Labor-Haikus

13. November 2013 von Laborjournal

In der letzten Woche haben wir auf unserer Twitter-Seite @Lab_Journal unter dem Hashtag #LaborHaiku ein paar Haiku-Gedichte zum Thema Labor versucht. Was genau ein japanischer Haiku ist, steht ziemlich gut hier beschrieben. Demnach sind unsere „Werke“ im puristischen Sinne zwar wahrscheinlich gar keine richtigen Haikus — aber egal, hier kommen sie nochmals alle gesammelt ( — und vielleicht fallen dem ein oder anderen Leser ja sogar noch welche ein):

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Wenn Forscher die Muse küsst

9. Dezember 2012 von Laborjournal

Ungewöhnliche Abbildungen in Forschungsartikeln hatten wir gerade erst als Thema in diesem Blog. Was aber ist mit Poesie in Forschungsblättern? Schon klar, dafür sind sie nicht da. Dennoch aber hat das Oxford Journal Systematic Biology kürzlich damit angefangen — und frisch das folgende Gedicht „The Tree of Life“ von David R. Maddison, Zoologe an der Oregon State University in Corvallis, veröffentlicht:

The Tree of Life

I think that I shall never see
A thing so awesome as the Tree
That links us all in paths of genes
Down into depths of time unseen;

Whose many branches spreading wide
House wondrous creatures of the tide,
Ocean deep and mountain tall,
Darkened cave and waterfall.

Among the branches we may find
Creatures there of every kind,
From microbe small to redwood vast,
From fungus slow to cheetah fast.

As glaciers move, strikes asteroid
A branch may vanish in the void:
At Permian’s end and Tertiary’s door,
The Tree was shaken to its core.

The leaves that fall are trapped in time
Beneath cold sheets of sand and lime;
But new leaves sprout as mountains rise,
Breathing life anew ‘neath future skies.

On one branch the leaves burst forth:
A jointed limb of firework growth.
With inordinate fondness for splitting lines,
Armored beetles formed myriad kinds.

Wandering there among the leaves,
In awe of variants Time conceived,
We ponder the shape of branching fates,
And elusive origins of their traits.

Three billion years the Tree has grown
From replicators’ first seed sown
To branches rich with progeny:
The wonder of phylogeny.

Wenn David Madison nicht dichtet, koordiniert er unter anderem das weltweite Tree Of Life web project.

Aber abgesehen davon: Gibt es noch mehr Beispiele für Poesie in Forschungsblättern? Und wie geht es inzwischen eigentlich P.H. Metrius?

Des Forsche iss gefährlisch — Helau!

20. Februar 2012 von Laborjournal

Unser Chefredakteur ist gebürtiger Mainzer. Und zum Rosenmontag musste er als solcher jetzt doch mal der starken Prägung nachgeben, dass alles, was „Meenzer“ zu dieser Zeit von sich geben, immer schnell nach Büttenrede klingt. Also — „wolle mer’n roi losse“: 

Forschers Fassenacht

Ihr liebe Leut, isch sachs Eusch ehrlisch:
Des Forsche iss gefährlisch.
Da siehste in dei’m Eppi dick Aktivitääät.
Die putzte wochelang bis nachts ganz spääät.
Am Ende prangt im Gel e fette Band,
nur ahn Versuch noch, ganz am Rand…
Doch ausgereschent der zeischt Dir ganz klar,
dass alles nur en bleeder Irrtum war.
Des Manuskript werd gleisch gelöscht,
e anneres Projekt werd überlescht.
Aach wenn des Selbstbewusstsein wackelt,
do werd net lang gefackelt,
denn wenn’s mit Resultate net so geht,
werd ei’m gleisch de Geldhahn zugedreht.
Und wenn de dann kaa Seilschaft hast,
dann war’s des midde Forscherei schon fast.
Dann kannste noch ins Ausland gehn,
zwar net nach Harvard, aber v’lleischt Athen.
Doch halt, des Forsche iss da werklisch rauh.
Und Fassenacht gibt’s aach kaa — Naa! Helau!

BIOTECHNICA (6): Besuch eines Poeten

13. Oktober 2011 von Laborjournal

 

P.H. Metrius, der Schwerenöter der deutschen Bio-Lyrik, ist gerade vorbeigekommen und hat mir flugs ein Zettelchen in die Jacketttasche gesteckt. Darauf folgendes Werk:

Die Stunde der Poetischen Stammtischzelle

Ein jeder Forscher, das ist wahr,
Schaut auf die Krümel dieser Welt.
Sei’s Protein, sei’s DNA,
Stück für Stück wird so erhellt,
Was der Organismen Schar
Im innersten zusammenhält?

