Spitzenmediziner schaffen ein Paper pro Woche !?

21. Juli 2017 von Laborjournal

Wieder einmal hat jemand die Veröffentlichungsfrequenz von gewissen „Superstars“ der medizinischen Forschung geprüft. Die Autoren heißen Martin Schmidt, Benedikt Fecher und Christian Kobsda — und ihre Ergebnisse veröffentlichen sie unter anderem in ihrem Blog „Elephant In The Lab“. In dem Beitrag „Doctor coauthor“ etwa schreiben sie:

The 20 highest performing authors in Medicine published more than 7700 articles in seven years.

Genauer gesagt, sind es 7.741 Artikel, die die zwanzig „Über-Autoren“ in den sieben Jahren veröffentlicht haben. Und dies wiederum heißt, dass jeder einzelne von ihnen im Schnitt sieben Jahre lang alle 6,6 Tage ein Paper gezeichnet hat — jedenfalls wenn man unberücksichtigt lässt, dass womöglich zwei oder mehr von ihnen bisweilen auf ein und demselben Paper auftauchen.

Wie auch immer: Uns erinnerte das Ganze sofort daran, dass wir für die medizinischen Fächer solche Rechnungen ja schon mehrmals selber durchgeführt haben. Zuletzt hatten wir das Thema hier im Blog 2014 unter dem Titel „Jede Woche ein Paper — Geht das?“ zusammengefasst. Und wie der Titel schon sagt, kamen wir seit 2002 punktuell immer wieder zu ähnlichen „Spitzenwerten“ wie jetzt Schmidt, Fecher und Kobsda.

Damals schlossen wir den Beitrag mit folgender Frage ans Publikum:

Wer kann uns erklären, wie es jemand schafft, unter Einhaltung aller Kriterien für eine saubere Autorenschaft etwa jede Woche ein frisches Forschungs-Paper zu zeichnen? Oder umgekehrt: Wer kann uns erklären, warum das wahrscheinlich beim besten Willen nicht möglich sein kann?

Geantwortet hat damals leider keiner. Also stellen wir die Frage hiermit nochmals neu…

Ralf Neumann

Vom Goldkind zum Gelackmeierten (2)

23. Mai 2017 von Laborjournal

Dass Doktoranden und Masterstudenten während ihrer Laborarbeit in ihren Arbeitsgruppen nicht immer fair behandelt werden, ist ein offenes Geheimnis. Entsprechend porträtierten wir in unserer aktuellen Heftausgabe 5/2017 unter dem Titel „Vom Goldkind zum Gelackmeierten“ die vier exemplarischen Fälle von Carsten, Juliane, Katrin und Florian [Namen geändert]. Die Moral aus den vier „Geschichten“ fasste unsere Autorin Juliet Merz in dem Artikel folgendermaßen zusammen:

Publikationen als Lockmittel und lapidare Verteilung von Autorenschaften: Was Carsten, Juliane, Katrin und Florian erlebt haben, ist nicht die Regel – aber auch keine Seltenheit. Carstens Idee wurde geklaut, Julianes Mitarbeit vertuscht und von Florian dreist abgeschrieben. Dahingegen musste sich Katrin die Lorbeeren mit einer anderen Doktorandin teilen, obwohl eigentlich nur sie die Arbeit erledigt hat. Wenn es um Autorschaften auf Papern in deutschen Laboren geht, wird die Gemeinschaftlichkeit gerne mal ad acta gelegt. Der Druck ist groß: Jeder möchte so viel publizieren wie möglich, um die wissenschaftliche Karriereleiter weiter nach oben zu klettern oder schlicht am Ball zu bleiben.

Wahrlich schreiben nicht alle Labore solche Geschichten. Im Zuge unserer Recherche stießen wir vielmehr immer wieder auf die Aussage: „Zu Autorenstreitigkeiten kann ich Ihnen nichts erzählen, da lief bei mir immer alles gut.“ Gut, dass es folglich doch noch viele ehrliche und rücksichtsvolle Arbeitsgruppen mit gerechten und aufmerksamen Professoren gibt. Dummerweise stehen heutzutage jedoch gerade Doktoranden, Postdocs und auch jüngere Professoren unter höllischem Zugzwang, viel und gut zu publizieren. Dass jeder auf Biegen und Brechen versucht, hierbei nicht auf der Strecke zu bleiben, ist geradezu nachvollziehbar. Eine Kultur des „Jeder ist sich selbst der Nächste“ kann dabei offenbar nicht immer vermieden werden.   

