Als Doktorand gescheitert, aber superkompetent!

7. April 2017 von Laborjournal

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Neulich in der Redaktion:…

K: „Du, ich hab‘ gerade erst dein Online-Editorial von vor drei Wochen gelesen. Das über das Scheitern von Doktoranden.“

N: „Ja, und?“

K: „Du weißt schon — das über den Typen, der sich ewig lang die Zähne an einer Proteinreinigung ausgebissen hat.“

N: „Ja, ja — schon klar. Aber was willst du mir sagen? Ist irgendwas falsch?“

K: „Nein, darum geht es nicht. Aber der arme Kerl hat doch nach allen Regeln der Kunst jede verfügbare Methode genutzt, hat sich sogar völlig neue Kniffe ausgedacht, um die Nuss zu knacken.“

N: „Genau, so steht’s in dem Artikel. Nur hat ihm das nix genutzt. Er hat die Nuss nicht geknackt, weil es mit dem gesamten Methodenarsenal zu dieser Zeit einfach nicht ging. War eben auch ein riskantes Projekt.“

K: „…Also hat er eines Tages frustriert die Doktorarbeit hingeschmissen und der Forschung komplett den Rücken gekehrt.“

N: „Ja, war ein echter Fall. Ist wirklich passiert. Und abgesehen davon wahrscheinlich weit öfter als nur einmal.

K: „Sicher. Aber jetzt überleg‘ doch mal weiter. Der Typ muss doch im Laufe dieser Jahre zu einem wahren Experten im Proteinaufreinigen geworden sein. Und damit regelrecht prädestiniert für höhere Aufgaben — für die ganz harten Knacknüsse, für die echt heftigen Projekte! Viele seiner „erfolgreichen“ Doktoranden-Kollegen kochen dagegen irgendwas mit einer 08/15-Methode, mit der auf jeden Fall was rauskommt — et voilà: Gratuliere, akademischer Grad!“

N: „Tja, genau den hat unser Verlierer aber leider nicht.“

K: „Dennoch: Sagen wir mal, ich wäre Chef einer kleinen Biotech-Firma, oder so etwas. Wenn Du mich fragst, wen ich als Mitarbeiter einstellen würde — einen „Stur-nach-einer-Methode-Kocher“ mit Doktortitel oder diesen „gescheiterten“ Pechvogel, der alles Mögliche probiert hat —, meine Antwort wäre ja sowas von klar…“

N: „Hm, da ist sicher was dran. Mal abgesehen davon, dass unser Pechvogel trotz fehlender Resultate echtes wissenschaftliches Arbeiten am Ende viel tiefer erfahren und gelernt haben dürfte als seine Kollegen, die mit einem „Die-Methode-bringt-mich-sicher-um-die-nächste-Ecke“-Projekt allzu glatt durchflutschen.“

K: „Eben… Was hat der gescheiterte Doktorand danach eigentlich gemacht? Weißt du das?“

N: „Der hat es dann noch geschafft, Lehrer zu werden.“

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Die Laborjournal-Redaktion macht Pause!

27. Dezember 2016 von Laborjournal

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Guter Tipp von Forscher Ernst hier links! Denn bis zum 8. Januar 2017 wird hier nix Neues zu lesen erscheinen. Allerhöchstens gibt’s eventuell ein paar spontane Tweets auf @Lab_Journal.

Und in unseren Archiven gibt’s tatsächlich allerhand, was auch heute noch lesenswert ist. Glaubt ihr nicht? Dann stöbert ruhig mal rum auf Laborjournal online — und überzeugt euch selbst!

Ansonsten bis irgendwann im Januar…

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FROHES FORSCHEN !!…

22. Dezember 2016 von Laborjournal

… im neuen Jahr 2017 Jahr wünscht allen Lesern — die Laborjournal-Redaktion!

