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Die kardiovaskuläre Physiologie hat die Neurophysiologie nun endgültig eingeholt, auch die Nierenphysiologen mischen kräftig mit. Obschon sich die "Kardiovaskulären" und die "Neuros" im Ganzen betrachtet etwa im Gleichgewicht befinden, haben die Herz- und Kreislaufphysiologen unter den Top10 nicht nur zahlenmäßig die Führung übernommen.Die Physiologie - die "Lehre von der Natur" - befasst sich mit der Dynamik biologischer Vorgänge. Dies geschieht auf den verschiedenen Hierarchie-Ebenen eines Organismus, entsprechend lassen sich die Physiologen unterteilen: Zellphysiologen beschäftigen sich etwa mit Apoptose, Membranproteinen, Proteinsynthese; Herz- und Nierenphysiologen konzentrieren sich auf Kreislauf, Endothelien, Elektrolythaushalt und ähnliches; Neurophysiologen bilden ein eigenes Fachgebiet, zu ihnen werden auch die Sinnesphysiologen gezählt. Da die Grenzen der Physiologie zu Anatomie, Biochemie, Molekularbiologie, Psychologie und Neurobiologie unscharf sind, wurden in diesem Zitationsvergleich in erster Linie Forscher aus physiologischen Instituten in Betracht gezogen. Herz überholt Gehirn Seit dem letzten Zitationsvergleich aus den Jahren 1997 bis 1999 hat sich unter den Top 10 der Physiologen einiges getan. Es gibt ein paar Veränderungen in der Besetzung und auch einige Neuzugänge: Der Zürcher Thomas F. Lüscher (1.) hat den ersten Platz von Bert Sakmann (8.) vom MPI für Medizinische Forschung Heidelberg übernommen, und damit den "Kardiovaskulären" die Führung beschert. Dennoch ist man nicht unter sich: Der Neurophysiologe Thomas J. Jentsch (2.), bis 2003 Direktor des ZMNH Hamburg, hat sich erneut behauptet und noch dazu einen Platz gutgemacht, indem er mit dem Tübinger Nierenphysiologen Florian Lang (3.) tauschte. Mit diesen dreien sind auch die drei großen Parteien der Physiologie vertreten. Herz- und die Nierenphysiologen haben häufig überlappende Themen - wie etwa Ionenkanäle - und arbeiten daher oft zusammen. Diese "vegetativen Physiologen" beherrschen die Top 10 - es steht 7:3 gegen die "Neuros". Dem geneigten Betrachter fällt jedoch auf, dass sich die Preisträger unter den Top 10 nur aus der Neurophysiologie rekrutieren - Sieger nach Punkten sind die "Neuros" mit 3:0 gegen die "Vegetativen": Sakmann und Erwin Neher (6.) aus Göttingen haben 1991 gemeinsam den Nobelpreis für die Entwicklung der Patch-Clamp-Technik erhalten. Außerdem sind beide Träger des Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preises 1987 der DFG. Genauso übrigens wie Jentsch, dem der Leibniz-Preis 1995 verliehen wurde, Heinz Breer (42.) aus Hohenheim (1998) und Arthur Konnerth (34.) von der LMU München: er bekam ihn im Jahr 2001. Nieren vorne mit dabei Mit dem Freiburger Rainer Greger (44.) befindet sich auch ein Nierenphysiologe unter den Leibniz-Preisträgern. Greger ist Namensgeber des gleichnamigen Promotionspreises der Gesellschaft für Nephrologie; mit diesem Preis wird er für seine Verdienste um die Erforschung der Niere geehrt, da er nach einem tragischen Unfall nicht mehr am aktiven Forscherleben teilnehmen kann. Einer der Neuankömmlinge unter den Top 10 ist mitnichten ein Neuling unter den Physiologen: Max Gassmann (5.) ist seit März 2002 Direktor des Instituts für Veterinärphysiologie an der Universität Zürich, davor hat er bei Heini Murer (15.) an der Physiologie Zürich die Ursachen für eine ungenügende Sauerstoffzufuhr und die Anpassungsmechanismen an Sauerstoffmangel untersucht. Drei der sieben aufgeführten Nierenphysiologen entstammen dem Zürcher Institut für Physiologie: Murer und Jürg Biber (25.) haben viele