Analytica (7) Abschied

13. April 2018 von Laborjournal

Nur noch ein kleiner Science-Slam – sponsored by Laborjournal – dann packen wir alles in unser Raumschiff von Enterprise und ab nach Hause.  

Analytica (6) Seltsame Zeitgenossen

13. April 2018 von Laborjournal

Analytica (5) Autoball

12. April 2018 von Laborjournal

Aaaauuusss, aaaauuussss, das Spiel ist aaauuuusss!!! Nach 90 Sekunden enden die heißen Duelle in der Laborjournal-Arena. Besonders junge Besucher lieben Autoball. Und natürlich unsere T-Shirts. Und unsere Turnbeutel. Und unsere Schweizer Schokolade. Einfach alles, was sie von unserem Stand mitnehmen können. Genau genommen lieben sie das Mitnehmen von Wasauchimmer.

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Aber Autoball ist der zentrale Lockvogel. Immer wieder bilden sich Trauben von spielhungrigen Besuchern.

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Deshalb sind wir bald leer. Alles weggegeben. Und morgen ist Schülertag. Und Schüler nehmen besonders gerne alles Mögliche mit. Da werden sie morgen unbeschenkt und mit hungrigem Blick an unserem Stand vorbeiziehen. Jo.

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Die Letzten ihrer Art.

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Analytica (3) – Seltsame Lebewesen

11. April 2018 von Laborjournal

Vielleicht liegt’s an den Hotelwürstchen. Die sind neben Bakterien und Autos die dominante Daseinsform auf unserem Planeten. Kann jedenfalls sein, dass der unausweichliche Verzehr dieser notorischen Hotel-Krummlinge unseren Blick auf die Realität getrübt hat. Das begann heute Morgen schon beim Versuch die Messehallen zu erreichen. Ein Kampfgeschwader schlipsbewaffneter Ostasiaten bildete einen schwer durchdringbaren Schutzschild vor der Einlassbasis. Nur die gekonnten Ausweichmanöver unseres erfahrenen Messeteams und eine Finte unseres Anführers ermöglichte ein rechtzeitiges Öffnen des Messestandes.

Doch damit nicht genug. Kaum gelandet, tauchen aus den Gängen der Messe seltsame Fabelwesen auf. Riesige Frösche, laufende Reaktionsgefäße, grinsende Zellkulturflaschen, ein U-Boot. Und Holger Badstuber. Glauben Sie nicht? Hier der Beweis:

 

 

Laborjournal auf der Analytica (2)

10. April 2018 von Laborjournal

Tag 1 – Dienstag

Morgens noch getrübter Messe-Blick durch ungeputzte Hotelfenster.

 

 

 

 

 

 

 

 

Dann: Ran an den Stand

 

Die ersten Besucher. Der erste Test für das selbstgebastelte Autoball-Spiel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Test bestanden. Spaßfaktor laut Mitspielern 9,5 von 10 Punkten.
Willkommen in der Laborjournal-Arena

Laborjournal auf der Analytica (1)

10. April 2018 von Laborjournal

Montag. Früh. Freiburg.

Nie klappt alles. Wir haben es längst aufgegeben, daran zu glauben. Meistens beginnt es beim Autovermieter. So auch gestern. Bestellt war ein kleiner Transporter. Leicht zerknirscht gesteht der Herr hinter dem Tresen, dass er heute leider keinen Transporter habe. „Dafür bekommen Sie einen 9-Sitzer. Da bauen wir einfach die Sitze aus, dann ist das auch ein Transporter.“ Eine halbe Stunde später sind die Sitze immer noch drin. Der Angestellte setzt sein Bitte-schlag-mich-nicht-Lächeln auf: „Ich kriege die Sitze nicht raus, sorry.“ In der Not frisst der Teufel Fliegen — und dann stapelt er fette Kartons mit T-Shirts, Papiertüten, Geschirr, und den ganzen anderen Kram auf die Polster eines 9-Sitzers. Die Analytica wartet nicht auf uns. Um 18:00 muss der Messestand vollständig sein.

