Sünden des Hochschulbaus

20. April 2017 von Laborjournal

Bausünden begegnet man offenbar nicht nur beim Bau gewisser Flughäfen, Bahnhöfe oder Philharmonien — auch die „Funktionsbauten“ unserer Universitäten scheinen nicht immer immun dagegen. Ein Leser schrieb uns jedenfalls folgendes zum 2012 fertiggestellten Zentrum für Molekulare Biowissenschaften (ZMB) der Uni Kiel:

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Im Jahr 2004 wurde ein Funktionsbau mit reichlich Laborfläche und wenig Bürofläche angestrebt — geplante Fertigstellung: 2009. Tatsächlich fertiggestellt wurde das ZMB 2012.

Aus den anfänglich bescheidenen Planungen des reinen Funktionsbaus im Kostenumfang von weniger als 12 Mio. Eurowurde schließlich ein Repräsentationsbau mit Empfangsdame und mattgoldener Fassadenbeschichtung — mit einem Kostenumfang von mehr als 24 Mio. Euro (siehe hier, hier und hier).

Schöner Bau mit schlechtem Klima: die „Amöbe“ der Uni Kiel.

Mit seinem dreilappig geschwungenen, „pseudopodien-förmigen“ Grundriss führte der Bau seit Beginn der Planungen den Spitznamen „Amöbe“. Im Architektenjargon ist ein Gebäude, das stilistisch nicht dem umgebenden Gebäudeensemble entspricht ein „Parasit“. Insofern trägt die „Amöbe“ ihren Namen zurecht, denn auch unter den Wechseltierchen finden sich viele Parasiten.

Die „Amöbe“ steht nun in einem weitläufigen Ensemble profaner Siebzigerjahrebetonkästen, die von außen so gekachelt sind, wie Menschen mit Defiziten in gutem Geschmack ihr Klo von innen fliesen. So gesehen hat die „Amöbe“ tatsächlich mit ihrem äußeren Erscheinungsbild ein Alleinstellungsmerkmal, das zusammen mit der weiß-gekachelten Umgebung bereits in der jüngsten deutschen Belletristik seinen detailgetreuen Niederschlag gefunden hat.

Die Funktion des Funktionsbaus ist allerdings etwas eingeschränkt, denn mit dem repräsentativ geschwungenen Äußeren lassen sich im Inneren einige Flächen aufgrund spitzwinklig zulaufender Wände gar nicht nutzen. Diese Ecken wurden daher kurzerhand mit Gipskartonplatten verschlossen. Mit anderen Worten, es gibt in diesem Gebäude staatlich finanzierten, umbauten Raum, der zugunsten der repräsentativen Außenfassade ungenutzt bleibt. Es stellt sich also für Steuerzahler und Wissenschaftler die Frage, wieviel mehr Laborfläche für die gleiche Bausumme hätte geschaffen werden können, wenn man auf einen „Baukörper mit sanft modulierter Freiraumgestaltung“ verzichtet und den „bis dato nicht erkennbaren städtebaulichen Bezugsrahmen“ weiterhin unerkannt gelassen hätte. (Die Zitate stammen aus einem Vortrag am HIS-Institut für Hochschulentwicklung zum Thema).

Ein Funktionsbau ist die Kieler „Amöbe“ dennoch. Das wurde klar gestellt, als Mitarbeiter dort im Winter vermehrt über Atemwegs- und Erkältungskrankheiten aufgrund der niedrigen Luftfeuchtigkeit klagten (unter dreißig Prozent 30% relative Luftfeuchte). Beschwerden bei der Technischen Abteilung und dem Betriebsärzlichen Dienst laufen leider ins Leere, weil man die Klimaanlage nicht entsprechend einstellen kann. Sie ist ja schließlich für die Funktionsräume des Funktionsbaus konzipiert, nicht aber für die Gegenwart von Forschern, die darin die Wissenschaft ein gutes Stück weit voranbringen wollen.