Auf dass Euch neue Jahr – nach hoffentlich ruhigen und erholsamen Weihnachts- und Neujahrstagen – mehr Erkenntnisse und tiefere Einsichten bringen möge als unseren beiden „Forscherhelden“ das vergangene:

ernstxmas

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Was wollt ihr 2017 lesen?

7. Dezember 2016 von Laborjournal

Bildschirmfoto-2016-12-07-um-14.05.06Ja, tatsächlich! Bevor nach der Weihnachtspause die Phasen von Heftplanung und -produktion wieder Fließband-artigen Charakter annehmen, dürft ihr Leser uns kräftig die Meinung sagen.

Was und worüber wollt ihr also im nächsten Jahr gerne mehr, lieber weniger, überhaupt mal oder um Himmels willen gar nichts mehr in Laborjournal lesen? Weniger Kurzmeldungen vielleicht? Dafür mehr Essays und Kolumnen? Genauso wie Hintergrundberichte und investigative Recherchen?… Und sollen wir die Publikationsanalysen nicht langsam sein lassen?…

Wie sieht’s mit Journal Clubs, Firmenporträts und Methoden-Artikeln aus – lieber mehr oder weniger? Sind Biotech/Pharma und Methoden überhaupt genügend abgedeckt? Kommt Forschungspolitisches ausreichend zur Sprache? Oder braucht’s mehr Anekdotisches und Gossip?… Ach ja, und was meint Ihr zu den Comics?…

Und nochmal anders gefragt:

Welche Themen müssen für das nächste Jahr unbedingt ins Programm? 3D-Bioprinting? Gentechnik-Gesetz? Genome Editing? Open Access und Open Science? Forschungsbetrug und Reproduktionskrise? Tierversuche? Klinische Forschung? Einzelzell-Techniken? Förder- und Karrierestrategien?…

Oder etwas völlig anderes, woran wir hier in der Redaktion noch gar nicht denken?

Also, los geht’s! Kurz nachgedacht — und dann mitgeteilt, was und was ihr nicht wollt. Und wie ihr’s wollt. Entweder gleich hier unten ins Kommentarfenster, oder via E-Mail an redaktion@laborjournal.de.

Vielen Dank schon mal jetzt!

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Charlys Evolutionsmaschine

24. August 2016 von Laborjournal


(Es ist immer wieder spannend, was aus unseren ehemaligen Praktikanten und Mitarbeitern geworden ist. Einer, so haben wir gerade erst erfahren, ist seit einigen Jahren ein ziemlich erfolgreicher und preisgekrönter Romanautor: Matthias Nawrat (siehe etwa hier und hier). In den Jahren 2008 und 2009 schrieb er einige Artikel für
Laborjournal — und im Rückblick muss man wohl festhalten, dass dies seine Karriere offenbar zumindest nicht nennenswert behindert hat. Damals schrieb Nawrat auch ein kleines Stück „Science in Fiction“, das unter dem Titel „Charlys Evolutionsmaschine“ auf Laborjournal online erschien. Ob man da sein besonderes Talent bereits erkennen konnte? Urteilen Sie selbst:)

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Bildschirmfoto 2016-08-24 um 18.09.08harly war eine halbe Stunde zu früh dran. An den Tischen im Foyer saßen Studenten in weißen Kitteln, aßen Brote und kicherten. Aus einem der Praktikumsräume stank es nach faulen Eiern. Charly schlüpfte in die Toilette und setzte sich auf die Kloschüssel. „Ich habe Ihnen von meinen Modellen geschrieben“, flüsterte er. „Ich nenne das die Evolutionsmaschine.“ Er wusste, er musste gleich zum Punkt kommen. Er brauchte Rechner, er brauchte Geld, und das konnte nur ein akademischer Star wie Coltrane beschaffen. Heute war der Tag. Er musste überzeugen.

