
| Die meistzitierten Artikel | Die meistzitierten Reviews | Die meistzitierten Köpfe |
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Nur wenn man enge Grenzen zieht, lassen sich Evolutionsbiologen sinnvoll vergleichen. Da hat jemand ein Gen im Verdacht, die Experimente klappen und er bekommt tatsächlich eine interessante Funktion heraus. Zum Glück sind Datenbanken und Programme zur Sequenzanalyse ja auch keine Hexerei mehr. Was liegt also näher, als noch nach Homologien in diversen anderen Genomen zu suchen und ein kleines Stammbäumchen zeichnen zu lassen. Das bringt noch ein wenig mehr Substanz ins Paper - und da Evolution sich immer gut macht, nimmt er sie auch noch gleich mit in die "Keywords". Ist so jemand "Evolutionsbiologe"? Sicher nicht. Wo aber ist die Grenze für diese Disziplin, die letztlich wie ein Schirm die gesamte Biologie überspannt? Wir haben sie für unseren Pubikationsvergleich sehr eng gezogen und zuvorderst nur Forscher akzeptiert, in deren Projekten evolutionsbiologische Fragestellungen ganz oben stehen - und dann erst einmal lange gar nichts kommt. Herausgefallen sind damit etwa Forscher wie der Bioinformatiker Peer Bork, der viele gut zitierte Paper über Functional Genomics zeichnet, dazwischen aber auch immer welche mit Titeln wie "Genome phylogeny based on gene content". Oder wie der Mainzer Molekularbiologe Werner E.G. Müller, der neben Prionenerkrankungen vor allem marine Schwämme auf ihren biomedizinischen Nutzen hin untersuchcht - und dabei natürlich auch einiges über deren Evoultion zu Tage fördert. Oder die zahlreichen Mikrobiologen, die teilweise aufgrund ökologischer Fragestellungen immer neue Arten identifizieren - und diese sogleich in evolutionäre Stammbäume einbauen müssen. Ein strenges Raster, zugegeben. Aber sicherlich eines, dass den "echten Evolutionsbiologen" deutlich gerechter wird. Denn mit einer "weicheren" Regelung würden diese rettungslos von "Auch-Evolutionsbiologen" mit deren oftmals viel zitierten biomedizinischen, Genomics- oder sonstigen Papern überflügelt. Und das kann wohl nicht Sinn der Sache sein. Warum dann aber Walter Gehring auf Platz 4 der meistzitierten Evolutionsbiologen, könnte man jetzt einwenden. Der ist doch Entwicklungsbiologe. Stimmt schon, aber gerade aus der Entwicklungsbiologie wehte in den letzten Jahren ein kräftiger Wind hinüber zur Evolutionsbiologie. Und in Walter Gehrings Basler Labor fingen die Turbulenzen an. In seiner Entdeckung, dass die Homeobox-Sequenz in zahlreichen wichtigen Genen der Embryonalentwicklung hoch konserviert über nahezu das gesamte Tierreich vorkommt, sehen viele den Startschuss für ein in den letzten Jahren sehr erfolgreiches Konzept der Evolutionsbiologie: Die Evolution entwicklungsbiologischer Prozesse, oder kurz "Evo-Devo". Hypothesen und Modellierungen Auch Gehring selbst erkannte die Bedeutung dieser Tatsachen für die Evolutionsbiologie, weswegen man ihn heute auch getrost als solchen bezeichnen kann. In diesem Zusammenhang ist es auch kein Zufall, dass die beiden meistzitierten evolutionsbiologischen Reviews der Jahre 1997 bis 99 von Gehring und Kollegen verfasst wurden. Ebenfalls kein Wunder ist daher, dass weitere "Evo-Devo"-Forscher die Top 50 bevölkern: Diethard Tautz etwa auf Platz 5, Gehrings langjährige Mitarbeiter Georg Halder und Patrick Callaerts auf den Plätzen 8 und 16, oder Jochen Wittbrodt vom Heidelberger EMBL auf Platz 22. So erfolgreich die "Evo-Devos" indes gerade sein mögen, auf das berühmte Treppchen kamen andere. Wobei kaum wundert, dass Svante Pääbo und Mark Stoneking, Direktor und Gruppenleiter in der Abteilung "Evolutionäre Genetik" des Leipziger MPIs für evolutionäre Anthropologie, in dieser Reihenfolge die ersten beiden Plätze belegen. Beide zeichneten 1997 einen Cell-Artikel mit der Bestimmung von DNA-Sequenzen aus Neanderthaler-Knochen als Seniorautoren - ein Paper, das damals quer durch die weltweiten Medien ging und bis heute das mit Abstand meistzitierte evolutionsbiologische Paper mit Erscheinungsjahr 97-99 aus deutschsprachigen Landen ist. Der Dritte im "Treppchen-Bunde" ist William Martin, seit 2000 am Botanischen Institut Düsseldorf, davor am Genetischen Institut der TU Braunschweig. Ihm geht es vor allem um Zellevolution - genauer gesagt, um Ursprung und Evolution der Eukaryotenzelle. Und da hat er vor allem 1998 mit einem "Hypothesis"-Paper in Nature viel Aufmerksamkeit erregt. Mit seinem Ko-Autor Miklos Müller stellt er darin die so genannte "Wasserstoff-Hypothese" für den ersten Eukaryoten auf. Die darin formulierte Idee: Womöglich hätten einstmals Wasserstoff-benötigende Archaebakterien sich Wasserstoff-produzierende Eubakterien einverleibt und nach und nach zum Mitochondrium reduziert. Eine Hypothese, die Martin das am zweithäufigsten zitierte Paper der Jahre 97 bis 99 einbrachte, sowie Platz 3 bei den "Köpfen". Überhaupt fällt der verhältnismäßig hohe Anteil an hypothetisierenden oder mathematisch-theoretischen Artikeln unter den zehn meistzitierten Papern auf. Mehr als die Hälfte zählt in diese Kategorie. Damit einher geht das gute Abschneiden einzelner Mathematiker oder Bioinformatiker, die ihre Arbeit hauptsächlich Fragen der Evolution gewidmet haben: Der Hamburger Hans-Jürgen Bandelt auf Platz 6, Yves van de Peer auf 10, Arndt von Haeseler auf 11 und Martijn Huynen auf 12 dokumentieren dies etwa. Junge Leute Und ganz zum Schluss sollte noch etwas auffallen, vor allem wenn man über die Portraits auf der nächsten Doppelseite schaut: Abgesehen von Walter Gehring oder dem Tübinger Jan Klein (7) scheint die deutschsprachige Evolutionsbiologie von verhältnismäßig jungen Forschern dominiert. Das sollte doch ein gutes Zeichen für diese wichtige Disziplin sein. Wie die Tabellen entstanden Berücksichtigt wurden Papers mit Erscheinungsjahr 1997 bis 1999. Zahlen für Zitate und Artikel lieferte die Datenbank "Web of Science" des Institute for Scientific Information (ISI) in Philadelphia. Stichtag war der 12. April 2002. Die "Köpfe" arbeiteten entweder zumindest einen Teil des Bewertungszeitraums an einem evolutionsbiologischen Institut, publizierten überwiegend in evolutionsbiologischen Journals oder arbeiteten vorrangig an eindeutig evolutionsbiologischen Projekten. Review-Artikel sowie deren Zitierungen wurden nicht berücksichtigt. Wichtig: Die Datenbanken sind nicht perfekt. Fehler, die hieraus entstehen, können wir in der Regel nicht erkennen. |
