Wird „Summa cum Laude“ nach Quote verteilt?

23. Juni 2016 von Laborjournal

Kürzlich wurde unserer Redaktion der Brief eines Biologie-Dekans an seine „lieben Kolleginnen und Kollegen“ zugeschickt. Der entscheidende Ausschnitt daraus:

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Klar, „Summa“-Noten häufen sich bisweilen in derart hoher Zahl, dass sie sicher tatsächlich nicht nur absolute Spitzen-Promotionen schmücken. Aber als Gegenmaßnahme Quoten festzulegen, ab wann „Summa“ mutmaßlich allzu großzügig verteilt wird? Letztlich zählt doch die Qualität jeder einzelnen Arbeit, unabhängig von den anderen. Und ist es so unwahrscheinlich, dass man dazwischen immer wieder mal „starke Jahrgänge“ mit Ausreißerquoten hat?

Grund für die Zusendung dieses Briefs (samt anderem „Material“) war denn auch, dass ein Promovend womöglich zu Unrecht auf „Magna“ zurückgestuft wurde. Und das lief so: Die beiden Gutachter gaben beide einheitlich ein „Summa“. Aus welchem offiziellen Grund auch immer wurde dann aber noch eine externe dritte Gutachterin nachgeschaltet. Diese wurde allerdings explizit und eindringlich instruiert, dass „die Bestnote lediglich in extremen Ausnahmesituationen zu erteilen“ sei. Und derart verunsichert gab sie dem Kandidaten am Ende tatsächlich ein „Magna“. Die Höchstnote für die Promotion war damit futsch, da für diesen Fall sämtliche Gutachter mit „Summa“ werten müssen.

Wir maßen uns jetzt nicht an zu urteilen, ob die betreffende Promotion eigentlich die Höchstnote verdient gehabt hätte. Aber irgendwie bleibt doch der Geruch, dass hier eine etwas willkürliche Quoten-Verschärfung letztlich genau das falsche Opfer gekostet hat. Und dass dies womöglich kein Einzelfall ist.

 

 

Hundehaufen erweisen Ig-Nobel-Preis und Altmetrics einen Bärendienst

23. September 2014 von Laborjournal

Sie heißen hierzulande „Spaß-Nobelpreise“ und wurden Ende letzter Woche wieder verliehen: die Ig-Nobel-Preise. Eine Gelegenheit, die auch unser Autor Hans Zauner umgehend zu einem Plädoyer für die skurrile Seite der Wissenschaft nutzte — siehe Laborjournal online-Editorial vom 21.9.2014.

Auch der Gewinner des Biologie-Ig-Nobels dürfte inzwischen hinlänglich bekannt sein: Die wahrlich skurrile Studie eines Teams um den Zoologen Hynek Burda von der Universität Duisburg-Essen zum vermeintlichen Magnetsinn von Hunden. Einen solchen Magnetsinn hatten Burda und Co. bereits seit vielen Jahren in vielen anderen großen Tieren zu zeigen versucht — zum Teil in Studien, die gar nicht mal viel weniger skurril waren als die jetzt preisgekrönte Hunde-Studie. Vom Magnetfeld der Erde sollte demnach tierisches Orientierungsverhalten gesteuert sein, wie etwa:

Den (Spaß-)Vogel schoss jetzt jedoch besagte Hundestudie ab, in der Burda et al. proklamieren, dass Hunde sich signifikant häufiger mit Längsachse in Nord-Süd-Richtung erleichtern als beliebig ausgerichtet — egal ob „fest“ oder „flüssig“. Klar, dass die Ig-Nobel-Jury daran einfach nicht vorbei konnte — und folglich verschaffte sie Burdas Hundescheiße ein weiteren Höhenflug an weltweiter Aufmerksamkeit. Diesen Beitrag weiterlesen »

Zitat des Monats (16)

3. Dezember 2013 von Laborjournal

Der Konstanzer Wissenschaftstheoretiker Jürgen Mittelstraß schrieb 2000 in einem Essay für die Zeitschrift Gegenworte zum Thema „Exzellenz in der Forschung“::