Charly verließ die Kabine und warf sich zwei Handvoll Wasser ins Gesicht. Dann stieß er die Tür zum Klo auf. Die Studenten blickten auf wie eine Pferdeherde. Schnellen Schrittes nahm er ein Paar Treppenstufen und verließ das Parterre, das Refugium des Hausmeisters, der Werkstätten und der Praktikumräume. In Coltranes Stockwerk geriet sein Mut jedoch ins Wanken. Jim lief auf ihn zu, der Postdoc aus Oregon, der seine Doktorarbeit in derselben Arbeitsgruppe wie Charly gemacht hatte und jetzt bei Coltrane arbeitete. Jim trug eine Styroporbox mit Eppis in der Hand und sein Sunnyboy-Grinsen im Gesicht.

„Charlotte“, sagte Jim. „Was schwitzt du denn so? Ist doch alles ganz easy.“

„Hallo Jim“, sagte Charly und fühlte sich plötzlich sehr klein.

„Mit deinen kurzen Beinen solltest du nicht so viele Treppenstufen auf einmal nehmen.“

„Ok.“

Den Witzen von Jim war am besten mit Erhabenheit zu begegnen. Einmal hatte der Amerikaner eine Fotomontage von der Arbeitsgruppe ins Netz gestellt, Charly hatte darauf ein Mädchenkleid und Zöpfe getragen. Seit damals hatte sich der Spitzname Charlotte eingebürgert und Charly verbrachte seine Pausen seltener in der Küche. Die beste Zeit am Institut war sowieso nachts oder am Wochenende. Da hatte er seine Proben im Schüttler und seine Gele fertig und konnte sich auf das Wesentliche konzentrieren: die Evolutionsmaschine. Drei Jahre lang hatte er seine Nächte dafür geopfert. Jim würde die Evolutionsmaschine nicht einmal im Ansatz verstehen.

„Also dann“, sagte Jim und verschwand in einem der Gänge. Charlys ungutes Gefühl blieb. Viel zu schnell war er an der Glastür von Victor Coltrane angelangt, auf der die monatlich aktualisierte Tabelle von dessen Veröffentlichungen sowie die Liste seiner Preise und Ehrungen hing. Charly bewunderte ein Mal mehr, wie man mit 39 Jahren auf die Zahl von 218 Papers kam. Nach der Begegnung mit Jim wäre er am liebsten noch einmal kurz auf die Toilette gegangen, aber schon rief eine kräftige Stimme „Herein!“. Charly blieb nichts anderes übrig: er trat ein.

Nun ging alles sehr schnell:

„Sie haben WAS entworfen?“, fragte Coltrane nach einer Weile tonlos.

Charly legte die Tabellen und Ausdrucke auf den Tisch.

„Eine Evolutionsmaschine“, wiederholte er.

„Aha“, sagte Coltrane. Er machte eine Geste mit der Hand.

Charly fing an: Ein Gerät scannt das Genom, ein Programm vervielfältigt die Sequenz auf eine Zahl von Hunderttausend fiktiven Individuen und führt zufällige Mutationen ein. Auf der Basis von Datenbanken errechnet das Programm die Proteinstrukturen, die sich aus den Genomen ergeben, aus der Summe der Proteine wiederum die Phänotypen. Die werden danach in einer simulierten Umwelt mitsamt Artgenossen und anderen Lebewesen ausgesetzt. Nur diejenigen Kopien überleben, die sich vermehren können, dann wieder ein neuer Durchlauf, und so weiter und so fort, simulierte Evolution, in die ferne Zukunft hinein, alles im Computer, alles nur fiktiv, allerdings nicht einfach ein Wolkenschloss, denn ein Genom, das nach fünfhundert, tausend, zehntausend Generationen das erfolgreichste ist, kann ja dann wieder aus realen Nukleotiden zusammengesetzt, zurück in die reale Welt gebracht und in eine befruchtete Eizelle eingepflanzt werden. Daraus wächst zum Schluss das evolvierte Lebewesen heran. Ein Lebewesen aus der Zukunft.

„Verstehen Sie“, fragte Charly aufgeregt. „Verstehen Sie?“

Coltrane nickte, sagte aber nichts, schien jetzt nur nachdenklich zu werden.