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Die meistzitierten Artikel |
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| Rang | Autoren | Paper | Zitierungen |
| 1. | Krings M, Stone A, Schmitz RW, Krainitzki H, Stoneking M, Pääbo S | Neandertal DNA sequences and the origin of modern humans. CELL 90 (1): 19-30 JUL 11 1997 | 218 |
| 2. | Martin W, Müller M | The hydrogen hypothesis for the first eukaryote. NATURE 392 (6671): 37-41 MAR 5 1998 | 172 |
| 3. | Qiu YL, Lee JH, Bernasconi-Quadroni F, Soltis DE, Soltis PS, Zanis M, Zimmer EA, Chen ZD, Savolainen V, Chase MW | The earliest angiosperms: evidence from mitochondrial, plastid and nuclear genomes. NATURE 402 (6760): 404-407 NOV 25 1999 | 120 |
| 4. | Martin W, Stoebe B, Goremykin V, Hansmann S, Hasegawa M, Kowallik KV | Gene transfer to the nucleus and the evolution of chloroplasts. NATURE 393 (6681): 162-165 MAY 14 1998 | 120 |
| 5. | Strimmer K, von Haeseler A | Likelihood-mapping: A simple method to visualize phylogenetic content of a sequence alignment. PROC. NAT. ACAD. SCI. USA 94 (13): 6815-6819 JUN 24 1997 | 110 |
| 6. | Dieckmann U, Doebeli M | On the origin of species by sympatric speciation. NATURE 400 (6742): 354-357 JUL 22 1999 | 108 |
| 7. | Bürglin TR | Analysis of TALE superclass homeobox genes (MEIS, PBC, KNOX, Iroquois, TGIF) reveals a novel domain conserved between plants and animals. NUCLEIC ACIDS RESEARCH 25 (21): 4173-4180 NOV 1 1997 | 99 |
| 8. | Spring J | Hypothesis: vertebrate evolution by interspecific hybridisation - Are we polyploid? FEBS LETTERS 400 (1): 2-8 JAN 2 1997 | 87 |
| 9. | Torroni A, Bandelt HJ, DUrbano L, Lahermo P, Moral P, Sellitto D, Rengo C, Forster P, Savontaus ML, Bonne-Tamir B, Scozzari R | mtDNA analysis reveals a major late paleolithic population expansion from southwestern to northeastern Europe. AM. J. OF HUM. GENETICS 62 (5): 1137-1152 MAY 1998 | 81 |
| 10. | Huson DH | SplitsTree: analyzing and visualizing evolutionary data. BIOINFORMATICS 14 (1): 68-73 1998 | 76 |
Die meistzitierten Reviews |
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| Rang | Autoren | Paper | Zitierungen |
| 1. | Callaerts P, Halder G, Gehring WJ | Pax-6 in development and evolution ANNUAL REVIEW OF NEUROSCIENCE 20: 483-532 1997 | 115 |
| 2. | Gehring WJ, Ikeo K | Pax 6 - mastering eye morphogenesis and eye evolution. TRENDS IN GENETICS 15 (9): 371-377 SEP 1999 | 67 |
| 3. | Petrie M, Kempenaers B | Extra-pair paternity in birds: explaining variation between species and populations. TRENDS IN ECOLOGY & EVOLUTION 13 (2): 52-58 FEB 1998 | 66 |
| 4. | Wittbrodt J, Meyer A, Schartl M | More genes in fish? BIOESSAYS 20 (6): 511-515 JUN 1998 | 60 |
Die meistzitierten Köpfe |
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| Rang | Name | Ort | Zitierungen | Artikel |
| 1. | Svante Pääbo, | MPI f. evol. Anthropol. Leipzig (b. 97 München) | 672 | 22 |
| 2. | Mark Stoneking, | MPI f. evol. Anthropol. Leipzig (b. 99 USA) | 569 | 19 |
| 3. | William Martin, | Genet. TU Braunschweig (s. 00 Düsseldorf) | 558 | 14 |
| 4. | Walter J. Gehring, | Zellbiol. Biozentrum Uni Basel | 516 | 19 |
| 5. | Diethard Tautz, | Evolutionsgenetik Uni Köln (bis 99 München) | 417 | 27 |
| 6. | Hans-Jürgen Bandelt, | Math. Uni Hamburg | 401 | 15 |