Umgehend bekamen wir zwei Rückmeldungen zu dem Artikel, in denen die Verfasserinnen uns ihre eigene, zum Thema passende Geschichte mitteilten. Diesen Beitrag weiterlesen »

Eingepferchte Forscher

3. Mai 2017 von Laborjournal

Beim Stöbern in unseren alten Ausgaben gerade dieses Zitat vom ehemaligen Direktor des Forschungszentrums Jülich, Georg Büldt, gefunden (LJ 11/2004: 26):

Politiker und andere Forschungsorganisatoren machen häufig keinen Unterschied zwischen einem Beruf in der Forschung und einer Verwaltungstätigkeit. Erfolgreiche, kreative Forschung ist, ähnlich dem Beruf eines Künstlers, sehr stark abhängig von den individuellen Möglichkeiten im Herangehen an eine Aufgabe. Bei van Gogh oder Picasso würde niemand auf die Idee kommen, vorschreiben zu wollen, dass sie um 8.00 Uhr morgens mit ihrer Arbeit beginnen müssen und um 17.00 Uhr wird das Atelier geschlossen. Niemand wird glauben, dass sich Watson und Crick in ihren Spekulationen über die DNA-Struktur an irgendeine Arbeitszeit von acht Stunden gehalten haben. In unserem Land wird das Forscherleben in einen Tarif gepfercht, der unter anderem festlegt, wie viele Stunden man arbeiten darf, wie lange man auf einer unbefristeten Stelle forschen darf, und so weiter. Wissen diese Bürokraten eigentlich, dass ein gutes Institut ein Zuhause für einen Forscher ist, in dem man seiner Individualität Rechnung tragen können sollte? Manche arbeiten acht Stunden hintereinander, andere mit großen Unterbrechungen. Von früh morgens bis spät in der Nacht sollte sich hier das Forscherleben austoben dürfen. Diese Verhältnisse findet man häufig in Instituten mit hohem Ausländeranteil, da für ausländische Postdocs das Institut der Ausgangspunkt für Freundschaften und Vertrautheit in der neuen Umgebung ist. Die Kreativität solcher Institute ist meist sehr viel höher als in reglementierten Arbeitsgruppen. Das heutige Arbeitsrecht verbietet jedoch eine solche Arbeitszeitregelung.

Hat sich nicht wirklich was geändert, oder?

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Beim Science March Freiburg…

24. April 2017 von Laborjournal

Laborjournal marschierte mit beim Science March vorgestern in Freiburg. Unser Kommentar zu den Wissenschafts-Märschen steht frisch drüben auf Laborjournal online — Titel „Die Science Marches waren wichtig!“. Ein paar mehr Fotos aus Freiburg gibt’s jetzt hier:

Hier kommen noch weitere Fotos…

Sünden des Hochschulbaus

20. April 2017 von Laborjournal

Bausünden begegnet man offenbar nicht nur beim Bau gewisser Flughäfen, Bahnhöfe oder Philharmonien — auch die „Funktionsbauten“ unserer Universitäten scheinen nicht immer immun dagegen. Ein Leser schrieb uns jedenfalls folgendes zum 2012 fertiggestellten Zentrum für Molekulare Biowissenschaften (ZMB) der Uni Kiel:

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Im Jahr 2004 wurde ein Funktionsbau mit reichlich Laborfläche und wenig Bürofläche angestrebt — geplante Fertigstellung: 2009. Tatsächlich fertiggestellt wurde das ZMB 2012.

Aus den anfänglich bescheidenen Planungen des reinen Funktionsbaus im Kostenumfang von weniger als 12 Mio. Eurowurde schließlich ein Repräsentationsbau mit Empfangsdame und mattgoldener Fassadenbeschichtung — mit einem Kostenumfang von mehr als 24 Mio. Euro (siehe hier, hier und hier).