ihrer gut zitierten Artikel über Natrium-Phosphat-Cotransporter in der Niere gemeinsam veröffentlicht. Ihr Kollege am Zentrum für Integrative Humanphysiologie (ZIHP) Carsten A. Wagner (24.) erforscht die Säure/Base-Homöostase. Zwei weitere altbekannte Namen vervollständigen die Fraktion der Nierenphysiologen: Armin Kurtz (22.) ist Geschäftsführer am Institut für Physiologie in Regensburg und im Vorstand der Gesellschaft für Nephrologie, Michael Fromm (32.) ist Direktor der Klinischen Physiologie an der Charité Berlin. Fromm forscht über die Barrierefunktion und genomische Regulation der Tight junction-Proteine Occludin und Claudin. Viele Abteilungsleiter, wenn nicht gar Direktoren finden sich unter den Top 50 der Physiologen: Insgesamt 22 Forscher besetzen Chefsessel, fünf von ihnen haben es unter die Top 10 geschafft, darunter vier "Vegetative" - Gassmann, Lang, Rudi Busse (4.) und Gerd Heusch (9.) - und ein "Neuro": Jentsch. Aufs Ganze gesehen sind die Direktoren jedoch gleichmäßig verteilt: elf "Vegetative" und zehn "Neuros". Die Parteilosen Wieder mit dabei und wieder ganz hinten ist der einzige Glykosylierungs-Physiologe, Eric G. Berger (49.) vom Physiologischen Institut Zürich. Weder "Herz" noch "Hirn" sind auch die Münchner Michael W. Pfaffl (31.) und Dieter Schams (48.). Sie arbeiten bei Heinrich H.D. Meyer an der Physiologie der TU München. Schwerpunkt ihrer Forschung ist die Regulation der Fortpflanzung, die Bildung der Proteohormone und Wachstumsfaktoren sowie die Biotechnik in der Fortpflanzung. Allein auf weiter Flur steht ferner der Ernährungsphysiologe Wulf Dröge (30.) vom DKFZ Heidelberg, der sich unter anderem mit Immunregulation durch Proteinkinasen und Apoptose sowie mit den molekularen Aspekten der Tumorkachexie beschäftigt. Dröge hat das meistzitierte physiologische Review der Jahre 2000 bis 2002 veröffentlicht. Darin beschreibt er die Vor- und Nachteile freier Radikale für die physiologische Kontrolle der Zellfunktion, einschließlich Mutagenese und Bildung von "Second Messengern". Frauen mit Herz Gar nicht parteilos und auch nicht einsam sind die drei Frauen unter den Top 50 der Physiologie. Ingrid Fleming (12.), Beate Fißlthaler (27.) und Agnes Görlach (33.) kommen alle drei aus dem gleichen Stall: Sie arbeiten an der Kardiovaskulären Physiologie der Uni Frankfurt bei Rudi Busse. Zusammen mit Ralf P. Brandes (10.) untersuchen sie unter anderem vom Endothel gebildete Faktoren - wie Stickstoffmonoxid, Superoxidradikal und andere -, die bei der Regulierung von Gefäßtonus und -wachstum, bei der Wechselwirkung zwischen Blutzellen und Gefäßwand sowie bei der Blutgerinnung eine entscheidende Rolle spielen. Dank dieser starken Gruppe lautet die "nach Arbeitsgruppen bereinigte" Statistik: 14 "Kardiovaskuläre" und 5 "Nieren" zu 17 "Neuros". Wer bleibt draußen? Da die Grenzen zu anderen Fachgebieten oft etwas verwaschen sind, mussten im Zweifelsfall diejenigen draußen bleiben, die weder in einem physiologischen Institut arbeiten noch ihre Artikel hauptsächlich in physiologischen Fachzeitschriften veröffentlicht haben. Auch die Pflanzenphysiologen wurden nicht miteinbezogen; sie werden beim Zitationsvergleich "Pflanzenforschung" berücksichtigt. Wie die Tabellen entstanden Berücksichtigt wurden Papers mit Erscheinungsjahr zwischen 2000 und 2002 sowie min-destens einem Autor mit Adresse im deutschen Sprachraum. Die Zahlen für Zitate und Artikel lieferte die Datenbank "Web of Science" des Thomson-Institute for Scientific Information (ISI) in Philadelphia. Stichtag war der 12. Sept. 2005. Die "Köpfe" arbeiteten während des Bewertungszeitraums an einem physiologischen Institut, publizierten überwiegend in physiologischen Journals oder arbeiteten vorrangig an physiologisch relevanten Projekten. Reviews zählten für die "Köpfe"-Wertung nicht. Wichtig: Fehler, die bereits in den Datenbanken stecken, können wir nur selten erkennen. |