Der Bau sollte wegweisend und seine Architektur einmalig sein. Einmalig ist er nicht geworden, denn schon Jahre zuvor hatte die Uni Cottbus ihre Bibliothek in Amöben-Form erstellen lassen. Wie wegweisend die Kieler Amöbe dennoch ist, wird sich erst zeigen, wenn die fleißigen Wissenschaftler darin ein gutes Stück vorangekommen sind — vorausgesetzt, sie sind auf dem Weg dahin nicht längst krank geworden.

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Gerne nehmen wir weitere Berichte über Bausünden an Uni- und Forschungsbauten entgegen…

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Als Doktorand gescheitert, aber superkompetent!

7. April 2017 von Laborjournal

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Neulich in der Redaktion:…

K: „Du, ich hab‘ gerade erst dein Online-Editorial von vor drei Wochen gelesen. Das über das Scheitern von Doktoranden.“

N: „Ja, und?“

K: „Du weißt schon — das über den Typen, der sich ewig lang die Zähne an einer Proteinreinigung ausgebissen hat.“

N: „Ja, ja — schon klar. Aber was willst du mir sagen? Ist irgendwas falsch?“

K: „Nein, darum geht es nicht. Aber der arme Kerl hat doch nach allen Regeln der Kunst jede verfügbare Methode genutzt, hat sich sogar völlig neue Kniffe ausgedacht, um die Nuss zu knacken.“

N: „Genau, so steht’s in dem Artikel. Nur hat ihm das nix genutzt. Er hat die Nuss nicht geknackt, weil es mit dem gesamten Methodenarsenal zu dieser Zeit einfach nicht ging. War eben auch ein riskantes Projekt.“

K: „…Also hat er eines Tages frustriert die Doktorarbeit hingeschmissen und der Forschung komplett den Rücken gekehrt.“

N: „Ja, war ein echter Fall. Ist wirklich passiert. Und abgesehen davon wahrscheinlich weit öfter als nur einmal.

K: „Sicher. Aber jetzt überleg‘ doch mal weiter. Der Typ muss doch im Laufe dieser Jahre zu einem wahren Experten im Proteinaufreinigen geworden sein. Und damit regelrecht prädestiniert für höhere Aufgaben — für die ganz harten Knacknüsse, für die echt heftigen Projekte! Viele seiner „erfolgreichen“ Doktoranden-Kollegen kochen dagegen irgendwas mit einer 08/15-Methode, mit der auf jeden Fall was rauskommt — et voilà: Gratuliere, akademischer Grad!“

N: „Tja, genau den hat unser Verlierer aber leider nicht.“

K: „Dennoch: Sagen wir mal, ich wäre Chef einer kleinen Biotech-Firma, oder so etwas. Wenn Du mich fragst, wen ich als Mitarbeiter einstellen würde — einen „Stur-nach-einer-Methode-Kocher“ mit Doktortitel oder diesen „gescheiterten“ Pechvogel, der alles Mögliche probiert hat —, meine Antwort wäre ja sowas von klar…“

N: „Hm, da ist sicher was dran. Mal abgesehen davon, dass unser Pechvogel trotz fehlender Resultate echtes wissenschaftliches Arbeiten am Ende viel tiefer erfahren und gelernt haben dürfte als seine Kollegen, die mit einem „Die-Methode-bringt-mich-sicher-um-die-nächste-Ecke“-Projekt allzu glatt durchflutschen.“

K: „Eben… Was hat der gescheiterte Doktorand danach eigentlich gemacht? Weißt du das?“

N: „Der hat es dann noch geschafft, Lehrer zu werden.“

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Vertrauen ist gut! Kontrolle besser?