Schöner Bau mit schlechtem Klima: die „Amöbe“ der Uni Kiel.

Mit seinem dreilappig geschwungenen, „pseudopodien-förmigen“ Grundriss führte der Bau seit Beginn der Planungen den Spitznamen „Amöbe“. Im Architektenjargon ist ein Gebäude, das stilistisch nicht dem umgebenden Gebäudeensemble entspricht ein „Parasit“. Insofern trägt die „Amöbe“ ihren Namen zurecht, denn auch unter den Wechseltierchen finden sich viele Parasiten.

Die „Amöbe“ steht nun in einem weitläufigen Ensemble profaner Siebzigerjahrebetonkästen, die von außen so gekachelt sind, wie Menschen mit Defiziten in gutem Geschmack ihr Klo von innen fliesen. So gesehen hat die „Amöbe“ tatsächlich mit ihrem äußeren Erscheinungsbild ein Alleinstellungsmerkmal, das zusammen mit der weiß-gekachelten Umgebung bereits in der jüngsten deutschen Belletristik seinen detailgetreuen Niederschlag gefunden hat.

Die Funktion des Funktionsbaus ist allerdings etwas eingeschränkt, denn mit dem repräsentativ geschwungenen Äußeren lassen sich im Inneren einige Flächen aufgrund spitzwinklig zulaufender Wände gar nicht nutzen. Diese Ecken wurden daher kurzerhand mit Gipskartonplatten verschlossen. Mit anderen Worten, es gibt in diesem Gebäude staatlich finanzierten, umbauten Raum, der zugunsten der repräsentativen Außenfassade ungenutzt bleibt. Es stellt sich also für Steuerzahler und Wissenschaftler die Frage, wieviel mehr Laborfläche für die gleiche Bausumme hätte geschaffen werden können, wenn man auf einen „Baukörper mit sanft modulierter Freiraumgestaltung“ verzichtet und den „bis dato nicht erkennbaren städtebaulichen Bezugsrahmen“ weiterhin unerkannt gelassen hätte. (Die Zitate stammen aus einem Vortrag am HIS-Institut für Hochschulentwicklung zum Thema).

Ein Funktionsbau ist die Kieler „Amöbe“ dennoch. Das wurde klar gestellt, als Mitarbeiter dort im Winter vermehrt über Atemwegs- und Erkältungskrankheiten aufgrund der niedrigen Luftfeuchtigkeit klagten (unter dreißig Prozent 30% relative Luftfeuchte). Beschwerden bei der Technischen Abteilung und dem Betriebsärzlichen Dienst laufen leider ins Leere, weil man die Klimaanlage nicht entsprechend einstellen kann. Sie ist ja schließlich für die Funktionsräume des Funktionsbaus konzipiert, nicht aber für die Gegenwart von Forschern, die darin die Wissenschaft ein gutes Stück weit voranbringen wollen.

Der Bau sollte wegweisend und seine Architektur einmalig sein. Einmalig ist er nicht geworden, denn schon Jahre zuvor hatte die Uni Cottbus ihre Bibliothek in Amöben-Form erstellen lassen. Wie wegweisend die Kieler Amöbe dennoch ist, wird sich erst zeigen, wenn die fleißigen Wissenschaftler darin ein gutes Stück vorangekommen sind — vorausgesetzt, sie sind auf dem Weg dahin nicht längst krank geworden.

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Gerne nehmen wir weitere Berichte über Bausünden an Uni- und Forschungsbauten entgegen…

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Vertrauen ist gut! Kontrolle besser?

4. April 2017 von Laborjournal

Die Geschichte vom wahrscheinlich kürzesten Projektantrag der gesamten Forschungsgeschichte ist mittlerweile gut bekannt: Zehn Jahre, bevor Otto Warburg im Jahre 1931 den Nobelpreis für „die Entdeckung der Natur und der Funktion des Atmungsferments“ erhielt, ließ er seine Sekretärin lediglich die folgenden paar Worte schreiben:

 

Warburg unterzeichnete, ließ den Antrag an die Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft schicken — und bekam umgehend das Geld ohne weitere Nachfrage.

