., Uniklinik Kiel | 1410 | 78 |
| 13. | Hartmut Beug | Inst. Mol. Pathol., Wien | 1344 | 40 |
| 14. | Rudolf Valenta | Allg. & Exp. Pathol., Uni Wien | 1315 | 55 |
| 15. | Christian Wittekind | Pathol., Uniklinik Leipzig | 1313 | 36 |
| 16. | Hans A. Lehr | Pathol., Uni Mainz (seit 2005 Lausanne) | 1306 | 56 |
| 17. | Sven R. Perner | Pathol., Uni Tübingen (bis 2008 Ulm) | 1303 | 16 |
| 18. | Reza M. Parwaresch | Hämatopathol., Uniklinikum Kiel | 1214 | 46 |
| 19. | Andreas Chott | Pathol., Med. Uni Wien | 1150 | 57 |
| 20. | Bence Sipos | Pathol., Uniklinikum Tübingen (bis 2009 Kiel) | 1126 | 44 |
| 21. | Heinz Höfler | Pathol., TU München & GSF Neuherberg | 1120 | 62 |
| 22. | Arndt Hartmann | Pathol., Uniklinikum Erlangen (bis 2007 Regensburg) | 1101 | 77 |
| 23. | Christoph Loddenkemper | Pathol., Charité FU Berlin | 1087 | 57 |
| 24. | Manfred Dietel | Pathol., Charité FU Berlin | 1076 | 75 |
| 25. | Christoph Röcken | Pathol., Uni Kiel (bis 2008 Magdeburg) | 1069 | 73 |
| 26. | Anja-Katrin Bosserhoff | Pathol., Uni Regensburg | 1060 | 69 |
| 27. | Dontscho Kerjaschki | Klin. Pathol., AKH Uni Wien | 1052 | 43 |
| 28. | Peter Möller | Pathol. & Rechtsmed., Uniklinikum Ulm | 1052 | 54 |
| 29. | Glen Kristiansen | Pathol., Charité FU Berlin | 1009 | 72 |
| 30. | Ronald Simon | Pathol., UKE Hamburg (bis 2004 Basel) | 1006 | 39 |
| 31. | Peter Fritz | Pathol., Robert Bosch-KH Stuttgart | 995 | 27 |
| 32. | Stefan Dirnhofer | Pathol., Unispital Basel | 964 | 51 |
| 33. | Jean C. Reubi | Zellbiol. & Exp. Krebsforschung, Pathol., Uni Bern | 960 | 50 |
| 34. | Albert Roessner | Pathol., Uni Magdeburg | 946 | 79 |
| 35. | Andrea Tannapfel | Pathol., Ruhr-Uni Bochum (bis 2005 Leipzig) | 934 | 94 |
| 36. | Holger Moch | Klin. Pathol., Unispital Zürich | 903 | 51 |
| 37. | Reinhard Kandolf | Mol. Pathol., Uniklinikum Tübingen | 902 | 43 |
| 38. | Thomas Aigner | Pathol., Uni Erlangen-Nürnberg (bis 2004 Leipzig) | 899 | 70 |
| 39. | Rolf M. Zinkernagel | bis 2008 Pathol., Unispital Zürich | 888 | 35 |
| 40. | Horst Bürger | Gerhard-Domagk-Inst. Pathol., Uni Münster | 888 | 61 |
| 41. | Kerstin Amann | Nephropathol., Uni Erlangen-Nürnberg | 874 | 75 |
| 42. | Hans H. Kreipe | Pathol., MH Hannover | 869 | 64 |
| 43. | Hideo Andreas Baba | Pathol., Uniklinikum Duisburg-Essen | 859 | 72 |
| 44. | Charles J. Kirkpatrick | Pathol., Uni Mainz | 848 | 54 |
| 45. | Karin Klingel | Mol. Pathol., Uniklinikum Tübingen | 843 | 41 |
| 46. | Peter Schirmacher | Pathol., Uni Heidelberg (bis 2004 Köln) | 838 | 69 |
| 47. | Bernhard Odermatt | Klin. Pathol., Unispital Zürich | 821 | 36 |
| 48. | Rainer Grobholz | Pathol., Klinikum Mannheim, Uni Heidelberg | 818 | 44 |
| 49. | Ferdinand Hofstaedter | Pathol., Uni Regensburg | 761 | 62 |
| 50. | Martin L. Hansmann | Senckenbergsche Pathol., Uni Frankfurt | 758 | 51 |
| 51. | Eva Wardelmann | Pathol., Uniklinik Bonn | 755 | 32 |
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Letzte Änderungen: 05.06.2010