Flickschuster-Banden

2. August 2012 von Laborjournal

Immer wieder stolpern aufmerksame Leser in aktuellen Veröffentlichungen über Abbildungen wie diese:

 

(aus Figure 6, Diabetes 2008(57): 2933-42;
veröffentlicht und mit rotem Kommentar versehen im Blog Science Fraud.)

Was daran „stinkt“, ist klar: Die Blot-Spuren und -Banden stammen ganz offensichtlich nicht aus demselben Experiment und wurden nachträglich im Computer zu einem Bild zusammengeschustert. Das jedoch erlauben die Journals aus gutem Grund nur in Ausnahmefällen sowie unter ganz bestimmten Vorgaben.

Anderes Beispiel:  Diesen Beitrag weiterlesen »

AutorenEditoren am Rande des Nervenzusammenbruchs (15)

17. Juli 2012 von Laborjournal

Veröffentlichungen sind das Brot des Forschers. Doch vor solch eine ordentliche Brotzeit hat die Community bekanntlich das Peer Review gesetzt. Und das verdirbt einem so manchen eingeplanten Schmaus.

„Rejected“ heißt das Wort, mit dem Gutachter den Forschern immer öfter den Appetit verderben. Und damit der Hunger nicht allzu groß wird, lassen letztere sich inzwischen zunehmend unlautere Mittel einfallen, um „was auf den Tisch“ zu bekommen.

Dazu gehören bekanntlich manipulierte Resultate, frisierte Bilder, abgekupferte Manuskripte und ähnliches mehr. Hin und wieder versucht aber jemand etwas völlig anderes — wie etwa in folgendem Fall, den ein Co-Editor jüngst dem Committee On Publication Ethics (COPE) meldete. Diesen Beitrag weiterlesen »

Autoren am Rande des Nervenzusammenbruchs (13)

30. April 2012 von Laborjournal

Über die Anfälligkeit des Peer Review-Systems für Willkür und Missbrauch wird ja immer wieder geschrieben (siehe etwa hier oder hier). Und oft bleibt als Fazit: Solange Gutachter aus Fleisch und Blut über eingereichte Artikel entscheiden, wird man in dem System trotz aller Mühen immer wieder menschlichen Schwächen und Verfehlungen bis hin zu üblen Machenschaften begegnen.

Manchmal kommt es daher ganz besonders krass. Wie etwa in folgendem Fall: In einem kleinen, überschaubaren Feld bekommt jemand ein Paper zur Begutachtung. Trotzdem es anonymisiert ist, erkennt der Gutachter das Labor — und da er dort erst kürzlich zu Besuch war, weiß er auch, dass die Daten fast ausnahmslos aus der Arbeit eines frisch gebackenen PhDs stammen. Er empfiehlt das Paper schließlich zur Veröffentlichung, allerdings nach einigen kleinen Revisionen.

Monate später trifft er den PhD bei einem Meeting, offenbart sich als einer der Gutachter und fragt, wann das Paper denn nun endlich erscheinen würde. Diesen Beitrag weiterlesen »

Abschreiben oder krampfhaft neu formulieren?

6. Februar 2012 von Laborjournal

Aus der Reihe „Spontane Interviews, die es nie gab — die aber genau so hätten stattfinden können”. Heute: Dr. A. B. Peil, Xerologisches Institut Universität Kopingen.

LJ: Hallo, Herr Peil, was ist eigentlich aus Ihrem letzten Manuskript geworden?

Peil: Erinnern Sie mich bitte nicht daran.

LJ: Ähhh, entschuldigung… aber jetzt machen Sie mich doch neugierig. Was war denn so schlimm?

Peil: Na ja, die erste Version bekam ich vom Editor gleich wieder zurück. Der meinte, ich hätte es mir in der Einleitung zu leicht gemacht, indem ich oftmals einfach nur auf andere Publikationen verwiesen hätte. Man sollte eine Einleitung aber auch verstehen können, ohne zwischendrin dauernd in anderen Publikationen nachschlagen zu müssen, war sein Argument. Ob ich die Einleitung dahingehend nochmal überarbeiten könnte…

LJ: Klingt doch aber einleuchtend.

Peil: Schon. Hab‘ ich dann ja auch eingesehen. Und war ja auch nicht viel Arbeit. Ich hab‘ einfach denjenigen unserer Vorgänger-Artikel genommen, in dem meiner Meinung die Problemstellung am eindringlichsten und einleuchtendsten beschrieben war und hab‘ die entsprechende Teile in die neue Einleitung eingearbeitet.

LJ: Sie haben also bei sich selber abgeschrieben? Diesen Beitrag weiterlesen »

„Junk Journals“ und die „Peter-Panne“

2. Februar 2012 von Laborjournal

Wie war das nochmal mit der Schadenfreude? Na ja, jedenfalls muss die Zeitschrift Molecular Biology, ein Open Access Online-Journal der OMICS Publishing Group, gerade richtig viel Gelächter einstecken. Und das offenbar mehr als zu Recht.

Geht man nämlich in der Liste von Molecular Biologys Editorial Board Members an die letzte Stelle, so findet man dort diesen Eintrag:

Zieht man die Maus rechts daneben auf dessen „Research Interest“, poppt folgendes auf:

Und geht man eins drüber auf „Biography“ erfährt man: Diesen Beitrag weiterlesen »

Selbst ist die Frau!