Charly fuhr fort:

„Die entsprechenden Programme müsste man noch schreiben, aber die Modelle einer realistischen Umwelt habe ich schon entworfen, und die evolutionären Algorithmen sind ja kein Hexenwerk, es ist alles machbar, es wäre eine im Voraus berechnete Evolution, man könnte Tiere und Pflanzen im Hinblick auf den Klimawandel, auf andere zukünftige Probleme hin züchten. Resistenz, Adaptation, Stresstoleranz, man könnte von mir aus auch den Menschen ein bisschen modifizieren.“ Charly lachte. „Wenn man das wollte, nur wenn man das wollte. Vor 150 Jahren hat ein großer Mann die Vergangenheit des Lebens beschrieben, das hier ist die Lösung für die andere Seite des Zeitstrangs. Eine Maschine, die die Zukunft des Lebens in die Gegenwart holt. Fünfhundert Generationen können in einer Woche durchsimuliert werden. Das erfordert etwa siebzehn Terrabyte Rechenleistung, wenn meine Kalkulationen stimmen. Die Universität bräuchte ein größeres Rechenzentrum, ein viel größeres. Wir sind doch Elite, da kann so ein Antrag doch durchgehen, oder nicht? Es wäre der Durchbruch. Es wäre eine Sensation. Es wäre eine Revolution.“

Coltrane nickte, aber er sagte immer noch nichts. Er wirkte jetzt sogar noch nachdenklicher. Er war ziemlich groß, das konnte Charly sehen, obwohl der immer energisch wirkende Brite hinter seinem Schreibtisch saß. Der eher kleine Charly hatte einen Blick für Körpergröße.

„Interessant“, sagte Coltrane nach einer Weile. Danach schwieg er wieder. Vor dem Fenster sah Charly Studenten durch den botanischen Garten stapfen, eine Amsel flötete. Unruhe beschlich ihn. Coltrane durfte auch langsam mal antworten. So etwas wie: Das ist wirklich gute Arbeit. Oder: Das müssen wir sofort publizieren.

Aber Coltrane sprach ganz andere Sätze:

„Das ist unmöglich. Das kriege ich nie durch. Es hört sich nach Science Fiction an. Außerdem: Welche Relevanz hätte das? Ist es irgendwie nützlich für die Medizin? Wer würde sich so etwas kaufen wollen?“

„Keine Ahnung“, sagte Charly und lachte hysterisch auf. „Vielleicht die Regierungen. Die könnten die Bevölkerung mal so richtig durchevolvieren.“

„Durchevolvieren?“

„War nur so ein Gedanke.“

Coltrane schüttelte den Kopf.

„Tut mir leid“, sagte er. „Ich kenne mich mit Anträgen aus. Das hat keine Chance. Sie haben ja nicht mal publizierte Vorarbeiten zu dem Thema.“

„Aber…“

„Sie haben viel Mühe investiert, das sehe ich. Aber ich fürchte, sie war umsonst.“

Charly hatte plötzlich den Eindruck, dass Coltrane noch größer wurde. Oder dass der Raum schrumpfte. Im nächsten Augenblick fühlte er sich, als stünde er auf einer Drehscheibe, die in Bewegung geriet. Es war einer seiner Zustände. Das ist normal, sagte er sich. Das passiert manchmal einfach so. Schließlich war Coltrane aufgestanden und trat auf ihn zu, was in Charlys Körperkoordinatensystem noch einmal alles durcheinander brachte. Er roch die seltsamsten Gerüche. Von draußen drangen wilde Blumen ein, im Raum musste irgendwo ein Apfel faulen.

„Ich habe jetzt leider einen Vortrag“, sagte Coltrane und schob Charly zur Tür. „Ich muss leider los.“

„Oh“, hörte Charly sich wie aus einer Tropfsteinhöhle heraus sagen. Außerdem war ihm jetzt heiß.

„Danke, dass Sie hier waren“, sagte Coltrane.

