Wie toll ist eigentlich Crowdfunding?

2. Dezember 2015 von Laborjournal

Im Februar 2013 schrieben wir in Laborjournal erstmals ausführlich über Crowdfunding als Alternative zur klassischen Antrags-basierten Forschungsförderung (LJ 1-2/3013: 20-23). Auf eigens dafür eingerichteten Plattformen, wie hierzulande etwa Sciencestarter, können Forscher ihre Projekte öffentlich vorstellen und anpreisen — und dann hoffen, dass innerhalb eines festgelegten Zeitraums genügend Interessierte in ihr Portemonnaie greifen und einen Betrag ihrer Wahl für die Durchführung des Projektes spenden. Im Prinzip also ähnlich, wie wenn eine Rockband bei ihrer Fan-„Crowd“ Geld einsammelt, um die nächste CD ohne Plattenfirma-Vertrag selbstständig produzieren zu können.

Damals hieß es in dem Artikel:

Bislang sind es meist kleinere Summen, die im wissenschaftlichen Crowdfunding erreicht werden. Für ein 100.000 Euro-Projekt ist es also nach wie vor sinnvoll, sich an die DFG zu wenden. Doch Ranganathan ist zuversichtlich, dass Crowdfunding auch unter Wissenschaftlern innerhalb der nächsten paar Jahre an Bedeutung zulegen wird […]

Titelthema unserer aktuellen Lab Times-Ausgabe ist nun der Einzug dieses Crowdfunding-Gedankens auch in die (Anschub-)Finanzierung von Biotech-Startups — als Alternative zur herkömmlichen Risikokapitalisierung durch private und öffentliche Geldgeber (LT 6-2015: 42-45). Immerhin konnte auf diese Weise so manche Jungfirma zuletzt mehr als eine Million Euro einsammeln, darunter etwa auch Riboxx Pharmaceuticals aus Radebeul.

Ist Crowdfunding also endgültig salonfähig geworden als Finanzierungsmodell für Forschung und Entwicklung? Zumindest einer unserer Leser fände das schrecklich. In einer E-Mail schrieb er uns:

Ich muss zum Thema Science Crowdfunding einfach etwas loswerden. Irgendwie sind wir damit jetzt endgültig an einem Punkt angekommen, an dem Wissenschaft und Forschung im Facebook-Stil betrieben werden: Daumen hoch, Daumen runter. Die tumbe Masse entscheidet.

Crowdfunding wird verkauft als mögliche Antwort auf die zunehmenden Einschnitte in der öffentlichen Forschungsförderung. Ist das so? Man hört immer nur von den wenigen, die es „geschafft“ haben und Geld von der Masse bekommen — wodurch im gleichen Atemzug all die anderen Projekte und ihre möglichen Erkenntnisse zu Abfall degradiert werden. Das ist im Stil doch wie bei den Gladiatorenkämpfen des alten Roms: Einer johlenden, abgestumpften, ungebildeten und kleinkarierten Masse wird das Sagen übergeben — und die hat keinerlei Bedenken, jemanden umzubringen. Einfach nur widerlich!

Zugegeben, eine extreme Ansicht — dazu extrem formuliert. Aber steckt nicht vielleicht doch ein Körnchen Wahrheit darin? Meinungen und Erfahrungen dazu, bitte!

Wer evaluiert die Forschungsförderer?

31. Oktober 2014 von Laborjournal

(Hin und wieder stöbern wir in unseren eigenen alten Ausgaben — und stoßen dabei bisweilen auf zeitlose „Perlen“, die das Gros unserer heutigen Leser nicht kennt. Zum Beispiel der folgende Beitrag aus dem Jahr 2000:)

„Wer evaluieren will, muss sich auch evaluieren lassen

Unis, Professoren, Disziplinen — alle werden mannigfach evaluiert. Außer den Forschungsförderern. Warum die eigentlich nicht?

Rationales Vorgehen ist nicht jedermanns Sache — das gilt leider auch für einige Wissenschaftler. Ein Beispiel: Auf einen Bericht der Zeitschrift Nature über Mängel in der Förderpraxis der DFG hin fühlten sich einige langjährige Drittmittelempfänger berufen, mit einer E-Mail-Kettenbrief-Keule auf die Zeitschrift einzudreschen (vgl. LJ 5/2000, S. 18). Vielleicht verklagen die Herren auch den Netzgeräte-Hersteller, wenn auf dem Gel nicht die richtigen Banden zu sehen sind? Spaß beiseite: Die Mitarbeiter und Gutachter der DFG oder des BMBF sollten dankbar für derartige Berichte sein. Sie kennen ja die Probleme des Hochschullehrer-Nachwuchses nicht aus eigener Erfahrung. Sie sollten Berichte aus der „Unterwelt“ als wertvollen Hinweis betrachten. Genau wie der Forscher jene ärgerliche zusätzliche Bande auf dem Gel akzeptieren muss, die einfach nicht wegzureinigen ist — und sich dann als essentieller Kofaktor erweist.

Methoden wie im Mittelalter

Wie geht man Probleme rational an? Es gibt eine alte Regel, die schon die Römer kannten, vermutlich sogar schon die Neandertaler: Man macht sich zuerst ein Bild über die Lage, dann erst trifft man Entscheidungen. Hier: man sammelt zuerst Daten. Auch Firmen ermitteln zuerst, wo der Markt ist und was die Zielgruppe braucht — vorher wird nicht investiert.

Wie aber packen unsere Forschungsförderer die Probleme an? Diesen Beitrag weiterlesen »

Glühwürmchen und die Frage nach dem Sinn allen Forschens

3. Juli 2013 von Laborjournal

Es ist schon eine ganze Weile her, da mussten stinknormale Glühwürmchen für eine ziemlich scharfe Diskussion über Sinn und Unsinn teuer geförderter Forschung herhalten. Und das kam so:

Barry Trimmer von der Tufts University in Massachusetts fragte sich eines Tages, wie denn wohl die Glühwürmchen den Rhythmus ihres Licht-Geflackers an lauen Frühsommerabenden steuern. Und schließlich fand er es sogar heraus: Stickoxid (NO) ist die Schlüsselsubstanz. Die Käferhirne (ja, ja — die „Würmer“ sind eigentlich Käfer) schicken das Gas zum Hinterteil, wo es umgehend die Mitochondrien-Aktivität drosselt und die dadurch entstehende Sauerstoff-Welle die enzymatische Leuchtkaskade startet. Trimmers Lohn war damals ein Science-Paper (Bd. 292, S.2486).

Und warum graben wir diese alte Geschichte wieder aus? Hat doch schon damals nur eine Handvoll Spezialisten interessiert, sollte man meinen. Weit gefehlt. Breit brachten damals jede Menge Medien Meldungen darüber. Und bei Yahoo beispielsweise durfte zudem jeder seine Meinung zu den pulsierenden Glühwürmchen schreiben. Über fünfzig Kommentare kamen in den ersten zwei Tagen zusammen — und ruckzuck war die gesamte Runde in eine scharfe Diskussion über den Sinn von Forschung überhaupt eingebogen. Der alte Konflikt zwischen „Need to know“ und „Nice to know“ — par excellence. Diesen Beitrag weiterlesen »

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