Forschung steht auf einer Säule, nicht auf vier

3. September 2015 von Laborjournal

Die Institutionen sollen ihren Teil zu Reproduzierbarkeit und zuverlässige Forschung beitragen — das fordern Ulrich Dirnagl, Leiter des Schlaganfallcentrums an der Charité Berlin, sowie Glenn Begley, leitender Wissenschaftler bei der US-Firma TetraLogic Pharmaceuticals, und Alastair Buchan, Medizindekan an der Universität Oxford ganz frisch in Nature (Vol. 525: 25–27).

In ihrem Meinungsartikel identifizieren die drei Autoren die Universitäten und andere akademische Forschungseinrichtungen als mitverantwortlich für die mangelnde Reproduzierbarkeit publizierter Ergebnisse und werfen ihnen gar einen laxen Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten ihrer Forscher vor. Statt die Akademiker zu immer mehr und immer bombastischeren Publikationen zu anzutreiben, sollten die Institutionen lieber Sorgfältigkeit, Selbstkritik, gute Mitarbeiterschulung und zuverlässige Versuchsaufzeichnungen fördern — so die Autoren weiter. Konkret sollten sie dazu interne Regeln für die sogenannte Good Institutional Practice einführen. Wissenschaftler, die diese vorbildlich umsetzen, sollten mit Beförderungen belohnt werden, deren nachlässigere Kollegen hingegen Personal- und Fördermittelkürzung befürchten müssen.

Allesamt gute und sehr sinnvolle Vorschläge, ohne Frage. Nur wirken sie ein wenig wie das Weiterreichen von Verantwortung. Diesen Beitrag weiterlesen »

Nature gestern und heute

20. Mai 2014 von Laborjournal

So was würde heute wohl kaum vorkommen: 1937 schickte Nature das Manuskript zum Citratzyklus wieder an Hans Krebs zurück, weil deren Ausgaben offenbar über Wochen im Voraus voll waren. (Witzigerweise unter anderem auch mit weiteren Artikeln aus dem Krebs-Labor.)

 

Hätten sie doch im Fall der beiden STAP-Zell-Artikel Anfang des Jahres nur ebenso „unüberstürzt“ gehandelt.

 

Mein Gel soll schöner werden…

7. Januar 2014 von Laborjournal

Warum sollte folgende Abbildung bei jedem Reviewer starkes Magengrummeln erzeugen?

Klar, oder? Die Spuren 5-7 sind ganz offensichtlich einzeln in das Gel mit den Spuren 1-4 hinein kopiert. Deutlich sind die schnurgeraden „Schnittkanten“ zwischen den Spuren zu erkennen. Zu lesen ist darüber in dem betreffenden Paper nichts — die Abbildung wird also als Ergebnis ein und desselben Experiments verkauft. Dies wiederum muss ja auch so sein, schließlich soll die gesamte Abbildung die Zeitabhängigkeit (0-24 h) des Bindeverhaltens zweier Bindepartner samt Kontrollen darstellen. Und die kann man quantitativ nur in ein und demselben Experiment zuverlässig bestimmen.

Was also ist hier vorgegangen?

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Zitat des Monats (17)

2. Januar 2014 von Laborjournal

What a let down for the running dogs of citationalism!

… schrieb ein Kommentator im Blog Retraction Watch. Dieser hatte über die Zurückziehung eines Cell-Papers wegen Datenmanipulationen berichtet, die ziemlich sicher noch weitere Retraktionen in Nature und anderen „hochrangigen“ Journals nach sich ziehen wird. Die Ironie an der Geschichte, auf die sich auch das Zitat bezieht: Das betroffene Flanders Institute for Biotechnology (VIB) in Ghent vergibt Prämien an Forscher, die regelmäßig „besonders hoch“ publizieren.

Journal Covers, etwas anders (5)

31. Mai 2013 von Laborjournal

Titelblatt von Nature vol. 497 (7447) vom 2. Mai 2013

Dazu heißt es:

Genetically modified crops, we were promised, would deliver a second green revolution: a wealth of enhanced crops that would provide food to the starving, profits to farmers and a greener environment to boot. In many ways that revolution has arrived, but there have been setbacks and disappointments too. In this special issueNature charts the development of GMO technology in the past three decades and looks for the green shoots that might form the basis of the next generation of GMOs. Cover: Kelly Krause/Nature (photo: Nagy-Bagoly Arpad/Shutterstock)

Nature entdeckt den Profit in Open Access

15. November 2012 von Laborjournal

Immer mehr Forschungsförderer verlangen als Voraussetzung für die Projektförderung, dass die Wissenschaftler die resultierenden Publikationen frei zugänglich, also „Open Access“, veröffentlichen. Einige von ihnen gehen indes noch einen Schritt weiter und verpflichten die Forscher, zusätzlich dafür zu sorgen, dass deren Artikel unter eine sogenannte offene Creative Commons (CC) Lizenz gestellt werden, die dem Nutzer weitreichende Verwendungsoptionen eröffnet.