„Nein, nein“, hallte es in Charlys Schädel. „Danke für Ihre Zeit.“

Charly stand wieder auf dem Gang. Allein. Alles normalisierte sich langsam. Kühlschränke brummten. Es war vorbei. Nur eine Autorität wie Coltrane hätte das durchboxen können. Drei Jahre Arbeit für den Müll. Er hatte seine Unterlagen auf Coltranes Schreibtisch liegen lassen. „Soll der sie doch wegschmeißen!“, dachte Charly. Als er sich in Bewegung setzte, erschien ihm der Gang mit den Kühltruhen und Postern merkwürdig frisch und neu.

Fast genau zwei Jahre später berichtete die Zeitung von einer revolutionären Maschine. Charly las, diese Maschine könne ein Lebewesen so züchten, wie es in hunderttausend Jahren sein würde. Die Idee hatte ein Privatinvestor aus den USA entwickelt, zusammen mit einem ehemaligen Professor für Biologie. Dieser war kurz zuvor wegen Vorwürfen des wissenschaftlichen Datendiebstahls von seiner Uni gefeuert worden. Mit dem Prototypen würden sich sogar zukünftige Menschen züchten lassen. Allerdings nur in Saudi-Arabien. Dort gab es weniger ethischen Richtlinien für Forschung. Charly ärgerte sich, dass er von seiner ganz ähnlichen Erfindung nie jemandem erzählt hatte. Jetzt gab es keine Zeugen. Eine Woche später berichtete die Zeitung vom Tod des ehemaligen Professors. Ein kreationistischer Selbstmordattentäters hatte sich gemeinsam mit ihm in die Luft gesprengt. Im Bekennerschreiben stand: Wenigstens die Zukunft der Arten gehört Gott!

Matthias Nawrat

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Der Laborjournal-Blog macht Urlaub…

29. Juli 2015 von Laborjournal

… bis Mitte August Anfang September !!

(Forscher Ernst wird gezeichnet von Rafael Florés)

So sehen „Helden“ aus

8. Juni 2015 von Laborjournal

Wie bereits auf unserer Twitterseite gemeldet, erhielt unser Autor Axel Brennicke (Foto, Mitte) für seine regelmäßige Laborjournal-Kolumne „Ansichten eines Profs“ den „Science Hero Preis 2015“ der Konferenz Biologischer Fachbereiche (KBF). Die Preisverleihung nutzte die KBF jedoch nicht nur zur „Heldenverehrung“ — sondern nahm sie zugleich zum Anlass, um auch ihrerseits „einige Visionen zu formulieren, wie die Forschungs- und Hochschullandschaft der Zukunft aussehen könnte“. In ihrer Presseaussendung schreibt sie:

Die Konferenz Biologischer Fachbereiche ehrt Herrn Dr. Axel Brennicke, Professor für Molekulare Botanik der Universität Ulm, mit dem Science Hero Preis 2015. Die Vergabe des Science Hero Preises erfolgt an Personen oder Organisationen in der biowissenschaftlichen Forschung und Lehre, die bürokratische Ausuferungen oder politische Absurditäten mit Humor bekämpft, standhaft ertragen, oder effizient vermieden haben. Idealerweise haben die Preisträger dabei mehr Zeit und Ressourcen für gute Lehre und kreative Forschung verfügbar gemacht. Axel Brennicke ist für sein unermüdliches Engagement deutschlandweit bekannt und somit ein würdiger Preisträger 2015. Mit spitzer Feder hat er am Beispiel seiner Heimatuniversität die Absurditäten des deutschen Hochschulalltags im Laborjournal regelmäßig dargestellt. […]

Die Konferenz Biologischer Fachbereiche nimmt die Preisverleihung zum Anlass, um einige Visionen zu formulieren, wie die Forschungs- und Hochschullandschaft der Zukunft aussehen könnte.