| 7. | Jan Klein, | MPI Biologie Tübingen | 397 | 31 |
| 8. | Georg Halder, | Zellbiol. Biozentrum Uni Basel (seit 98 USA) | 373 | 9 |
| 9. | Johannes Wienberg, | Humangen. LMU Münch. & NCI Frederick, USA | 366 | 25 |
| 10. | Yves van de Peer, | Evolutionsbiol. Uni Konstanz (zw. 98 und 01) | 363 | 17 |
| 11. | Arndt von Haeseler, | MPI evol. Anthropol. Leipzig (seit 02 Uni Düsseld.) | 358 | 16 |
| 12. | Martijn A. Huynen, | EMBL Heidelberg / MDC Berlin | 297 | 11 |
| 13. | Matthias Krings, | MPI evol. Anthropol. Leipzig (bis 98 Uni München) | 285 | 4 |
| 14. | Michael Doebeli, | Zool. Uni Basel (seit 99 British Columbia/Kanada) | 261 | 19 |
| 15. | Axel Meyer, | Evolutionsbiol. Uni Konstanz (bis 98 New York) | 257 | 16 |
| 16. | Patrick Callaerts, | Zellbiol. Biozentrum Uni Basel | 232 | 8 |
| 17. | Herta Steinkellner, | Angew. Genetik Agrarwiss. Uni Wien | 227 | 19 |
| 18. | Felipe Figueroa, | MPI Biologie Tübingen | 223 | 17 |
| 19. | Manfred Schartl, | Physiol. Chemie Uni Würzburg | 222 | 26 |
| 20. | Rafael Zardoya, | Evolutionsbiol. Uni Konstanz (seit 00 Madrid) | 210 | 11 |
| 21. | Yin-Long Qiu, | System. Bot. Uni Zürich (seit 00 Amherst/USA) | 210 | 3 |
| 22. | Jochen Wittbrodt, | EMBL Heidelberg (bis 99 MPI Göttingen) | 203 | 9 |
| 23. | Peter Forster, | Cambridge (b. 97 Uni Hamburg, b. 99 Uni Münster) | 199 | 3 |
| 24. | Thomas R. Bürglin, | Zellbiol. Biozentrum Uni Basel | 187 | 9 |
| 25. | Konrad Bachmann, | IPK Gatersleben | 184 | 16 |
| 26. | Christophe Boesch, | MPI evol. Anthropol. Leipzig (bis 98 Uni Basel) | 177 | 7 |
| 27. | Peter Schuster, | Theor. Chemie Uni Wien | 174 | 15 |
| 28. | Peter F. Stadler, | Theor. Chemie Uni Wien | 165 | 15 |
| 29. | Klaus V. Kowallik, | Bot. Uni Düsseldorf | 159 | 6 |
| 30. | Andrei Lupas, | MPI Entwicklungsbiol. Tübingen (bis 01 MPI Martinsried) | 158 | 8 |
| 31. | Christian Schlötterer, | Genetik Vet.-med. Uni Wien | 156 | 7 |
| 32. | Colm O´Huigin, | MPI Biologie Tübingen | 152 | 14 |
| 33. | Korbinian Strimmer, | Institut für Statistik der LMU München | 148 | 2 |
| 34. | Günter Theissen, | Bot. Uni Jena (bis 00 MPI Züchtungsforsch. Köln) | 147 | 5 |
| 35. | Hans Metz, | Int. Inst. Ang. Systemanal. Laxenburg/A & Uni Leiden/NL | 139 | 8 |
| 36. | Vadim Goremykin, | Genet. TU Braunschweig | 138 | 2 |
| 37. | Sabine Hansmann, | Genet. TU Brauschweig | 138 | 2 |
| 38. | Ulf Dieckmann, | Int. Inst. Angew. Systemanal. Laxenburg/A | 136 | 7 |
| 39. | Paul Schmid-Hempel, | Ökol. & Evol. ETH Zürich | 136 | 16 |
| 40. | Bettina Stoebe, | Bot. Uni Düsseldorf | 135 | 2 |
| 41. | Daniel H. Huson, | Math. Uni Bielefeld | 128 | 6 |
| 42. | Akie Sato, | MPI Biologie Tübingen | 124 | 8 |
| 43. | Jan T. Kim, | MPI Züchtungsforsch. Köln | 123 | 3 |
| 44. | Robert Huber, | Zool. Uni Graz | 123 | 5 |
| 45. | Linda K. Medlin, | A.-Wegener Inst. Polar- u. Meeresforsch. Bremerh. | 116 | 8 |
| 46. | Thomas Münster, | MPI Züchtungsforsch. Köln | 114 | 2 |
| 47. | Ralf J. Sommer, | MPI Entwicklungsbiol. Tübingen | 113 | 8 |
| 48. | Michelis Averof, | EMBL Heidelberg | 112 | 3 |
| 49. | Wolfgang Stephan, | Evolutionsbiol. Uni München (bis 99 Rochester/USA) | 107 | 10 |
| 50. | Paul I. Ward, | Zool. Museum Uni Zürich | 107 | 13 |