Peer Review macht Paper besser

16. Oktober 2012 von Laborjournal

Anekdoten über die Ineffizienz und Willkür des Peer-Review-Systems gibt es massenweise. Dennoch scheint die klassische Begutachtung vor Veröffentlichung die biowissenschaftliche Literatur insgesamt tatsächlich zu verbessern — wenigstens ein bisschen. Zu diesem Ergebnis kommt eine kürzlich veröffentlichte Mammutstudie französischer Ökologen um Vincent Calgagno (Science, Publ. Online 11. Okt. 2012, DOI: 10.1126/science.1227833).

Mit entsprechenden Datenbanken und Software zur Hand „meta-analysierten“ die Autoren insgesamt 80.748 Artikel der Jahre 2006 bis 2008 aus 923 biowissenschaftlichen Zeitschriften, recherchierten deren jeweilige „Submission History“ — und konstruierten aus den Daten ein „Netzwerk der Manuskriptflüsse“.

Neben vielen anderen Einsichten schälte sich schließlich vor allem ein Ergebnis heraus: Manuskripte, die nach ursprünglicher Ablehnung erst im zweiten oder einem noch späteren Anlauf in einem Journal erschienen, sammelten in den drei bis sechs Jahren nach Veröffentlichung im Schnitt deutlich mehr Zitierungen als diejenigen Paper in demselben Journal, die sofort akzeptiert und gedruckt wurden. Zwar sind die Unterschiede nicht gerade spektakulär, aber immerhin. Und sie sind unabhängig davon, ob die Autoren High- oder Low-Impact-Journals ins Visier nahmen.

Natürlich versuchen Calgagno und Co. diesen Befund auch zu erklären. Und zwar folgendermaßen, wie sie in ihrem Paper schreiben:

Several mechanisms could be involved, but perhaps the most likely explanation is that inputs from editors, reviewers and the greater amount of time spent working on resubmissions significantly improve the citation impact of the final product.

Okay, gekauft. Allerdings kommt aber womöglich noch etwas anderes hinzu. Denn die Ergebnisse der Franzosen könnten genauso gut andeuten, dass viele Autoren es zunächst einmal mit einem „schnellen Manuskript“ probieren. Und erst wenn sie damit nicht durchkommen, geben sie sich richtig Mühe.

(Siehe hierzu auch unseren Eintrag “Ich kann mir nicht vorstellen, dass Post-Publication-Peer-Review Veröffentlichungen besser macht” vom 7. September diesen Jahres) 

(Foto: iStockphoto / DNY59)
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