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Frischer Wind für‘s Labor
Produktübersicht: Laborabzüge und Sicherheitswerkbänke

Labor

Spätestens wenn Sie, wie auf dem nebenstehenden Foto, vor lauter Qualm die Decke Ihres Labors nicht mehr erkennen können, ist es höchste Zeit für neue Abzüge.

Beim Stichwort Laborabzug fällt dem Laborjournal-Redakteur ein besonders fieses Exemplar dieses Labor-Requisits ein, dem er während des Chemiestudiums in einem Praktikum der anorganischen Chemie begegnete. Die Glasscheibe des besagten Abzugs hatte die Angewohnheit völlig unvermittelt herunterzurauschen, nachdem man sie geöffnete hatte, um im Abzugsinneren zu hantieren oder Apparaturen aufzubauen. Der Hinweis „Attention á la Guillotine“, den ein französischkundiger Witzbold an die Abzugscheibe gekritzelt hatte war wörtlich zu nehmen, und wer ihn ignorierte musste damit rechnen, auf sehr unvorteilhafte Weise zwischen Werkbank und Frontscheibe eingeklemmt zu werden. Dieses „Abzugs-Schafott“ wurde übrigens während der ganzen Zeit des Praktikums nicht repariert und war offensichtlich Teil des Überlebenstrainings für Chemiestudenten.

In seriösen Laboren sind solch aberwitzige Zustände (hoffentlich) undenkbar, immerhin gehören funktionierende Abzüge und Sicherheitswerkbänke zu den elementarsten Ausstattungsgegenständen jeden Labors.


Ab durch den Kamin

In chemischen Laboren geht ohne eine ganze Batterie fest eingebauter Abzüge gar nichts, aber auch in biowissenschaftlichen Laboren ist in der Regel ein Abzug installiert. Laborabzüge sind simpel aufgebaut: Eine Kabine mit einer vertikal verschiebbaren Frontscheibe aus Sicherheitsglas, ein Gebläse, das einen Unterdruck erzeugt und ein Kaminanschluss. Mehr ist im Grunde nicht nötig um giftige Gase, Dämpfe, Aerosole, oder Stäube vom Laborpersonal fernzuhalten und mehr oder weniger gefiltert über einen Kamin aus dem Labor zu leiten.

Weit häufiger als am Laborabzug sitzen Biologen in der Regel an biologischen Sicherheits- und Produktschutzwerkbänken. Sicherheitswerkbänke sind in drei Klassen eingeteilt, die sich im Wesentlichen durch die Zahl und Effizienz der Filter und den Weg der Luftströmung innerhalb der Sicherheitswerkbank unterscheiden.

Den geringsten Schutz bieten Sicherheitswerkbänke der Klasse I, die mit nur einem HEPA-(High-Efficiency Particulate Air)-Filter ausgerüstet sind. Bei diesen strömt die Umgebungsluft durch einen Spalt zwischen Frontscheibe und Werkbank in die Kabine, wird an deren Decke gefiltert und dann wieder nach außen in den Aufstellungsraum geführt. Auf diese Weise ist zwar die Person, die in der Sicherheitswerkbank hantiert vor biologischen Gefahrstoffen, etwa Viren, geschützt. Das Arbeitsmaterial selbst ist aber der Laborluft ausgesetzt und kann zum Beispiel durch darin enthaltene Keime kontaminiert werden.

Viele Labore benutzen daher generell Klasse II Sicherheitswerkbänke bei denen sowohl die Person vor der Werkbank als auch die darin gelagerten Stoffe geschützt sind. In Klasse II Werkbänken saugt ein Gebläse sowohl die Raumluft als auch die kontaminierte Luft im Werkbankinneren an und befördert sie über einen Luftkanal, der unter dem Werkbanktisch und an der Werkbank-Rückseite verläuft, in eine von zwei HEPA-Filtern begrenzte Kammer im oberen Teil des Gehäuses. Etwa zwei Drittel der Luftmoleküle werden, nachdem sie einen HEPA-Filter passiert haben, wieder nach unten gelenkt und umspülen als abwärtsgerichteter, laminarer Reinluftstrom den Arbeitsbereich auf der Werkbankoberfläche. Das restliche Drittel strömt durch den zweiten HEPA-Filter an der Oberseite der Kabine in den Aufstellungsraum zurück oder verschwindet in einem Abzugskamin.

Je nach Bauart teilt man Klasse-II­ -­Werkbänke in die Typen A1 und A2 ein, die sich in einem kleinen aber sicherheitsrelevanten technischen Detail unterscheiden. In A1-Werkbänken drückt die in der Überdruckkammer zwischen den beiden HEPA-Filtern liegende kontaminierte Luft direkt auf die Dichtungen und Blechteile der Werkbank-Außenhülle. Entsteht ein Leck in einer der Dichtungen, kann die kontaminierte Luft ohne Umwege in den Laborraum strömen.


Zusätzliche Lufthülle

Als zusätzliche Sicherheit umgibt deshalb in A2-Sicherheits-Werkbänken eine dünne Unterdruck-Lufthülle die zwischen den beiden HEPA-Filtern gelegene Druckkammer und verhindert, dass bei Leckagen kontaminierte Luft austritt. Noch sicherer sind Klasse-II-Werkbänke, bei denen ein dritter HEPA-Filter unter dem Tisch der Werkbank die kontaminierte Luft unmittelbar nach ihrem Eintritt durchkämmt. Auf diese Weise ist gewährleistet, dass nur Reinluft durch das Lüftungssystem der Werkbank strömt.

Klasse I- und II-Werkbänke sind für Labore der Biosicherheitsstufen 1 bis 3 ausreichend, in Laboren der Sicherheitsstufe 4 haben Klasse-I-Werkbänke jedoch nichts verloren und Klasse-II-Werkbänke dürfen hier nur benutzt werden, wenn die Forscher Überdruckanzüge tragen. In S4-Laboren stehen deshalb überwiegend Klasse- III-Werkbänke oder Isolatoren, die aus einer geschweißten, gasdichten Unterdruckkammer bestehen, in der man nur über mechanisch angeschlossene Gummihandschuhe hantieren kann. Der Markt für Klasse-III-Werkbänke ist aber überschaubar – aktuell sind weltweit nur 25 Labore der Sicherheitsstufe 4 eingerichtet, zwei davon in Deutschland.


(Erstveröffentlichung: H. Zähringer, Laborjournal 11/2009, Stand: Oktober 2009, alle Angaben ohne Gewähr)


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Letzte Änderungen: 16.11.2009


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