Alles Dosierungssache
Produktübersicht: Pipetten
Dass man mit modernen Pipetten "richtig" und "präzise" pipettieren kann, ist inzwischen selbstverständlich. Viele Hersteller versuchen deshalb mit besonders ergonomischen Modellen zu punkten.
Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, welche Schwerarbeit Ihr Daumen während eines mehrstündigen Pipettier-Marathons leistet? Vermutlich nicht. Das ist auch besser so, denn wenn Sie sich vor jeder Pipettierserie vorstellen würden, was auf Ihren rechten oder linken Daumen zukommt, würde der sich wahrscheinlich bereits nach wenigen Durchgängen vor lauter Angst verkrampfen. Dies besonders dann, wenn Sie sich noch mit einer antiquierten Pipette abquälen, deren Bedienknopf sich nur mit viel Kraft bewegen lässt. Bei veralteten Pipetten muss der Daumen den Druckknopf mit der Kraft von etwa 50 Newton herunterdrücken, um Flüssigkeit aufzunehmen und wieder abzugeben. Da sich Biologen unter der physikalischen Einheit Newton meist nicht viel vorstellen können, ist es anschaulicher die Pipettierkraft in Kilogramm-Kraft (kgf) oder einfach Kilogramm anzugeben. 50 Newton entsprechen einer Pipettier-Kraft von etwa fünf Kilogramm.
In dieser Rechnung sind aber nur die Kräfte berücksichtigt, die der Daumen überwinden muss, um eine Flüssigkeit mit der Pipette aufzusaugen und wieder abzulassen. Zu diesen gesellen sich auch noch die Spitzenaufsteck- und Spitzenabwurfkräfte. Letztere sind meist ziemlich heftig und liegen bei älteren Modellen zum Teil deutlich über fünf Kilogramm. Kommt zu dieser hohen Kraftbeanspruchung auch noch eine ungünstige Armhaltung hinzu, sind Sehnenreizungen und Muskelverspannungen vorprogrammiert. Manchmal lautet die Diagnose sogar Sehnenscheidenentzündung oder Verletzung durch wiederholte Belastung (RSI).
Ergonomie ist Trumpf
Umso wichtiger ist es mit Pipetten zu arbeiten, deren Pipettierkräfte niedrig sind. Das hat mittlerweile auch der letzte Pipettenhersteller erkannt und jeder hat eine besonders leichtgängige Pipette im Angebot. In den Werbebroschüren preisen die Hersteller besonders ergonomische Modelle an und natürlich sind die Pipettierkräfte des jeweiligen Konkurrenzmodells viel höher als die des eigenen. Aber immerhin ist der Kraftaufwand bei allen Pipetten, die derzeit auf dem Markt sind, deutlich niedriger als noch vor zehn Jahren. Meist ist weniger als das Kraftäquivalent von einem halben Kilogramm nötig, um eine Flüssigkeit anzusaugen und den Bedienknopf bis zum ersten Haltepunkt zu drücken. In der gleichen Größenordung liegt auch die erforderliche Kraft, um die Flüssigkeit wieder abzulassen. Mit deutlich mehr Kraft muss man auf den Knopf vieler Pipetten drücken, wenn man die Pipette bis auf den letzten Tropfen entleeren will. Zwischen einem und knapp drei Kilogramm muss der Daumen hier in der Regel aufbringen. Noch höher sind nach wie vor bei den allermeisten Modellen die Spitzenabwurfkräfte. Aber auch hier hat sich einiges getan. Wer keine Lust mehr auf Blasen am Daumen hat, kann auf Pipetten umsteigen, bei denen sich die Spitze nach einem sanften Zug an einem seitlich angebrachten Hebel mit dem Zeigefinger löst.
Übrigens: Wer als Arbeitsgruppenleiter oder sonstiger Theoretiker im Labor meint, dass er vor einem Pipettierarm gefeit ist, weil er selten oder nie pipettiert, sollte sich nicht zu früh freuen. Auf diese lauert der gefürchtete Mausarm. Der gehört auch zu den RSI-Syndromen und äußert sich meist nach exzessiver Betätigung der Computer-Maus mit ähnlich schmerzhaften Symptomen.
(Erstveröffentlichung: H. Zähringer,
Laborjournal 7/2008, Stand: Juni 2008, alle Angaben ohne Gewähr)
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Letzte Änderungen: 26.07.2008