

Belldonna richtig dosiert
(7. Dezember 2009) Belladonna, ein Extrakt aus der Tollkirsche (Wirkstoff Atropin), ist das bekannteste homöopathische Arzneimittel. Um die in der Homöopathie üblichen individuellen Arzneimittelprüfungen auf eine wissenschaftliche Grundlage zu stellen, haben eine Reihe von Homöopathieforschern Arzneimittelprüfungen von Belladonna mit mehr als insgesamt 400 Probanden durchgeführt (1993 bis 2003), mit dem für Homöopathen niederschmetternden Ergebnis: Belladona erfüllt nicht die Kriterien, die an ein homöopathisches Arzneimittel gestellt werden müssen 1.
Mitte November 2003 überraschte die Universität Leipzig die Öffentlichkeit mit einer sensationellen Mitteilung: Die Arbeitsgruppe der geschäftsführenden Direktorin des Institutes für Pharmazie der Universität Leipzig, Karen Nieber, sei mit dem Hans-Heinrich-Reckeweg-Preis ausgezeichnet worden, weil es ihr gelungen sei, mit einem in-vitro-Testsystem den objektiven Nachweis zu erbringen, dass Belladonna in homöopathischen Verdünnungen die Kontraktion von Rattenmuskeln hemmen könne 2. In einer Reihe von Wissenschaftsmagazinen im öffentlich rechtlichem Fernsehen wurde über die Versuche berichtet.
Nach Veröffentlichung der Arbeit haben wir - Gerhard Bruhn, Darmstadt, Erhard Wielandt, Stuttgart und ich - auf unseren Webseiten 3 dargelegt, warum wir die Arbeit für eine Falschmitteilung halten und den Autoren wissenschaftliches Fehlverhalten vorwerfen. Unser Einspruch führte schließlich zur Einberufung der Kommission der Universität Leipzig zur Untersuchung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens. Diese kam Ende 2005 zu dem Ergebnis, dass den Autoren tatsächlich wissenschaftliches Fehlverhalten vorzuwerfen sei. Die Arbeit werde zurückgezogen, der Preis zurückgegeben, Karen Nieber müsse mit Konsequenzen rechnen, erklärte die Universität Leipzig in zwei Pressemitteilungen im Dezember 2005 4 5. Es ist bemerkenswert, dass die Universität in keiner der beiden Pressemitteilungen ihre ursprüngliche Mitteilung, Belladonna könne in homöopathischen Verdünnungen die Kontraktion von Rattenmuskeln hemmen, korrigiert hat.
Dennoch wollten die Homöopathen das Ungemach offensichtlich nicht hinnehmen. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, sollte der Veterinärmediziner Holger Martens von der Freien Universität Berlin die Versuche wiederholen. Die Karl und Veronica Carstens-Stiftung finanzierte die Untersuchungen. Das hat im ersten Anlauf wohl nicht geklappt. Martens schrieb uns im Sommer 2005, er habe nicht die Erlaubnis seines Auftraggebers, uns die Ergebnisse mitzuteilen. Ein Jahr später wurde der Wiederholungsversuch wiederholt. Auch diese Ergebnisse wurden geheim gehalten. Erst jetzt, drei Jahre nach der Durchführung der Versuche, haben wir Kenntnis von den Ergebnissen erhalten, nach der Publikation im Journal of Alternative and Complementary Medicine 6.
Die Autoren haben die Versuche der Leipziger Arbeitsgruppe so genau wie möglich nachgearbeitet und die Experimente als Blindversuche durchgeführt. Dabei wurde die Wirkung von Atropin in homöopathischen Potenzen D6, D32 und D100 untersucht. Als Kontrollen verwendeten die Autoren Wasserproben, die in der gleichen Weise potenziert wurden. Mit diesen sechs Proben wurden 154 Messungen durchführt und statistisch ausgewertet.