Zitat des Monats (26)

2. April 2015 von Ralf Neumann

Der Physiker und Wissenschaftskabarettist Vince Ebert sagte kürzlich im Gespräch mit der Wochenzeitung Jungle World:

Wir Deutschen sind in puncto Technik- und Wissenschaftsfeindlichkeit schon Marktführer. Wir fürchten uns vor Fracking, vor Gentechnik, vor Stammzellenforschung, Elektrosmog und Pestiziden. So eine Stimmung vor 500 000 Jahren und die Sache mit dem Feuer wäre bei uns nie genehmigt worden.”

Auch schön seine Erwiderung auf das homöopathische Konzept, dass Wasser sich selbst nach komplettem Weg-Verdünnen der Ausgangssubstanz immer noch an die entsprechende „Information“  erinnert:

Und weil das Lösungsmittel ein Gedächtnis hat, speichert es die Information und erinnert sich auch nach mehreren Monaten noch dran. Das ist so ähnlich, wie wenn ich in Stuttgart einen Autoschlüssel in den Neckar werfe und dann in Heilbronn versuche, mit dem Neckarwasser das Fahrzeug zu starten. Faszinierend, oder? Es gibt Menschen, die sitzen in geschlossenen Psychiatrien für weit weniger.”

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Zitat des Monats (23)

21. November 2014 von Ralf Neumann

Wie erwirbt man sich einen wahrhaft guten Ruf als Wissenschaftler? 1985 bemerkte der US-Physiker und Nobelpreisträger  Richard Feynman vom California Institute of Technology (Caltech) in Pasaden dazu in seinem Buch „Surely You’re Joking, Mr. Feynman!„:

We’ve learned from experience that the truth will come out. Other experimenters will repeat your experiment and find out whether you were wrong or right. Nature’s phenomena will agree or they’ll disagree with your theory. And, although you may gain some temporary fame and excitement, you will not gain a good reputation as a scientist if you haven’t tried to be very careful in this kind of work. And it’s this type of integrity, this kind of care not to fool yourself, that is missing to a large extent in much of the research in cargo cult science.

Den Begriff „Cargo Cult Science“ hatte Feynman selbst in einer Rede vor dem Caltech-Abschlussjahrgang 1974 eingeführt. Er steht im Wesentlichen für Arbeiten und Aktivitäten, die durch einen hohen Symbolgehalt zwar nach toller Wissenschaft aussehen, tatsächlich aber nur wenig realen wissenschaftlichen Nutzwert haben. Feynman meinte damit zunächst gar nicht mal vorrangig pseudowissenschaftliche Strömungen (dafür wurde er später auch eingesetzt), sondern zielte vielmehr auf Vorgehensweisen im Wissenschaftsbetrieb ab, die zwar formale Kriterien erfüllen, denen es jedoch an wissenschaftlicher Integrität mangelt. Laut Feynman ist für jeden die Gefahr gegeben, zum „Cargo Cult Scientist“ abzusteigen — insbesondere durch die vielen Versuchungen zur Selbsttäuschung. Um dem nachhaltig entgegen zu wirken, müssten Wissenschaftler immer bereit sein, ihre eigenen Theorien und Resultate in Frage zu stellen — und sie im gegebenen Fall selbstlos über Bord zu werfen.

Zitat des Monats (22)

10. Oktober 2014 von Ralf Neumann

Gerade stolperten wir (hier) mal wieder über diesen „Klassiker“ aus dem 50 Jahre alten Artikel „Is the scientific paper fraudulent?“ des britischen Immunologen und Nobelpresiträgers Peter Medawar:

The scientific paper is a fraud in the sense that it does give a totally misleading narrative of the processes of thought that go into the making of scientific discoveries.

Gilt heute vielleicht sogar mehr denn je…

(Siehe dazu auch unseren Blog-Eintrag „Kleine Lügen“ vom 22. April 2013)

(Illustration: cranach / iStockphoto)

Zitat des Monats (21)

12. September 2014 von Ralf Neumann

Glomski’s problem was that he could only get funding to do very predictable, unexciting research. When money gets tight, often only the most risk-averse ideas get funded, he and others say. […] Funding is so competitive that reviewers shy away from ideas that might not pan out.

[…] Historically, payoffs in science come from out of the blue — oddball ideas or unexpected byways. Glomski says that’s what research was like for him as he was getting his Ph.D. at the University of California, Berkeley. His lab leader there got funding to probe the frontiers. But Glomski sees that farsighted approach disappearing today.

Aus dem lesenwerten NPR-Artikel „When Scientists Give Up“ über zwei Wissenschafts-Aussteiger (der obige Glomski ist einer davon).

