Nature entdeckt den Profit in Open Access

15. November 2012 von Laborjournal

Immer mehr Forschungsförderer verlangen als Voraussetzung für die Projektförderung, dass die Wissenschaftler die resultierenden Publikationen frei zugänglich, also „Open Access“, veröffentlichen. Einige von ihnen gehen indes noch einen Schritt weiter und verpflichten die Forscher, zusätzlich dafür zu sorgen, dass deren Artikel unter eine sogenannte offene Creative Commons (CC) Lizenz gestellt werden, die dem Nutzer weitreichende Verwendungsoptionen eröffnet.

So fordern etwa der Wellcome Trust und die Research Councils UK (RCUK) in England, die von ihnen geförderten Projekte unter der CC-Lizenzvariante „By“ (CC-By) zu veröffentlichen. Diese offenste aller Varianten erfüllt explizit die Ansprüche der sogenannten Open Definition, wodurch Nutzer die jeweiligen Artikel kostenfrei sowohl privat wie auch kommerziell weiterverwerten können. Lediglich die Urheberschaft der Artikel muss hierbei vermerkt sein.

Die Argumentation der Forschungsförderer ist dabei so simpel wie einleuchtend. Die Entstehungskosten der Publikationen, so sagen sie, seien bereits durch die öffentliche Hand beglichen. Also sollten sie auch für jeden frei nutzbar sein.

Da die Forscher auf diese Weise zunehmend an die Open Access-Politik ihrer Förderorganisationen gebunden werden, gerät damit so manches altehrwürdiges Wissenschaftsblatt unter Zugzwang. Wollen sie deren Originalartikel weiterhin haben, müssen sie ihre restriktiven Verwertungsrechte lockern und ihnen die entsprechenden CC-Lizenzen anbieten — denn sonst dürfen die Forscher auf Geheiß ihrer Projektfinanzierer ja nicht mehr bei ihnen veröffentlichen.

Die Nature Publishing Group (NPG) hat jetzt vorgemacht, dass man als Verlag darüber nicht unbedingt mit den Zähnen knirschen muss — sondern auch dieses Modell wiederum für den eigenen Profit nutzen kann. Laut einer Pressemitteilung von letzter Woche wird die Lizenzierung der Inhalte verschiedener NPG-Journals nach CC-By ab Dezember 2012 möglich sein — allerdings gegen einen Aufpreis von bis zu 400 Euro. Zwar haben Forscher prinzipiell die Alternative, ihre Manuskripte parallel zu eher restriktiven Subskriptionsblättern auf sogenannten Open Access-Repositorien mit offenen Lizenzen zweitzuveröffentlichen — doch ist dies oftmals aus verschiedenen Gründen mit Nachteilen verbunden.

Nicht zuletzt deshalb kommentieren böse Zungen, dass NPG mit dem CC-By-Aufpreis nun offenbar eine simple Möglichkeit gefunden habe, ihren Gewinn zu erhalten oder gar zu steigern — und dies weiterhin auf Kosten öffentlicher Geldgeber. Zumal dem Verlag ja durch die Erteilung der CC-By-Lizenz kein Cent mehr an Produktionskosten entsteht.

(Noch mehr Details zum Thema liefert Ulrich Herbs Artikel „Geschäftemachen à la Nature bei Telepolis.)

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