Das Recht am Peer Review

4. Juli 2017 von Laborjournal

Nette Geschichte, die Pandelis Perakakis auf seiner Academic Website über seinen Kollegen Angel Correa vom Brain, Mind & Behaviour Research Center der Universität Granada notiert hat. Dieser hatte von einem Elsevier-Editor die Einladung erhalten, ein eingereichtes Manuskript für eines ihrer Journals zu begutachten. Correa schrieb zurück, dass er dies gerne tun würde — allerdings unter einer Bedingung: Würde das Paper am Ende zur Veröffentlichung akzeptiert, sollte das Journal seinen Review in der gleichen Ausgabe mit veröffentlichen — als „Kommentar“ oder wie auch immer, aber auf jeden Fall frei zugänglich via Open Access.

Correa lieferte auch eine Begründung dafür. Als Wissenschaftler im Staatsdienst habe er entschieden, seine Arbeitszeit nicht völlig selbstlos in das Interesse von Journals zu investieren, die privatwirtschaftliche Zwecke verfolgen.

Der Editor antwortete daraufhin zunächst schnippisch, dass er Correas Entscheidung, nicht mehr am Scientific Process teilzunehmen, sehr bedauere. In einer zweiten Mail schob er jedoch nach, dass er nach seiner Auffassung gerade als Staatsbediensteter die Verpflichtung habe, der Peer Review-Anfrage nachzukommen. Dies nicht nur, weil auch seine Institution dafür zahle, dass dessen Verlag einen ordentlichen Peer Review-Prozess organisiert und durchführt — sondern weil die Wissenschaftsgemeinde schlichtweg auf diese Art funktioniere. Schließlich erwarte er ja auch, dass seine Paper von Peers begutachtet werden.

Correa bemühte daraufhin zunächst einige Höflichkeitsfloskeln, um dann zu folgendem Schluss zu kommen: „Ich denke, es würde meiner Selbstverpflichtung zu Open Science auch Genüge tun, wenn ich als Autor des Peer Reviews die Rechte daran behalte, so dass ich diesen selbst veröffentlichen kann — vorausgesetzt natürlich, das Manuskript wird veröffentlicht. Geben Sie mir also bitte bescheid, ob Ihr Journal in diesem Fall die Verwertungsrechte bei mir, also dem Autor des Reviews, belässt.“

Eine Antwort darauf blieb bis heute aus.

Ralf Neumann

(Illustr.: Fotolia)

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Episciences Project — ein neues Modell zum wissenschaftlichen Publizieren

11. Februar 2013 von Laborjournal

Vor ziemlich genau einem Jahr startete eine Protestaktion gegen die exorbitante Preispolitik sowie die restriktiven Zugangsregeln des holländischen Wissenschaftsverlag-Giganten Elsevier. Auf der Seite “The Cost of Knowledge” können seitdem der Sache gewogene Unterzeichner erklären, dass sie den Verlag solange boykottieren werden, bis er sein Geschäftsmodell radikal ändert. So haben dort bis heute über 13.200 Forscher bezüglich Elsevier erklärt, dass sie dort:

… won’t publish, won’t referee, won’t do editorial work.

Hauptinitiator des Protests war damals der Mathematiker und Fields-Medaillengewinner Timothy Gowers (hier seine eigene Jahresbilanz des Protests). Jetzt geht er einen Schritt weiter: Auf seinem Weblog verkündete er vor einigen Tagen das “Episciences Project“, welches das wissenschaftliche Publizieren auf völlig neue Füße stellen will – komplett staatlich finanziert und ganz ohne kommerzielle Verlage. Diesen Beitrag weiterlesen »

606-mal teurer als Laborjournal

10. Mai 2012 von Winfried Köppelle

Uni-Bibliothekare haben weit weniger Grund zu grinsen als er: Elseviers Finanzchef David Lomas

Aus gegebenem Anlass (denn die unanständig hohen Abo-Preise für wissenschaftliche Zeitschriften sind immer ein Anlass) sei hier auf eine Website des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) verwiesen.

Unter dem Titel „Die 10 teuersten Zeitschriften der KIT-Bibliothek“ sind dort die Preise einiger Fachzeitschriften für ein Jahresabonnement aufgelistet. Und da bleibt dem einen oder anderen Betrachter dann vielleicht doch die Spucke weg. Denn es geht nicht um ein paar hundert Euro.

Leider nicht. Für das gleiche Geld, das der Bezug des Spitzenreiters (die Biochimica et biophysica acta (BBA) aus dem Hause Elsevier) kostet (gut 20 000 Euro), könnte man sich als europäische Universität schlappe 606-mal jeweils zehn Ausgaben von Laborjournal frei Haus schicken lassen. Ein LJ-Auslands-Abo kostet nämlich nur 33 Euro (innerhalb Deutschlands/Österreichs/der Schweiz ist Laborjournal für Non-Profit-Institute sogar kostenlos). K-o-s-t-e-n-l-o-s-! – Ok, Laborjournal ist jetzt natürlich keine klassische Fachzeitschrift wie etwa BBA.

Doch selbst Jahresabos von mit BBA vergleichbaren Fachpublikationen, die vom Renommee her allerdings ungleich höher angesiedelt sind (etwa Nature oder Science) sind vergleichsweise preiswert (dazu erhält der Bezieher wesentlich mehr Seiten pro Jahr, deren Inhalt dank höherem Impact Factor auch noch wertvoller ist). Diesen Beitrag weiterlesen »

Boykott gegen Elsevier

30. Januar 2012 von Laborjournal

Die Forschergemeinde macht mobil gegen das Geschäftsgebahren des Scientific Publishing-Giganten Elsevier. Schon lange geht es vielen auf den Geist, dass man die Elsevier-Journals für großes Geld kaufen muss, um die  Ergebnisse der Kollegen, inklusive der eigenen, lesen zu können — obwohl diese zum allergrößten Teil durch die Leistungen Steuerzahler-geförderter Forschung entstanden sind.

Das Fass zum Überlaufen brachte jetzt offenbar der neueste Geschäftstrick der Holländer, nach dem man Zeitschriften nur noch in „Bündeln“ abonnieren kann. Konkret heißt das, dass Bibliotheken Elsevier-Edelblätter wie etwa die Cell-Journals im Paket mit etlichen ungewollten „Ladenhütern“ bestellen müssen, die kaum einen interessieren. Und das kostet natürlich gleich mal einen ganzen Happen mehr als die jeweiligen Edelblätter alleine.

Die Community jedenfalls scheint jetzt ernst zu machen. Seit einigen Tagen läuft auf der Seite „The Cost of Knowledge“ folgende Protestaktion gegen die Elsevier-Politik, in der die Unterzeichner erklären, dass sie den Verlag jetzt solange boykottieren werden, bis er sein Geschäftsmodell radikal ändert:

(Mehr Details dazu gibt es auch auf der Seite des Initiators, Fields-Medaillen-Gewinner Tim Gowers.)

Bislang haben auf der Seite über 1.600 Forscher Elsevier wissen lassen, dass sie für den Verlag in Zukunft…:

… won’t publish, won’t referee, won’t do editorial work.

Von Sonntag nachmittag auf Montag morgen alleine sind knapp 300 neue Unterzeichner dazugestoßen. Es könnte also tatsächlich eine „kritische Masse“ zusammenkommen. Durchaus zurecht, wie auch wir von der Laborjournal-Redaktion meinen.

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