Vision 1: Jeder Hochschulangehörige kann sich den eigenen Neigungen und Fähigkeiten in Wissenschaft und Lehre widmen. Verwaltung und Qualitätsmanagement werden als Serviceleistung für die Fakultäten verstanden. Die Lehre ist ausreichend finanziert und nicht auf Quersubventionierung oder Selbstausbeutung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern angewiesen.

Vision 2: Die Grundlagenforschung genießt in der Öffentlichkeit eine hohe Wertschätzung. Antragstellung und Abwicklung von Projekten für Forschung und Lehre werden professionell unterstützt. Die Projektvergabe erfolgt transparent und zeitnah. Drittmittel werden nach Maßgabe der Antragsteller eingesetzt, auch hinsichtlich der Stellenvergabe. Projektträger und Hochschulleitungen haben sich von ihrem Rollenbild als Kontrollinstanzen verabschiedet und sehen ihre Kernfunktion als Unterstützer von Wissenschaft und Lehre.

Vision 3: Halbherzige Bildungsreformen, widersinnige Befristungsregeln und chronische Unterfinanzierung sind überwunden. Es gibt ein verlässliches und stabiles Hochschulrahmengesetz. Das Wissenschaftszeitvertragsgesetz ist grundlegend reformiert und in einen Wissenschaftstarifrahmen eingebunden. Besoldungsregeln sind transparent und orientieren sich nach einem vergleichbaren Schema. Karrierepläne für den wissenschaftlichen Nachwuchs sind Bestandteil eines verbindlichen und ausfinanzierten Personal-Entwicklungskonzepts.

Vision 4: Der Wildwuchs an Studiengangsbezeichnungen ist durch systematische Kategorisierung der angebotenen Curricula nach Fach-Inhalten und Harmonisierung der grundständigen Studiengänge eingedämmt. Studierende haben viele Wahlmöglichkeiten, wissen und verstehen, was sie im Studium erwartet und können leicht zwischen Studienorten wechseln. Das Studium bringt Fachkompetenz, fördert die Persönlichkeitsentwicklung und bewirkt hohe berufliche Erfolgschancen.

Vision 5: Der Regularien-Dschungel ist durch ein vereinheitlichtes Gesetzbuch gelichtet. Biologische Materialien werden nach ihrem Gefährdungspotential beurteilt – unabhängig von der Art ihrer Erzeugung. Der verantwortungsvolle Umgang mit biologischen Einheiten ist auch für neue Technologien geregelt und sichergestellt.

Kurz vor der Preisverleihung schrieb uns Axel Brennicke noch:

Den hole ich dann stellvertretend für die ganze Redaktion ab. Mal sehen, was es für uns Helden gibt…

Es gab diese, von dem Hallenser Künstler Bernd Göbel entworfene „Helden“-Skulptur:

(Sämtliche „Ansichten eines Profs“ seit 2004 gibt es übrigens hier auf Laborjournal online.)

(Fotos: Jutta Ludwig-Müller)

Komische Kommentarauswahl bei PubPeer

30. April 2015 von Laborjournal

Nicht nur unser Autor Leonid Schneider macht gerade so seine Erfahrungen mit der Paper-Diskussionsplattform PubPeer (siehe hier und hier). Meine eigenen letzten Erlebnisse dort fand ich allerdings gar nicht prickelnd. Und das kam so:

In den letzten Wochen postete ich insgesamt drei Kommentare als „Unregistered Submission“ auf PubPeer. (Als „Peer“ kann ich mich dort nicht anmelden, da hierfür eine Instituts-Emailadresse verlangt wird, die ich als Laborjournalist nun mal nicht habe.) Laut eigener Aussage prüfen die PubPeer-Betreiber zunächst alle Beiträge, die als „Unregistered Submission“ hereinkommen — und versprechen deren baldige Publikation, sofern sie keine persönlichen Beleidigungen enthalten.