Immer noch Montag. München.

Unsere Zeitschriften?… Nein?… Schade!

Kurz vor vier entwirren wir das Chaos im 9-Sitzer. Die Standbauer haben fast alles schon aufgebaut. Aber das Wichtigste fehlt: Labor­jour­nal. Tausend Stück sollten am Stand stehen. Stehen sie aber nicht.

Zehn hektische Telefonate später ist klar: Die Zeit­schrif­ten sind auf dem Messe­ge­lände. Immerhin sind sie in München angekommen. Aber sie wurden beim Fach­zeitschriften-Stand ein­ge­la­gert. Weitere zehn — nicht mehr ganz so hekti­sche — Telefonate später schiebt eine freundlich lächelnde Messeangestellte 1000 Zeitschriften an den Stand. Alles noch mal gut gegangen. Wir haben ja noch 10 Minuten Zeit, alles einzuräumen. Und zum Staubsaugen reicht’s auch noch.

Analytica – was ist das und warum?

10. April 2018 von Laborjournal

Falls Sie es noch nicht gewusst haben: Die Hersteller und Lieferanten Ihres Laborbedarfs und Ihrer Laborchemikalien treffen sich alle zwei Jahre in München, zur Analytica, der größten Life-Science-Messe in Europa. Da füllen sie etwa zwei Hallen mit ihren Ständen. Sie treffen dort auf sogenannte Fachbesucher. Das sind meist TAs aus dem Bayrischen, aber auch ein paar Laborleiter hat man schon gesichtet. Auch Studenten und Doktoranden. Und natürlich Jungunternehmer und Start-up-Gründer. Viele aus dem Ausland. Was wollen die alle da?

Kommt drauf an.

Die Firmen wollen Produkte verkaufen. Schließlich hat eine Messe an dieser Stelle nichts mit Religion zu tun, sondern mit Geschäft. Der bessere Begriff wäre eigentlich Markt. Aber wenn man sagt, dass man zum Markt geht, denkt jeder gleich an Blumenkohl und Lauch.

Start-ups und Jungunternehmer suchen Kooperationen und/oder Vertriebspartner.

TAs sollen sich über neue Produkte fürs Labor informieren.

Studenten und Akademiker suchen Jobs. Je nach Konjunktur suchen die Firmen auch tatsächlich Mitarbeiter.

Es ist also ein wirklich bunter Markt. Und die Aufgabe eines jeden Beteiligten ist es, zu seinem Anliegen einen Ansprechpartner zu finden. Die Firma seine Kunden, der Student seinen Job, die TA den neuen Thermocycler und der Laborleiter sein neues Mikroskop.

Konkurrenz? Oh ja, sehr gerne!

26. Februar 2018 von Laborjournal

Oft klagen sie ja, die armen Forscher, dass das überhitzte System sie in einen gnadenlosen Wettbewerb miteinander zwinge. Gäbe es nicht diese elende Gemengelage aus Kurzzeitverträgen, Publikationsdruck und Job-Engpässen, dann… — ja, dann wären sie durchweg die allerbesten Freunde. Keiner würde dem anderen etwas neiden oder gar Böses wollen. Nein, sie würden fröhlich ihre Ergebnisse und Ideen austauschen, möglichst oft miteinander kooperieren — und sich ein Loch in den Bauch freuen, wenn drüben in Japan der Kollege Hamaguchi endlich das Problem gelöst hat, an dem man schon lange selber dran war. Schließlich ist der Fortschritt der Wissenschaft das Einzige, was zählt — wer konkret sie weiterbringt, spielt da überhaupt keine Rolle.

Klingt zu schön, um jemals Wirklichkeit zu werden? Hmm… — man müsste dazu doch „nur“ ein paar festgezogene Stellschrauben des Systems wieder locker drehen, oder?

