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So lonely
Produktübersicht: Isolierung von Zellen

Kran
Tolles Spielzeug für Zellisolierer:
Kran mit magnetischem Haken.

Die Isolierung von Zellen ist manchmal ein hartes Brot. Aber für immer mehr Zelltypen gibt es inzwischen einen passenden Kit, der die Sache vereinfacht.

Zu den Eindrücken, die sich während meines Chemie-Studiums am nachhaltigsten einprägten, gehört ein Mitarbeiterpraktikum am Freiburger Institut für Organische Chemie und Biochemie. Nach den sechs Wochen dieses Praktikums, das eine einzige Zellisolier-Orgie war, wusste ich zwar noch immer nicht viel über die Arbeit im Labor, aber eines stand für mich damals fest: Eine Diplom- oder Doktorarbeit, bei der man mühsam von frühmorgens bis spätabends Zellen isolieren muss, um genug Material für die eigentlichen Experimente zu erhalten, kommt für mich nicht in Frage.

Dabei hatte ich es noch ganz gut, denn nach sechs Wochen war für mich die Zellisoliererei vorbei. Schlimmer hatte es Margit, meine Praktikums-Betreuerin erwischt. Für sie bestand ein großer Teil der Diplomarbeit aus der Isolierung von Kapillarendothelzellen. Margit war klein und zierlich - aber eine Powerfrau, die sich für nichts zu schade war. In aller Herrgottsfrühe fuhr sie regelmäßig zum Freiburger Schlachthof und organisierte fünf Schweinehirne, um daraus die Endothelzellen der Blut-Hirn-Schranke zu isolieren. Dabei sollte ich ihr helfen.


Gemetzel im Labor

Während Margit im Schlachthof mit ihren Stiefeln im Blut watete, bereitete ich Puffer, Skalpelle und sonstiges Zubehör vor, das wir für das Zerkleinern und Aufbereiten der Gehirne benötigten. Ihren Vorschlag, ich könne doch auch einmal zum Schlachthof gehen, um die Gehirnhälften aus den Schweineköpfen herauszupulen, konnte ich ihr zum Glück ausreden.

Wenn Margit mit den Gehirnen im Labor ankam, hieß es sofort: Skalpell zücken und die Gehirne unter der Sterilbank in Millimeter große Würfelchen schnippeln! Das war nicht sonderlich appetitlich, dauerte aber auch nicht all zu lange. Schlimmer war die weitere Aufarbeitung der zerkleinerten Gehirne, die sich schier endlos hinzog.

Zunächst verdauten Margit und ich das Gehirngewebe mit Dispase, um die Gehirnkapillaren freizulegen. Das ging schon geschlagene drei Stunden. Nachfolgend zentrifugierten wir den Gehirnbrei ab, lösten den Niederschlag wieder auf und zentrifugierten ihn in einer Dextranlösung. Danach kam der nächste Enzym-Verdau, diesmal mit einer Collagenase-Dispase-Mischung, die die Zellmatrix endgültig zerlegen sollte. Wieder drei Stunden warten, anschließend erneut zweimal zentrifugieren. Zur Abwechslung pipettierten wir den resuspendierten Niederschlag aus der ersten Zentrifugation nicht auf eine Dextranlösung, sondern auf einen Percoll-Dichtegradienten.

Bis wir die Endothelzellen schlussendlich aus der Percollschicht herausgefriemelt hatten, waren bereits gute acht Stunden vergangen. Und dann kam noch der obligatorische Trypanblau-Auschlusstest, der uns zeigte, ob wir die isolierten Zellen für die weiteren Experimente einsetzen konnten oder sie doch lieber gleich in den Ausguss kippen sollten. Gegen sechs Uhr abends, wenn vernünftige Menschen von der Arbeit nach Hause gehen, konnten wir die isolierten Zellen schließlich für Margits Experimente einsetzen, die sich dann bis spät in die Nacht hinzogen.


Magnetische Zellen

Zum Glück ist die Zellisolierung nicht immer so zäh und zeitaufwändig und für viele gängigen Zelltypen gibt es inzwischen einen passenden Isolierungs-Kit. Immer mehr dieser Kits basieren auf der Seperation der Zellen mit magnetischen Partikeln oder Beads. Das Prinzip der magnetischen, beziehungsweise immunomagnetischen Zellisolation ist im Grunde simpel - aber darauf kommen muss man auch erst einmal.

Man markiert die anvisierten Zellen zunächst mit einem monoklonalen Primärantikörper. Dieser kann zum Beispiel von der Ratte stammen und ist gegen ein spezifisches Antigen der Zielzelle gerichtet. Im zweiten Schritt inkubiert man die zu trennenden Zellen mit einem Anti-Ratte-Antikörper, der fest mit einem magnetischen Mikropartikel verbunden ist. Damit ist die Sache fast schon gelaufen. Der Zweitantikörper bindet an den Primärantikörper und lässt sich, samt daran hängender Zielzelle, in einem magnetischen Feld von den restlichen Zellen abtrennen.


Unzählige Varianten

Dieses Spiel mit zellspezifischem Primär- und magnetischem“ Zweitantikörper kann man in unzähligen Varianten durchführen. So kann man Zellen zum Beispiel direkt oder indirekt isolieren, mitgelieferte oder eigene Antikörper verwenden oder mit Streptavidin-gekoppelten Beads und biotinylierten Primärantikörpern arbeiten. Viele weitere Produkte für die Zell-isolierung, von der Dispase bis zum Laser für die Mikrodissektion, finden Sie auf den nächsten Seiten.


(Erstveröffentlichung: H. Zähringer, Laborjournal 3/2008, Stand: Februar 2008, alle Angaben ohne Gewähr)


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Letzte Änderungen: 31.03.2008


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