4. April 2017 von Laborjournal

Die Geschichte vom wahrscheinlich kürzesten Projektantrag der gesamten Forschungsgeschichte ist mittlerweile gut bekannt: Zehn Jahre, bevor Otto Warburg im Jahre 1931 den Nobelpreis für „die Entdeckung der Natur und der Funktion des Atmungsferments“ erhielt, ließ er seine Sekretärin lediglich die folgenden paar Worte schreiben:

 

Warburg unterzeichnete, ließ den Antrag an die Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft schicken — und bekam umgehend das Geld ohne weitere Nachfrage.

(Die Ironie an der Geschichte ist, dass Warburg ein paar Monate später nicht mal ein Brot für die 10.000 Mark kaufen konnte; die Hyperinflation im Dezember 1922 hatte das Geld in Nullkommanichts vollkommen entwertet. Doch dies nur am Rande — hier soll’s jetzt vielmehr um folgendes gehen:…)

Offenbar hatten die Forschungsförderer zu diesen, Warburgs Zeiten noch Vertrauen in ihre Forscher. Das heißt, zumindest in diejenigen Exemplare ihrer Gattung, die bereits bewiesen hatten, dass hinter ihren Projektideen in aller Regel tatsächlich Substanz steckt. Denn dass Warburg zu den hellsten Forscherköpfen seiner Zeit gehörte, wussten damals auch die Mittel-Verwalter in der Weimarer Republik. Folglich schien auch keiner von ihnen daran zu zweifeln, dass Warburg das Geld sinnvoll verwenden würde — auch ohne die geringste Ahnung zu haben, was genau er damit erforschen wollte.

Klar, dass einem mit Blick auf das aktuelle Forschungsförderungssystem jetzt jede Menge ketzerische Fragen auf der Zunge liegen:

► Hat sich dieses Vertrauen in einen Forscher, der seine Leistungsbereitschaft und Originalität bereits hinlänglich gezeigt hatte, etwa nicht gelohnt?

► Welchen Unterschied hätte es gemacht, wenn Warburg wochenlang damit gebunden gewesen wäre, einen „ordentlichen“ Projektantrag mit all dem üblichen prophetischen Pipapo zu schreiben — und dann erstmal monatelang zu warten?

► Welchen Unterschied hätte es gemacht, wenn Warburg — wie heute üblich — zwischenbegutachtet, bibliometrisch überprüft und sonstwie evaluiert worden wäre?

Auf letztere zwei Fragen ahnen wir die Antwort: Warburg hätte einen gehörigen Teil seiner Zeit von der Forschung abziehen müssen, um Berichte und Folgeanträge zu schreiben. Und einen weiteren ordentlichen Teil hätte er dafür opfern müssen, um in dem heute üblichen „Asthma-Stil“ den für erfolgreiche Antragstellungen notwendigen Publikationsstrom aufrecht zu erhalten.

Man muss kein Hellseher sein, dass Warburgs Genius dies als unzumutbare Gängelung empfunden hätte — und dass im gleichen Atemzug dessen Spaß und Begeisterung für seine Arbeit stark gelitten hätten.

Nicht gerade das Szenario, in dem Nobelpreise gedeihen — oder?

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Wie sich Photosynthese anhört

28. März 2017 von Laborjournal

Schon mal gehört, welche Laute Pflanzen bei Photosynthese machen?  Dann wird’s Zeit! Zoologen (!) der Universität Wien um Helmut Kratochvil starteten vor einiger Zeit mit einem Unterwassermikrophon einen Lauschangriff auf die Flora des Fischteichs Schönau in Niederösterreich — und konnten folgenden „Lärm“ aufzeichnen:

 

 

Hört sich an wie brutzelnder Speck in der Pfanne, oder?

Wie insbesondere die Geräuschmuster der Kanadischen Wasserpest (Elodea canadensis) entstehen und was sie generell den Photosynthese-Forschern sagen können, steht parallel in unserem heutigen Editorial auf Laborjournal online. Und natürlich in der frischen Originalveröffentlichung der Wiener (Scientific Reports 7, Article no. 44526)  — mit dem vielversprechenden Titel: Acoustic effects during photosynthesis of aquatic plants enable new research opportunities.