(Die Ironie an der Geschichte ist, dass Warburg ein paar Monate später nicht mal ein Brot für die 10.000 Mark kaufen konnte; die Hyperinflation im Dezember 1922 hatte das Geld in Nullkommanichts vollkommen entwertet. Doch dies nur am Rande — hier soll’s jetzt vielmehr um folgendes gehen:…)

Offenbar hatten die Forschungsförderer zu diesen, Warburgs Zeiten noch Vertrauen in ihre Forscher. Das heißt, zumindest in diejenigen Exemplare ihrer Gattung, die bereits bewiesen hatten, dass hinter ihren Projektideen in aller Regel tatsächlich Substanz steckt. Denn dass Warburg zu den hellsten Forscherköpfen seiner Zeit gehörte, wussten damals auch die Mittel-Verwalter in der Weimarer Republik. Folglich schien auch keiner von ihnen daran zu zweifeln, dass Warburg das Geld sinnvoll verwenden würde — auch ohne die geringste Ahnung zu haben, was genau er damit erforschen wollte.

Klar, dass einem mit Blick auf das aktuelle Forschungsförderungssystem jetzt jede Menge ketzerische Fragen auf der Zunge liegen:

► Hat sich dieses Vertrauen in einen Forscher, der seine Leistungsbereitschaft und Originalität bereits hinlänglich gezeigt hatte, etwa nicht gelohnt?

► Welchen Unterschied hätte es gemacht, wenn Warburg wochenlang damit gebunden gewesen wäre, einen „ordentlichen“ Projektantrag mit all dem üblichen prophetischen Pipapo zu schreiben — und dann erstmal monatelang zu warten?

► Welchen Unterschied hätte es gemacht, wenn Warburg — wie heute üblich — zwischenbegutachtet, bibliometrisch überprüft und sonstwie evaluiert worden wäre?

Auf letztere zwei Fragen ahnen wir die Antwort: Warburg hätte einen gehörigen Teil seiner Zeit von der Forschung abziehen müssen, um Berichte und Folgeanträge zu schreiben. Und einen weiteren ordentlichen Teil hätte er dafür opfern müssen, um in dem heute üblichen „Asthma-Stil“ den für erfolgreiche Antragstellungen notwendigen Publikationsstrom aufrecht zu erhalten.

Man muss kein Hellseher sein, dass Warburgs Genius dies als unzumutbare Gängelung empfunden hätte — und dass im gleichen Atemzug dessen Spaß und Begeisterung für seine Arbeit stark gelitten hätten.

Nicht gerade das Szenario, in dem Nobelpreise gedeihen — oder?

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Wie sich Photosynthese anhört

28. März 2017 von Laborjournal

Schon mal gehört, welche Laute Pflanzen bei Photosynthese machen?  Dann wird’s Zeit! Zoologen (!) der Universität Wien um Helmut Kratochvil starteten vor einiger Zeit mit einem Unterwassermikrophon einen Lauschangriff auf die Flora des Fischteichs Schönau in Niederösterreich — und konnten folgenden „Lärm“ aufzeichnen:

 

 

Hört sich an wie brutzelnder Speck in der Pfanne, oder?

Wie insbesondere die Geräuschmuster der Kanadischen Wasserpest (Elodea canadensis) entstehen und was sie generell den Photosynthese-Forschern sagen können, steht parallel in unserem heutigen Editorial auf Laborjournal online. Und natürlich in der frischen Originalveröffentlichung der Wiener (Scientific Reports 7, Article no. 44526)  — mit dem vielversprechenden Titel: Acoustic effects during photosynthesis of aquatic plants enable new research opportunities.

Allerdings: Tatsächlich hören — wie hier — kann man sie dort nicht.

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Vorsicht, ihr Biohacker und DIY-Biologen!

