Fische und Mikroben

Zitationsvergleich 2002 bis 2005: Meeres- und Süßwasserbiologie
von Lara Winckler, Laborjournal 3/2008

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Goldfisch

Die deutschsprachige Gewässerforschung der Jahre 2002 bis 2005 ist fest in norddeutscher Hand. 31 der Top 50 forschten in dieser Zeit zumindest teilweise in einem der Institute in Bremen, Hamburg, Kiel oder Bremerhaven.

Die Süß- und Salzwasserbiologen des deutschsprachigen Raums hatten in den Jahren 2002 bis 2005 einmal mehr ihr Augenmerk vor allem auf der Mikrobiologie. Doch ist Mikrobe nicht gleich Mikrobe. Man kann sie - neben vielem anderen - sequenzieren, nach Nahrungsquelle und Wohnort sortieren oder danach, ob man sie für die Medikamentenentwicklung oder den Abbau von Erdöl einsetzen kann.

Was für die Gewässer-Mikrobiologie richtig ist, stimmt auch für die gesamte Meeres- und Süßwasserforschung: Es ist ein großes Feld, das es zu beackern gilt. So tummeln sich hier zum Beispiel Physiologen, die versuchen, marine Schwämme und die sie bewohnenden Mikroorganismen als Rohstoffquellen zu erschließen. Werner Müller (5.) von der Physiologischen Chemie der Uni Mainz ist solch ein Schwamm-Spezialist.

Man trifft auch auf Fischforscher, die sich dann als Evolutionsbiologen entpuppen, wie Axel Meyer (2.) von der Biologie Konstanz. Er ist ein "reinblütiger" Evolutionsbiologe, eben mit dem Steckenpferd Fische. An ihnen studiert er die Evolution speziell der Biodiversität - dies bevorzugt an Bewohnern abgeschiedener Seen, denn diese konnten sich im Idealfall seit vielen Jahrtausenden ungestört weiterentwickeln, ohne Einmischung von außen. Die Entschlüsselung der Stammbäume der Victoria-Barsche brachte Meyer und seinem früheren Mitarbeiter Walter Salzburger (26.), jetzt in Lausanne, 2003 ein Science-Titelblatt ein. Sein Paper zur Genomduplikation in Strahlenflossern kam auf Platz 2 der meistzitierten Artikel.

Jean-Nicolas Volff (9.) zählt ebenfalls zu den Fischforschern. Er interessiert sich besonders für deren Geschlechtsdetermination, die sich bei Fischen wesentlich vielfältiger gestaltet als bei den meisten anderen Vertebraten. Ein spannendes Thema. Das finden auch andere Forscher, wie Platz 1 der meistzitierten Artikel beweist.

Annelie Pernthaler (6.), eine von acht Frauen im Vergleich, gehört zu den Forschern, die schon seit ihrem ersten selbstgebuddelten Schlammloch Biologe werden wollen. Heute buddelt sie wieder im Schlamm, immer auf der Suche nach noch nicht sequenzierten Mikroben.

Auch die Marine Botanik ist mit ein paar Wissenschaftlern angetreten: Donat Häder (31.) vom Institut für Botanik und Pharmazeutische Biologie an der Uni Erlangen und Christian Wiencke (30.), AWI Bremerhaven, erforschen unter anderem Effekte ultravioletter Strahlung auf Phytoplankton.


Starke Bremer Mikrobiologie

Rudolf Amann (1.), MPI für Marine Mikrobiologie Bremen, geht von der molekularbiologischen Seite an das Thema heran. Seine Arbeitsgruppe sucht mit Hilfe von Metagenomanalysen nach marinen Mikroorganismen - in arktischem Packeis ebenso wie in dem extrem sauren Tinto River in Südspanien.

Das Bremer MPI stellt nicht nur fünf der Top 10 unter den Gewässerforschern, Bremen geht auch beim Städte-Ranking klar in Führung: Eine überwältigende Mehrheit von dreizehn Bremer Mikrobiologen unter den Top 50 lässt die anderen Institute weit hinter sich. Den zweiten Platz des Städterennens teilen sich das Alfred Wegener Institut für Polar- und Meeresforschung und die Biogeo- und Meereschemie der Uni Hamburg. Platz 3 belegt das Leibniz-Institut für Meereswissenschaften an der Universität Kiel (IFM-GEOMAR).

Diese Übermacht einiger weniger Institute weist auf ein Problem der Gewässerforschung: Sie verliert zunehmend an Instituten. Es wird kräftig abgespeckt, und was übrigbleibt, wird entweder umbenannt, oder gleich in ein anderes Institut integriert: So geschehen mit dem MPI für Limnologie in Plön, das mit der Emeritierung von Wolfgang Junk seine Pforten schloss, und jetzt den Namen MPI für Evolutionsbiologie trägt.