Allerdings: Tatsächlich hören — wie hier — kann man sie dort nicht.

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Die Techniker verlangt Nicht-Wirksamkeitsnachweis von Homöopathie — und erntet einen Shitstorm

7. März 2017 von Laborjournal

Wenn jetzt jede Menge Leute der Techniker Krankenkasse (TK) den Rücken kehren würden — sie könnte sich kaum beschweren nach dem fürchterlichen Eigentor, das sie sich letzte Nacht mit dem folgenden Tweet geschossen hat:

 

 

Eigentlich haben wir ja eher Probleme mit sogenannten Shitstorms, aber denjenigen, den die TK damit umgehend auf Twitter erntete, hat sie sich wahrlich wohlverdient. Im folgenden ein paar Beispiele von vielen — fangen wir mit den eher „ernsthaften“ an:

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Und so weiter…

Die Frage nach der derart peinlich zur Schau gestellten Unwissenschaftlichkeit der TK muss einem tatsächlich Angst machen. Weswegen — wie gesagt — sich natürlich sofort einige Kunden Gedanken über einen Austritt machen:

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Und so weiter…

Nicht abwegig, dass einige damit tatsächlich ernst machen werden.

Wieder andere versuchen, das Kind beim Namen zu nennen. Und haben wohl auch damit keineswegs Unrecht:

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Und so weiter…

Tja — und wie wohl kaum anders zu erwarten, reagiert ein weiterer, sehr großer Teil mit Sarkasmus:…

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Und so weiter…

Oder sie weisen auf das Paradox hin, dass etwa Brillen trotz nachgewiesener Wirksamkeit und großer Nachfrage nicht (!) von der TK et al. erstattet werden:

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Und so weiter…

Heute morgen gegen halb Neun räumte die TK dann endlich ihren Mega-Fauxpas ein — ein bisschen patzig zwar, aber immerhin:

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Und fügte etwas später noch an:

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Wobei jetzt schon sicher ist, dass mit dem Ergebnis dieses „Gesprächs“ die „Aufregung“ wohl kaum auf Null runtergefahren werden kann. Zu tief hat die TK das Kind im Brunnen versenkt — und sich daher den Schaden, die sie als Krankenkasse davontragen wird, leider redlich verdient.

Das einzig Schöne an der Affäre jedoch ist, wieviele Leute angesichts solch erschreckender Ignoranz mit dem Resultat schroffer Missachtung von faktenbasierter Wissenschaft sofort auf die Barrikaden gehen. Es ist zwar „nur“ ein Tweet einer Krankenkasse. Aber der reicht, dass einem angst und bange um unser Gesundheitssystem werden kann.

Die vielen krankenversicherten Twitterer dagegen machen einem Hoffnung, dass diese Angst am Ende unbegründet sein wird.

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Vorsicht, ihr Biohacker und DIY-Biologen!

9. Februar 2017 von Laborjournal

Erst jetzt haben wir mitbekommen, dass das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) bereits vor zwei Wochen eindringlich vor Do-It-Yourself (DIY)-Baukästen warnte, mit denen interessierte Laien echte Bakterien-Gentechnik in ihren eigenen vier Wänden machen können. Die Meldung mit dem Titel „Gentechnik mit Biologiebaukästen: Einfach, aber möglicherweise strafbar“ im Wortlaut:

Durch Genome-Editing-Verfahren wie etwa CRISPR-Cas ist es einfach und preiswert möglich, das Erbgut von lebenden Organismen gezielt zu verändern. Mittlerweile können insbesondere im Internet komplette Biologiebaukästen (so genannte „Do-it-yourself“, bzw. DIY-Kits) aus dem Ausland gekauft werden, mit denen daheim und ohne zusätzliche Geräte das Erbgut von Organismen, z. B. E. coli-Bakterien, verändert werden kann.