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Die meistzitierten Artikel |
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| Rang | Autoren | Paper | Zitierungen |
| 1. | Ruschitzka F, ..., Lüscher TF, Noll G | Acute heart transplant rejection due to Saint John‘s wort LANCET 355 (9203): 548-549 FEB 12 2000 | 240 |
| 2. | Carmeliet P, ..., Scholz D, ..., Schaper W, ..., Persico MG | Synergism between vascular endothelial growth factor and placental growth factor contributes to angiogenesis and plasma extravasation in pathological conditions NATURE MEDICINE 7 (5): 575-583 MAY 2001 | 240 |
| 3. | Pain T, ..., Heusch G, ..., Downey JM | Opening of mitochondrial K-ATP channels triggers the preconditioned state by generating free radicals CIRCULATION RESEARCH 87 (6): 460-466 SEP 15 2000 | 208 |
| 4. | Pfaffl MW | A new mathematical model for relative quantification in real-time RT-PCR NUCLEIC ACIDS RESEARCH 29 (9): Art. No. e45 MAY 1 2001 | 201 |
| 5. | Wagner AH, ..., Rückschloss U, ..., Hecker M | Improvement of nitric oxide-dependent vasodilatation by HMG-CoA reductase inhibitors through attenuation of endothelial superoxide anion formation ART THROMB AND VASC BIOLOGY 20 (1): 61-69 JAN 2000 | 177 |
| 6. | Görlach A, Brandes RP, ..., Busse R | A gp91phox containing NADPH oxidase selectively expressed in endothelial cells is a major source of oxygen radical generation in the arterial wall. CIRCULATION RESEARCH 87 (1): 26-32 JUL 7 2000 | 176 |
| 7. | Lee JY, ..., Wernig A, Huard J | Clonal isolation of muscle-derived cells capable of enhancing muscle regeneration and bone healing JOURNAL OF CELL BIOLOGY 150 (5): 1085-1099 SEP 4 2000 | 167 |
| 8. | Schneggenburger R, Neher E | Intracellular calcium dependence of transmitter release rates at a fast central synapse. NATURE 406 (6798): 889-893 AUG 24 2000 | 166 |
| 9. | Ryan HE, ..., Gassmann M, ..., Johnson RS | Hypoxia-inducible factor-1 alpha is a positive factor in solid tumor growth CANCER RESEARCH 60 (15): 4010-4015 AUG 1 2000 | 162 |
| 10. | Bollmann JH, Sakmann B, Borst JGG | Calcium sensitivity of glutamate release in a calyx-type terminal SCIENCE 289 (5481): 953-957 AUG 11 2000 | 152 |
Die meistzitierten Reviews |
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| Rang | Autoren | Paper | Zitierungen |
| 1. | Dröge W | Free radicals in the physiological control of cell function PHYSIOLOGICAL REVIEWS 82 (1): 47-95 JAN 2002 | 545 |
| 2. | Scholzen T, Gerdes J | The Ki-67 protein: From the known and the unknown JOURNAL OF CELLULAR PHYSIOLOGY 182 (3): 311-322 MAR 2000 | 250 |
| 3. | Jentsch TJ, ..., Zdebik AA | Molecular structure and physiological function of chloride channels. PHYSIOLOGICAL REVIEWS 82 (2): 503-568 APR 2002 | 247 |
| 3. | Gerke V, Moss SE | Annexins: From structure to function PHYSIOLOGICAL REVIEWS 82 (2): 331-371 APR 2002 | 219 |
Die meistzitierten Köpfe |
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| Rang | Name | Ort | Zitierungen | Artikel |
| 1 | Thomas F. Lüscher, | Physiologie Universität Zürich | 1552 | 38 |
| 2 | Thomas J. Jentsch, | Mol Neurobiol Hamburg (ZMNH) | 1407 | 23 |
| 3 | Florian Lang, | Physiologie Universität Tübingen | 1326 | 71 |
| 4 | Rudi Busse, | Physiologisches Institut Universität Frankfurt | 1111 | 26 |
| 5 | Max Gassmann, | Vetphysiol Uni Zürich (bis 2001 Physiol Zürich) | 1098 | 36 |