Ein endgültigeres Schicksal traf eines der wenigen österreichischen Limno-Institute: die Biologische Station Lunz am See bekam ab 2003 kein Geld mehr, und das war's. Das Institut für Limnologie der ÖAW in Mondsee bei Salzburg dagegen wird erweitert. Mittlerweile ist es das einzige außeruniversitäre Institut für Gewässer- und Biodiversitätsfoschung in Österreich.

Das schweizerische Wasserforschungsinstitut Eawag hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Gewässer zu schützen - in erster Linie, um den Gewinn zu optimieren, und dabei etwas für die Umwelt zu tun. Zwei der drei Schweizer im Vergleich forschen am Eawag: James Ward (43.) hat die Invertebratendiversität in den Flüssen der Schweiz zum Thema, Mark Gessner (32.) untersucht die Auswirkungen zum Beispiel von Pflanzenteilen auf das aquatische Ökosystem.




Wie die Tabellen entstanden

Berücksichtigt wurden Papers mit Erscheinungsjahr zwischen 2002 und 2005 sowie min-destens einem Autor mit Adresse im deutschen Sprachraum. Die Zahlen für Zitate und Artikel lieferte die Datenbank "Web of Science" des Thomson-Institute for Scientific Information (ISI) in Philadelphia. Stichtag war der 28.03.2008.

Die "Köpfe” arbeiteten 2002 bis 2005 an einem Institut für Meeres- oder Süßwasserforschung, publizierten überwiegend in Journals für Meeres- und Süßwasserforschung oder arbeiteten in erster Linie an für die Meeres- oder Süßwasserforschung bedeutsamen Projekten. Reviews zählten für die "Köpfe"-Wertung nicht.

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Die meistzitierten Artikel

Rang Autoren Paper Zitierungen
1. Jaillon O, ..., Volff JN, ..., Crollius HRGenome duplication in the teleost fish Tetraodon nigroviridis reveals the early vertebrate proto-karyotype. NATURE 2004, 431(7011):946-957331
2. Taylor JS, Braasch I, Frickey T, Meyer A, Van de Peer YGenome duplication, a trait shared by 22,000 species of ray-finned fish GENOME RESEARCH 2003, 13(3):382-390191
3. Kuypers M, ..., Lavik G, ..., Jorgensen BB, ..., Jetten MSMAnaerobic ammonium oxidation by anammox bacteria in the Black Sea NATURE 2003, 422(6932):608-611154
4. Michaelis W, Seifert R, Nauhaus K, Treude T, Thiel V, Blumenberg M, Knittel K, Gieseke A, Peterknecht K, Pape T, Boetius A, Amann R, Jorgensen BB, Widdel F, Peckmann JR, Pimenov NV, Gulin MB Microbial reefs in the Black Sea fueled by anaerobic oxidation of methane SCIENCE 2002, 297(5583):1013-1015147
5. Baum JK, Myers RA, Kehler DG, Worm B, Harley SJ, Doherty PACollapse and conservation of shark populations in the Northwest Atlantic SCIENCE 2003, 299(5605):389-392139
6. Pernthaler A, Pernthaler J, Amann RFluorescence in situ hybridization and catalyzed reporter deposition for the identification of marine bacteria APPL ENV MICROBIOL 2002, 68(6):3094-3101139
7. Könneke M, ..., Stahl DAIsolation of an autotrophic ammonia-oxidizing marine archaeon NATURE 2005, 437(7058):543-546133
8. Vandepoele K, De Vos W, Taylor JS, Meyer A, Van de Peer YMajor events in the genome evolution of vertebrates: Paranome age and size differ considerably between ray-finned fishes and land vertebrates PNAS 2004, 101(6):1638-1643126
9. Hentschel U, ..., Horn M, Friedrich AB, Wagner M, Hacker J, Moore BSMolecular evidence for a uniform microbial community in sponges from different oceans. APPL ENV MICROBIOL 2002, 68(9):4431-4440124
10. Worm B, Lotze HK, Hillebrand H, Sommer UConsumer versus resource control of species diversity and ecosystem functioning NATURE 2002, 417(6891):848-851116





Die meistzitierten Reviews

Rang Autoren Paper Zitierungen
1.Ward JV, Tockner K, Arscott DB, Claret C Riverine landscape diversity FRESHWATER BIOLOGY 2002, 47(4):517-539106
2.Simon M, Grossart HP, Schweitzer B, Ploug HMicrobial ecology of organic aggregates in aquatic ecosystems AQUAT MICROB ECOL 2002, 28(2):175-211101
3.Proksch P, Edrada RA, Ebel RDrugs from the seas – current status and microbiological implications APPL MICROBIOL BIOTECHNOL 2002, 59(2-3):125-13496
4.Hop H, ..., Wiencke C, ..., Bischof K, ..., Gerland SThe marine ecosystem of Kongsfjorden, Svalbard POLAR RESEARCH 2002, 21(1):167-20880





