„So viel Schlamperei kann doch wohl kaum sein“

10. August 2012 von Laborjournal

Aus der Reihe „Spontane Interviews, die es nie gab — die aber genau so hätten stattfinden können”. Heute: Prof. S. Keptik, Editoriologisches Institut Universität Blätterwald.

LJ: Hallo, Herr Keptik — Sie schütteln den Kopf. Was ist passiert?

Keptik: Ach, nichts wirklich Schlimmes. Ich hab‘ nur wieder mal eine komische Email-Antwort erhalten.

LJ: Inwiefern?

Keptik: Na ja, ich bin doch Chief Editor beim All Open Journal. Und in letzter Zeit haben die „Fälle“ durchaus zugenommen, in denen die Gutachter ihre Berichte mit dem Hinweis zurückschicken, dass ihrer Meinung nach etwas mit der Präsentation der Daten nicht stimmen könne. Weswegen sie dann meistens verlangen, die Originaldaten und -unterlagen einzusehen.

LJ: Und die fordern Sie dann an?

Keptik: Richtig. Und Sie glauben nicht, was ich da manchmal zu hören bekomme. Gerade eben hat zum Beispiel einer zurückgeschrieben, dass er die Unterlagen bedauerlicherweise nicht mehr finden könne, weil er gerade erst mit seinem Labor umgezogen sei. Beim Umzug Originaldaten zu Manuskripten verbummeln, die gerade begutachtet werden — also ich bitte Sie? Das „riecht“ schon ein wenig komisch, oder? Diesen Beitrag weiterlesen »

Flickschuster-Banden

2. August 2012 von Laborjournal

Immer wieder stolpern aufmerksame Leser in aktuellen Veröffentlichungen über Abbildungen wie diese:

 

(aus Figure 6, Diabetes 2008(57): 2933-42;
veröffentlicht und mit rotem Kommentar versehen im Blog Science Fraud.)

Was daran „stinkt“, ist klar: Die Blot-Spuren und -Banden stammen ganz offensichtlich nicht aus demselben Experiment und wurden nachträglich im Computer zu einem Bild zusammengeschustert. Das jedoch erlauben die Journals aus gutem Grund nur in Ausnahmefällen sowie unter ganz bestimmten Vorgaben.

Anderes Beispiel:  Diesen Beitrag weiterlesen »

Dummy-Journal

21. Juni 2012 von Laborjournal

Wir gehen mal davon aus, dass Otto Normalforscher sich das Journal, dem er seine sauer erarbeiteten Daten anzuvertrauen gedenkt, peinlichst genau aussucht. Ob ein Journal, in dessen Editorial Board nur Dummies sitzen, dann noch Chancen hat:

Nur Dummies im Editorial Board (zum Vergrößern auf’s Bild klicken)

Wir haben herzlich gelacht!

Und damit ist eigentlich klar: ChemXpress reiht sich nahtlos ein in die immer länger werdende Liste der mehr als fragwürdigen Open Access Journals, die ziemlich plump auf reine Abzocke aus sind. Und zwar ganz unten.

(Gefunden auf Jeffrey Bealls „Watchdog“-Blog Scholarly Open Access)

„Prof Perfide“

18. Juni 2012 von Laborjournal

Vor allem Postdocs sind die Arbeitspferde der biomedizinischen Forschung. Und oft genug sind sie auch ziemlich clever. Dass diese daher immer wieder Probleme mit ihren Chefs/Profs/PIs bekommen, ist nichts Neues — vor allem wenn letztere unter dem ein oder anderen Persönlichkeitsdefizit leiden (auch nicht unbedingt selten).

Solche Konstellationen bergen folglich einigen Sprengstoff, der sich immer wieder auch zu haarsträubenden Geschichten entlädt. Wie etwa zu der folgenden, die uns letzte Woche zu Ohren kam:

Eine Postdoktorandin bekam ihr zweites Kind, kurze Zeit später wurde ihr Vertrag nicht verlängert. Irgendein Zusammenhang? — Man weiß es nicht. Jedenfalls war dies für die Frau natürlich der Karriere-Killer.

Aber was machte der Prof? Dieser räumte sämtliche Klone und Zelllinien, die die Postdoktorandin hergestellt hatte, aus den Schränken — und warf sie weg. Dies tat er indes wohlweislich nicht mit den Klonen, die sie von anderen Labors erhalten hatte — und natürlich behielt er auch ihr Laborbuch.

Dieses gab er daraufhin einer TA und wies sie an, die Experimente genau so zu wiederholen, wie sie darin standen. Innerhalb von neun Monaten reproduzierte sie auf diese Weise exakt die Experimente der ehemaligen Postdoktorandin — so dass „Prof Perfide“ den Artikel schließlich ohne ihren Namen veröffentlichen konnte.

Letzteres übrigens in Nature Genetics.

 

Autoren am Rande des Nervenzusammenbruchs (10)

5. März 2012 von Laborjournal

Nichts ist in der Forschung eine so sensible Angelegenheit wie die richtige Reihenfolge der Autoren auf einem Paper. Wobei die ganze Angelegenheit nochmal eine Spur delikater geworden ist, seitdem sogenannte Ko-Erstautorenschaften rasant zunehmen.

