Wozu Journals?

10. November 2016 von Laborjournal

 

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Es ist und bleibt interessant, immer wieder mal in unseren alten Ausgaben zu blättern. Nicht nur, aber auch, um zu sehen, wie sich gewisse Dinge in der Zwischenzeit entwickelt haben.

Kürzlich etwa blieb ich an folgendem Text unserer „Inkubiert“-Kolumne aus Heft 4/2000 (!) hängen:

Wozu braucht man Fach-Journale? Vor allem doch wohl als Vehikel von Information. Allerdings ist da das Internet mittlerweile schneller, billiger, einfacher und vielseitiger. So gesehen erfüllen die Fachblätter also ihre primäre Aufgabe inzwischen nicht mehr optimal. Allenfalls als glorifizierte Listen von Leseempfehlungen taugen sie noch. Womit wir direkt bei der nächsten Frage wären: Braucht man noch ein System des Vorab-Peer Review? Zumal doch gerade auf dem gut gedüngten Boden des anonymen Peer Review-Systems die menschlichen Schwächen der Gutachter oftmals allzu üppig wuchern. Warum also nicht gleich einfach alles unmittelbar und direkt im Internet publizieren — allenfalls durch eine grobe Vorab-Kontrolle von blankem Unsinn freigehalten? Beurteilt nicht sowieso jeder Forscher selbst die Artikel, die ihn interessieren — ob von Gutachtern empfohlen oder nicht? Was ein echter Forscher ist, sollte dies jedenfalls alleine können. Herrliche Diskussionen direkt im Anhang an die einzelnen Artikel könnten sich entwickeln. Nachlesbar und gezeichnet. Ein Artikel wäre nicht nur Information, sondern auch Anstoß zur Debatte. Jedenfalls die guten unter ihnen. Und daran wiederum würde man sie erkennen. Ja, ja — jetzt schreien wieder einige, dass unter solchen Bedingungen doch am Ende jeder Schrott publiziert würde. Hmm? Ohne Journals publiziert vielleicht tatsächlich nur, wer wirklich etwas Neues hat. Und schielt nicht vorrangig danach, durch Publikation in prestigeträchtigen Journals Impact-Punkte zu sammeln.

Scheint es nur mir so, dass wir heute, 16 Jahre später, in dieser Diskussion immer noch weitgehend auf demselben Stand sind?

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Ein tolles Jahr 2015…

1. Januar 2015 von Laborjournal

… wünscht die Laborjournal-Redaktion! Und vielleicht bringt das neue Jahr ja nicht nur unserem Forscher Ernst so manche neuen und überraschenden Erkenntnisse:

Frohe Weihnachten…

23. Dezember 2014 von Laborjournal

… wünschen Forscher Ernst und die Laborjournal-Redaktion.

Jede Woche ein Paper — Geht das?

6. März 2014 von Laborjournal

Mit Hochdruck arbeitet die Redaktion gerade parallel an den beiden fetten Laborjournal– und Lab Times-Ausgaben für die Analytica in München. Daher ist es von unserer Seite auch gerade so still hier im Blog.

Doch um folgendes kommen wir nicht umhin. Soviel Zeit muss sein!

Derek Lowe berichtete vor zwei Wochen auf seinem Blog In the Pipeline über die mehr als 2.200 Veröffentlichungen des kürzlich verstorbenen US-Chemiker Alan Katritzky. Ein Kommentator wandte daraufhin simple Mathematik an und berechnete, dass Katritzky demnach über 61 Jahre hinweg alle zehn Tage ein Paper veröffentlicht habe. Ein Fall von „Overpublishing“?

In unseren Laborjournal-Publikationsvergleichen hatten wir zuvor in Einzelfällen bereits ebenfalls solch „simple Mathematik“ angewendet. So schrieben wir 2002 im Publikationsvergleich „Strukturbiologie“ über die 103 Originalartikel, die der damalige Martinsrieder Nobelpreisträger Robert Huber in den drei Jahren von 1997 bis 1999 zeichnete:

Für Platz eins, den der bereits erwähnte Nobelpreisträger Robert Huber einnimmt, war dagegen die „Kleinigkeit“ von knapp 2500 Zitierungen nötig. Huber schaffte das unter anderem durch die „Masse“, die seine am Martinsrieder MPI für Biochemie eingerichtete „Proteinstrukturfabrik“ produzierte. Ganze 103 Publikationen zierte sein Name 1997-99, was im Schnitt alle 11 Tage ein Paper macht. Wahrscheinlich Spitze unter den deutschsprachigen Biologen.