So fordern etwa der Wellcome Trust und die Research Councils UK (RCUK) in England, die von ihnen geförderten Projekte unter der CC-Lizenzvariante „By“ (CC-By) zu veröffentlichen. Diese offenste aller Varianten erfüllt explizit die Ansprüche der sogenannten Open Definition, wodurch Nutzer die jeweiligen Artikel kostenfrei sowohl privat wie auch kommerziell weiterverwerten können. Lediglich die Urheberschaft der Artikel muss hierbei vermerkt sein.

Die Argumentation der Forschungsförderer ist dabei so simpel wie einleuchtend. Die Entstehungskosten der Publikationen, so sagen sie, seien bereits durch die öffentliche Hand beglichen. Also sollten sie auch für jeden frei nutzbar sein.

Da die Forscher auf diese Weise zunehmend an die Open Access-Politik ihrer Förderorganisationen gebunden werden, gerät damit so manches altehrwürdiges Wissenschaftsblatt unter Zugzwang. Diesen Beitrag weiterlesen »

Autoren am Rande des Nervenzusammenbruchs (12)

19. März 2012 von Laborjournal

Was denkt wohl der gemeine Forscher, wenn er liest:

… as published in Nature and Science.

Logisch, dass das Zeug in zwei unabhängigen Publikationen veröffentlicht ist — einmal in Nature, und einmal in Science (als Nachfolgestudie oder was auch immer).

Obige Aussage würde indes auch auf das Paper „Studies On A Newly Introduced Drug Acting As Anti-Cancer Initiation Activity“ zutreffen. Doch dieses steht weder in Nature noch in Science, sondern vielmehr in Nature and Science — einer Zeitschrift, die seit 2003 im US-Verlag Marsland Press erscheint.

In den Kommentaren eines Beitrags auf dem Blog Retraction Watch kommt diese Namensgebung allerdings nicht gut weg:

Nature and Science, are you kidding me?! […] Taken from the website of this soon-to-be tiger of scientific publishing, it is allegedly “an international journal to enhance our natural and scientific knowledge spreading in the world under the free publication principle.” Hm… […] This just puts me off, such cheap parasitism on respectable journals,…

…schreibt etwa einer. Während ein weiterer Kommentator den Bogen schon mal weiter spannt:

I have to quickly start a journal called Cell, Nature and Science.

 

 

Sinn oder Nicht Sinn

17. November 2011 von Laborjournal

Im September 2008 brachten wir in Lab Times ein Editorial über eine etwas … hrrm… na ja … sagen wir:… skurille Studie aus den Proc. Natl. Acad. Sci USA. Ein deutsch-tschechisches Team hatte Bilder von Kuhherden ausgewertet, die sie über Google Earth heruntergeladen hatten — und war sich am Ende sicher: Die Kühe richten sich auf der Weide statistisch auffällig in Nord-Süd-Richtung aus, verfügen also offenbar — so deren Schlussfolgerung — über einen Magnetsinn, der sie die magnetischen Feldlinien der Erde wahrnehmen lässt.

Wie man dem Lab Times-Editorial entnehmen kann, war uns die Geschichte schon damals eher ein — begründetes — Augenzwinkern wert. Und so bekamen wir gar nicht mit, dass sie noch viel weiter ging. Asche auf unser Haupt, denn jetzt hat Nature die mindestens genauso skurrile Fortsetzung der Story. Diesen Beitrag weiterlesen »

Qualität zählt

2. September 2011 von Laborjournal

Das News Feature der aktuellen Nature-Ausgabe hat den Titel „The 24/7 Lab“ — mit der Unterzeile:

Working weekends. Leaving at midnight. Friday evening meetings. Does science come out the winner?

Es geht also um die Arbeitszeiten in der akademischen Forschung, wozu Autorin Heidi Ledford vor allem ein ziemlich krasses Beispiel liefert. Darin wird der „Chef“ etwa zitiert:

The people in my lab, they work 24 hours a day. They’re here over Christmas and New Year writing grant applications.

Natürlich gibt es auch den „Gegenpart“ des MIT-Forschers Stephen Buchwald, der als einer der meistzitierten Chemiker überhaupt verrät:

I urge the members of his lab to take a month’s holiday every year, and not to think about work when they’re gone. The fact is, I want people to be able to think. If they’re completely beaten down, they’re not going to be very creative.

Verblüffenderweise scheint er jedoch die Ausnahme. Diesen Beitrag weiterlesen »

Optogenetik — vom ‚Stichwort‘ zur ‚Methode des Jahres‘

4. Januar 2011 von Laborjournal

In Laborjournal 5/2010 beschrieben wir Optogenetik als „Stichwort des Monats“. Darauf stieß uns offenbar nicht der schlechteste Riecher, denn jetzt wählte Nature Methods Optogenetics zur „Method of the Year 2010„. Wie Optogenetik funktioniert und was so toll daran ist, das erklären unsere englischen Kollegen extra in einem Special Feature ihrer Januar-Ausgabe — wie auch in folgendem sehenswerten Video:

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