Der Grund liegt häufig darin, dass immer mehr Paper nur noch durch die gleichwertige Kooperation mehrerer Gruppen mit jeweils verschiedener Expertise entstehen (können). Nicht selten werden dann zwei oder mehr Erstautoren in alphabetischer Reihenfolge auf den ersten Plätzen gelistet und mit einem Sternchen versehen. Zur Bedeutung des Sternchens heißt es dann irgendwo auf derselben Seite:

„*These authors contributed equally to this project and should be considered co-first authors.“

Klar indes, dass ein Paper mit den drei Ko-Erstautoren „Maier, Müller, Schmidt“ nach liebgewonnener Forschergepflogenheit schnell zu „Maier et al.“ degeneriert. Was natürlich nicht wirklich fair ist. Diesen Beitrag weiterlesen »

Von zweifelhaftem Verhalten der Journals

14. Februar 2012 von Laborjournal

Das Feld der wissenschaftlichen Journale scheint immer mehr zu verrotten. Und damit meinen wir gar nicht unbedingt das Geschäftsgebahren der großen Verlage à la Elsevier, Springer oder Thieme und Co. (siehe unseren früheren Beitrag „Boykott gegen Elsevier“ samt Kommentare).

Nein, eher passt in dieses Bild etwa die Zunahme sogenannter „Bogus Journals“, die auf nichts anderes aus sind, als das bei Open-Access-Online-Journals gängige „Author pays“-Modell auf unlautere Weise für einen schnellen Dollar auszunutzen. Auch hierüber berichteten wir kürzlich im Beitrag “’Junk Journals‘ und die ‚Peter-Panne’”.

Genauso passen in dieses Bild die zunehmenden Klagen von Forschern, dass Journals den Veröffentlichungswunsch von Manuskripten, deren Daten bereits publizierte Paper widerlegen, schlichtweg ignorieren, ablehnen oder zumindest stark erschweren. Ein Thema, dem wir das Editorial unserer neuesten Lab Times-Ausgabe gewidmet haben. Diesen Beitrag weiterlesen »

„Junk Journals“ und die „Peter-Panne“

2. Februar 2012 von Laborjournal

Wie war das nochmal mit der Schadenfreude? Na ja, jedenfalls muss die Zeitschrift Molecular Biology, ein Open Access Online-Journal der OMICS Publishing Group, gerade richtig viel Gelächter einstecken. Und das offenbar mehr als zu Recht.

Geht man nämlich in der Liste von Molecular Biologys Editorial Board Members an die letzte Stelle, so findet man dort diesen Eintrag:

Zieht man die Maus rechts daneben auf dessen „Research Interest“, poppt folgendes auf:

Und geht man eins drüber auf „Biography“ erfährt man: Diesen Beitrag weiterlesen »

Autoren am Rande des Nervenzusammenbruchs (9) — Was tun mit den Toten?

26. Januar 2012 von Laborjournal

Im Jahr 1998 starb überraschend Werner Risau, Endothel-Experte am damaligen Bad Nauheimer MPI für Physiologische und Medizinische Forschung. Zehn Jahre später ziert sein Name den vorletzten Platz in der Autorenliste des Papers „Inducible endothelial cell-specific gene expression in transgenic mouse embryos and adult mice“ (Exp. Cell. Res. 314(6): 1202-16). In der Fußnote zu seinem Namen steht:

This work is dedicated to the memory of Werner Risau (1953–1998), in whose department this project was initiated.

Bitte nicht falsch verstehen: Keiner missgönnt Werner Risau diese nachträgliche Ehrung. Aber rein formal gesehen — rechtfertigt solch eine, doch etwas dünne, Begründung die Ehren-Autorenschaft eines lange Verstorbenen? Und allgemeiner — wie weit darf man generell gehen mit posthumen Ko-Autorenschaften? Immerhin kann man in solchen Fällen schnell argwöhnen, dass so manch kleines Licht das eigene Paper durch die Hinzunahme eines großen Namens umso heller erstrahlen lassen will. Diesen Beitrag weiterlesen »

Alles nur geklaut

30. Dezember 2011 von Laborjournal

Als wir in Laborjournal 9/2005 (S. 16-20) die wahre Geschichte des „Publikators“ Bernhard Schaller abdruckten (und diese ein Jahr später auf Laborjournal online aktualisierten), da dachten wir kaum, dass wir in der Biomedizin noch auf weitere derart dreiste Serien-Plagiatoren treffen würden. Offenbar hat jedoch Adam Marcus von Retraction Watch, gleichsam Kolumnist bei Lab Times, tatsächlich ein Exemplar ähnlichen Kalibers ausfindig gemacht: Bernardino Saccomanni, der unter der Adresse der Fakultät für Medizin und Chirurgie an der Gabriele d’Annunzio-Universität im italienischen Chieti Scalo — wo er allerdings nicht im Personal aufgeführt wird !?! — mehrere inzwischen zurückgezogene Reviews zur orthopädischen Chirurgie veröffentlichte. Diesen Beitrag weiterlesen »

Skeptische Balken

16. Dezember 2011 von Laborjournal

Nicht nur Forscher misstrauen so manchen Daten:…

Via i.imgur.com.
Information 4


Information 5