9. Februar 2017 von Laborjournal

Erst jetzt haben wir mitbekommen, dass das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) bereits vor zwei Wochen eindringlich vor Do-It-Yourself (DIY)-Baukästen warnte, mit denen interessierte Laien echte Bakterien-Gentechnik in ihren eigenen vier Wänden machen können. Die Meldung mit dem Titel „Gentechnik mit Biologiebaukästen: Einfach, aber möglicherweise strafbar“ im Wortlaut:

Durch Genome-Editing-Verfahren wie etwa CRISPR-Cas ist es einfach und preiswert möglich, das Erbgut von lebenden Organismen gezielt zu verändern. Mittlerweile können insbesondere im Internet komplette Biologiebaukästen (so genannte „Do-it-yourself“, bzw. DIY-Kits) aus dem Ausland gekauft werden, mit denen daheim und ohne zusätzliche Geräte das Erbgut von Organismen, z. B. E. coli-Bakterien, verändert werden kann.

Derartige Experimente im heimischen Hobbykeller mögen lehrreich und spannend sein. Abhängig vom konkreten DIY-Kit gilt dafür jedoch das Gentechnikrecht. Dies ist immer dann der Fall, wenn das DIY-Kit gentechnisch veränderte Organismen (GVO) enthält oder wenn damit GVO erzeugt werden. Solche gentechnischen Arbeiten dürfen gemäß § 8 Abs. 1 Satz 1 Gentechnikgesetz (GenTG) nur in gentechnischen Anlagen durchgeführt werden, also in geeigneten, behördlich überwachten Laboren unter Aufsicht eines sachkundigen Projektleiters.

Das heißt, wer DIY-Kits bestellt und außerhalb gentechnischer Anlagen entsprechend anwendet, riskiert gemäß § 38 Absatz 1 Nummer 2 GenTG eine Geldbuße bis zu fünfzigtausend Euro. Falls im Rahmen der Nutzung der DIY-Kits GVO freigesetzt werden, droht gemäß § 39 Absatz 2 Nummer 1 GenTG sogar eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe.

Für Nachfragen steht Ihnen die zuständige Landesbehörde zur Verfügung.

Warum das BVL diese Warnung aktuell für notwendig erachtet, fasst dieser Artikel der Zeitschrift „Make:“ recht gut zusammen. Nach der Recherche des Autors kamen gerade im vergangenen Jahr vor allem im Ausland zahlreiche Geräte und Kits auf den Markt, die dem Kunden nicht nur genetische Analysen, sondern auch gezielte genetische Veränderungen versprechen.

Als Beispiel nennt der Artikel unter anderem das Gerät „DNA-Playground“ der US-Firma Amino Labs. 325 Euro kostet die E. coli-Transformiermaschine, die es dem Kunden erlaubt, mit dem passenden „Engineer-Kit“ die Bakterien etwa derart genetisch umzubauen, dass sie im Dunkeln in allen möglichen Farben leuchten — siehe Video:

 

 

Noch drei weitere Beispiele beschreibt der Artikel, um dann am Ende allerdings auf die Warnung des BVL einzuschwenken:

Viele der Projekte richten sich neben Privatpersonen auch an Bildungseinrichtungen, da Schulen sich speziell eingerichtete Labore mit vielen Geräten kaum leisten können. In Deutschland gibt es allerdings eine Reihe an Forschungseinrichtungen und Museen, die in sogenannten Schülerlaboren biotechnologische Workshops anbieten. Sie halten dabei die Hygienemaßnahmen ein, entsorgen Abfälle sachgerecht und sind bei der zuständigen Behörde gemeldet. Erfolgt dies nicht, so warnt das Bundesamt, drohe eine Geldbuße bis zu fünfzigtausend Euro. Wer gentechnisch veränderte Bakterien in die Umwelt freisetzt, kann sogar mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren bestraft werden.