| 6 | Erwin Neher, | MPI Biophysikalische Chemie Göttingen | 995 | 24 |
| 7 | Wolfgang Schaper, | MPI Herz- und Lungenforschung Bad Nauheim | 975 | 28 |
| 8 | Bert Sakmann, | MPI Medizinische Forschung Heidelberg | 942 | 22 |
| 9 | Gerd Heusch, | Pathophysiologie Universitätsklinikum Essen | 875 | 41 |
| 10 | Ralf P. Brandes, | Kardiovaskuläre Physiologie Uni Frankfurt | 718 | 16 |
| 11 | Jürgen Hescheler, | Neurophysiologie Uniklinik Köln | 714 | 43 |
| 12 | Ingrid Fleming, | Kardiovaskuläre Physiologie Universität Frankfurt | 670 | 20 |
| 13 | Erich Gulbins, | Molbiol Uni Essen (bis 2001 Tübingen und Memphis) | 668 | 22 |
| 14 | Bernhard Bettler, | Physiologie DKBW Universität Basel | 599 | 14 |
| 15 | Martin Schmelz, | Klinik für Anästhesiologie Mannheim der Uni Heidelberg | 542 | 30 |
| 16 | Heini Murer, | Physiologie (ZIHP) Universität Zürich | 534 | 34 |
| 17 | Jürgen Daut, | Normale & Pathologische Physiologie Uni Marburg | 520 | 20 |
| 18 | Uwe Heinemann, | Neurophysiologie Charité & Universität Berlin | 513 | 49 |
| 19 | Anton Wernig, | Physiologie II Universität Bonn | 510 | 13 |
| 20 | Hans-Jochen Heinze, | Klinik für Neurologie II Universität Magdeburg | 510 | 33 |
| 21 | Markus Hecker, | Herz- und Kreislaufphysiologie Uni Göttingen | 499 | 26 |
| 22 | Roland H. Wenger, | Physiologie Universität Zürich | 495 | 17 |
| 23 | Armin Kurtz, | Physiologie Universität Regensburg | 477 | 37 |
| 24 | Andreas Karschin, | Physiologie Würzburg (bis 2001 MPI Göttingen) | 476 | 20 |
| 25 | Carsten A. Wagner, | Physiologie (ZIHP) Universität Zürich | 473 | 19 |
| 26 | Jürg Biber, | Physiologie (ZIHP) Universität Zürich | 473 | 39 |
| 27 | Jens Rettig, | Physiologie Uni Homburg (bis 2000 MPI Göttingen) | 470 | 15 |
| 28 | Beate Fißlthaler, | Kardiovaskuläre Physiologie Uni Frankfurt | 464 | 12 |
| 29 | Axel Gödecke, | Herz- & Kreislaufphysiologie Uniklinik Düsseldorf | 456 | 16 |
| 30 | Stefan Bröer, | Physiolchem Inst Uni Tübingen (zur Zeit Canberra) | 454 | 20 |
| 31 | Wulf Dröge, | Immunochemie DKFZ Heidelberg | 452 | 20 |
| 32 | Michael W. Pfaffl, | Physiologie Technische Universität München | 451 | 15 |
| 33 | Michael Fromm, | Klinische Physiologie Charité & Uni Berlin | 449 | 28 |
| 34 | Agnes Görlach, | Kardiovaskuläre Physiologie Uni Frankfurt | 447 | 12 |
| 35 | Arthur Konnerth, | Zelluläre Physiologie Uni München | 446 | 10 |
| 36 | Peter Jonas, | Physiologie I Universität Freiburg | 435 | 14 |
| 37 | Christian Bauer, | Physiologie Universität Zürich | 431 | 10 |
| 38 | Walter Paulus, | Klinische Neurophysiologie Universität Göttingen | 412 | 31 |
| 39 | Andreas Draguhn, | Physiol & Pathophysiol Uni Heidelberg | 410 | 15 |
| 40 | Uwe Rückschloss, | Pathophysiologie Universität Halle | 391 | 7 |
| 41 | Erhard Wischmeyer, | Physiologie II Universität Würzburg | 385 | 13 |
| 42 | Markus Bleich, | Physiologie Universität Kiel | 383 | 22 |
| 43 | Henning Morawietz, | Medizin, TU Dresden | 383 | 42 |
| 44 | Heinz Breer, | Zoophysiologie Universität Hohenheim | 379 | 26 |
| 45 | Dimitri Scholz, | Exp. Kardiol MPI Herz & Lunge Bad Nauheim | 377 | 5 |
| 46 | Rainer Greger, | Physiologie Universität Freiburg | 375 | 24 |
| 47 | Christian Kubisch, | Zentr Mol Neurobiol (ZMNH) Hamburg | 372 | 9 |
| 48 | Heinrich Sauer, | Neurophysiologie Uniklinikum Köln | 370 | 19 |
| 49 | Tobias Bonhöffer, | MPI Neurobiologie Martinsried | 365 | 13 |
| 50 | Dieter Schams, | Physiologie Technische Universität München | 355 | 35 |
| 51 | Eric G. Berger, | Physiologie Universität Zürich | 353 | 23 |
| 52 | Helmut L. Haas, | Neuro- & Sinnesphysiologie Uniklinik Düsseldorf | 349 | 20 |