Ehegatten-Splitting: Regensburger Modellversuch gescheitert!

Aus der Traum - es war doch nur ein billiges Plagiat. Warum allerdings nur einer von vier Beteiligten belangt wird, wissen die Götter.

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Titelseite des damaligen Laborjournal-Artikels (Ausgabe 10/2012)

(22. Dezember 2012) Der unkonventionelle Ansatz eines Titel-liebenden Ärzte-Ehepaares, beim Anfertigen seiner Doktorarbeiten 50 % effizienter zu sein, ist gescheitert. Wie aus Regensburger Klinikumskreisen zu erfahren ist, will man der Gattin den Titel wieder entziehen: Ihre Dissertation sei ein Plagiat. Die Mitwirkenden im Hintergrund scheinen von der Universität Regensburg jedoch nicht belangt zu werden - weder der Gatte noch der barmherzige Doktorvater des Ehepaars und auch nicht der Zweitgutachter.

Nachdem ein universitäres Expertenteam den mutmaßlichen Betrugsfall vier Monate untersucht hatte, kam es zu dem Schluss, dass die Doktorarbeiten von Frau Dr. Manal O. (vorgelegt 2006) und ihrem Gatten Dr. Aiman O. (vorgelegt 2004) weitgehend die selben sind. Der örtliche Promotionsausschuss erklärte die Promotion somit nachträglich für „nicht bestanden".

Keine sensationelle Erkenntnis

Diese Erkenntnis ist keineswegs neu oder gar sensationell. Bereits im September hatte der Focus über den damals in diversen Internetforen kursierenden Plagiatsverdacht berichtet. Zeitgleich untersuchte ein Laborjournal-Redakteur beide Arbeiten im Original, unterstützt vom Plagiats-Sachverständigen Stefan Weber (LJ-Ausgabe 10/2012 („Ehegatten-Splitting"; erschienen am 10. Oktober 2012).

Redakteur und Plagiatsexperte kamen damals binnen weniger Tage zu einem klaren Ergebnis: Manal O.s Arbeit ist ein lupenreines Plagiat. Frau O. hatte in ihrer Dissertation durchwegs die Ideen und auch zahlreiche Inhalte ihres Gatten übernommen – bis hin zu allerlei Ergebnissen und einem identischen Fazit. Die Quelle ihrer abgekupferten Inhalte allerdings nannte sie nicht. Der von Laborjournal beauftragte Plagiatsexperte Weber konstatierte in seinem Gutachten rund 30 Prozent Textübereinstimmung. Selbst Schreib- und Satzzeichenfehler übernahm die plagiierende Gattin in vielen Fällen 1:1.

Doch damit nicht genug: In einem 2008 erschienen Paper (Langenbecks Arch Surg 2008 393: 141-147) tauchten die Inhalte der beiden deckungsgleichen Doktorarbeiten erneut auf (siehe Laborjournal 11/2012: „Wundersame Daten-Verdreifachung"; erschienen am 14. November 2012). Die Rolle der bei der Langenbecks-Publikation beteiligten Co-Autoren ist ebenfalls noch ungeklärt; einer von ihnen gab an, gar nicht gewusst zu haben, dass er auf dieser Publikation als Autor auftauche. Weitere Ungereimtheiten des Langenbecks-Papers werden im erwähnten LJ-Artikel dargestellt.

Dass der Pressesprecher der Universität Regensburg kurz vor Weihnachten gegenüber dem Bayerischen Rundfunk kundtat, man wolle Frau O. den Doktortitel wieder entziehen, nachdem sich diese immerhin sechs volle Jahre damit geschmückt hatte, ist somit nicht wirklich eine Überraschung.

Die Kleinen hängt man - lässt man die Großen laufen?

Eher schon der Sachverhalt, dass von Seiten der Universität bisher keine Rede davon ist, auch die anderen an diesem Titelbetrug Beteiligten zu belangen. Weder der mitwissende Ehemann Aiman O. noch der barmherzige Doktorvater Hans S. (als Betreuer und Chef der Regensburger Klinikums-Chirurgie hauptverantwortlich für das Durchwinken des Plagiats) und auch nicht der Zweitgutachter der beiden Arbeiten (der inzwischen am Uniklinikum Heidelberg-Mannheim als Direktor wirkende Nephrologe und Transplantationsmediziner Bernhard K.) stehen bis dato im Fokus der Ermittlungen. Zumindest ließ die Universität bisher nichts Andersartiges verlauten.

Merkwürdig. Denn die bisher völlig ungeklärten Rollen der beiden Chefärzte S. und K. sind mindestens so beachtenswert wie die des schnöde plagiierenden Ehepaars O. Es wäre hochinteressant zu erfahren, ob es an der Universität Regensburg womöglich üblich oder zumindest tolerabel ist, Doktortitel zu verschenken.

Wir werden Ihnen die betreffende Antwort nachliefern, sobald uns die Uni Regensburg eine gibt.

Winfried Köppelle



Letzte Änderungen: 21.01.2013

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