Kastrierte Methoden

14. Januar 2016 von Ralf Neumann

In unserer aktuellen Printausgabe schrieben wir unter „Inkubiert“, welch ärgerlich geringschätzige Politik manche Journals hinsichtlich der Referenzen betreiben. Daneben gibt es aber noch eine — vielleicht sogar noch wichtigere — Rubrik, bei der viele Journals den Anschein erwecken, als würden sie diese am liebsten gar nicht drucken: Material und Methoden.

Sehr schön illustriert diesen Eindruck die folgende Twitter-Diskussion aus dem Jahr 2014:
 


 
Die Symptome dieser Geringschätzung des „Material und Methoden“-Teils sind folglich,

  • ihn auf ein völlig unverständliches Maß zusammenzukürzen;
  • ihn ganz ans Ende des Artikel zu hängen;
  • dazu noch die Schrift auf eine schwer zu lesende Größe zu verkleinern;
  • oder ihn gar nicht zu drucken, sondern nur noch als Online-Supplement anzubieten.

 
Wie „Neuroskeptic“ schreibt: All dies sendet ein fatales Signal — nämlich, dass „Material und Methoden“ ein zu vernachlässigendes Anhängsel eines Forschungsartikels seien. Und dass das „Interessante“ — Entdeckungen und Erkenntnisse — ja sowieso woanders stehe.

Dabei wird doch (hoffentlich) jedem Jungforscher eingetrichtert, dass Forschungsergebnisse erst zählen, wenn sie jederzeit und überall unabhängig reproduziert werden können. Was natürlich nur geht, wenn man die beschriebenen Experimente absolut exakt „nachkochen“ kann. Und was braucht man dazu? Eben — eine bis ins letzte Detail exakte Beschreibung der verwendeten Materialien und eingesetzten Methoden.

Was machen daher also die Journals, wenn sie den vermeintlich ach so langweiligen „Material und Methoden“-Teil der Forschungsartikel immer mehr verstecken und kastrieren? Genau — sie sorgen zunehmend dafür, dass Forschungsergebnisse nicht mehr unabhängig verifiziert werden können.

Und war da nicht gerade was von wegen Reproduzierbarkeitskrise in der Forschung?…
 
 

Die besten Wünsche für das Biowissenschaftler-Jahr 2016

4. Januar 2016 von Ralf Neumann

In den letzten Tagen haben wir auf unserer Twitter-Seite Neujahrswünsche für die Biowissenschaften und Biowissenschaftler gesammelt — manche mehr, manche weniger ernst gemeint. Hier stellen wir sie nochmals zusammen:

 

>>   Solide Daten und aufregende Erkenntnisse, klar…

>>   … Mehr „Moral“ und Integrität….

>>   … Mehr Transparenz — vor allem bei Förderentscheidungen und Peer Review, aber nicht nur …

>>   … Weniger schlechte Paper… überhaupt weniger Paper, die aber mit mehr Gehalt…

>>   … Kits und Agenzien, die tun, was sie sollen… Zellen, die sind, was sie sein sollen…

>>   … Weniger ungesundes Tempobolzen, mehr „Slow Science“…

>>   … Weniger asthmatische Projekt- und Vertragsperioden…

>>   … Klarere und bessere Karrierepfade…

>>   … Etwas weniger Verbissenheit in der Open Access-Debatte?……

>>   … Weniger Bias, stringentere Kontrollen, solidere Statsitik… bessere Reproduzierbarkeit…

>>   … Weniger Aufregung wegen Datenmanipulationen und anderem Fehlverhalten…

>>   … Keine „zweckdienlichen“ Fehldeutungen der Biologie durch „Genderforscher“ o. ä…

>>   … Kein Missbrauch biologischer Erkenntnisse durch Rassisten von AfD und Co…

>>   … Mehr Lob und Anerkennung von den Chefs,… und vielleicht auch mal etwas Nachsicht…

>>   … Besserer Kaffee in den Laborpausen…

>>   … Mehr Partys,… aber dann keine blöden Party-Smalltalk-Fragen, was man denn genau mache…

 

Und dann schrieb Twitter-User Psiram noch dazu:

Truth! Freedom! Justice! And a hard-boiled egg!

Ja, „weniger Weicheier“ ist auch ein guter Wunsch für die Biowissenschaften 2016.

 

Noch mehr Wünsche? Immer raus damit, in den „Kommentaren“ unten ist jede Menge Platz …

… 

Best of Science Cartoons (23)

10. Januar 2014 von Ralf Neumann

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(Von Ted Morrow via Twitter)

Labor-Haikus

13. November 2013 von Ralf Neumann

In der letzten Woche haben wir auf unserer Twitter-Seite @Lab_Journal unter dem Hashtag #LaborHaiku ein paar Haiku-Gedichte zum Thema Labor versucht. Was genau ein japanischer Haiku ist, steht ziemlich gut hier beschrieben. Demnach sind unsere „Werke“ im puristischen Sinne zwar wahrscheinlich gar keine richtigen Haikus — aber egal, hier kommen sie nochmals alle gesammelt ( — und vielleicht fallen dem ein oder anderen Leser ja sogar noch welche ein):

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In eigener Sache: Laborjournal „zwitschert“

18. Februar 2013 von Ralf Neumann

Schon gemerkt? Seit Beginn dieses Jahres ist Laborjournal auch auf Twitter aktiv.