Aber ob das alleine reichen würde? Beispielsweise würde so gar nicht dazu passen, was neulich ein Forscher uns gegenüber am Telefon proklamierte: „Wissen Sie, ich bin ein überzeugter Anhänger des olympischen Gedankens!“ Damit meinte er natürlich nicht „Dabeisein ist alles!“ Nein, „Citius, altius, fortius“ — „Schneller, höher, stärker“ — gab Pierre de Coubertin seinerzeit als Motto der Olympischen Bewegung aus. Und genau so wollte der Anrufer seinen Satz auch verstanden haben: Knallharter Wettbewerb mit klaren Siegern und Verlierern.

Den Laborjournal-Redakteur erinnerte das umgehend an einen Vortrag, den er vor Jahren von Marshall Nirenberg, einem der Entzifferer des genetischen Codes, hörte. Darin erzählte er, dass er damals in den frühen 1960ern, als er gerade mit den ersten Experimenten begonnen hatte, plötzlich erfuhr, dass Nobelpreisträger Severo Ochoa sich ebenfalls daran machen wollte, den Triplett-Code zu entschlüsseln. Nirenberg beschloss daraufhin, Ochoa eine Zusammenarbeit vorzuschlagen und besuchte ihn in seinem Labor in New York. Ochoa nahm sich einen ganzen Tag lang Zeit, zeigte dem jungen Nirenberg sein Labor, stellte ihm seine Mitarbeiter vor und diskutierte Forschungsthemen mit ihm.

Die Kooperation kam letztlich nicht zustande. Warum genau, erzählte Nirenberg nicht. Stattdessen schloss er die Anekdote folgendermaßen ab:

An diesem Tag wurde mir klar, dass ich einen mächtigen Konkurrenten haben würde. Doch im gleichen Moment registrierte ich zu meiner eigenen Überraschung, dass mir diese Art Wettbewerb wirklich gefallen würde. Und so war es dann auch.

Es scheint also beileibe nicht nur das System zu sein, das die Forscher in den Wettstreit miteinander treibt.

Dogma bleibt Dogma

29. Januar 2018 von Laborjournal

Arrgh, auch bei Forbes haben sie das Zentrale Dogma der Molekularbiologie von Francis Crick nicht verstanden — wie so viele andere zuvor. Im Artikel „The Cult Of DNA-centricity“ heißt es:

Francis Crick hat nie von „Machen“ geredet. Oder von „Kopieren“, „Produzieren“ und „Regulieren“ — wie im Schaubild. Dann wäre das Dogma von Anfang an unvollständig gewesen, da DNA sich schließlich auch selbst kopiert — wie auch die RNA einiger RNA-Viren. Und spätestens mit der Entdeckung der RNA-nach-DNA-kopierenden Reversen Transkriptase wäre es komplett in sich zusammengefallen.

Interessanterweise wird dennoch bis heute immer wieder versucht, Cricks Zentrales Dogma auf diese Weise zu Grabe zu tragen. Womit man ihm allerdings jedes Mal Unrecht tut. Denn bei der ersten schriftlichen Erwähnung 1958 sprach Crick lediglich von Informationsfluss:

… once (sequential) ‚information‘ has passed into protein it cannot get out again.

1970 präzisierte er die Grundaussage, nicht zuletzt angesichts der Entdeckung der Reversen Transkriptase, noch einmal folgendermaßen:

The central dogma of molecular biology deals with the detailed residue-by-residue transfer of sequential information. It states that such information cannot be transferred from protein to either protein or nucleic acid.

Und er garnierte dies mit folgender Abbildung:

 

Mal ehrlich: Als Zentrales Dogma kann das doch grundsätzlich auch heute — 60 Jahre später — noch stehen bleiben.