3. Juni 2011 von Laborjournal

Milena Penkowa: Spitzenwert bei Selbstzitierungen

So langsam sprießen die Fälle bzw. Neuigkeiten zu wissenschaftlichem Fehlverhalten schneller aus dem Morast als wir sie pflücken können. Gerade noch Silvia Bulfone-Paus und Carsten Carlberg, gestern Peter Zabel — und jetzt gibt’s schon wieder Neues zur Dänin Milena Penkowa.

Die 37-jährige Neurowissenschaftlerin gehörte zu den Shooting Stars der dänischen Forschung. Bis im Januar Nature titelte: Fraud investigation rocks Danish university. Bereits im Monat zuvor war Penkowa von ihrer Stelle an der Universität zurückgetreten, da sie unter dem dringendem Verdacht der Datenfälschung wie auch der Veruntreuung von Forschungsgeldern stand.

Mehr dazu stand damals in Lab Times. Deutlich detaillierter (und auch zynischer) brachte UniversityPost, die Zeitschrift der Universität Kopenhagen, die ganze Geschichte — Titel: Penkowa for dummies.

Wie so viele Fälle von Fälschungsverdacht wartet jedoch nun auch dieser zähflüssig auf seine endgültige Aufklärung. Doch während man noch wartet, hat sich der Kopenhagener Geophysiker Peter Riisager mal Frau Penkowas Publikationen näher angeschaut — beziehungsweise, wer sie denn so alles zitiert. Diesen Beitrag weiterlesen »

Von der Schadensbegrenzung bei Plagiaten

12. Mai 2011 von Laborjournal

Man könnte gerade denken, Plagiate gibt es hauptsächlich in den juristischen Doktorarbeiten irgendwelcher Politiker, die meinen, Ego und Rang dadurch aufpolieren zu müssen, indem sie wissenschaftliche Prinzipien mit Füßen treten. Doch nein, auch in der Biomedizin ist das „Spicken“ durchaus verbreitet. Man erinnere sich nur an den besonders dreisten Fall des „Publikators“ Bernhard Schaller (Laborjournal 9 (2005), S. 16-20 sowie hier und hier) oder diese fast schon witzige Geschichte.

Einen weiteren Fall beschreibt jetzt das US-amerikanische Committee on Publication Ethics (COPE) aus der Perspektive der Editoren eines Journals. Diesen Beitrag weiterlesen »

Finde die Fehler

29. März 2011 von Laborjournal

Klinische Studien scheinen besonders anfällig für Fehler. Ja nicht wenige meinen gar, dass sie zu einem hohen Anteil tatsächlich Fehler enthalten.

Zu einer ganz besonderen erzieherischen Maßnahme in dieser Hinsicht griff nun das Indian Journal of Psychiatry. Einer der Editoren, Chittaranjan Andrade, publizierte darin eine klinische Studie mit dem Titel „A 6-week, multicentre, randomized controlled clinical trial to evaluate the safety and efficacy of placeboxetine hydrochloride in the treatment of major depressive disorder in an Indian setting„.

Allerdings, die Studie hat nie stattgefunden. Was auch gleich im ersten Satz klar gestellt wird:

This paper describes a fictitious study of a fictitious drug.

Eine erfundene Studie also. Aber warum? Nun ja, Andrade hatte gezielt typische Fehler in Design, Durchführung und Auswertung klinischer Studien eingebaut. Entsprechend stellte er dem geneigten Leser gleich in der Einleitung die Aufgabe diese aufzuspüren. Diesen Beitrag weiterlesen »

Autoren am Rande des Nervenzusammenbruchs (3)

29. Dezember 2010 von Laborjournal

Peer Review von Original-Manuskripten ist eine Sache höchster Vetraulichkeit. Dennoch treibt hier so mancher Gutachter Schindluder. Und dabei geht es keineswegs nur um die Weitergabe einiger Daten an den eigenen Postdoc.

Wie etwa in folgendem Beispiel: Forscher M reicht ein Manuskript ein, beide Gutachter A und B verlangen eine ‚Major Revision‘. Nach einigen Monaten hat Forscher M diese fertig und reicht das Manuskript erneut ein. Der Editor fragt daraufhin bei A und B an, ob sie die revidierte Version erneut begutachten würden. A sagt zu, B lehnt ab — schlägt aber Kollegen C vor. Das revidierte Manuskript geht also an A und C. Diesen Beitrag weiterlesen »

Ungeliebte Widerlegungen

3. Dezember 2010 von Laborjournal

Aus der Reihe „Spontane Interviews, die es nie gab — die aber genau so hätten stattfinden können”. Heute: Professor G.U.T. Glaub, Veritologisches Institut Universität Wahrenstadt.

LJ: Hallo, Herr Glaub. Gerade kam eine Ihrer Mitarbeiterinnen heulend aus Ihrem Büro gestürzt. Was ist passiert?

Glaub: Eine Katatrophe ist passiert. Sie kann mit ihrer Doktorarbeit komplett neu anfangen. Die bisherigen eineinhalb Jahre völlig für die Katz — auch wenn sie nur schwer vorangekommen ist. Wenigstens wissen wir jetzt warum.

LJ: Äh… ja,… und warum?

Glaub: Kurz gesagt: Wir hatten für ihre Arbeit eine wirklich nette Hypothese aufgestellt, die auf Ergebnissen und Schlussfolgerungen eines ganz bestimmten Papers zur Chromatinstruktur beruhte. Und jetzt hat sich herausgestellt, dass dessen Folgerungen falsch sind und die betreffenden Strukturen in der Form  offenbar nicht vorkommen. Und damit ist auch unsere Hypothese futsch.

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