Ob die Warnungen gehört werden, darf bezweifelt werden angesichts des oftmals geradezu überschäumenden Enthusiasmus, den manche DIY-Biologen hinsichtlich ihrer Garagenlabor-Spielereien an den Tag legen. Vielleicht werden sie auch eher belächelt, da sich die weltweite Community der DIY-Biologen schon seit 2011 selbst einen Ethik-Code auferlegt hat. Genauso wie sie seither Mantra-artig beteuert, dass Biohacking nicht nur von Neugier, Spieltrieb und Ehrgeiz getrieben sei, sondern vielmehr ebenso gesteuert von Vorsicht, Vorausschau und in Kenntnis der jeweils geltenden Gesetzeslage. Schwer zu glauben allerdings, dass dies tatsächlich allen Biohackern weltweit in genügendem Umfang bewusst ist.

Sicher, das BVL muss auf die Gesetzeslage aufmerksam machen. Naturgemäß riecht dies aber immer stark nach Drohung. Vielleicht sollte es sich lieber mal die Mühe machen, die potentiellen Befürchtungen und Gefahren konkret und greifbar zu thematisieren — und damit letztlich das Problembewusstsein der vielen DIY-Zauberlehrlinge nachhaltig zu schärfen. Denn selbst die fänden das Szenario wahrscheinlich ziemlich gruselig, wonach „selbstgebastelte“ Bakterien oder was auch immer wild aus irgendwelchen Haus- und Garagentüren kriechen.

(DIY-Bio-Logo via diybio.org)

In eigener Sache:… „Methoden & mehr“

6. Februar 2017 von Laborjournal

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Was macht die Versuche des Forschers überhaupt erst möglich? Wodurch erhält er am Ende seine Daten? Richtig, durch experimentelle Methoden samt den zugehörigen Geräten und Materialien!

Kein Wunder, werden seit langem schon die entsprechenden Methoden-Beiträge auf Laborjournal online auffällig zahlreich besucht. Und da es über die ganzen Jahre immer mehr geworden sind, haben wir jetzt aufgeräumt: Seit 1. Februar präsentiert Laborjournal online diesen großen Themen-Block anders als bisher — fokussierter, übersichtlicher, prägnanter, dynamischer. Auf diese Weise ist nun eine umfangreiche Plattform entstanden, die wir ganz bewusst „Methoden und mehr“ genannt haben.

Unser gesamtes Archiv an methodischen Beiträgen haben wir dafür aus allen Ecken unseres Servers eingesammelt und dort hineingepackt. Das heißt, knapp 170 „Neulich an der Bench“-Artikel, noch mehr „Tipps und Tricks“, dazu jede Menge Produktübersichten sowie passende „Specials“ (wie etwa dieses zu „Neuen Genetic Engineering Tools“) und „Stichwörter des Monats“ sind dort neu nach methodischen Gattungen zusammengetragen und geordnet.

Doch nicht nur das. Überdies findet man auf „Methoden und mehr“ unter den einzelnen Kategorien neuerdings auch Kataloge und Broschüren der Laborausstatter, wie auch einen Kalender, der speziell Kurse und Fortbildungen zu den jeweiligen labormethodischen Themen auflistet.

Schließlich sollen auch die Anbieter von Laborgeräten und -materialien auf „Methoden und mehr“ zu Wort kommen. In Zukunft werden sie ihre neuen Produkte dort selber vorstellen und beschreiben können — sei es als „Neue Produkte“-Notiz wie im gedruckten Heft, in einem ausführlichen „Whitepaper“ oder vielleicht sogar in einem Video.

Wer weiß, vielleicht kommen auf diese Weise hier ja bald Anbieter und Kunden direkt miteinander ins Gespräch? Diskutieren beispeilsweise Probleme, Fragen und Verbesserungsvorschläge? Oder womöglich helfen sich Leser gegenseitig bei ihren ganz konkreten aktuellen Methodenproblemen?

Viel soll jedenfalls möglich sein auf „Methoden und mehr“, manches vielleicht erst nach und nach. Was davon aber letztlich tatsächlich alles „laufen“ wird, wird am Ende entscheidend davon abhängen, wie sehr die Nutzer das Angebot wahrnehmen.