Derartige Experimente im heimischen Hobbykeller mögen lehrreich und spannend sein. Abhängig vom konkreten DIY-Kit gilt dafür jedoch das Gentechnikrecht. Dies ist immer dann der Fall, wenn das DIY-Kit gentechnisch veränderte Organismen (GVO) enthält oder wenn damit GVO erzeugt werden. Solche gentechnischen Arbeiten dürfen gemäß § 8 Abs. 1 Satz 1 Gentechnikgesetz (GenTG) nur in gentechnischen Anlagen durchgeführt werden, also in geeigneten, behördlich überwachten Laboren unter Aufsicht eines sachkundigen Projektleiters.

Das heißt, wer DIY-Kits bestellt und außerhalb gentechnischer Anlagen entsprechend anwendet, riskiert gemäß § 38 Absatz 1 Nummer 2 GenTG eine Geldbuße bis zu fünfzigtausend Euro. Falls im Rahmen der Nutzung der DIY-Kits GVO freigesetzt werden, droht gemäß § 39 Absatz 2 Nummer 1 GenTG sogar eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe.

Für Nachfragen steht Ihnen die zuständige Landesbehörde zur Verfügung.

Warum das BVL diese Warnung aktuell für notwendig erachtet, fasst dieser Artikel der Zeitschrift „Make:“ recht gut zusammen. Nach der Recherche des Autors kamen gerade im vergangenen Jahr vor allem im Ausland zahlreiche Geräte und Kits auf den Markt, die dem Kunden nicht nur genetische Analysen, sondern auch gezielte genetische Veränderungen versprechen.

Als Beispiel nennt der Artikel unter anderem das Gerät „DNA-Playground“ der US-Firma Amino Labs. 325 Euro kostet die E. coli-Transformiermaschine, die es dem Kunden erlaubt, mit dem passenden „Engineer-Kit“ die Bakterien etwa derart genetisch umzubauen, dass sie im Dunkeln in allen möglichen Farben leuchten — siehe Video:

 

 

Noch drei weitere Beispiele beschreibt der Artikel, um dann am Ende allerdings auf die Warnung des BVL einzuschwenken:

Viele der Projekte richten sich neben Privatpersonen auch an Bildungseinrichtungen, da Schulen sich speziell eingerichtete Labore mit vielen Geräten kaum leisten können. In Deutschland gibt es allerdings eine Reihe an Forschungseinrichtungen und Museen, die in sogenannten Schülerlaboren biotechnologische Workshops anbieten. Sie halten dabei die Hygienemaßnahmen ein, entsorgen Abfälle sachgerecht und sind bei der zuständigen Behörde gemeldet. Erfolgt dies nicht, so warnt das Bundesamt, drohe eine Geldbuße bis zu fünfzigtausend Euro. Wer gentechnisch veränderte Bakterien in die Umwelt freisetzt, kann sogar mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren bestraft werden.

Ob die Warnungen gehört werden, darf bezweifelt werden angesichts des oftmals geradezu überschäumenden Enthusiasmus, den manche DIY-Biologen hinsichtlich ihrer Garagenlabor-Spielereien an den Tag legen. Vielleicht werden sie auch eher belächelt, da sich die weltweite Community der DIY-Biologen schon seit 2011 selbst einen Ethik-Code auferlegt hat. Genauso wie sie seither Mantra-artig beteuert, dass Biohacking nicht nur von Neugier, Spieltrieb und Ehrgeiz getrieben sei, sondern vielmehr ebenso gesteuert von Vorsicht, Vorausschau und in Kenntnis der jeweils geltenden Gesetzeslage. Schwer zu glauben allerdings, dass dies tatsächlich allen Biohackern weltweit in genügendem Umfang bewusst ist.