Und das betraf nur die Originalartikel. Reviews, Konferenz-Beiträge, Buch-Kapitel und ähnliches waren bereits rausgenommen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Überholmanöver

26. November 2013 von Laborjournal

Die eigene Forscherkarriere ist zwar schon eine ganze Weile vorbei, aber einige Dinge vergisst man nicht so schnell. Zum Beispiel, als beim ersten internationalen Meeting der Leiter einer kooperierenden Gruppe mich beiseite nahm, auf einen durchaus bekannten australischen Prof deutete und sagte: „Pass auf, was Du dem erzählst. Wenn’s ihm gefällt, hat er keine Hemmungen, sich sofort ans Telefon zu hängen und seine Leute direkt auf Dein Projekt umzuleiten. Wäre nicht das erste Mal, dass er sich bei dem Projekt eines anderen bedient und ihn links überholt.“

Später, bereits als Laborjournalist, begegnete ich einem ähnlichen, ungleich prominenteren Fall. Es ging um den Medizin-Nobelpreis 1998, den Robert Furchgott, Louis Ignarro und Ferid Murad für die Entdeckung von Stickstoffmonoxid (NO) als gasförmiges Signalmolekül insbesondere zur Gefäßerweiterung erhielten. Dies, obwohl es Salvador Moncada war, der 1987 in Nature erstmals NO definitiv als Signalmolekül verkündete. Bei den Recherchen zum Thema erzählten indes einige direkte Zeitzeugen die „wahre Geschichte“ dahinter. Diesen Beitrag weiterlesen »

„Re-Inkubiert“ (1)

26. Juli 2013 von Laborjournal

(Urlaubszeit in der Laborjournal-Redaktion. Nicht zuletzt deshalb machen wir es in den kommenden Wochen wie das TV: Wir bringen Wiederholungen. Bis Ende August erscheint jede Woche, jeweils im Wechsel mit einem weiteren „Best of Science“-Cartoon, eine bereits in Laborjournal print publizierte Folge unserer „Inkubiert“-Kolumne. Sicher, alle schon ein wenig älter — aber eigentlich noch immer aktuell.)

 

Wer nix publiziert, zählt nix in der Forschung. Und wer wenig publiziert, sollte sich am besten auch rechtzeitig nach einer anderen Tätigkeit umsehen. Man kann kritteln und klagen, soviel man will — dass eine deutliche Korrelation zwischen Zahl der Paper und Zahl der Sprossen auf der Karriereleiter besteht, ist heute einfach Fakt. Und auch die vielen negativen Begleiterscheinungen sind inzwischen weithin bekannt. Zuvorderst natürlich der Zwang zum immer schnelleren Artikel-Austoß — oftmals mit der Folge anhaltender Paper-Diarrhoe: Der Ausstoß wird immer dünner und wässriger, verliert an Farbe und Substanz — nur stinken tut er manchmal intensiver. Entsprechende „Abführmittel“ gibt es einige, die meisten sind zumindest zweifelhaft. Der Institutsleiter etwa bevorzugt das Fläschchen mit der Aufschrift „Ehrenautorenschaft“; Postdocs bis Außerordentliche dürften sich eher der Salami-Taktik bedienen, auch bekannt als „Prinzip der kleinsten publizierbaren Einheiten“. Ganz ähnlich, vielleicht noch ein wenig raffinierter, funktioniert das Verfahren des größtmöglichen Überlapps: Ich publiziere erst die Ergebnisse A, B, C und D, im nächsten Paper dann B, C, D zusammen mit E, danach C, D, E mit F, und so weiter. Also gerade noch keine wirklichen Doppelveröffentlichungen, denn die sind ja verboten. Genauso wie Abschreiben und Daten Erfinden, aber das machen ja nur völlig Gewissenlose. Einzig effektive „Therapeuten“ sind die Gutachter, die im Idealfall mit ihren Ablehnungen so manchen „Dünnpfiff“ vorübergehend kurieren können. Doch auch diese Front bröckelt: Als etwa der Editor des Journal of Occupational and Environmental Medicine kürzlich ein Manuskript des US-Forschers David Egilman ablehnte, kaufte dieser kurzerhand eine Doppelseite Werbefläche im nächsten Heft und ließ es dort im Originallaut drucken. Schon enorm, welche Originalität und Kreativität Forscher entwickeln können, um zu Veröffentlichungen zu kommen. Vielleicht sollten sie die mal lieber in ihre Experimente investieren.

(aus Laborjournal 9-2005, Foto: © cameraman — Fotolia.com)

Happy New Year!

