Sekretärin am Rande des Nervenzusammenbruchs

10. November 2017 von Laborjournal

(Kürzlich erreichte uns die folgende anonyme Wutschrift, in der ganz offensichtlich eine Instituts-Sekretärin ordentlich Dampf ablässt. Ohne weitere Worte also:…)

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„Kommst du mal kurz rüber? Es geht um den Antrag, da müssen noch ein paar Referenzen ergänzt werden.“

„Ein paar Referenzen“ sind dann nur knapp 150. Und da ich keine Wissenschaftlerin bin, sondern nur Personal Assistant (was besser klingt als Sekretärin, aber eigentlich dasselbe ist), muss ich meine Endnote Library erst noch ein bisschen füttern.

Macht ja nichts, hab‘ ja sonst nichts zu tun mit meinen drei Chefs und deren Arbeitsgruppen: Termine koordinieren, Übersetzen, Korrektur lesen, Dienstreiseanträge ausfüllen, Abrechnungen bearbeiten, Räume suchen und buchen, Post durchs Institut tragen — und dann die Leute suchen, um ihnen ihre Gehaltsabrechnung persönlich zu übergeben.

„Nein, die darfst du nicht einfach hinlegen. Das ist persönlich und darf nur direkt übergeben werden“.

Na gut, gegen 11 Uhr müssten ja langsam mal alle da sein — so sie denn nicht am Mikroskop sitzen oder im Keller kickern. Ich buche dann mal eben noch einen Flug für über 5.000 Euro mit der privaten Kreditkarte des Chefs. Mache ich gerne — und wenn ich den Schweißausbruch überstanden habe, atme ich mal kurz durch.

Vier Doodle später kommt die Doktorandin aus dem Labor. Sie würden so gerne das Laborseminar ausfallen lassen, weil die Kollegin gerade so viel anderes zu tun hat. „Könntest du das mit dem Chef besprechen? Er ist doch gerade so beschäftigt, und wir wollen ihn nicht stören.“

Stimmt nicht, ihr sucht nur eine, die euch das abnimmt.

Die euren Retreat plant und sich hinterher anhören muss, dass es doof war, weil es geregnet hat und ihr nicht an den Strand konntet und es zu wenig Pausen gab.

Die die Pläne für eure Laborseminare und Journal Clubs macht und dabei darauf achtet, dass es für euch gut passt und ihr nicht an eurem Geburtstag oder dem eurer Freundin dran seid; um sich dann anzuhören, dass das blöd ist, denn eigentlich war doch Urlaub geplant und vorher ist doch noch dieser Kurs.

Die Essen für das Lunch-Seminar bestellt, und dann war es zu viel Fleisch oder zu wenig, zu salzig oder total fad. Keine Ahnung, wie es schmeckt — ich esse ja nicht mit. Besorge aber die Teller, von denen wieder die Hälfte verdreckt aus der Spülmaschine gekommen ist, die ihr nicht ausräumt.

Die den Laborausflug plant, obwohl sie zu dem Termin selbst gar nicht kann. Ist ja egal, ist ja nur die Sekretärin…

Nein, wir brauchen niemanden, der uns regelmäßig Blumen mitbringt oder Schokolade. Wir werden bezahlt für unsere Arbeit. Wir wollen einfach nicht ständig den Prellbock spielen oder euer Fußabtreter sein. Wir wünschen uns einfach ein bisschen mehr Respekt für unsere Arbeit.

Illustr.: Pavlo Syvak / iStockphoto

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Glühwürmchen und die Frage nach dem Sinn allen Forschens

3. Juli 2013 von Laborjournal

Es ist schon eine ganze Weile her, da mussten stinknormale Glühwürmchen für eine ziemlich scharfe Diskussion über Sinn und Unsinn teuer geförderter Forschung herhalten. Und das kam so:

Barry Trimmer von der Tufts University in Massachusetts fragte sich eines Tages, wie denn wohl die Glühwürmchen den Rhythmus ihres Licht-Geflackers an lauen Frühsommerabenden steuern. Und schließlich fand er es sogar heraus: Stickoxid (NO) ist die Schlüsselsubstanz. Die Käferhirne (ja, ja — die „Würmer“ sind eigentlich Käfer) schicken das Gas zum Hinterteil, wo es umgehend die Mitochondrien-Aktivität drosselt und die dadurch entstehende Sauerstoff-Welle die enzymatische Leuchtkaskade startet. Trimmers Lohn war damals ein Science-Paper (Bd. 292, S.2486).

Und warum graben wir diese alte Geschichte wieder aus? Hat doch schon damals nur eine Handvoll Spezialisten interessiert, sollte man meinen. Weit gefehlt. Breit brachten damals jede Menge Medien Meldungen darüber. Und bei Yahoo beispielsweise durfte zudem jeder seine Meinung zu den pulsierenden Glühwürmchen schreiben. Über fünfzig Kommentare kamen in den ersten zwei Tagen zusammen — und ruckzuck war die gesamte Runde in eine scharfe Diskussion über den Sinn von Forschung überhaupt eingebogen. Der alte Konflikt zwischen „Need to know“ und „Nice to know“ — par excellence. Diesen Beitrag weiterlesen »

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