Sicher, das BVL muss auf die Gesetzeslage aufmerksam machen. Naturgemäß riecht dies aber immer stark nach Drohung. Vielleicht sollte es sich lieber mal die Mühe machen, die potentiellen Befürchtungen und Gefahren konkret und greifbar zu thematisieren — und damit letztlich das Problembewusstsein der vielen DIY-Zauberlehrlinge nachhaltig zu schärfen. Denn selbst die fänden das Szenario wahrscheinlich ziemlich gruselig, wonach „selbstgebastelte“ Bakterien oder was auch immer wild aus irgendwelchen Haus- und Garagentüren kriechen.

(DIY-Bio-Logo via diybio.org)

In eigener Sache:… „Methoden & mehr“

6. Februar 2017 von Laborjournal

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Was macht die Versuche des Forschers überhaupt erst möglich? Wodurch erhält er am Ende seine Daten? Richtig, durch experimentelle Methoden samt den zugehörigen Geräten und Materialien!

Kein Wunder, werden seit langem schon die entsprechenden Methoden-Beiträge auf Laborjournal online auffällig zahlreich besucht. Und da es über die ganzen Jahre immer mehr geworden sind, haben wir jetzt aufgeräumt: Seit 1. Februar präsentiert Laborjournal online diesen großen Themen-Block anders als bisher — fokussierter, übersichtlicher, prägnanter, dynamischer. Auf diese Weise ist nun eine umfangreiche Plattform entstanden, die wir ganz bewusst „Methoden und mehr“ genannt haben.

Unser gesamtes Archiv an methodischen Beiträgen haben wir dafür aus allen Ecken unseres Servers eingesammelt und dort hineingepackt. Das heißt, knapp 170 „Neulich an der Bench“-Artikel, noch mehr „Tipps und Tricks“, dazu jede Menge Produktübersichten sowie passende „Specials“ (wie etwa dieses zu „Neuen Genetic Engineering Tools“) und „Stichwörter des Monats“ sind dort neu nach methodischen Gattungen zusammengetragen und geordnet.

Doch nicht nur das. Überdies findet man auf „Methoden und mehr“ unter den einzelnen Kategorien neuerdings auch Kataloge und Broschüren der Laborausstatter, wie auch einen Kalender, der speziell Kurse und Fortbildungen zu den jeweiligen labormethodischen Themen auflistet.

Schließlich sollen auch die Anbieter von Laborgeräten und -materialien auf „Methoden und mehr“ zu Wort kommen. In Zukunft werden sie ihre neuen Produkte dort selber vorstellen und beschreiben können — sei es als „Neue Produkte“-Notiz wie im gedruckten Heft, in einem ausführlichen „Whitepaper“ oder vielleicht sogar in einem Video.

Wer weiß, vielleicht kommen auf diese Weise hier ja bald Anbieter und Kunden direkt miteinander ins Gespräch? Diskutieren beispeilsweise Probleme, Fragen und Verbesserungsvorschläge? Oder womöglich helfen sich Leser gegenseitig bei ihren ganz konkreten aktuellen Methodenproblemen?

Viel soll jedenfalls möglich sein auf „Methoden und mehr“, manches vielleicht erst nach und nach. Was davon aber letztlich tatsächlich alles „laufen“ wird, wird am Ende entscheidend davon abhängen, wie sehr die Nutzer das Angebot wahrnehmen.

Und nützlich ist das Angebot schon jetzt, wie man sehr schön an folgendem Beispiel sehen kann. Mitte Januar schrieb uns Rene Bernard, Postdoc in der Experimentellen Neurologie an der Charité — Universitätsmedizin Berlin:

Sehr geehrte Laborjournal-Redaktion,

durch Ihren Beitrag ‚Aquariumkies statt Trockeneis‘ in Laborjournal 05/2015 wurde ich auf Aquariumkies als Kühlmöglichkeit aufmerksam. Dies inspirierte mich, eine labortechnisch einfach umzusetzende Methode zu entwickeln, die diesem Prinzip unterliegt, den Platzaufwand minimiert und die Einsatzzeit maximiert. Details dazu habe ich für jeden zugänglich auf dem bioRxiv-Server abgelegt.