1. Januar 2013 von Laborjournal

All unseren Lesern wünschen Forscher Ernst und die gesamte Laborjournal-Redaktion für das neue Jahr möglichst viele Momente wie diesen:

(Forscher Ernst wird seit 1998 von Rafael Florés für Laborjournal gezeichnet.)

Journal Clubs gehen online

17. September 2012 von Laborjournal

Der gute alte Journal Club. Bei uns war es damals der Montag Mittag, an dem sich mal mehr, mal weniger Mitglieder des Instituts in einem schlecht belüfteten Seminarraum trafen und über ein Paper zu diskutieren versuchten, dass ein Kollege mal mehr, mal weniger spannend vorstellte.

Prinzipiell eine durchaus sinnvolle Veranstaltung — womöglich heute sogar sinnvoller denn je. Denn wie schrieben wir vor einigen Jahren in Laborjournal:

Gerade heute gibt es wahrscheinlich mehr wundervolle Paper als jemals zuvor in der Geschichte der Biowissenschaften — und es ist unglaublich lohnend herauszuarbeiten, warum diese Paper so wundervoll sind. Und gerade heute gibt es so viele wirklich furchtbare Paper wie noch nie zuvor in der Geschichte der Biowissenschaften — und es lohnt sich sehr darüber zu sprechen, warum sie so furchtbar sind. […] Gute Paper von schlechten zu unterscheiden gehört sicher zu den Schlüsselqualifikationen des fortgeschrittenen Wissenschaftlers Diesen Beitrag weiterlesen »

Faulheits-Ranking für Profs?

14. September 2012 von Kommentar per Email

Folgende E-Mail erreichte die Laborjournal-Redaktion:

Gerade lese ich, dass sich 300 BWL-Professoren gegen eine seriöse Evaluierung ihrer Arbeit ausgesprochen haben. Dabei erinnerte ich mich, dass Laborjournal schon lange diese interessanten Köpfe-Rankings für die einzelnen Wissenschaftsdisziplinen durchführt.

Diese Professoren-Rankings sind eine tolle Sache, weil in den einzelnen Disziplinen der internationale Vergleich möglich wird und dabei auch Spitzenbereiche sichtbar werden.

Nun kenne ich aber selbst einen verbeamteten Professor, der seit 2008 nicht mehr publiziert hat, den Staat aber jedes Jahr — sage ich mal — mehr als 80 k€ pro Jahr kostet, also 400 k€ in den fünf Jahren.

Ich finde daher, es sollte ebenfalls ein Negativ-Ranking eingeführt werden — nicht zuletzt auch, um die Verbeamtung der Universitäts-Professoren mal wieder in Frage zu stellen. Insbesondere für solche Fälle.

Hmm, Meinungen dazu?

(Illustration: Werner Dreblow – Fotolia.com)

Förderung nur bei „Nature-Niveau“?

21. August 2012 von Kommentar per Email

(Kürzlich erhielten wir den unten folgenden Erfahrungsbericht zum Thema DFG-Anträge. Wir haben ihn anonymisiert und überarbeitet — und stellen das Thema hiermit zur Diskussion.)

Mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel „Außer Kontrolle“ in Laborjournal 6/2012, S. 21-25, über die Forschungsförderung der DFG gelesen. Aus diesem Grund möchte ich Ihnen meine Situation und Erfahrungen mit der DFG schildern.

Ich war mehrere Jahre wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem biochemischen Institut; zur Zeit bin ich in der Position als Vertretungsprofessorin bis voraussichtlich Ende September 2012 eingestellt. Seit einigen Jahren versuche ich für meine Forschung Drittmittel einzuwerben, was bis auf eine Ausnahme leider erfolglos war. 2009 stellte ich schließlich wieder einen Antrag auf Sachbeihilfe bei der DFG (inklusive Beantragung meiner eigenen Stelle). Ich hatte gehofft, dass der Antrag diesmal genehmigt wird, da er auf schon veröffentlichten Daten, unter anderem im Journal of Cell Science, basierte und ich weiterhin eine interessante, neue In vivo-Methode in Deutschland etablieren wollte. Die finanziellen Mittel für die Geräte, die dafür notwendig sind, wurden mir zuvor von meiner Universität im Rahmen eines Antrags auf „Einrichtung einer eigenen Arbeitsrichtung“ genehmigt.

Im September 2010 erhielt ich den Bescheid über die Ablehnung des Antrags, obwohl die Gutachten grundsätzlich eine Förderung empfohlen haben. Diesen Beitrag weiterlesen »

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