Die meistzitierten Köpfe

Rang Name Ort Zitierungen Artikel
1. Rudolf AmannMol. Ökol., MPI Mar. Mikrobiol. Bremen190564
2. Axel MeyerZool. & Evol.biol., Uni Konstanz152464
3. Bo Barker JørgensenBiogeochem., MPI-MM Bremen 96229
4. Boris Worm(seit 2004 Halifax) Mar. Mikrobiol., IFM-GEOMAR Kiel90114
5. Werner E. G. Müller Angew. Mol.biol., Physiol. Chemie, Uni Mainz 88981
6. Annelie PernthalerUFZ Leipzig (bis ‘07 Pasadena, bis ‘05 Bremen)80112
7. Jakob PernthalerLimnol., Pflanzenbiol., Uni Zürich (bis 2005 Bremen)70221
8. Antje BoetiusMikrobiol., Internat. Uni Bremen62224
9. Jean-Nicolas VolffPhysiol. Chemie, Uni Würzburg57521
Frank Oliver GlöcknerMikrobiol. Gen., MPI Mar. Mikrobiol. Bremen57128
11. Hans-Otto PörtnerMeereszool., AWI Bremerhaven 57046
12. Thorsten B. H. ReuschEvol. Ökol., MPI Evol.biol Plön56631
13. Walter MichaelisBiogeochemie & Meereschemie, Uni Hamburg49522
14. Jutta FastnerMax-Volmer-Institut, TU Berlin46721
15. Friedrich WiddelMikrobiol., MPI Mar. Mikrobiol. Bremen46412
16. Ralf RabusICBM Uni Oldenburg (bis 2007 MPI-MM Bremen)45321
17. Manfred MilinskiEvol. Ökol., MPI Evol.biol Plön45217
18. Katrin KnittelBiogeochemie, MPI Mar. Mikrobio., Bremen44411
19. Thomas HansenExp. Ökol., IFM-GEOMAR Kiel 44349
20. Georg PohnertMPI Chem. Ökol. Jena43723
21. Markus Huettel(seit 2003 Florida) MPI Mar. Mikrobiol. Bremen43128
Linda K. MedlinAWI Bremerhaven43132
23.Heinz C. SchröderAngew. Mol.biol., Physiol. Chemie, Uni Mainz42835
24. Marcel M. KuypersBiogeochem., MPI Mar. Mikrobiol. Bremen42414
25. Stephan PflugmacherGewässerökol. & Binnenfisch. (IGB), FU Berlin42036
26. Walter Salzburger(seit 2006 Lausanne) Evol.biol., Uni Konstanz40217
27. Helmut SegnerZentrum Fisch- & Wildtiergesundheit, Uni Bern39929
28. Meinhard SimonChem. & Biol. Mar. Umwelt, Uni Oldenburg39819
29.Klaus AngerBiol. Anstalt, AWI Helgoland39337
30.Christian WienckeMeeresbot., AWI Bremerhaven 37727
31.Donat-P. HäderBot. & Pharm. Biol., Uni Erlangen37343
Mark GessnerAquat. Ökosysteme, EAWAG, CH-Kastanienbaum36912
33.Volker ThielBiogeochem. & Mar. Chem., Uni Hamburg36711
34.Ulrich SommerIFM-GEOMAR Kiel36023
35.Peter ProkschPharm. Biol., Uni Düsseldorf35948
36.Dirk de BeeMPI Mar. Mikrobiol. Bremen35833
37.Ulf RiebesellAWI Polar- & Meereskunde Bremerhaven35614
38.Christian SturmbauerZool., Uni Graz (bis 2002 Innsbruck)34821
Isabel M. MüllerAngew. Mol.biol., Physiol. Chemie, Uni Mainz34828
40.Bernhard M. FuchsMPI Mar. Mikrobiol. Bremen34715
41.Thomas BraunbeckAquat. Ökol. & Toxikol., Uni Heidelberg34319
42.Gabriele M. KönigPharm. Biol., Uni Bonn 34233
43.James V. WardLimnol., ETH EAWAG, CH-Dübendorf33423
44.Julie La RocheMar. Biogeochem., IFM-GEOMAR Kiel33012
45.Richard SeifertBiogeochemie & Meereschemie, Uni Hamburg 32412
46.Manfred G. HöfleUmweltmikrobiol., GBF Braunschweig31516
47.Klement TocknerGewässerökol. & Binnenfisch. (IGB), FU Berlin30522
48.Martin BlumenbergBiogeochemie & Meereschemie, Uni Hamburg29610
49.Wolf E. ArntzMeereszool. & Mar. Ökol., AWI Bremerhaven29534
50.Thomas PapeBiogeochemie & Meereschemie, Uni Hamburg28910






Letzte Änderungen: 02.05.2008





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