Ist Wissenschaft möglich ohne Durchschnittlichkeit oder Mittelmaß? Vermutlich nicht. […] Damit Exzellenz wirklich werden kann, muss viel Qualität gegeben sein; und damit Qualität wirklich werden kann, muss viel Mittelmaß gegeben sein. Allein Exzellenz, nichts anderes, wollen wäre nicht nur wirklichkeitsfremd, sondern für die Entstehungsbedingungen von Exzellenz vermutlich fatal – sie verlöre die wissenschaftliche Artenvielfalt, aus der sie wächst. […] Es ist das breite Mittelmaß, das auch in der Wissenschaft das Gewohnte ist, und es ist die breite Qualität, die aus dem Mittelmaß wächst, die uns in der Wissenschaft am Ende auch die Exzellenz beschert.

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(Von Hugh MacLeod.)

 

„Re-Inkubiert“ (2)

2. August 2013 von Laborjournal

(Urlaubszeit in der Laborjournal-Redaktion. Nicht zuletzt deshalb machen wir es in den kommenden Wochen wie das TV: Wir bringen Wiederholungen. Bis Ende August erscheint jede Woche, jeweils im Wechsel mit einem weiteren „Best of Science“-Cartoon, eine bereits in Laborjournal print publizierte Folge unserer „Inkubiert“-Kolumne. Sicher, alle schon ein wenig älter — aber eigentlich noch immer aktuell.)

 

Gehen Sie noch regelmäßig in den Journal-Club? Falls es diese Veranstaltung bei Ihnen überhaupt noch gibt? Nun, wenigstens aus der Diplom- und Doktorandenzeit sollte jeder diese wöchentliche Routineveranstaltung noch kennen. Der Autor hatte etwa an seinem Ex-Institut immer montags um 12 Uhr „Journal-Club“. Was jede Woche für ein bisweilen skurilles Schauspiel sorgte: Einer nach der anderen kam Montag morgens meist noch wochenendmüde ins Institut, schlurfte ziemlich unmotiviert ans schwarze Brett, las gelangweilt den Titel des anstehenden JCs, und trabte noch weniger begeistert wieder ab — jedenfalls die meisten. Und gesehen hat man dann um 12 Uhr nur wenige. Ja, so haben viele den guten, alten Journal-Club wohl als lästige Institutsroutine im Kopf, die einen nur von den wichtigen Experimenten abhält. Das hat er nicht verdient; denn nirgendwo sonst lernt man besser die Qualität von Publikationen zu beurteilen. Gerade heute gibt es wahrscheinlich mehr wundervolle Paper als jemals zuvor in der Geschichte der Biowissenschaften — und es ist unglaublich lohnend herauszuarbeiten, warum diese Paper so wundervoll sind. Und gerade heute gibt es so viele wirklich furchtbare Paper wie noch nie zuvor in der Geschichte der Biowissenschaften — und es lohnt sich sehr darüber zu sprechen, warum sie so furchtbar sind. Nicht zuletzt auch, da man sich nach einigen Ereignissen und Schlagzeilen der letzten Jahre auf die simple Faustformel „Gute Paper in guten Journals, schlechte in schlechten“ offenbar kaum noch verlassen kann. Gute Paper von schlechten zu unterscheiden gehört sicher zu den Schlüsselqualifikationen des fortgeschrittenen Wissenschaftlers — nicht nur, weil er selber welche schreiben muss. Dazu reicht gesunder Wissenschaftlerverstand alleine jedoch nur bedingt, man muss es trainieren. Und wie? Zum einen natürlich, indem man Paper wirklich liest. Zum anderen, indem man sie diskutiert. Und wo geht das besser als im guten, alten Journal-Club?

(aus Laborjournal 4-2006, Foto: © cameraman — Fotolia.com)

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass Post-Publication-Peer-Review Veröffentlichungen besser macht“

7. September 2012 von Laborjournal

Aus der Reihe „Spontane Interviews, die es nie gab — die aber genau so hätten stattfinden können”. Heute: Prof. B.E. Dacht, Reflektologisches Institut Forschungszentrum Abwägingen.

LJ: Hallo, Herr Dacht — kurze Schreibpause?

Dacht: Ja, genug Forum-Pingpong gespielt.