Und nützlich ist das Angebot schon jetzt, wie man sehr schön an folgendem Beispiel sehen kann. Mitte Januar schrieb uns Rene Bernard, Postdoc in der Experimentellen Neurologie an der Charité — Universitätsmedizin Berlin:

Sehr geehrte Laborjournal-Redaktion,

durch Ihren Beitrag ‚Aquariumkies statt Trockeneis‘ in Laborjournal 05/2015 wurde ich auf Aquariumkies als Kühlmöglichkeit aufmerksam. Dies inspirierte mich, eine labortechnisch einfach umzusetzende Methode zu entwickeln, die diesem Prinzip unterliegt, den Platzaufwand minimiert und die Einsatzzeit maximiert. Details dazu habe ich für jeden zugänglich auf dem bioRxiv-Server abgelegt.

Vielen Dank noch einmal für Ihren Beitrag im Laborjournal 2015, ohne den ich diese Methode nicht getestet hätte.

Wir sind sicher, auf „Methoden und mehr“ warten noch weitere derartige Schätze auf ihre breite Anwendung und Weiterentwicklung. Vielleicht „Western-Blot mit Diät-Drink“? Oder womöglich „Über-Kopf-Mixer mit Teilen aus dem Schiffsmodellbau“? Oder gar „Schockgefrieren mit Damenstrümpfen“? Graben Sie sie aus, liebe Leser!

Oder stellen Sie selbst den Kolleginnen und Kollegen Ihre besten Tricks vor. Klar, auch im Heft. Oder auch gleich hier in der Kommentarfunktion! Gesammelt erscheinen sie am Ende aber alle auf „Methoden und mehr“.

Plötzlich ist alles nur noch mittelmäßig…

16. November 2016 von Laborjournal

Kann es sein, dass die “Publish or Perish”-Regel einen geradezu zwingt, “suboptimale” Forschung zu machen? Auch wenn man es eigentlich gar nicht will?

Wie das passieren kann? Vielleicht etwa so:

Labor-0815Der Großteil an Personal- und Projektmitteln wird inzwischen bekanntermaßen befristet vergeben. Und die Fristen sind zuletzt ziemlich kurz geworden. Was folgt, ist auch bekannt: Doktoranden, Postdocs und alle anderen, die noch nicht am Ende der Karriereleiter angekommen sind, brauchen Veröffentlichungen, um es nach dem Ablauf der aktuellen Bewilligungsrunde hinüber in die nächste zu schaffen. Und auch was dies bewirkt, liegt auf der Hand: Der Ehrgeiz der angehenden bis fortgeschrittenen Jungforscher ist immer weniger darauf ausgerichtet, möglichst robuste und reproduzierbare Ergebnisse zu erhalten, sondern zunehmend darauf, so schnell wie möglich irgendwelche Veröffentlichungen zu produzieren.

Die Folge ist, dass im Schnitt die Anzahl niederklassiger und nicht-reproduzierbarer Ergebnisse zunimmt, während wirklich hervorragende Forschung in dem gleichen Tempo mehr und mehr schwindet.

Aber das ist nicht alles. Denn auch die Chefinnen und Bosse, die es eigentlich mal besser gelernt und praktiziert haben, werden selbst unmerklich zum Teil dieses Spiels — vor allem die, die sich tatsächlich um ihre Mitarbeiter sorgen. Denn was machen sie, um ihren Studenten und Mitarbeitern die schnellen Veröffentlichungen zu ermöglichen, die sie weiter in der Karriere-Spirale halten? Sie versorgen sie mit perfekt gestylten und risikoarmen Mainstream-Projekten, deren Ergebnisse quasi mitten auf dem Weg liegen — mit der Garantie baldiger und sicherer Publikationen…

Bis sie plötzlich merken, dass ihre Forschung auf diese Weise zu einem absolut vorhersehbaren und mittelmäßigen Geschäft heruntergekommen ist. Keine wirklich spannenden Ergebnisse mehr, keine überraschenden Einsichten oder wegweisende Innovationen — stattdessen nur noch das Hinzufügen kleiner Detailkrümel zu einem wohlbekannten Prozess hier oder zu einem bereits gut beschriebenen Phänomen dort.

Wie gesagt: Gewollt realisiert keiner solch ein Szenario…

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