Vielen Dank noch einmal für Ihren Beitrag im Laborjournal 2015, ohne den ich diese Methode nicht getestet hätte.

Wir sind sicher, auf „Methoden und mehr“ warten noch weitere derartige Schätze auf ihre breite Anwendung und Weiterentwicklung. Vielleicht „Western-Blot mit Diät-Drink“? Oder womöglich „Über-Kopf-Mixer mit Teilen aus dem Schiffsmodellbau“? Oder gar „Schockgefrieren mit Damenstrümpfen“? Graben Sie sie aus, liebe Leser!

Oder stellen Sie selbst den Kolleginnen und Kollegen Ihre besten Tricks vor. Klar, auch im Heft. Oder auch gleich hier in der Kommentarfunktion! Gesammelt erscheinen sie am Ende aber alle auf „Methoden und mehr“.

Die Laborjournal-Redaktion macht Pause!

27. Dezember 2016 von Laborjournal

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Guter Tipp von Forscher Ernst hier links! Denn bis zum 8. Januar 2017 wird hier nix Neues zu lesen erscheinen. Allerhöchstens gibt’s eventuell ein paar spontane Tweets auf @Lab_Journal.

Und in unseren Archiven gibt’s tatsächlich allerhand, was auch heute noch lesenswert ist. Glaubt ihr nicht? Dann stöbert ruhig mal rum auf Laborjournal online — und überzeugt euch selbst!

Ansonsten bis irgendwann im Januar…

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FROHES FORSCHEN !!…

22. Dezember 2016 von Laborjournal

… im neuen Jahr 2017 Jahr wünscht allen Lesern — die Laborjournal-Redaktion!

Auf dass Euch neue Jahr – nach hoffentlich ruhigen und erholsamen Weihnachts- und Neujahrstagen – mehr Erkenntnisse und tiefere Einsichten bringen möge als unseren beiden „Forscherhelden“ das vergangene:

ernstxmas

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Was wollt ihr 2017 lesen?

7. Dezember 2016 von Laborjournal

Bildschirmfoto-2016-12-07-um-14.05.06Ja, tatsächlich! Bevor nach der Weihnachtspause die Phasen von Heftplanung und -produktion wieder Fließband-artigen Charakter annehmen, dürft ihr Leser uns kräftig die Meinung sagen.

Was und worüber wollt ihr also im nächsten Jahr gerne mehr, lieber weniger, überhaupt mal oder um Himmels willen gar nichts mehr in Laborjournal lesen? Weniger Kurzmeldungen vielleicht? Dafür mehr Essays und Kolumnen? Genauso wie Hintergrundberichte und investigative Recherchen?… Und sollen wir die Publikationsanalysen nicht langsam sein lassen?…

Wie sieht’s mit Journal Clubs, Firmenporträts und Methoden-Artikeln aus – lieber mehr oder weniger? Sind Biotech/Pharma und Methoden überhaupt genügend abgedeckt? Kommt Forschungspolitisches ausreichend zur Sprache? Oder braucht’s mehr Anekdotisches und Gossip?… Ach ja, und was meint Ihr zu den Comics?…

Und nochmal anders gefragt:

Welche Themen müssen für das nächste Jahr unbedingt ins Programm? 3D-Bioprinting? Gentechnik-Gesetz? Genome Editing? Open Access und Open Science? Forschungsbetrug und Reproduktionskrise? Tierversuche? Klinische Forschung? Einzelzell-Techniken? Förder- und Karrierestrategien?…

Oder etwas völlig anderes, woran wir hier in der Redaktion noch gar nicht denken?

Also, los geht’s! Kurz nachgedacht — und dann mitgeteilt, was und was ihr nicht wollt. Und wie ihr’s wollt. Entweder gleich hier unten ins Kommentarfenster, oder via E-Mail an redaktion@laborjournal.de.

Vielen Dank schon mal jetzt!

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