LJ: Forum-Pingpong? Wie muss ich das verstehen?

Dacht: Ach, ich diskutiere schon seit Tagen in so einem Online-Forum mit, in dem es um die Vor- und Nachteile von Post-Publication-Peer-Review versus Pre-Publication-Peer-Review von Veröffentlichungen geht. Diesen Beitrag weiterlesen »

Qualität zählt

2. September 2011 von Laborjournal

Das News Feature der aktuellen Nature-Ausgabe hat den Titel „The 24/7 Lab“ — mit der Unterzeile:

Working weekends. Leaving at midnight. Friday evening meetings. Does science come out the winner?

Es geht also um die Arbeitszeiten in der akademischen Forschung, wozu Autorin Heidi Ledford vor allem ein ziemlich krasses Beispiel liefert. Darin wird der „Chef“ etwa zitiert:

The people in my lab, they work 24 hours a day. They’re here over Christmas and New Year writing grant applications.

Natürlich gibt es auch den „Gegenpart“ des MIT-Forschers Stephen Buchwald, der als einer der meistzitierten Chemiker überhaupt verrät:

I urge the members of his lab to take a month’s holiday every year, and not to think about work when they’re gone. The fact is, I want people to be able to think. If they’re completely beaten down, they’re not going to be very creative.

Verblüffenderweise scheint er jedoch die Ausnahme. Diesen Beitrag weiterlesen »

Die Entdeckung der Langsamkeit

18. August 2011 von Laborjournal

In Berlin hat eine Gruppe von Forschern die „Slow Science Academy“ gegründet. Ihr Anliegen: Durch eine Entschleunigung der Forschung Sorgfalt und Qualität zu steigern sowie Fehler und Fehlverhalten zu minimieren.

In ihrem Manifest schreibt die Akademie:

We are scientists. We don’t blog. We don’t twitter. We take our time.

Don’t get us wrong—we do say yes to the accelerated science of the early 21st century. We say yes to the constant flow of peer-review journal publications and their impact; we say yes to science blogs and media & PR necessities; we say yes to increasing specialization and diversification in all disciplines. We also say yes to research feeding back into health care and future prosperity. All of us are in this game, too.

However, we maintain that this cannot be all. Science needs time to think. Science needs time to read, and time to fail. Science does not always know what it might be at right now. Diesen Beitrag weiterlesen »

Zitat des Monats (3)

24. Juni 2011 von Laborjournal

Das Zitat diesen Monats kommt von dem Konstanzer Philosoph und Wissenschaftstheoretiker Jürgen Mittelstraß. Dieser schrieb im letzten Absatz seines Essays „Exzellenz und Mittelmaß“ (Gegenworte, 2000, Bd. 5: 23-25):

Bleibt wissenschaftliche Exzellenz das weitgehend uneingelöste Versprechen eines Systems, das die Qualität liebt und das Durchschnittliche fördert? Ist Wissenschaft möglich ohne Durchschnittlichkeit oder Mittelmaß? Vermutlich nicht — weshalb sich auch jenseits von Pessimismus und Resignation Tröstliches zu erkennen gibt. Denn Mittelmaß ist in der Wissenschaft der Preis der Qualität und der Exzellenz. Oder anders formuliert: Damit Exzellenz wirklich werden kann, muss viel Qualität gegeben sein; und damit Qualität wirklich werden kann, muss viel Mittelmaß gegeben sein. Allein Exzellenz, nichts anderes, wollen wäre nicht nur wirklichkeitsfremd, sondern für die Entstehungsbedingungen von Exzellenz vermutlich fatal — sie verlöre die wissenschaftliche Artenvielfalt, aus der sie wächst. Und darum eben auch: Nicht nur Erbarmen mit Durchschnittlichkeit und Mittelmaß, sondern zufriedene Unzufriedenheit mit diesen. Es ist das breite Mittelmaß, das auch in der Wissenschaft das Gewohnte ist, und es ist die breite Qualität, die aus dem Mittelmaß wächst, die uns in der Wissenschaft am Ende auch die Exzellenz beschert — mit oder ohne angestrengte Evaluierung.

(Foto: iStockphoto / philipdyer)
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