„Ja, müssen die denn jeden Quatsch mitmachen?“, denken jetzt sicher einige. „Jetzt auch noch diese Ansammlung von Belanglosigkeiten in jeweils 140 Zeichen?“

Verständlich, solche Reaktionen. Denn was soll man etwa von folgender, wahllos herausgegriffenen „Tweet“-Folge einer bekannten Wissenschaftsschreiberin halten?:

Tweet 1:„Vorsicht, Stecknadelalarm, passt auf, wo Ihr hintretet!“

Tweet 2: „Wenn‘s schnell gehen soll, dauert es garantiert doppelt so lang.“

Tweet 3: „Wer hat dem Kind vorgeschlagen, Zipfel an das Kostüm zu machen? WER?!“

Wen, bitte schön, interessiert das? Und ja, es stimmt — Twitter wimmelt vor solchen Monologen, die nicht nur keinen Normalsterblichen interessieren, sondern die auch der Gutwilligste nicht mal annähernd verstehen kann.

Warum also „zwitschert“ Laborjournal jetzt auch mit? Diesen Beitrag weiterlesen »

Zitat(e) des Monats (18)

18. Januar 2013 von Ralf Neumann

Wie bereits beschrieben, karikieren Forscher weltweit seit letzter Woche in Tausenden von Twitter-Tweets augenzwinkernd ihre tagtägliche Arbeit im Labor — nachlesbar unter dem sogenannten Hashtag #OverlyHonestMethods. Und da das Dauergrinsen auch nach Tagen immer noch garantiert ist, hier nochmals einige „Highlights“:

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Forscher erzählen auf Twitter, wie es wirklich läuft (… und Laborjournal ist dabei)

9. Januar 2013 von Ralf Neumann

Wie viele Wissenschaftler inzwischen tatsächlich twittern, kann man momentan auf eindrucksvolle und höchst amüsante Weise unter dem sogenannten Twitter-Hashtag #OverlyHonestMethods verfolgen. Was aktive Forscher seit vorgestern hier tief aus dem „Nähkästchen“ über ihre Arbeit preisgeben, treibt einem geradezu ein Dauergrinsen ins Gesicht.

Hier einige Beispiele:

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Autoren am Rande des Nervenzusammenbruchs (11)

9. März 2012 von Ralf Neumann

Ob es jemals dazu kommen wird, dass man in Forschungsartikeln Twitter-Einträge zitieren muss? Wir haben da so unsere Zweifel.

Dennoch sollte man natürlich auf alles vorbereitet sein. Und so hat die Modern Language Association schon mal eine Richtlinie vorgegeben, wie man „Zwitscher“-Tweets in akademischen Artikeln zitieren sollte. Im Wortlaut:

How do I cite a tweet?

Begin the entry in the works-cited list with the author’s real name and, in parentheses, user name, if both are known and they differ. If only the user name is known, give it alone. Diesen Beitrag weiterlesen »

BIOTECHNICA (1): Twittern, Facebooken, oder was?

11. Oktober 2011 von Ralf Neumann

Jetzt wird unser Blog vorübergehend zu dem, was ein Blog tatsächlich ist: ein Tagebuch. Wieder einmal haben sich vier Männer der Laborjournal/Lab Times-Redaktion aufgemacht, Zeitschriften und Verlag auf der BIOTECHNICA in Hannover zu präsentieren. Heute morgen ging’s los, und gespannt harrten unsere Männer an ihrem Stand der Besucher, die da kommen mochten:

Es dauerte ein wenig, aber dann nahmen die Rudelbildungen an unserem Stand stetig zu: Diesen Beitrag weiterlesen »

50 Millionen Artikel

20. Juli 2010 von Ralf Neumann

Duncan Hall vom EMBL-European Bioinformatics Institute (EBI) in Cambridge hat sich in seinem Blog O’Really? Gedanken gemacht, wieviele Artikel in den letzten 350 Jahren in wissenschaftlichen Journalen erschienen sind.

PubMed listet inzwischen beispielsweise 19 Millionen Artikel. Allein in 2009 kamen 679,858 Artikel hinzu — was im Schnitt 1,29 Paper pro Minute machte.

Am Ende teilt Hall das Ergebnis eines kürzlich erschienenen Artikels in Learned Publishing, in dem Autor Arif E. Jinha aus Ottawa auf die Summe von 50 Millionen Artikel seit Gründung der Philosophical Transactions of the Royal Society im Jahr 1665 kommt (Artikel im Volltext vom Autor).

Und dann kommen Hall samt Kommentatoren mit ein paar Vergleichen. 50 Millionen Paper sind:

  • ein Paper pro Basenpaar auf dem Y-Chromosom;
  • ein Paper pro Jahr, seitdem die sogenannten modernen Säugetiere auf Erden wandeln;
  • ein Paper pro Twitter-Tweet an einem Durchnitts-Tag im Jahr 2010;
  • ein Paper pro zehn Facebook-User.

Ehrlich gesagt, sind es damit eigentlich die Twitter- und Facebook-Zahlen, die mehr verblüffen.

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