Doch einst im Jahr, da kommt die Zeit,
Zu reisen ist nun sein Interesse
Der Forschermensch von nah und weit,
Trifft sich auf der Biotechnik-Messe.

Pipetten, Software, Kits und Pumpen
Dazwischen Häppchen, Schocki, Kulis, Sekt
Niemand lässt sich gerne lumpen
So wird der Messetag perfekt.

Um Fünfe wird’s dann doch zur Qual
Die Füße brennen. Höllenfeuer!
Dann geht man zum Laborjournal
Dort ist dann das Lagerfeuer.

Denn am Stand gibt’s feine Sachen,
Nette Leute, viel zu Lachen.
Hier ist man Mensch, hier will man sein
Aber morgen bitte, lasst uns heim.

P.H. Metrius

Dichtet — und GEWINNT!

3. Februar 2011 von Laborjournal

(von hier)

Gerade erst hatten wir ein Telomer-Gedicht auf Leinwand präsentiert, da küren bereits das ESRC Genomics Forum und die Scottish Poetry Library die Gewinner ihrer ESRC Genomics Forum Poetry Competition. Das Sieger-Gedicht „Forward Deck“ verfasste Sophie Cook aus Edinburgh sinnigerweise in Form einer Doppelhelix (siehe hier). Es beginnt:

It is growing harder to tell you apart,
genetically wondrous crew
in your superfine cruising clothes.
Your perfections are various, yet
shrink away from death
against one sunlit rail. You sing
on a merry motor yacht
that plots a straight and simple course.

Die weiteren Plätze belegten Nina Boyd, mit „Digital“ und Russell Jones mit „Chromosome Medley“. Weitere „Honourable mentions“ gab’s für Scott Edward Anderson („Improving the Human: The Poet Gene“), Katie Gooch („Made“), Ron Howland („One of those“), Ami Roseingrave („Unchained melody of genes“) und Tony Williams („Improvements“).

Uns hat das gleich an den guten, alten P.H. Metrius erinnert, der zwischen 1998 und 99 regelmäßig in Laborjournal unter dem Titel „Dem Forscher zum Geleit“ dichtete. Eines seiner bekanntesten Werke war damals seine „Frühlings-Elegie“ — und die ging so:

Draußen wiegt der warme Wind
die Linden und die Weiden.
Der Lenz, er ist der Weichheit Kind
und ich will ihn nicht leiden.

Die Damen zeigen ihre Beine,
der Jüngling seine Brust,
der Schoßhund flieht die Hundeleine
und ich pfleg meinen Frust.

Oh, Frühlingsduft durchwebt die Luft.
Ich ahne das — ich kenn das wohl,
doch hier in meiner Forschergruft
riechts nach Mercaptoethanol.

Großartig, oder! Und komisch, sofort hatten wir Lust, auch eine „Competition“ zu veranstalten — einen Dichter-Wettstreit quasi. Wer uns also das originellste selbstverfasste Labor- oder Life Science-Gedicht unten ins Kommentarfenster schreibt oder per E-Mail an redaktion@laborjournal.de sendet — der bekommt von uns ein Original-LaborjournalBleu d’Air Saque-T-Shirt.

A Telomeric Tale

14. Januar 2011 von Laborjournal

Mal was aus der Abteilung „Life Sciences und Kunst“:

the telomeric tale of the mouse’s tail [after carroll]“ — ein Gedicht auf Leinwand.

(Via shardcore — A Gallery Of Aesthetic Experiments)

(Analytica #8) Die Stunde der Poesie

26. März 2010 von Kai Herfort

Ich sitze hier nichtsbösesahnend zwischen Schokoladeneiern und Stapeln von Laborjournal und Lab Times, da sehe ich plötzlich P.H. Metrius um die Ecke biegen. Schnell suche ich nach einem Versteck. Ins Kabuff? Unter die Theke? Hinter die Couch? Zu spät. Der Schwerenöter der deutschen Lyrik hat mich erspäht. Ich weiß, was das bedeutet und ergebe mich in mein Schicksal: Ohren auf für ein Gedicht:

Auf der Messe

Latschen, tratschen,

Weiter latschen.

Tolle Sachen die die machen!

Soll ich´s wagen den zu fragen?

Ja, da kommt ein Quentchen Mut.

Wie das hier funktionieren tut?

Über´m Schlips beginnt´s zu sagen:

„Nur den Nippel durch die Lasche.“

Krieg ich diese chice Tasche?

Latschen, latschen,

Nicht mehr tratschen.

Die Füße brennen mir vom Rennen.

Protzige Prospekte schrägen meinen Gang.

Namen nennen, Dinge kennen.

Soll ich´s wagen sie zu fragen?

Ach, Sie sind Hostesse!

Meine Fresse – so schön ist´s nur auf der Messe!

(P.H. Metrius)

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