Von meinen drei eingereichten Kommentaren erschien genau einer — und dies sehr schnell. Die anderen beiden erschienen bis heute nicht. Jetzt ist ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass es ausgerechnet der „negative“ Beitrag war, den PubPeer publizierte. In diesem hatte ich mögliche Duplikationen von Gelbanden, die zudem noch durch Spiegeln, Zerren und Stauchen der Banden-Bilder getarnt wurden, zur Diskussion gestellt. (Wer es genauer wissen will, siehe hier. Leider hat dann niemand weiter mitdiskutiert, obwohl es sich für mich um einen klaren Fall von Manipulation handelt.)

Die anderen beiden Kommentare waren dagegen „positive“ Beiträge, in denen ich Argumente vorstellte, warum gewisse, von anderen der Manipulation verdächtigten Abbildungen meiner Meinung nach falschen Alarm darstellten. Diesen Beitrag weiterlesen »

Was können wir besser machen im nächsten Jahr?

1. Dezember 2014 von Laborjournal

Die Laborjournal-Redaktion zieht sich ab heute einige Tage zur Klausur zurück, um das alte Jahr zu bilanzieren — vor allem aber, um das neue zu planen.

Von daher auch die Fragen an unsere Leser:

  • Worüber sollen wir im nächsten Jahr unbedingt schreiben?
  • Welchen Unsitten / Skandalen / Fehlentwicklungen nachgehen?
  • Welche alten Serien / Rubriken / Kolumnen sollten wir lieber mal aussetzen?
  • Welche Serien / Rubriken / Kolumnen sollten dagegen auf keinen Fall aufhören?
  • Was sollten wir online bzw. „Souschel-Miiidia-mäßig“ aufgreifen / sein lassen / verbessern?
  • Was stört schon lange, kommt aber immer weiter und weiter?
  • Welche wichtigen Themen haben wir bislang total ignoriert bzw. vergessen?

Also überhaupt: Was stört, was fehlt, was gefällt — und worauf sind wir selbst bisher noch nicht gekommen?

Schreibt uns Eure Vorschläge, Kritik, Ideen, Anregungen (unten per Kommentar oder E-Mail an redaktion@laborjournal.de) — damit Laborjournal noch stärker als bisher zum „Magazin von Forschern für Forscher“ wird.

BIOTECHNICA 2013 (1): Schwindsucht?

8. Oktober 2013 von Laborjournal

Die BIOTECHNICA 2013 ist gestartet — und das Laborjournal/Lab Times-Team ist die nächsten drei Tage mittendrin, statt nur dabei.

Rückblende: Als unser Chefredakteur Anfang des Jahrtausends seine erste BIOTECHNICA besuchte, füllten die Aussteller aus der Biotech- und Life Science-Laborausstatterszene dicht an dicht zwei komplette Hallen auf dem Hannoveraner Messegelände.

Heute: Zwischen den Ausstellern in Halle 9 ist viel Luft — breite Gänge, immer wieder großzügige Sitzecken dazwischen,… Würde man die Stände gewohnt eng zusammenpferchen, wäre die Halle wohl nur zu zwei Dritteln voll.

Dünn geworden, das diesjährige BIOTECHNICA-Ausstellerverzeichnis

Rückblende: Vor 12 Jahren hatte das Ausstellerverzeichnis noch die Dicke des letzten Harry Potter-Bandes.

Heute: Als unser Chefredakteur das aktuelle Ausstellerverzeichnis abholt, drückt ihm die Dame von der Messeaufsicht ein dünnes Heftchen in die Hand. „Äh, das ist alles?“, fragt unser Chief Ed. „Wir sind nur die BIOTECHNICA“, antwortet die Dame fast schon entrüstet. Worauf die zwei Herren nebendran herzlich auflachen und ihr erklären, dass es vor zehn Jahren nicht einfach „nur“ die BIOTECHNICA war.

Nicht wirklich gute Zeichen, wie es scheint. Bereits jetzt wird in den Gängen gemunkelt, dass die Messegesellschaft hier sicher ein dickes Minus macht. Und viele fragen sich ernsthaft, ob es eine nächste BIOTECHNICA überhaupt noch geben wird.

 

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