Zitat des Monats (14)

20. September 2013 von Ralf Neumann

Vor einigen Wochen schrieb der australische Wissenschaftstheoretiker John Wilkins auf seinem Blog Evolving Thoughts zur „Wissenschaftlichen Methode“:

I’ve often noted that there is no such single thing as “scientific method” […]. But there are several things that science does that are worthy of the name: the use of observational evidence, the use of abductive and inductive reasoning to generalise and explain, and the use of deductive reasoning to winkle out the implications of the foregoing. Terms like “theory construction”, “disciplinary matrix” and “research program” are fancier ways to say just this.

Wachsweiche Zitierzahlen

8. Mai 2013 von Ralf Neumann

Aus der Reihe „Spontane Interviews, die es nie gab — die aber genau so hätten stattfinden können”. Heute: Prof. C.H. Eck, Ordinologisches Institut TU Prüftal.

LJ: Frau Professor Eck, Sie scheinen amüsiert. Falls es so ist — darf ich fragen, worüber Sie sich amüsieren? 

Eck: Über Zitate.

LJ: Ach ja? Aber Zitierungen sind doch ein ernstes Geschäft in der heutigen Wissenschaft. Was ist denn passiert?

Eck: Ich habe mir mal sämtliche Paper genauer angeschaut, die einen gewissen Artikel von mir zitieren.

LJ: Was heißt „genauer angeschaut“?

Eck: Das heißt, ich habe nachgesehen, in welchem Zusammenhang sie mein Paper zitieren. Und ob das gerechtfertigt ist oder nicht, ob richtig oder falsch,…

LJ: Interessant. Und was kam raus, dass es Ihnen dieses süffisante Lächeln auf Ihr Gesicht zaubert?

Eck: Mein Artikel wurde laut Google Scholar 32-mal zitiert. Ich selbst sehe es jedoch in nur 60 Prozent der Fälle als tatsächlich passend und gerechtfertigt an, dass und wie ich in dem jeweiligen Paper zitiert wurde. Diesen Beitrag weiterlesen »

Zitat des Monats (11)

19. April 2013 von Ralf Neumann

 

Amos Bairoch, Swiss Institute of Bioinformatics,
in Nature Precedings, doi:10.1038/npre.2009.3092.1, posted 20 Apr 2009

Zitat des Monats (9)

22. Februar 2013 von Ralf Neumann

Scientists don’t concentrate on what they know […] but rather on what they don’t know. Science traffics in ignorance, cultivates it, and is driven by it. Mucking about in the unknown is an adventure; doing it for a living is something most scientists consider a privilege.

 

Stuart Firestein, Neurobiologe und Chairman des Department of Biological Sciences an der Columbia University, in seinem Buch “Ignorance: How It Drives Science

Zitat des Monats (14)

24. August 2012 von Ralf Neumann

Zwei Zitate aus der US-Sitcom (!) „The Big Bang Theory“ — beide aus der Folge 5.12: „The Shiny Trinket Maneuver“, beide von Caltech-Physiker Sheldon Cooper (gespielt von Jim Parsons):

If we poison the critical thinking faculties of children by telling them that rabbits come out of hats, then we create adults who believe in astrology, and homeopathy.

Und, klar, als theoretischer Physiker:

[…] you’re forgetting that it’s an achievement in the field of biology. That’s all about yucky, squishy things.

 

Zitat des Monats (5)

6. September 2011 von Ralf Neumann

Wie man beim Antragschreiben zum Tier werden kann — das beschreibt in der immer lesenswerten Kolumne „Sticky Wicket“ des Journal of Cell Science die Kunstfigur „Mole“ folgendermaßen:

If you know somebody who is writing a grant, keep away. Understand that the grant writer is like a wild animal with an injury — you may want to help, but its more likely that you will lose a finger than that they will thank you for it. You may walk past their office and see them staring into space, but this is not the time to say, “Hi, I see you’re taking a little break, so I wanted to ask you whether you think I should do my experiment before or after lunch.” Don’t lightly rap on the door, thinking that this will avoid breaking their concentration. Don’t call or leave notes. If your spouse is writing a grant, do not ask about next month’s dinner arrangements. Don’t go near them, talk to them or query them. Because, in that innocent moment of interruption lasting mere seconds, the key idea that was going to bring it all together into one brilliant worldview will be lost forever. What was this marvelous idea? Well, we’ll never know now will we! You will have produced the mental equivalent of a computer crash, and it will take hours and hours to reboot, during which time the grant writer will play unlimited games of solitaire or completely reorganize their MP3 files rather than work on the application. And it will all be your fault.

Köstlich! Und womöglich dürfte sich so mancher wiedererkennen.

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