Warum aber verstehen es bis heute so viele falsch? Crick kam ausgerechnet sein alter Partner und Mit-Entdecker der DNA-Struktur in die Quere: James Watson. 1965 vereinfachte er in der Erstausgabe seines populären Lehrbuchs Molecular Biology of the Gene Cricks Dogma zu „DNA → RNA → Protein“. Dummerweise wurden die Pfeile von da ab mehrheitlich als „Makes“ interpretiert, statt im Sinne von „Informationsfluss“. Das Missverständnis war damit perfekt — und verbreitet sich bis zum heutigen Tage weiter unter Studenten, interessierten Laien und sogar einigen Forschern…

… Siehe etwa David Grainger, Autor des erwähnten Forbes-Artikels. Der war lange Gruppenleiter am Department of Medicine der Cambridge University, veröffentlichte über 80 Originalartikel und ist seit ein paar Jahren in der Life Science-Industrie aktiv…

(Mehr zur Geschichte des Zentralen Dogmas gibt’s übrigens in dem ziemlich frischen  Jubiläumsartikel „60 years ago, Francis Crick changed the logic of biology“, PLoS Biol 15(9): e2003243.)

„Ich nehme nur Doktoranden, die eine akademische Karriere planen“

5. Dezember 2017 von Laborjournal

Eine ganz bestimmte Äußerung eines gar nicht mal so unbekannten Profs veranlasste mich kürzlich, innezuhalten und folgender Frage nachzugehen: Was machen heute eigentlich all die Kollegen aus den alten Doktorandentagen von vor über zwanzig Jahren?

Tja, akademische Karriere haben nur eine Handvoll gemacht. Die eine oder der andere sitzen auf Lehrstühlen, drei sind fest an Unis im Ausland angestellt — und unser alter Plastiden-Spezialist ist inzwischen sogar Max-Planck-Direktor.

Allerdings — das sind nicht mal zehn Prozent der stolzen Truppe, die in diesen fernen Jahren unser Institut bevölkerte. Und der große Rest?

Gar nicht mal wenige trifft man regelmäßig auf Laborausrüster- und Biotech-Messen wieder — als Abteilungsleiter und Marketingchefs bei Sigma Aldrich, Thermo Fisher und Co., als Gründer eigener kleiner Firmen oder auch etwa als Biotech-Beauftragte einzelner Landesregierungen.

Ein anderer kam nach seinem Postdoc an unser Institut zurück — und wurde dort Verwaltungschef.

Eine weitere Handvoll ging ins wissenschaftliche Publikationswesen — wobei es diese eine Drosophila-Doktorandin sogar ins Editorial Office von Cell schaffte.

Wieder andere stiegen unmittelbar nach der Promotion komplett aus — übernahmen beispielsweise eben doch die Firma des Vaters.

Na ja, und drei wurden eben Verleger und Chefredakteur einer selbstgegründeten Laborzeitschrift.

Ob alle dies jeweils genau so wollten, darf in gar nicht mal so wenigen Fällen bezweifelt werden. Vielmehr gab es schon damals viel zu wenig Platz in der akademisch-wissenschaftlichen Welt, als dass alle Frischpromovierten hier ihren Weg hatten gehen können.

Wenn man entsprechenden Berichten glauben darf, ist das heute allerdings noch schlimmer — und der „Überschuss“ an Doktoren noch viel größer. Weswegen inzwischen umso mehr Studenten ihre Promotion verständlicherweise mit dem klaren Ziel beginnen, danach mit dem Titel in der Tasche außer-akademisch Karriere zu machen. Was ja eigentlich auch immer schon okay war…

Irgendwie kann man es vor diesem Hintergrund nur als zynisch werten, dass der eingangs erwähnte Professor laut eigener Aussage Kandidaten mit ebensolcher „nicht-akademischen“ Karriereplanung explizit als Doktoranden ablehnt — und dies damit begründet, dass er niemanden ausbilden würde, von dem er hinterher nicht selbst in potentiellen akademischen Forschungskooperationen profitieren könnte.

Ralf Neumann

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